Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2019

Nichts für schwache Nerven

Die letzte Witwe
0

Obwohl Michelle in einer lesbischen Ehe lebt, erzieht sie ihre Tochter recht konservativ. Lippenstift gibt es erst, wenn sie 12 Jahre alt ist und das gilt auch für andere Schminkutensilien. Nach einem ...

Obwohl Michelle in einer lesbischen Ehe lebt, erzieht sie ihre Tochter recht konservativ. Lippenstift gibt es erst, wenn sie 12 Jahre alt ist und das gilt auch für andere Schminkutensilien. Nach einem Einkaufsbummel, wo die Tochter dann doch vor ihrem 12. Geburtstag ihren ersehnten Lippenstift bekommt, wird Michelle entführt. Die Tat geschieht in einem Parkhaus und niemand kann die Täter aufhalten. Das ist die Handlung im Prolog von

DieLetzteWitwe.

Tage später hören Will Trent und Sara Linton, wie es in der Nähe zwei laute Explosionen gibt. Sie haben frei und besuchen Saras Tante, die in einem großen Haus lebt. Das soll Sara schon bald geschenkt bekommen. Will wuchs in Heimen auf und hat schon einige Traumenhinter sich. Sara kommt aus einer wohlhabenden Familie und die Unterschiede zwischen den beiden könnten größer nicht sein. Trotzdem oder gerade deswegen sind sie ein Paar. Sie lieben sich und das ist auch der Grund für das Entsetzen Wills.

Die beiden eilen zum Ort des Unglücks und müssen aussteigen, da vor ihnen drei Autos stehen, die ineinander fuhren. Direkt nach dem Begutachten der Betroffenen erkennt Sara, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Nach einigem Hin und Her muss Will mit ansehen, wie sie mit Waffengewalt in ein Fahrzeug gezerrt wird. Er kann nicht handeln, da er verletzt am Boden liegt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und Will bemüht sich, dass er klar denkt und nicht verzweifelt.

DieLetzteWitwe ist ein typischer Thriller von Karin Slaughter. Er beginnt direkt mit einem Verbrechen und sofort ist es spannend. Wer hat Michelle und Sara entführt? Sind es ehemalige Soldaten oder Polizisten, die die Frauen für ein Verbrechen missbrauchen möchten?

Mir gefiel das Buch gut, wenn auch die Längen im Mittelteil meiner Meinung nach nicht nötig waren. Das Eingehen auf das Privatleben der Ermittler ist nicht übertrieben und passt recht gut zur Story. Dabei müssen die vorherigen Bände der Reihe nicht gelesen werden. Ich kam auch so gut klar mit den Ausführungen. Die Recherche über Krankheiten und Ansteckung mit Bakterien wurde von Frau Slaughter sehr genau durchgeführt. Das konnte ich beim Lesen gut nachvollziehen. Allerdings war ich auch sehr betroffen den Aussagen zu Pädophilen und dem Leid der Kinder.

Das Cover gefällt mir ebenfalls, da es ohne großen Schnickschnack auskommt. Ein wirklich spannender Thriller, der endlich auch mal ohne Ausweiden und Zerstückeln von Leichen auskommt. Die Handlung ist nachvollziehbar und ich empfehle das Buch auf jeden Fall. Danke an den Verlag und #NetGalleyDE, dass ich es lesen durfte.

Veröffentlicht am 07.08.2019

Von der Willkür einer Staatsmacht

Alles, was wir sind
0

Schreiben der Staatsmacht Russlands an die Kommission, die für die Verleihung des Nobelpreises verantwortlich ist:

„Sie und diejenigen, die diese Entscheidung getroffen haben, haben den Fokus nicht auf ...

Schreiben der Staatsmacht Russlands an die Kommission, die für die Verleihung des Nobelpreises verantwortlich ist:

„Sie und diejenigen, die diese Entscheidung getroffen haben, haben den Fokus nicht auf die literarische oder künstlerische Qualität des Romans gelegt, und das ist nur zu deutlich, da er keine besitzt. Sondern auf seine politischen Aspekte, da Pasternaks Roman die sowjetische Wirklichkeit verzerrt wiedergibt. Die sozialistische Revolution und den Sozialismus und das sowjetische Volk verunglimpft.“

Plötzlich sind sie da, die Herren in schwarz. Sie packen den Inhalt von Olgas Schreibtisch in einen Karton, und verstauen ihn und die junge Frau in eine schwarze Limousine. Dabei gehen sie sehr grob mit ihr um. Sie kommt in die Lubjanka, ein Haus der Staatssicherheit. Dort wird sie in grober Weise verhört und erleidet zudem auch noch eine Fehlgeburt.

