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Veröffentlicht am 03.03.2020

Der Altersangabe entsprechend gruselig und spannend

Die Ungeheuerlichen - Das Böse ist auf deiner Seite
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„Hausregel Nr. 1: Bring dich nicht um Kopf und Kragen,
meide Männer, die Masken tragen. […]
Hausregel Nr. 2: Shady darf laufen, schlafen, prassen,
aber nie das Haus verlassen. […]
Hausregel Nr. 3: Beim ...

„Hausregel Nr. 1: Bring dich nicht um Kopf und Kragen,
meide Männer, die Masken tragen. […]
Hausregel Nr. 2: Shady darf laufen, schlafen, prassen,
aber nie das Haus verlassen. […]
Hausregel Nr. 3: Beim Schwarzen Mond am Himmelszelt:
Schließ ab die Tür, schließ aus die Welt. […]
Hausregel Nr. 4: Ob am Tag oder bei Nacht,
nie wir das Halsband abgemacht. […]
Hausregel Nr. 5: Wenn die Runen versagen und Nobolde dich plagen,
verletz nicht eine, sondern alle.“ (S.296-297)

Riley lebt mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in Morderfurt und hat einen Vater, der als Soldat des Fürsten Hinter dem Schiefer im Wald verschwunden ist. Mit ihren beiden Freunden Quinn und Folley treibt sie ihr Unwesen in Morderfurt und hofft, dass die Ungeheuerlichen zurück kommen.

Laut den Geschichten im Dorf haben die Ungeheuerlichen einst Morderfurt von den Nobolden befreit. Doch der Fürst hat, obwohl er ihnen Frieden versprochen hat, den Pakt gebrochen und sie als Verbrecher vertreiben lassen. Die Dorfbewohner leben seitdem in großer Angst. Sie fürchten nicht nur die Rückkehr der Nobolde, sondern auch die ungerechten Gesetze des Fürsten.

„Bewohner von Moderfurt […]. Es wurde bestätigt, dass ein Halbwasser-Tiefland.Nobificus – allgemein bekannt als Nobold – von glaubwürdigen Quellen im und um das Dorf herum gesichtet wurde.“ (S. 124)

Nobolde sind die „übelsten und bösartigsten“ (S. 30) Geschöpfe, die Hinter dem Schiefer hausen. Sie haben „ledrige Haut, große Ohren und eine spitze Nase“ (S. 93). Sie sind sehr groß, knochig und haben lange Bärte. Oft tragen sie Ketten mit menschlichen Fußpaaren um den Hals und Fischhaken in Ohren und Nase. Sie plündern Ställe und Gärten und niemand ist vor ihnen sicher.
Als Riley einem Nobold begegnet, setzt das eine Reihe merkwürdiger Ereignisse in Gang, die sie am Ende sogar auf die Burg des Fürsten führt. Dabei entdeckt sie, dass viele Geschichten unwahr und manche Lügen wahr sind.

Die vom Verlag vorgegebene Altersempfehulng ab 11 Jahren ist angemessen. Denn obwohl die Erzählweise sehr einfach ist, gibt es gruselige Stellen, die für Jüngere nicht geeignet sind. Einige Zusammenhänge sind zu abstrakt, als dass Kinder sie erkennen können. Doch mit elf Jahren gehört einem die Bücherwelt, es gibt vieles zu entdecken und zu lernen. Riley ist genau der richtige Charakter, um die Welt in Morderfurt zu erforschen und die Geheimnisse aufzudecken. Damit man in dem Dorf nicht verloren geht, gibt es in dem Buch eine detaillierte Karte, die alle wichtigen Orte zeigt. Buch auf und abtauchen in die Welt von Riley und den Ungeheuerlichen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.07.2019

Zum mehrmals lesen

Wir und Es
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Wir und Es von Larissa Schwarz zieht den Blick durch das farbenfrohe Cover auf sich. Die Farbgestaltung und der Titel lassen auf ein Genderbuch schließen. Dabei enthält dieses Buch Geschichten über die ...

Wir und Es von Larissa Schwarz zieht den Blick durch das farbenfrohe Cover auf sich. Die Farbgestaltung und der Titel lassen auf ein Genderbuch schließen. Dabei enthält dieses Buch Geschichten über die Kindheit, das Erwachsen werden, Außenseiter sein, die eigene Identität, Mobbing und Reue. Es geht um die Leben von Ketchupkopf, Mister Softie, Robin, Der Geiger und Die Anwaltstochter. Dass Robin der einzige Charakter mit einem richtigen Namen ist, verdeutlicht, welche Rolle Robin spielt.

