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Marakkaram

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2019

Lügen, Intrigen und ein Hauch von Krimi

Das Savoy - Aufbruch einer Familie
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* Das Savoy war ein Kosmos für sich, der jeden Tag seinen eigenen Sonnenauf- und Untergang erlebte. Hier arbeiteten, bedienten, genossen und vergnügten sich Menschen, die nicht nur aus der ganzen Welt ...

* Das Savoy war ein Kosmos für sich, der jeden Tag seinen eigenen Sonnenauf- und Untergang erlebte. Hier arbeiteten, bedienten, genossen und vergnügten sich Menschen, die nicht nur aus der ganzen Welt kamen, sondern auch für die ganze Welt standen. *

Das Hotel Savoy ist Londons erste Adresse. Hier logiert alles was Rang und Namen hat, die politische, intellektuelle und künstlerische Avantgarde Europas. Seit Jahrzehnten liegen die Geschicke in der Hand von Sir Laurence Wilder, dem alten Patriachen, der seinem Lebenswerk seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat. Als Laurence zusammenbricht deutet alles auf einen leichten Herzinfarkt hin, aber er selber ist davon überzeugt jemand wolle ihn umbringen, vergiften. Nur die Paranoia eines alten Mannes oder sollte wirklich jemand Interesse daran haben, ihn aus dem Weg zu räumen....

Ich finde Romane über Hotels immer wieder faszinierend, all die Geschichten, die sich hinter verschlossenen Türen abspielen, die Welt des Personals usw.

Das Savoy von Maxim Wahl hat mich besonders gereizt, weil es ein weltbekanntes, traditionsreiches Haus ist und er seinen Roman in einer sehr spannenden Zeit, den 30iger Jahren, ansiedelt.

Allerdings bin ich es von historischen Geschichten dieser Art gewohnt, dass es ein Nachwort gibt, aus dem Fakten und Fiktion ersichtlich sind und war ziemlich irritiert, dass das hier nicht der Fall ist. Sehr schade, zu wissen, was von der Kernstory der Familiengeschichte wahr ist, wäre schon interessant gewesen - meine eigenen Recherchen waren da wenig ergiebig. Und in diesem Roman konzentriert sich alles auf die Familie und ihr Umfeld. Insbesondere auf Violet, die Enkelin, die im Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und Familientradition steht.

Und dennoch bleibt der Autor Maxim Wahl recht oberflächlich im Leben seiner Charaktere. Man erfährt kaum privates, wenig Hintergründe oder Vergangenheit der Protagonisten. Trotz alledem versteht er sein Handwerk und schafft es mit wenigen prägnanten Worten Charaktere zu skizzieren, die einem ganz klar vor Augen stehen und die man so schnell auch nicht wieder vergisst - obwohl man kaum tiefergehend etwas von ihnen erfährt.

Mir hat die Familiengeschichte mit überraschendem Krimi unheimlich gut gefallen - allerdings gerieten dadurch das Alltagsgeschehen im Hotel und die Gäste ziemlich in den Hintergrund und es gab auch leider wenig Savoy-spezifisches Flair. Ich bin gespannt, ob sich das mit dem zweiten Teil ändert.

Fazit: Das Savoy von Maxim Wahl ist kein sehr anspruchsvoller Roman, aber er hat mich richtig gut unterhalten und ich freue mich schon auf den nächsten Band.

Veröffentlicht am 06.08.2019

Liebesgeschichte mit Charme und einer Portion Realismus

Herzklopfen nicht ausgeschlossen
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** Unverhohlene Schadenfreude blitzte in den Augen seines Bruders auf. Leo stieß einen frustrierten Laut aus. "Warum muss es unbedingt ein Altenheim sein? Til Schweiger durfte auch in einen Kindergarten."

Tja, ...

** Unverhohlene Schadenfreude blitzte in den Augen seines Bruders auf. Leo stieß einen frustrierten Laut aus. "Warum muss es unbedingt ein Altenheim sein? Til Schweiger durfte auch in einen Kindergarten."

Tja, Til Schweiger hatte ja auch keinen Rollator geklaut und war damit in einen Polizeiwagen gecrasht.
Und so wird Leo zu 100 Sozialstunden verdonnert, wo er auf die kratzbürstige Feli trifft. Die hat ihr Medizinstudium erstmal an den Nagel gehängt, um sich das Altenheim für ihre an Demenz erkrankte Großmutter leisten zu können.
Leo und Feli trennen Welten, trotzdem muss sie irgendwann feststellen, dass sie sich Leo`s Charme nicht ganz entziehen kann und auch Leo ist verwirrt, dass dieser Rotschopf so oft in seinen Gedanken auftaucht....

"Herzklopfen nicht ausgeschlossen" ist ein wunderschön leichter, romantischer Liebesroman und mittlerweile bereits mein dritter Roman von der Autorin.

