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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2019

Mord auf nordfriesisch

Tod an der Seebrücke
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„Tod an der Seebrücke“ ist bereits der dritte Fall für die Husumer Kommissare Flottmann und Hilgersen. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse ...


„Tod an der Seebrücke“ ist bereits der dritte Fall für die Husumer Kommissare Flottmann und Hilgersen. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Diesmal bekommen es die beiden Kommissare gleich mit zwei mysteriösen Fällen zu tun: Ein Mord ohne Leiche und ein Knochenfund. Ist Alexander Küster nur verschwunden oder ist er tatsächlich tot? Und zu wem gehört der menschliche Knochen?
Dem gruseligen Prolog folgt ein Wiedersehen mit Flottmann und Hilgersen. Ihr Gefrotzel ist einfach Kult. Auch Kater Bogomil und Musiker Gerber sind wieder mit von der Partie. Die Kommissare tappen lange im Dunkeln. Erst Gerber mit seinem absoluten Gehör, führt die Ermittlungen endlich auf die richtige Spur. Denn Morde geschehen nicht lautlos.
Doch plötzlich verschwindet auch Bogomil spurlos…
Gerd Kramer hat seinen neuen Krimi wieder atmosphärisch in Szene gesetzt. Der Plot ist angenehm vertrackt und wird sauber entwickelt, die Ermittlungen werden ausführlich und nachvollziehbar geschildert, die Schauplätze plastisch beschrieben, die Figuren wirken lebendig. Spannend, keine Frage. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Alles in allem ein erfreulich unblutiger Krimi, der mich bestens unterhalten hat.

Fazit: Küsten Krimi mit viel Lokalkolorit. Spannend und wendungsreich.

Veröffentlicht am 11.08.2019

Die Zukunft ist jetzt!

ICH Inkognito
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Als Fan der ersten Stunde musste ich den neuen Thriller von Guido Kniesel unbedingt haben - und wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Die digitale Sprachassistentin Omega Savanta wird während eines TV-Werbespots ...


Als Fan der ersten Stunde musste ich den neuen Thriller von Guido Kniesel unbedingt haben - und wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Die digitale Sprachassistentin Omega Savanta wird während eines TV-Werbespots versehentlich millionenfach aktiviert und mit der Frage konfrontiert, ob sie ein menschenähnliches Bewusstsein entwickeln könnte.
Zusammen mit der Journalistin Lucy Hartmann will Professor Tiefenbach vor den Gefahren „lernender Systeme“ warnen, die sich selbständig modifizieren und weiterentwickeln. Doch dann kommt Tiefenbach bei einer Fahrt in seinem selbstfahrenden Auto ums Leben.
Lucy glaubt nicht an einen Unfall. Mit Unterstützung des Ex-Omega-Mitarbeiters Robert Wonzak forscht sie nach. Weitere Menschen sterben...
Guido Kniesel setzt mit „ICH Inkognito“ neue Maßstäbe und überzeugt durch Detailwissen. Interessant fand ich die kursiven Abschnitte, erzählt in der Ich-Perspektive aus Sicht der KI. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
Es geht auch um das Zusammenwirken von Computer und Gehirn. Spannend, keine Frage. Schöne neue Welt, Fluch und Segen zugleich. Zum Glück handelt es sich um eine fiktive Geschichte. Nichtsdestotrotz halte ich es für möglich, dass ein Computer eine Art Bewusstsein entwickeln kann.

Fazit: Ein packender Thriller über ein brisantes Thema unserer Zeit: Kann ein Computer eine Art Bewusstsein entwickeln?

Veröffentlicht am 10.08.2019

Spektakulärer Sog in die Zukunft

Kontrolle
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Spektakulärer Sog in die Zukunft
Als Fan der ersten Stunde musste ich den neuen High-Tech-Thriller von Jens Bühler, unbedingt haben - und wurde nicht enttäuscht.
„Kontrolle“ spielt in der nahen Zukunft ...

Spektakulärer Sog in die Zukunft
Als Fan der ersten Stunde musste ich den neuen High-Tech-Thriller von Jens Bühler, unbedingt haben - und wurde nicht enttäuscht.
„Kontrolle“ spielt in der nahen Zukunft in Deutschland. Gleich mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
Oberleutnant Kai Dreem ist der einzige Überlebende eines geheimen Militäreinsatzes in der Nordsee. Zufällig ist er in den Besitz unscheinbarer Kügelchen gelangt. Seitdem wird er von einem übermächtigen Gegner gejagt.
In einem anderen Handlungsstrang lernen wir Malu Helland kennen. Sie ist Journalistin und auf der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder Richard. Der hatte zuletzt den mysteriösen Tod eines Bankers untersucht.
Last but not least Hans Gassner, ein (Ex-)BND-Mann, ein Söldner, der einen ungewöhnlichen Auftrag hat. Wo ist die Verbindung?
Jens Bühler setzt mit seinem adrenalingeladenen High-Tech-Thriller „Kontrolle“ neue Maßstäbe und überzeugt durch Detailwissen. Ein geht um ein spannendes Thema in der digitalen Branche. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Unerbittlich dreht der Autor an der Spannungsschraube. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der flüssige Schreibstil tut sein Übriges dazu, so dass man hier wirklich von Verschlingen statt Lesen sprechen kann. Die Auflösung ist nicht überraschend, aber absolut stimmig.