„Sie nennen ihn Es, wie den Clown aus Stephen Kings gleichnamigen Roman.

Wie wir damals Robin.

Was soll man dazu sagen? Geschichte wiederholt sich. Auch im Kleinen.“ (S.71)

Robin ist „das burschikose Mädchen aus der letzten Reihe“ (S.7), die „Freundin, die keine sein wollte. Eher ein Freund. Oder etwas, für das es keinen Namen gab.“ (S. 8) Durch Sonderbehandlungen gerät Robin ungewollt in den Mittelpunkt, denn die Mitschüler verstehen nicht, warum Robin eine eigene Umkleide braucht oder den Schlüssel für die Lehrertoilette hat. In den Neunzigern ist eine derartige Identitätskrise noch unbekannt, unerkannt und stößt auf Unverständnis und Abneigung.
Trotz der Unsicherheit über die eigenen Identität und das eigene Sein, kommt Robin nicht umhin in Schubladen zu denken. „In diesem Augenblick denke ich zwar nicht darüber nach, aber ich weiß jetzt, dass ich keine Lesbe bin.[…] Wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mich in eine Schublade zu stecken gedenke, in die ich nicht gehöre“ (S.40) Für Robin scheint es nur eine Lösung zu geben: „Wenn ich mich endlich entscheiden würde, richtig entscheiden, dann hätte ich es so viel einfacher. Dann würden sich alle meine Probleme lösen. Weil ich ja dann eine Frau wäre. Oder eben ein Mann. Und dann eben auch jemanden lieben könnte.“ (S.65)

„Für mich war Robin immer mein bester Kumpel. Mit Periode, Brüsten, maskuliner Attitüde und Jungs-Styling. So weit, so normal.“ (S.24)

Eine gute Freundin von Robin während der Schulzeit ist Ketchupkopf. Sie wurde als Kind schon beim Spielen ausgeschlossen, weil sie immer früh zu Hause sein musste und lieber ihre Nase in Bücher gesteckt hat. Weil Kinder gemein sind, lässt Ketchupkopf sich von deren Meinung beeinflussen: „Ich fand mich fortan nicht mehr nur hässlich, sondern auch dumm.“ (S.6)
Sie wird sogar von den Lehrern als Außenseiter behandelt, weil sie nur mit den Außenseitern (Robin und Der Geiger) befreundet ist. So fördert sie das Bild, was andere von ihr haben. Fortan ist sie die „eigenbrötlerische Buchnärrin mit der Vogelnest-Frise und der großen Klappe.“ (S.25)
Während Robin mit der eigenen Identität hadert, kämpft Ketchupkopf mit ihrer Außendarstellung: „Ihr süßes Köpfchen hat nämlich mehr zu bieten als das rote Fell und diese fiese, spitze Zunge.“ (S.34)

Mister Softies Vater starb, als er gerade 12 und in England in einem Vergüngungspark war. Ihm wurde erst von dem Tod berichtet, als er wieder zurück nach Hause kam. „Was blieb, war[…] Verdrängung“ (S.10), sowohl von seiner Mutter, als auch von ihm. Er lernt schnell, Rücksicht zu nehmen. „Na gut, Mama, dann halt nicht. Ich war es ja gewohnt, Rücksicht zu nehmen.“ (S.11) Nachdem er von der Schule flog und den Wehrdienst verweigerte, landet er bei der Freiwilligen Feuerwehr, wo er auf Ketchupkopf traf. „Ich würde in Teufels Küche kommen, wenn ich mich ihr nähere. Und in den Knast. Ans Ende der Nahrungskette.“ (S.29)

Die Anwaltstochter gehört auf den ersten Blick zu den begünstigten Kindern in dieser Geschichte. Der Vater ist Anwalt, die Mutter Lehrerin und Malerin. Sie hat zwei jüngere Brüder, ist aber „ihr liebstes Kind. […] Schließlich war ich der Grund, warum sie geheiratet haben und es meine beiden Brüder überhaupt gibt.“ (S.18) Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wird auch hier deutlich. Es gibt Anspielungen, die man erst beim erneuten Lesen begreift. „Der Kleine hat nie seine Strafe erhalten. Wenn Papa mit uns fertig war, durfte er mit ihm ins Arbeitszimmer. Sie hörten laut Musik und Papa trug ihn schlafend ins Bett.“ (S.19-20)