Julia Hanel hat einfach ein Händchen für authentische und unheimlich sympathische Charaktere, die im Laufe der Zeit eine sichtbare Entwicklung durchmachen und mit denen man sich leicht identifizieren kann - das macht ihre Romane so besonders.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und humorvoll. Julia Hanel erzählt abwechselnd aus Leo´s und Feli`s Sicht, was schöne Einblicke in die jeweiligen Gedanken zulässt und die Geschichte unheimlich abwechslungsreich und locker gestaltet.

Auch die Nebenrollen sind wieder großartig besetzt, herrlich humor- und liebevoll sorgen sie für so manchen Schmunzler.
Feli`s Großmutter schließt man sofort ins Herz. Allerdings wird das Thema Demenz hier wirklich nur ganz am Rande und sehr oberflächlich gestreift (es also nicht unbedingt eine Geschichte über Demenz/Alzheimer).

Fazit: Ein locker-leichter Liebesroman, perfekt zum Zurücklehnen und Abtauchen. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Romane der Autorin.

Veröffentlicht am 28.07.2019

romantischer Easy Read

Perfectly Broken (Bedford-Reihe 1)
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* "Ein Klopfen bedeutet, dass man reden will." Zufrieden nicke ich, weil ich meine Idee grandios finde. Und dabei habe ich sonst nie Ideen. Von grandiosen ganz zu schweigen." *

Ein Jahr ist es her, dass ...

* "Ein Klopfen bedeutet, dass man reden will." Zufrieden nicke ich, weil ich meine Idee grandios finde. Und dabei habe ich sonst nie Ideen. Von grandiosen ganz zu schweigen." *

Ein Jahr ist es her, dass ihre große Liebe Thomas bei einem Autounfall starb. Um die täglichen Erinnerungen hinter sich zu lassen, zieht Brooklyn mit ihrem Spitz Ghost von Manchester nach Bedford, wo sie als Kellnerin in einem Cafe anfangen kann. Auch eine Wohnung ist rasch gefunden. Sie hat nur einen klitzekleinen Haken, im Schlafzimmer, direkt neben dem Bett, befindet sich eine Tür in die Nachbarwohnung. Und das Ganze ist so hellhörig, dass man jedes Wort verstehen kann. Nach einem unglücklichen Zwischenfall gleich am ersten Morgen, freundet sie sich mit Chase an, besteht jedoch darauf, dass er nur eine Stimme bleiben darf, sprich, sie sich nie sehen oder begegnen werden. Schwierig, wenn man Tür an Tür wohnt, aber Brooklyn ist fest entschlossen, sich nie wieder zu verlieben....

Puh, was soll ich sagen... Mir schossen so viele Dinge nach dem Lesen gleichzeitig durch den Kopf.
Vor allem, dass ich die Dramatik des Kernthemas vor einiger Zeit schon einmal in einem Roman von Brittainy C. Cherry gelesen habe und da hat es mir wirklich die Luft zum Atmen genommen. Hier war es etwas vorhersehbar und blieb auch dann beim Easy Read.

Keine Frage, "Perfectly Broken" ist ein wirklich schöner Liebesroman, der nur so dahinfliegt und er hat mich unglaublich gut unterhalten - deswegen gibt es auch 4 Sterne.

Aber mich hätte es auch nicht wirklich überrascht, wenn es eine Wattpad-Story gewesen wäre. Ohne das jetzt groß negativ bewerten zu wollen. Doch es ist teilweise schon arg kitschig und ich kann eigentlich gut mal ne Portion Kitsch vertragen. Es geht fliessend von romantisch bis absolut unglaubwürdig und das hat mir manchmal einfach die Emotionalität genommen. Und -wie gesagt- hätte ich vielleicht ein wenig am Rädchen der dramatischen Situation gedreht, aber der Roman unterhält trotz allem.

Sarah Stankewitz hat einen einfachen, flüssigen Schreibstil, ohne lästige Angewohnheiten ihrer Protas und Wiederholungen. Die Charaktere sind sehr sympathisch, vor allem auch die Nebenfiguren, die sehr authentisch rüberkommen.

Unheimlich positiv hat mich überrascht, dass die tatsächlichen Liebesszenen relativ wenig Platz einnehmen und sehr geschmackvoll sind. Und mit Brooklyns Liebe zu Young Adult Büchern und den dazugehörigen Bad Boys, hatte sie mich sofort an der Angel (weswegen ich davon ausgehe, dass auch die Autorin Brittainy C. Cherry kennt) - und mit Coldplay gleich nochmal mehr, aber auch GoT-Fans kommen auf ihre Kosten.

Fazit: Eine angenehm locker-leichte Liebesgeschichte, die trotz ernster Thematik oft ein wenig oberflächlich bleibt und einen relativ hohen Kitschfaktor aufweist - und trotzdem hat mich die Autorin begeistert! Ein toller Urlaubsroman.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Eine Geschichte über Familie und angekommen sein

Endlich sein
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* Macht es so einen Unterschied, was wir gelernt haben oder was wir für unseren Lebensunterhalt arbeiten? Ist es nicht wichtiger, wer wir sind und nicht, was wir tun? *

Lange wusste Liv nicht so richtig, ...

