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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.07.2019

Angie und ihre Familie...

Von wegen Dolce Vita!
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Angie, eine echtes Blumenkind der 68er und bis heute heimlicher Hippie, hat seit Jahren keinen Kontakt zu Tochter Janis und hat Enkelin Leonie noch nie gesehen. Doch durch Zufall begegnen sich beide in ...

Angie, eine echtes Blumenkind der 68er und bis heute heimlicher Hippie, hat seit Jahren keinen Kontakt zu Tochter Janis und hat Enkelin Leonie noch nie gesehen. Doch durch Zufall begegnen sich beide in Berlin - und nur Angie merkt, wen sie vor sich hat. Als Leonie Streit mit Janis und deren Freund Sven hat, steht sie plötzlich vor Angies Tür. Zu dumm, daß diese gerade mit ihrem Porsche zum Woodstock-Jubiläum auf Sardinien will. Leonie läßt nicht locker und Angie nimmt sie mit. Als Janis dies erfährt, geht es mit Sven und Wohnmobil statt nach Schweden ebenfalls in Richtung Sardinien. Für alle ein lebensverändernder Roadtrip.


"Von wegen Dolce Vita!" vermittelt aber genau das: Dolce Vita. Das Buch ist einfach herrlich. Tessa Hennig vermittelt hier einfach Wohlfühlatmosphäre. Man erlebt Sardinien buchstäblich hautnah und wird auf diese offensichtlich wunderschöne Insel versetzt. Der Schreibstil ist so wunderbar bildhaft, da wird alles lebendig. Man lernt Land und Leute kennen, das sardische Flair und die Gemütlichkeit. Die Charaktere sind sehr individuell. Man lernt Hippies kennen, die sich dieses Leben bis heute bewahrt haben, Sarden, die einfach liebenswert und ganz anders sind, als man sie sich vorstellt. Dazu Angie und ihre Familie. Die Entwicklungen und Veränderungen sind einfach zu interessant zu verfolgen. Gerade Leonie macht eine immense Verwandlung durch. Sowohl äußerlich, als auch innerlich. Und Sven zeigt endlich sein wahres Gesicht. Dies ist das Besondere an diesem Roman. Denn all diese Verwandlungen sind zwar eigentlich ernst, werden jedoch in einen humorvollen Roman verpackt, der einfach Spaß bereitet!

Ein richtig feiner Sommerroman!

Veröffentlicht am 14.07.2019

Besser als Teil 1

Für immer Rabbit Hayes
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Rabbit Hayes ist tot. Gestorben an Brustkrebs. Sie hinterlässt eine große Lücke in ihrer Familie. Ihre Tochter Juliet zieht mit ihrem Onkel nach Amerika, lebt dort das Leben eines Rockmusikers im Tourbus. ...

Rabbit Hayes ist tot. Gestorben an Brustkrebs. Sie hinterlässt eine große Lücke in ihrer Familie. Ihre Tochter Juliet zieht mit ihrem Onkel nach Amerika, lebt dort das Leben eines Rockmusikers im Tourbus. Rabbits Schwester Grace erfährt, daß sie das Krebsgen hat - und eine folgenschwere Entscheidung treffen muß. Rabbits Mutter verändert sich komplett, landet vor dem Richter und auch von ihrem Mann zieht sie sich zurück. Die Familie steht vor schweren Aufgaben und muß lernen, ohne Rabbit zu leben.