Der Geiger ist sonderbar, ein Außenseiter mit einem Nischen-Talent. Er ist der Sohn einer alleinerziehenden Ordnungsbeamtin, hat den Ruf als Streber und Lehrerliebling und ist schon immer in die Anwaltstochter verliebt. Er steht sehr unter der Fuchtel seiner Mutter: „Meine Mutter hatte sie [Jacke, Anm. der Bloggerin] mir rausgelegt und mir bestätigt, dass sie mich bestens kleide. Wie mir auch der Pottschnitt ganz wundervoll stand. Und das Geigenspiel.“ (S.15) Als Erwachsener ist er Musiklehrer und erlebt aus einer anderen Perspektive, wie es Kindern mit einer Identitätskrise ergeht. Das lässt ihn viel über seine Vergangenheit nachdenken. „Wir hatten in die Privat-, nein fast schon in Robins Intimsphäre eingegriffen, als wir nach Hygieneartikeln gesucht hatten.“ (S.57)

Jede Person erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive in der eigenen Umgangssprache. Vor allem bei Ketchupkopf sticht diese sehr hervor. Robin ist dabei eine Nebenperson, deren Werdegang durch die Augen der anderen beschrieben wird. Wie alle Protagonisten miteinander verbunden sind, wird erst am Ende deutlich.
Wir und Es ist nicht, wie es den Anschein macht, ein Genderbuch. Es ist ein Buch über Mobbing und das Erwachsen werden aus unterschiedlichen Perspektiven, unter anderem auch aus der Perspektive des Mobbingopfers und der Täter.

„In diesem Moment beschließe ich, mich mehr an dem zu erfreuen, was wir haben, und achtsamer mit dem Glück umzugehen, das uns beschieden ist. Ich nehme mir vor, mich nicht schuldig zu fühlen, sondern dankbar dafür zu sein, dass ich weiß, wer ich bin, und mich damit identifizieren kann.“ (S.79)

Veröffentlicht am 13.07.2019

Guter zweiter Teil

Magus
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„Kol verdarb alles und jeden. Die Adligen waren die Quintessenz des Bösen, das die Metropole am Laufen hielt.“ (S. 25)

In zweiten Teil der Bestien Chroniken geht es vor allem um den Ursprung der Magie ...

„Kol verdarb alles und jeden. Die Adligen waren die Quintessenz des Bösen, das die Metropole am Laufen hielt.“ (S. 25)

In zweiten Teil der Bestien Chroniken geht es vor allem um den Ursprung der Magie in der Welt. Dieser wird zwischen den Kapiteln durch Auszüge aus verschiedenen Schriften näher beleuchtet. Sie beschreiben den Weg von den ersten Experimenten, Magie in die Welt zu bringen, bis hin zur Etablierung der sieben mächtigsten Familien in Kol, die die letzte Stadt der Menschen beschützen sollen.

Da Kol die letzte Stadt der Menschen ist, zentriert sich die Aufmerksamkeit der Geschichte auf genau diese. Balger durchquert allein die weiten Lande, nicht wissend, was aus Tarl, Ceres und Magnus geworden ist. Sie finden sich in der Arena als Gladiatoren wieder. Da die Kaiserwahl unmittelbar bevor steht, nutzt Gaius Acilius, Lucas Vater, die Spiele für seine Zwecke. Um als Kaiser gewählt zu werden, ist ihm jedes Mittel recht.

„Bei diesen Sonderspielen galt die spezielle Regel, dass alle Kämpfe an einem Tag stattfanden und nicht wie üblich an dreien. Das Volk sollte danach schließlich so schnell wie möglich zu den Wahlurnen schreiten. Wählen durften zwar nur diejenigen, die es sich leisten konnten, aber es war dennoch eine schöne Tradition, den Schein von Demokratie und Mitbestimmung aufrechzuerhalten, und glücklicherweise dachte fast niemand darüber nach, weil die Wahlspiele so besonders schön blutig und aufregend waren.“ (S.254)