Olga, das ist die Geliebte des großen Boris Pasternak und die beiden sind die Hauptdarsteller in dem Buch Alles, was wir sind von

LauraPrescott. Die Männer der Staatssicherheit wollen wissen, was es mit dem neuen Roman des Autors auf sich hat. Dr. Shiwago, so lautet der Titel und angeblich ist es ein Werk gegen das Regime.
Diese drei Fragen hört die Inhaftierte immer wieder:

- Worum geht es in dem Roman?
- Warum schreibt er ihn?
- Warum beschützt Olga ihn?
und ihre Antworten lauten stets: Ich habe keine Ahnung.

Pasternak lebt mit seiner Ehefrau in der Kolonie Peredelkino, die von Stalin extra für Schriftsteller gebaut wurde. Während der Haft Olgas erleidet er einen Herzinfarkt und kann ihr nicht helfen. Obwohl die Haftstrafe zunächst auf fünf Jahre festgelegt wurde, darf Olga bereits nach drei Jahren gehen. Obwohl Olga danach bettelt und fleht, dass Boris sich von seiner Frau trennt, diesen Schritt geht er nicht. Dennoch hält sie an ihm fest und stet zu ihm, wo ihn alle angeblichen Freunde verlassen.

LauraPrescotts Buch ist mehr als ein Roman. Es ist ein Buch, welches voll historischer Fakten ist. Dass Dr. Shiwago damals auf dem Index stand, das wusste ich schon. Aber die Zusammenhänge sind mir erst nach dem Lesen dieses Romans so richtig klar. Das gefiel mir sehr gut. Einen Stern Abzug gebe ich, weil die Geschichte der beiden Frauen Sally und Irina nicht so recht zur eigentlichen Story passen.

Das Cover hebt sich wohltuend von den momentan üblichen Titelbildern ab. Aussagekräftig und dennoch schlicht, so mag ich sie besonders gerne. Danke #NetGalleyDE, dass ich hier dabei sein durfte.

Veröffentlicht am 02.08.2019

Stockholm im Sumpf von Korruption und Bestechung

1793
0

Es ist Nacht und Cardell schläft tief und fest. Als Veteran, der im letzten Krieg gegen Russland verletzt wurde, lebt er am Rande der Gesellschaft in Stockholm. Zwei Kinder wecken ihn recht unsanft und ...

Es ist Nacht und Cardell schläft tief und fest. Als Veteran, der im letzten Krieg gegen Russland verletzt wurde, lebt er am Rande der Gesellschaft in Stockholm. Zwei Kinder wecken ihn recht unsanft und berichten ihm von einer Leiche, die in Fatburen herumschwimmt. Es ist die Kloake Stockholms und Cardell glaubt nicht wirklich, dass die Kinder eine Leiche entdeckten. Trotzdem macht er sich auf und folgt ihnen zur Fundstelle.

Cecil Winge, lebt ebenfalls in Stockholm bei Roselius auf Gut Spens. Er trennte sich von seiner Frau und arbeitet als Jurist bei der Stockholmer Polizei. Winge wird vornehmlich dann gerufen, wenn ein besonderer Fall zu ermitteln ist. Beide Männer trennt mehr als sie verbindet und trotzdem ermitteln sie gemeinsam. Denn es gibt tatsächlich einen Toten in der Kloake Stockholms. Ihm wurden nicht nur die Gliedmaßen entfernt. Und nicht nur das. Er hat weder Zunge noch Zähne und dort, wo die Augen waren, gibt es nur noch zwei Löcher im Schädel. Es ist also ein grausames Bild, welches sich den Ermittlern bietet.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt:

- Die Suche nach dem Mörder
- Briefe des Kristofer Blix an seine Schwester
- Anna Stina, die im dritten Teil auf Kristofer Blix trifft

Niklas Natt och Dag gelang mit seinem Roman 1793 ein Abbild der schwedischen Gesellschaft zur damaligen Zeit. Recht hatte jeder, der genug Geld für Bestechungen besaß. Korrupte Beamte gab es zuhauf und Kriegsversehrte, die mittellos und ohne Unterstützung ihr Leben fristen mussten, ebenfalls.

Ja, es ist spannend und auch die Sprache treffend. Trotzdem konnte mich das Buch nicht richtig fesseln. Es sind die plastischen Schilderungen von Grausamkeit, die mir nicht gefielen. Spannend ist es aber bis zum Schluss und das Motiv des Täters niemals vorhersehbar. Was mir sehr gut gefiel, das war die Beschreibung der Charaktere. Das ist dem Autor meiner Meinung nach perfekt gelungen.