"Für immer Rabbit Hayes" hat mich überzeugt. Eigentlich sind Fortsetzungen ja oft einfach nur so dahingeschrieben. Aber hier ist die Fortsetzung noch schöner als die Vorgeschichte. Anna McPartlin schreibt die Geschichte der Familie Hayes glaubhaft weiter. Nichts ist übertrieben - hier wird die Trauer, aber auch die Art, wie man damit umgehen kann, sehr schön beschrieben. Jeder Charakter geht anders damit um. Und jeder wird damit authentisch und glaubhaft. Die Autorin vermittelt gekonnt, daß es kein Patentrezept gibt - jeder muß seinen Weg finden. Und dies geschieht hier. Sofern man "Die letzten Tage der Rabbit Hayes" kennt, macht es Spaß den bekannten Charakteren auf ihrem Weg zu folgen. Denn eines ist das Buch nicht - abgrundtief traurig. Natürlich entsteht immer wieder eine Atmosphäre, in der man deutlich spürt, wie sehr Rabbit vermißt wird. Aber das Buch ist durchaus auch humorvoll geschrieben. Man erlebt ein Wechselbad der Gefühle. Übrigens ist das Buch zwar eine Fortsetzung und knüpft nahtlos an den Vorgänger an, es kann aber auch sehr gut einzeln gelesen werden. Was man wissen muß, wird kurz erläutert.

Veröffentlicht am 10.07.2019

Ein Regionalkrimi der feinsten Sorte

Ins Watt gebissen
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Eigenbrötler Ino Tjarks will hinterm Deich einfach nur in Ruhe mit Dogge Tiger und Gerda als Nachbarin und Haushälterin leben. Doch gegenüber ist Familie van der Fisk mit ihren vier Kindern eingezogen. ...

Eigenbrötler Ino Tjarks will hinterm Deich einfach nur in Ruhe mit Dogge Tiger und Gerda als Nachbarin und Haushälterin leben. Doch gegenüber ist Familie van der Fisk mit ihren vier Kindern eingezogen. Aus ist es mit der Ruhe! Erst recht, als eines der Kinder hinter Inos Haus in den Salzwiesen die Leiche des Kurdirektors Alois Winterscheid findet. Stranguliert durch einen Schal. Winterscheid war nicht sehr beliebt - erstens war er Bayer, zweitens wollte er einen Freizeitpark errichten. Sein größter Feind war ausgerechnet Ino. Jetzt steht er unter Verdacht, doch Gerda und Bäckersfrau Theda machen alles, um den wahren Mörder zu überführen.


Absolut klasse! Das umschreibt es eigentlich. Regine Kölpin hat neben ihrer Oma-Serie nun eine Krimi-Serie gewagt - und die ist gelungen. Die Charaktere der Friesländer sind richtig natürlich. Herzlich, aber gegenüber Fremden erst einmal auf Distanz. Eigentlich möchte man seine Ruhe genießen. Dies wird bei Ino richtig deutlich herausgearbeitet. Aber man hält auch zusammen - siehe Gerda und Theda. In der Not wird niemand im Stich gelassen. Das Cover verspricht einen humorvollen Regionalkrimi, den bekommt man. Hier hält sich Humor und Spannung die Waage. Man kann herzhaft lachen und an der nächsten Stelle hält man vor Spannung die Luft an. Nebenbei lernt man noch etwas über das Häuptlingswesen und seine Geschichte. Und ganz wichtig: Ostfriesland ist nicht zu verwechseln mit Friesland! Mit diesem Buch bin ich an die Nordsee gereist - die Landschaft ist einfach herrlich beschrieben und erwacht zum Leben.

Diese neue Serie ist jetzt schon Kult für mich und ich hoffe darauf, daß Ino, Gerda und Theda noch viele Fälle lösen werden!

Veröffentlicht am 30.06.2019

Gelungener Abschluß

Die Frauen vom Löwenhof - Solveigs Versprechen (Die Löwenhof-Saga 3)
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Gerade ist Solveig noch glücklich - im nächsten Moment geschieht ein schrecklicher Unfall und ihr Leben ist nie mehr so, wie es einmal war. Sie findet Trost auf dem Löwenhof in den Armen ihrer Mutter und ...

Gerade ist Solveig noch glücklich - im nächsten Moment geschieht ein schrecklicher Unfall und ihr Leben ist nie mehr so, wie es einmal war. Sie findet Trost auf dem Löwenhof in den Armen ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Doch wie alle Frauen vom Löwenhof läßt such Solveig sich nicht unterkriegen. Tapfer kämpft sie gegen die Traurigkeit an und versucht dem Löwenhof wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Dabei berät sie ein junger Mann aus Stockholm mit ziemlich unkonventionellen Ideen. Solveig beschließt diesen Jonas nicht zu mögen, doch kann sie daran festhalten? Die jungen Leute kommen sich immer näher und es sieht so aus, als könnte es auch für Solveig noch einmal ein Glück geben.