Während sich die Gladiatoren auf die Spiele und die sieben Familien auf die Kaiserwahl vorbereiten, herrschen Unruhen in einigen Stadtteilen Kols. Niemand weiß, woher die Unruhen so plötzlich kommen. Die Stadtwache ist machtlos. „Ich habe von einer der Wachen gehört, dass Tiburtina und Aurelia, die Viertel der Aufstände, von Mauern umschlossen wurden. Niemand darf heraus oder hinein.“ (S.182)
Tarl, gefangen in der Arena, weiß jedoch durch sein Talent des Fühlens ganz genau, warum die Menschen verrückt spielen: der Weiße Schatten treibt sein Unwesen in Kol. Ein Ammenmärchen, um den Kindern Angst zu machen, weswegen niemand Tarl Glaube schenkt. Einzig sein alter Lehrmeister Mammercus hat eine Ahnung und versucht alles, um Kol vor dieser Bestie zu beschützen.
Nicht nur Tarl lernt seine Gabe besser kennen, auch Ceres, die stotternde Magi lernt ihre Fähigkeiten besser zu nutzen, kann sie jedoch nicht ausreichend vertiefen, da in den Katakomben der Arena zaubern verboten ist.
Nur bei dem Zwerg Magnus scheint sich nichts geändert zu haben: er ist wieder der Narr der Arena und wird in die Intrigen der Familie Acilius hineingezogen. Ohne seine Freunde Tarl, Ceres und Balger, scheint er allen Lebensmut verloren zu haben.
Neben den zahlreichen Geschehnissen in Kol, rücken Balgers Abenteuer in den Hintergrund. Das Cover des dritten Bandes lässt jedoch vermuten, dass er dort eine größere Rolle spielen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die homoerotischen Beschreibungen seiner Muskeln in den Hintergrund treten oder sogar ganz verschwinden.

Im ersten Teil hat Tarl eine Bindung zu einem Acidum aufgebaut und es Pila genannt. Pila spielt in diesem Teil eine wichtige Rolle: es verstärkt Tarls Fühlfähigkeit und unterstützt ihn außerhalb der Arena. Es hat sogar gelernt sich mit Tarl zu unterhalten. „Die Bestie rollte wieder vor und zurück, so als würde sie dadurch ein Kopfnicken imitieren.“ (S.197) Die Kapitel aus Pilas Sicht sind gelungen, da sein Denken einfach und zielorientiert ist. Seine Bindung zu Tarl kommt dabei sehr deutlich hervor und seine außergewöhnliche Liebe für Katzen macht es niedlicher, als es in Bestias bereits war.

Die Entwicklung von Ceres, Tarl, Balger und Magnus ist gut zu verfolgen und nachvollziehbar. Die Kapitel einiger Antagonisten bringen etwas Licht ins dunkle Treiben von Kol. Die Auszüge aus den Alten Schriften geben Hintergrundinformationen, die die Reichen der Stadt dem Volk enthalten. So schafft der Autor ein stimmiges Gesamtbild, welches nur von den Bestien gestört wird. Sie stellen eine greifbare Bedrohung dar, die niemand wahrzunehmen scheint. Obwohl alles an das alte Rom erinnert, gibt es einige Parallelen zu der heutigen Gesellschaft. Die wichtigste Frage in diesem Buch bleibt jedoch bestehen: Wer sind die wirklichen Bestien?

„Deswegen sehen wir die Bestien nicht als Feinde oder Monster. Sie sind genauso Opfer wie wir und wurden mit Gewalt aus ihrer Welt in unsere verfrachtet. An einen Ort, den sie nicht kennen und der sich vermutlich stark von ihrem wirklichen Zuhause unterscheide. Sie taten das, was jede Lebensform in dieser Situation tun würde: überleben.“ (S.242)

Veröffentlicht am 03.07.2019

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung im islamisierten Norden

Wintermaid
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Lhan ist die Wintermaid. „Die Jungfrau, die alle zehn Winter ausgesandt wurde, um den Bergen zu zeigen, wer die wahren Herrscher im Gebirge waren. Nicht die Schneestürme, Lawinen, Steinschläge oder Eisgeister. ...