* Macht es so einen Unterschied, was wir gelernt haben oder was wir für unseren Lebensunterhalt arbeiten? Ist es nicht wichtiger, wer wir sind und nicht, was wir tun? *

Lange wusste Liv nicht so richtig, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Ohne Ausbildung jobte sie mal hier mal da. Aber als auch ihrem Mann Mikkel so langsam die Geduld mit ihrer Ziellosigkeit ausgeht, stösst sie in Lonstrup auf einen kleinen Laden und hat spontan die Idee ein Bistro zu eröffnen.
Als sich dann plötzlich die Vergangenheit bei ihr meldet, muss Liv sich entscheiden, ob sie sich ihr stellen soll oder nicht....

"Endlich sein" ist bereits der 3. Teil der Reihe, kann aber unabhängig gelesen werden, da es hier um Liv geht (in den ersten Bänden stand Ihre Freundin Inken im Mittelpunkt). Ich kannte die Vorgänger nicht und bin ohne Probleme in Jütland angekommen.

Liv ist eine sehr unkonventionelle Person, eine Aussenseiterin, die ihr Leben lang auf der Suche war und im kleinen Lonstrup endlich angekommen zu sein scheint.
Inken Ibsen s Geschichten sind aus dem Leben gegriffen. Liv und ihre Freunde haben Alltagsprobleme und Existensängste. Hier geht es um Familie, Freundschaft, Liebe, Tod, Verzeihen, Gemeinschaft und Neuanfang. Und das ist es, was "Endlich sein" ausmacht, man findet sich in den Charakteren wieder und es könnte auch die eigene Clique sein. Das hat mir sehr gefallen und so manches Mal auch ein wenig nachdenklich gemacht.

Der Schreibstil ist einfach, klar und flüssig. Vor allem aber transportiert er die dänische Nordseeatmosphäre und den Dorfcharme sehr schön.

Fazit: Trotz teils recht ernster Themen, ein schöner, leichter Sommerroman, der Spaß macht und bestimmt nicht mein letztes Buch von Inken Ibsen.

Veröffentlicht am 01.07.2019

Rasanter Pageturner

Something in the Water – Im Sog des Verbrechens
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* Haben Sie sich jemals gefragt, wie lange es dauert, ein Grab auszuheben? Dann können Sie aufhören, darüber nachzudenken. Es dauert eine Ewigkeit. *

Mit diesen Sätzen begrüsst Erin die Leser und man ...

* Haben Sie sich jemals gefragt, wie lange es dauert, ein Grab auszuheben? Dann können Sie aufhören, darüber nachzudenken. Es dauert eine Ewigkeit. *

Mit diesen Sätzen begrüsst Erin die Leser und man muss über ihre Art unwillkürlich schmunzeln, fragt sich jedoch gleichzeitig, wie um Gottes Willen sie an diesen Punkt gekommen ist.

Und dann fängt Erin an zu erzählen; von ihrer Hochzeit, dem plötzlichen Jobverlust ihres Mannes Mike, ihrem Filmprojekt und den Flitterwochen... Diesen zwei Wochen auf Bora Bora, die sie sich eigentlich gar nicht mehr leisten können und in denen sie eine unglaubliche Entdeckung machen, die von da an ihr restliches Leben bestimmt.

Okay, Catherine Steadman erfindet das Thriller-Rad nicht neu, aber sie weiß hervoragend zu unterhalten.

Ihr Schreibstil ist rasant und der Spannungsbogen, manchmal nur durch Kleinigkeiten, konstant hoch, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Sie treibt ihre Hauptprota Erin fast schon unbarmherzig durch den Plot, was diese aber sehr gelassen nimmt.

Die Geschichte ist komplett aus Erins Sicht erzählt und das sehr locker, unkompliziert und frei Schnüss, Gedankengänge ohne Filter quasi. Das ist amüsant, unheimlich spannend und entwickelt seinen ganz eigenen Sog. Man muss einfach wissen, wie es weitergeht.
Das Interessante an Erin, man fragt sich ganz oft, ist das einfach Naivität oder getarnte Intelligenz? Bei ihren Gedankengängen hab ich des öfteren innerlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, aber dann wiederum muss man ihr zugestehen, dass sie teilweise echt was auf dem Kasten hat. Oder ist alles nur "Bauernschläue"...???

An der ein oder anderen Stelle ist die Story vielleicht ein wenig zu edgy, aber dafür weiterhin sehr unterhaltsam. Vor allem das Ende ist stimmig, gut umgesetzt und bleibt seinem Konzept treu.
Was will man mehr?

Klar, jedem der viele Krimis liest, wird an einem bestimmten Punkt klar sein, wo die Reise hingeht. Mir auch und trotzdem fand ich es lesenswert und durch gewisse Randfiguren, spannend bis zum Schluss.

Fazit: Ein intelligenter, rasanter Thriller - manchmal ein wenig over the top, aber durchweg spannend und sehr unterhaltsam.