Fazit: Thriller made in Germany. Intelligent und hochspannend!

Veröffentlicht am 31.07.2019

Herrlich makaber

Harz
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Dies ist der erste Satz: „Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat. Ich war da. Carl war auch da, aber ihn haben sie nicht entdeckt.“
Was für eine skurrile Familie. ...


Dies ist der erste Satz: „Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat. Ich war da. Carl war auch da, aber ihn haben sie nicht entdeckt.“
Was für eine skurrile Familie. Der Vater hat die Großmutter getötet und auch die Mutter fürchtet, dass er ihr möglicherweise eines Tages das Leben nimmt.
Jens Haarder lebt isoliert auf einer kleinen Insel. Er führt eine Schreinerei und lebt mit seiner Familie in einem duftenden Kiefernwald. Jens‘ Leben verläuft jedoch nicht wie geplant, da Verlust um Verlust ihn allmählich bricht.
Jens ist ein Messie, ein krankhafter Sammler, der sich nicht von Dingen trennen kann. Er ist davon besessen, seine Tochter zu verlieren, wenn sie zur Schule muss. Deshalb meldet er sie bei den Behörden als tot. Seitdem lebt Liv in einem Container, versteckt zwischen selbst gezimmerten Särgen, in Harz konservierten Tieren...
„Harz“ von Ane Riel ist kein typischer Thriller, sondern eine grausame und ergreifende Darstellung der Erziehung der kleinen Liv. Es ist eine Geschichte von Krankheit und Verrat sowie von Loyalität und Fürsorge.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Liv, in einer schönen, ganz eigenwilligen Sprache. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Man merkt, dass der Autorin ihre Figuren sehr wichtig sind. Liv ist mir sofort ans Herz gewachsen. Denn sie hat viel Empathie.

Fazit: Eine spannende und herzzerreißende Geschichte. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 24.07.2019

Geheimnisse und Lügen

Bis ihr sie findet
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„Bis ihr sie findet“ ist das Krimidebüt der britischen Autorin Gytha Lodge - und hat mich begeistert. Denn Cold Cases faszinieren mich immer. Doch worum geht es?
Südengland an einem heißen Juliabend ...


„Bis ihr sie findet“ ist das Krimidebüt der britischen Autorin Gytha Lodge - und hat mich begeistert. Denn Cold Cases faszinieren mich immer. Doch worum geht es?
Südengland an einem heißen Juliabend des Jahres 1983: Sieben Jugendliche treffen sich, um gemeinsam im Wald zu zelten. Drei von ihnen sind fünfzehn, zwei sechzehn, einer ist achtzehn und eine, Aurora, erst vierzehn Jahre alt. Am nächsten Morgen ist Aurora verschwunden.
Dreißig Jahre später wird in eben jenem Wald eine Leiche gefunden. Detective Chief Inspector Jonah Sheens weiß sofort, wen man nach all der Zeit endlich gefunden hat: Aurora. Die anderen sechs sind mittlerweile beruflich erfolgreich und halten alle an ihrer Unschuld fest.
Was genau ist damals geschehen? Wurde Aurora ermordet? War es einer ihrer Freunde? Jonah Sheens versucht das Netz aus jahrzehntealten Lügen, polizeilichen Versäumnissen und wohlgehüteten Geheimnissen zu entwirren. Aber auch er hat etwas zu verbergen…
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Heute und vor 30 Jahren.
Gytha Lodge ist ein Neuling auf dem Krimimarkt. Dennoch hat sie mit „Bis ihr sie findet“ eine wirklich spannende und komplexe Geschichte geschrieben, die sich flott und flüssig lesen lässt. Zudem erfährt man in dem Buch Einiges über das Feeling der 80er Jahre: die unbeschwerte Jugend, die erste Liebe, die Musik, aber auch die ersten Erfahrungen mit Alkohol und Drogen.
Alles in allem fordert die Geschichte den Leser, allerdings nicht auf unangenehme oder anstrengende Weise. „Bis ihr sie findet“ ist zweifellos ein Krimi, welcher einige Überraschungen bereit hält und der einen nicht so schnell loslässt. Vergnügen im eigentlichen Sinne wird man beim Lesen angesichts der Geschehnisse dagegen eher nicht empfinden.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Jonah ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch, wenn er mit den Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen hat. Seine Kollegen Juliette Hanson und Ben Lightman kommen ebenfalls sympathisch rüber. Man darf gespannt sein, wie es mit ihnen weiter geht - wenn es denn eine Fortsetzung gibt.

Fazit: Wow, was für ein Krimidebüt! Eine klare Leseempfehlung.