Lhan ist die Wintermaid. „Die Jungfrau, die alle zehn Winter ausgesandt wurde, um den Bergen zu zeigen, wer die wahren Herrscher im Gebirge waren. Nicht die Schneestürme, Lawinen, Steinschläge oder Eisgeister. Nein, die Menschen waren es. Denn selbst ein schwaches Mädchen konnte es mit dem Winter in den Bergen aufnehmen und ihn bezwingen.“ (S.19)
Deswegen sitzt Lhan mit einem verletzten Knöchel und einem sterbenden Widder in einer Höhle und lauscht den Schreien eines Eisgeistes. Sie hat Angst. Sie hat so viel über Eisgeister gehört: „Jedes Kind wusste was mit Menschen geschah, die von einem Eisgeist gebissen wurden. Sie verwandelten sich selbst in Eisgeister, dazu verdammt im Gebirge zu hausen und des Nachts in die Häuser einzudringen, um Säuglinge im Schlaf zu ersticken oder Menschen bei lebendigem Leibe aufzufressen.“ (S. 26)
Ihr gesamtes Wissen über Eisgeister hat sie vom Zeremonienmeister gelehrt bekommen. Zwei Jahre lang wurde sie darauf vorbereitet die Wintermaid zu sein. In ihrem Dorf herrschen die Männer. Frauen gehören den Männern und dürfen ohne männliche Begleitung das Haus nicht verlassen. Deswegen ist es eine große Ehre als Wintermaid in die Berge zu ziehen. „Als gäbe es eine Frau, die über ausreichend Verstand verfügte, ein Volk zu regieren. […] Jedes Kind wusste, dass nur Männer geborene Anführer waren. Frauen zählten lediglich zum Besitz eines Mannes. Im Grunde waren sie nicht einmal richtige Menschen.“ (S. 40) „Bei einem Brand bestanden die Männer im Dorf darauf, dass ihre Frauen eher verbrannten, als das sie von anderen Männern auf offener Straße angeschaut werden konnten.“ (S.91)

In den Bergen trifft sie auf einen Eisgeist, betäubt ihn und schafft ihn in ihr Dorf zurück. Auf dem Weg dahin, plappert der Eisgeist viel unsinniges Zeug und Lhan ist bemüht sich nicht davon durcheinander bringen zu lassen. „Sie wollen, dass du hier oben stirbst“, fuhr der Eisgeist fort. „Du bist ein Opfer für die grausamen Götter der Berge. Dein Tod soll sie besänftigen. Dabei gibt es gar keine Götter in den Bergen, nur die Kräfte der Natur. Erosion, Tektonik, Feuer speiende Berge, Lufstströme ...“ „Schweig!“ […] „Eisgeister sind wie die Kirschvögel, […]. Sie reden nicht, sie plappern nur wirres Zeug.“ (S. 36)
Sie kann dem Eisgeist nicht glauben, obwohl sich im Dorf schnell zeigt, dass er mit seiner Aussage recht hat.

Der Dorfalltag, in dem Frauen nichts dürfen, nichts können und schon gar nichts sind, ist überspitzt dargestellt. Viele Verhaltensweisen, Ansichten und Regeln sind überzogen, wie oben im Zitat von S.91 gezeigt. Der Vergleich mit dem Islam drängt sich förmlich auf.
Die gleichberechtigte Gesellschaft der Eisgeister steht dazu im starken Kontrast . Sie werden von einer Königin regiert, teilen ihr Wissen mit allen und sind von Grund auf friedliche Wesen.
Die Wintermaid Lhan ist das beste Beispiel dafür, wie sehr die Frauen unterdrückt und dumm gehalten werden: sie wiederholt alles über die Eisgeister, was sie vom Zeremonienmeister gelernt hat, obwohl ihre Beobachtungen dem widersprechen, wie im Zitat oben von S. 26. Als sie ins Dorf zurück kehrt, wird ihr offenbart, dass sie an einen Mann verkauft wurde und akzeptiert dies nur widerwillig. „Ihr Ehemann würde stolz auf sie sein. […] Aber wenn sie dem alten Horg eine ergebene Ehefrau wäre, dann könnte sie es vielleicht wagen, ihn um Geld für ihre Mutter zu bitten.“ (S.58-59) Die Sitten sind barbarisch: „Ich habe den Beschneider einbestellt. Morgen Nacht […] macht er aus dir eine richtige Frau. Das ist mein Hochzeitsgeschenk für dich.“ (S.75)

In Wintermaid gibt es zwei zentrale Themen: Lhans Abenteuer in den Bergen und die Rolle der Frauen in ihrem Dorf. Im Anhang findet sich „Eine unsortierte Faktensammlung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt“ (S.189) mit einigen Fakten und ihren Quellen bezüglich der Unterdrückung der Frau in der heutigen Zeit.
Es bleibt zu hoffen, dass Lhan sich nicht in eine männerhassende Feministin wandelt, die das generische Maskulinum ablehnt und in ihrem Hang zur Gleichberechtigung den Gender* überstrapaziert. Dahingehend habe ich hohe Erwartungen an die Fortsetzung, die von der Autorin schon angekündig wurde.

Veröffentlicht am 16.06.2019

Über den Wolken ...

Aeronautica
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Die Aufmachung der Bücher aus dem art skript phantastik Verlag macht jedes Buch zu etwas besonderem, schon bevor man in die Geschichten überhaupt eintaucht. Dieses Buch ist außen schlickt gehalten mit ...