Veröffentlicht am 29.07.2019

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Die Frau aus Oslo
0

DieFrauAusOslo beginnt mit einem Zeitungsbericht im Jahr 2015. Dort wird auf ein Armband aufmerksam gemacht, das versteigert werden soll. Eine Frau namens Turid wird darauf aufmerksam. Das ist der Epilog.

Dann ...

DieFrauAusOslo beginnt mit einem Zeitungsbericht im Jahr 2015. Dort wird auf ein Armband aufmerksam gemacht, das versteigert werden soll. Eine Frau namens Turid wird darauf aufmerksam. Das ist der Epilog.

Dann folgt das Jahr 1942 in Oslo. Ester, eine junge jüdische Frau muss mit ansehen, wie ihr Vater abgeführt und sein Geschäft geschlossen wird. Wie einen Schwerverbrecher behandeln die Männer ihn. Er ist Uhrmacher und nur weil er Jude ist und die Nazis damals bereits Norwegen besetzten, wird er ins Gefängnis gebracht. Ester flieht nach Schweden. Vorher verabschiedet sie sich noch von ihrer Freundin Ase, die mit einem Mann namens Gerhard zusammen lebt. Sie haben eine kleine Tochter, die Turid.

DieFrauAusOslo wechselt immer wieder zwischen den Jahren 1942 und 1967. Hauptthema ist nicht die Verfolgung der Juden oder der 2. Weltkrieg. Es ist eher ein Nebenschauplatz. Sicher, die Gefahr für Menschen, die sich dem Widerstand gegen die Nazis anschlossen, wird gut dargestellt. Aber die ganze Story dreht sich um den Mord an einer jungen Frau, der nie aufgeklärt wurde.

Anfangs hatte ich Probleme mit dem stetigen Wechsel zwischen den Zeiten. Hilfreich waren dabei die Überschriften. Auch fand ich, dass

DieFrauAusOslo nicht so viele Seiten haben müsste. Aber es ist trotzdem ein spannendes Buch. Ein anderer Ansatz, das Thema Gestapo und Hitler darzustellen. Der Übersetzer des Kriminalromans hat ganze Arbeit geleistet.

Ich danke dem

BasteiLübbeVerlag und #NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 25.07.2019

Eine spannende Reise nach Italien

Der Würger von Triest
0

In dem Buch Der Würger von Triest ermittelt ein Hauptkommissar namens Vossi. Es ist ein weiterer Band aus der Reihe rund um den Kommissar und der Hafenstadt Triest. Der Autor Werner Stanzl lebte viele ...

In dem Buch Der Würger von Triest ermittelt ein Hauptkommissar namens Vossi. Es ist ein weiterer Band aus der Reihe rund um den Kommissar und der Hafenstadt Triest. Der Autor Werner Stanzl lebte viele Jahre in der Stadt und kennt sich dort bestens aus. Das merkt der Leser auch bei der Beschreibung der Tatorte.

Mia ist eine junge Frau, die sich nicht länger von ihrem Vater Vorschriften machen lassen möchte. Er zwingt sie zum Tragen eines Kopftuchs und sie darf weder enge Jeans noch Miniröcke anziehen. Heimlich hat sie eine Beziehung zu einem jungen Mann und entschließt sich zur Flucht aus dem Elternhaus. Sie möchte künftig mit ihrem Pablo zusammen leben. Mia arbeitet in einem Salon und wird eines Abends darum gebeten, dass sie einen Termin nach Feierabend übernimmt. Am nächsten Tag ist sie tot.

Hat ihr Vater etwas mit dem Mord zu tun? Oder gar ein Kunde des Frisörsalons? Bruno Vossi arbeitet seit 25 Jahren bei der Kripo von Triest und freut sich bereits auf den wohlverdienten Ruhestand. Er wird zum Tatort gerufen und mit der Aufklärung des Falles betraut. Auffallend ist hier die Todesursache der jungen Frau. Jelena, die Ehefrau von Vossi gibt ihm mitunter gute Tipps, die ihm bei den Ermittlungen helfen. Kurz nach dem Mord an Mia wird eine weitere Leiche gefunden und auch hier ermittelt Commissario Vossi.

Das Buch hält seine Spannung, weil der Autor einige Überraschungen eingebaut hat. Immer wieder kommen neue Verdächtige ins Spiel und bis zur Auflösung des Falles hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder ist. Herr Vossi und seine Eigenarten ließen mich so manches Mal schmunzeln. Angenehm zu lesen und besonders für Liebhaber Italiens eine interessante Lektüre. Spannend bis zur letzten Seite und eine Todesursache, die ihresgleichen sucht.