Der dritte Teil der Löwenhof-Saga behandelt naturgemäß die neuere Zeit in den 1970er Jahren. Auch da sind die Probleme nicht weniger, aber anders. Wer nicht mit der Zeit geht, bleibt auf der Strecke. Sehr außergewöhnlich fand ich, daß reale Personen wie die drei Reiterinnen der schwedischen Olympiamannschaft und nicht zuletzt eine junge Dame namens Silvia Sommerlath und der Kronprinz von Schweden, Carl Gustaf, eine Rolle spielen. Wir wissen ja genau, was aus diesem Traumpaar geworden ist. Ich frage mich nur: Muß die Autorin die erwähnten Personen um Erlaubnis fragen? Zumal die Vergangenheit der Familie von Rosen nicht gerade ruhmreich ist und hier auch nichts verschwiegen wird. Auf jeden Fall steht hinter dem Buch eine Menge Recherchearbeit, die man nur am Rande wahrnimmt. Dem Leser präsentiert sich hier ein tolles Buch mit einer packenden Geschichte. Man spürt den Zwiespalt der neuen Generation auf dem Löwenhof zwischen den alten Traditionen und der neuen Zeit. Um da einen guten Mittelweg zu finden, braucht man gute Ratgeber und eine Menge Mut. Diese Geschichte ist total realistisch und gar nicht übertrieben dargestellt. Es könnte alles genau so gewesen sein.

Veröffentlicht am 24.06.2019

Grandioser Hanse-Roman

Das Handelshaus
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Das Handelshaus der Familie Loytz ist in Stettin beheimatet und ist eines der reichsten Häuser in Nordeuropa. Im Jahre 1566 stirbt das Familienoberhaupt, es folgt ein Zerwürfnis der beiden Söhne Michael ...

Das Handelshaus der Familie Loytz ist in Stettin beheimatet und ist eines der reichsten Häuser in Nordeuropa. Im Jahre 1566 stirbt das Familienoberhaupt, es folgt ein Zerwürfnis der beiden Söhne Michael und Stephan. Beide wollen das Unternehmen führen und buhlen um die Hand von Leni. Als diese sich in Stephan verliebt, verheiratet ihr Vater sie mit Michael. In dieser Zeit geht es aber auch um den Untergang der Hanse - eines einst mächtigen Bundes und somit um das Überleben des Handelshauses. Michael und Stephan müssen kämpfen - um die Zukunft des Handelshauses, gegeneinander und nicht zuletzt gegen Kurfürst Joachim von Brandenburg.

"Das Handelshaus" von Axel S. Meyer entführt den Leser in das Stettin, wie man es im Jahre 1566 vorgefunden hätte. Dies wird sehr eindrucksvoll beschrieben. Man erlebt das Leben in einem vornehmen Handelshaus, die Intrigen und politischen Wirrungen ebeso hautnah mit wie das Leben der armen Bevölkerung mit ihren Sorgen und Nöten um das blanke Überleben. Der Unterschied könnte nicht größer sein - und nicht besser beschrieben. Auch die Hanse wird sehr anschaulich beschrieben, man lernt noch einiges dazu. Man merkt in all diesen Dingen, daß der Autor sehr viel Zeit in seine Recherchen gesteckt hat! Die Handlungsorte sind sehr realistisch dargestellt - man fühlt sich direkt vor Ort und bekommt ein Gespür dafür, wie sich alles verändert hat. Denn die Orte sind real, ebenso wie die Familie Loytz, an die noch heute eine Gedenktafel in Stettin erinnert. Die Handlung besticht durch Spannung und immer neuen Wendungen.
Angereichert ist das Buch mit einer sehr schönen Karte im Innenteil.

Dieses Buch ist ein Highlight im Genre Historische Romane!