Die Aufmachung der Bücher aus dem art skript phantastik Verlag macht jedes Buch zu etwas besonderem, schon bevor man in die Geschichten überhaupt eintaucht. Dieses Buch ist außen schlickt gehalten mit bronzefarbener Schrift und Verzierungen auf dunkelblauem Hintergrund. Innen sind die Seiten mit Wolken hinterlegt, sodass ich mich schon beim bloßen Anblick über den Wolken befinde. Die Innenseiten der Broschur ist mit einer alten Weltkarte geschmückt. Wie immer ist die gesamte Aufmachung sehr stimmig.

Die Geschichten sind vielfältig wie ihre Autoren, die vor jeder Geschichte kurz vorgestellt werden. Die Beschreibung von Paul Tobias Dahlmann fand ich bereits schwierig und „Kurs Nord-Nordzenit“ hat diesen Eindruck bestätigt. Der Schreibstil ist altmodisch, die Geschichte mit den Geistern verwirrend. Es entsteht das Gefühl, als fehle etwas in der Kurzgeschichte und hinterlässt Fragen zu den Hintergründen des Geschehens.
Eine andere Geschichte, die mich nicht angesprochen hat ist „Weißer Teufel oder Die Möwe“ von Markus Heitkamp. Die Idee, Moby Dick mit Nagetieren frei nachzuerzählen, ist originell und der Erzählstil locker und flüssig. Der Igel mit dem kleinen Sprachfehler hat mich zum Schmunzeln gebracht, doch überzeugt hat mich die Geschichte nicht.

„Es ist zu Ende, wenn der Kiel geborsten ist, das Segel verbrannt und das Herz erloschen.“
(S.65, Ins Herz des Sturms von L.Richter)

„Ins Herz des Sturms“ von Lena Richter hat mir dafür sehr gefallen. Erzählt wird die Geschichte von Xhemin Sturmherz aus der Ich-Perspektive. Sie ist eine bekannte Kapitänin, die ihre besten Zeiten hinter sich hat und als Verbrecherin gesucht wird. Auf ihrem Schiff, der Anemoi, wird sie von einem jungen Jäger gestellt, der sein Glück kaum fassen kann. Allerdings steuert die Anemoi geradewegs in einem Sturm hinein. So turbulent der Sturm für die beiden ist, so ist auch das Leben von Xhemin gewesen, das in Rückblicken erzählt wird. Das Herz der Geschichte ist ist wie das Ende: gefühlvoll und mitreißend.

„Es wurde von der Miskatonic University in Arkham entdeckt und dem Militär zur Verfügung gestellt.“ (S. 148, Am Ende der Welt von M.O.Bendrin)

„Am Ende der Welt“ von Manuel O. Bendrin hat mich sehr an den Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ von John Carpenter erinnert. Da der Film mich immer auch an die Geschichten von H.P.Lovecraft erinnert hat, fand ich die Anspielung auf Arkham sehr passend.
Ein norwegisches Team ist in die Arktis geflogen, um das amerikanische Luftschiff MAS Horizon aus dem Eis zu bergen. Die gesamte Crew ist tot, bis auf eine Person. Nicht lange, nachdem der Überlebende auf die Krankenstation des norwegischen Luftschiffes MLS Freya überführt worden ist, taucht grüner Rost im Maschinenraum auf und die die Crew fängt an sich seltsam zu benehmen. Professor Haugen und Kapitän Thorsen vermuten einen Zusammenhang zwischen dem grünen Rost und des Absturzes der MAS Horizon.
Die Kurzgeschichte ist spannend und düster, ganz wie H.P.Lovecraft und „Das Ding aus einer anderen Welt“.

Pina Parasol aus „Pina Parasol und das Verlorene Königreich“ von Tino Falke verliert professionell Dinge, die verschwinden sollen. Sie hat einen fantastischen Humor und der Autor einen humorvollen Schreibstil. Über Pina kann ich mir sehr gut eine längere Geschichte vorstellen; sie würde sich sicher gut zwischen Erasmus Emmerich und Archibald Leach fühlen.

Die 12 Kurzgeschichten führen in andere Welten, über die Wolken und Land, aber immer mit Hilfe eines Luftschiffes. Sie sind abwechslungsreich und spannend und ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich kann diese Anthologie auch Lesern empfehlen, die noch nichts aus dem Steampunk-Genre gelesen haben, denn die Geschichten setzen kein Wissen voraus oder beinhalten Insiderwissen.