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Veröffentlicht am 19.09.2024

Schreckliche Protagonistin zum Fremdschämen, wirre Story - nicht mein Humor

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
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Charly Benz ist 43 Jahre alt und arbeitet im Marketing eines veganen Berliner Startups. Sie hatte noch nie eine richtige Beziehung und bis auf ihre Schwester Sybille und Herrn Schabowski, den sie dafür ...

Charly Benz ist 43 Jahre alt und arbeitet im Marketing eines veganen Berliner Startups. Sie hatte noch nie eine richtige Beziehung und bis auf ihre Schwester Sybille und Herrn Schabowski, den sie dafür bezahlt, dass er ihre Post öffnet, keine nennenswerten Kontakte. Herrn Schabowski, der durch ihre wöchentlichen Konsultationen zu einem väterlichen Freund geworden ist, erzählt sie von ihrem Leben, von ihrem Scheitern und ihren Beziehungsproblemen. Herr Schabowski hört ungläubig zu und kann nicht verstehen, dass Charly so tiefstapelt und sich als Karikatur ihrer selbst darstellt.

"Mon Chéri und unsere demolierten Seelen" klingt so vielversprechend, geistreich und originell, aber die Geschichte kann mit dem Titel nicht mithalten. Der einzige rote Faden des Romans ist, dass Charly erzählt. Sie textet jeden Menschen zu, dem sie begegnet, egal ob es ihr PostEngel, ihre Schwester, ein flüchtig bekannter Kulturjournalist, ein Nachbar oder der Verkäufer im Späti ist. Keiner ist vor ihren mehr oder weniger interessanten geistigen Ergüssen sicher. Dabei sind ihre Monologe, die von vergangenen Peinlichkeiten handeln oder ein Unwissen offenbaren, zum Fremdschämen. Da ist es auch kein Wunder, dass Charly bisher jeden potentiellen Freund in die Flucht geschlagen hat.
Darüber hinaus reihen sich die kurzen Kapitel häufig zusammenhanglos aneinander. Es erfolgen wirre Zeitsprünge oder es ist im ersten Moment gar nicht klar, ob Charly gerade wieder in Erinnerungen schwelgt und wem sie diese erzählt oder ob es sich um ein gegenwärtiges Geschehen handelt.

Nach gut der Hälfte nimmt der Roman eine andere Richtung. Konnte man bisher geteilter Meinung über die Art von Humor sein, wird die Geschichte mit einer überraschenden Schwangerschaft und einem nahenden Tod noch absurder. Der Aufenthalt in Bad Gastein ist dann vergleichsweise langweilig und konträr zur bisherigen irrsinnigen Handlung.

Kein Charakter kann in seiner Darstellung überzeugen. Charly wirkt als 43-jährige erfolgreiche Werbetexterin, für die Begriffe wie Duckface und Hashtag Fremdwörter sind und die auch mit ihrem Zyklus wenig anfangen kann und keinen Gynäkologen hat, lebensfremd. Ihre Sexualpartner, die sie warum auch immer plötzlich hat, bleiben blass und austauschbar.

Ich hatte eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft und eine ulkige Einsiedlerin erwartet und stattdessen einen wirren Lebenslauf einer beziehungsunfähigen Außenseiterin bekommen, die sich selbst das Leben schwermacht und mit ihren Marotten abschreckend wirkt. Charlys Philosophieren ist so überspitzt dümmlich dargestellt, dass es einfach nicht mehr komisch ist. Vielleicht muss man, um ihre demolierte Seele zu verstehen, die ein oder andere Packung kirschschnapsgetränkte Mon Chéri essen.

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Veröffentlicht am 16.03.2023

Abgebrochen nach 100 Seiten - zur Geschichte konnte ich aufgrund des Erzählstils keinen Zugang finden; den Inhalt der Geschichte möchte ich deshalb nicht bewerten

Die Verwandelten
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Es kommt selten vor, dass ich einen Roman abbreche, aber zu dieser Geschichte habe ich einfach keinen Zugang gefunden, obwohl ich ihr knapp 100 Seiten lang die Chance dazu gegeben habe.

Der Roman handelt ...

Es kommt selten vor, dass ich einen Roman abbreche, aber zu dieser Geschichte habe ich einfach keinen Zugang gefunden, obwohl ich ihr knapp 100 Seiten lang die Chance dazu gegeben habe.

Der Roman handelt von Kinga Schöcking, einer geschiedenen Rechtsanwältin Mitte 50, die Mutter eines adoptierten Kindes ist. Sie erfährt, dass ihre Mutter in einem Lebensbornheim geboren wurde und trifft auf eine Frau aus Polen, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht.
Der Hintergrund ist spannend, denn er befasst sich mit einem Teil deutscher Geschichte, über die ich bereits bewegende und erschütternde Romane gelesen habe. Welche Grausamkeiten Eltern und Kinder während des Nationalsozialismus in Heimen erleben mussten, die zur Erhaltung der arischen Rasse eingerichtet worden waren, macht sprachlos und ist ein Beispiel für das Leid, dass die Kriegsgeneration erfahren hat und dass sich auch auf nachfolgende Generationen ausgewirkt hat.

Der kaum zu beschreibende lyrische (?) Schreibstil verwehrte mir jedoch ein Eintauchen in die Geschichte. Insbesondere die Perspektive der Dorota, in der fortlaufend schlesische oder polnische Worte und Redewendungen eingedeutscht eingefügt werden, unterbrechen den Lesefluss. Die inneren Dialoge verlieren sich in unnötigen Randbemerkungen und trotz der Übersichtlichkeit der Charaktere überfordern die vielen Namen, Spitznamen und Namensneugebungen, mit denen man eingangs auf wenigen Seiten erschlagen wird.

Der Roman mag sprachgewaltig und hohe literarische Kunst sein, für mich ist er schlicht kein Lesevergnügen.
Den Inhalt kann ich fairerweise nicht bewerten, da ich nicht weiß, ob sich "Die Verwandelten" zu einer spannenden und bewegenden Geschichte über die Auswirkungen unmenschlicher Rassenhygiene entwickelt hätte. Die Art der Erzählweise ist mir jedoch zu anstrengend, unzugänglich und ermüdend und ruft keine Bilder in meinem Kopf hervor, so dass ich nach wiederholtem Lesen einzelner Seiten kapituliert habe.

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Veröffentlicht am 31.07.2019

Banale Handlung, Charaktere wie schlechte Karikaturen und Dialoge mit Gesprächsthemen unterhalb der Gürtellinie - Zeitverschwendung!

Die Tage vor der Hochzeit
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Emily Glass möchte ihren Verlobten David heiraten und muss dazu nur noch eine Hürde überstehen: sechs Hochzeitsvorbereitungstage bei ihren Eltern. Auch ihre älteren Geschwister Jason und Lauren samt Anhang ...

Emily Glass möchte ihren Verlobten David heiraten und muss dazu nur noch eine Hürde überstehen: sechs Hochzeitsvorbereitungstage bei ihren Eltern. Auch ihre älteren Geschwister Jason und Lauren samt Anhang sowie Freunde und andere Verwandte finden sich dazu in New York ein. Jason ist frisch geschieden und geht deshalb offensiv an Frauen heran, Lauren ist unglücklich verheiratet und kümmert sich rund um die Uhr um das Wohlergehen ihres Sohnes Ariel, wenn sie nicht für die feministische Zeitschrift "Pussy" schreibt. Mutter Marla ist Therapeutin und versucht die Tage für eine Familientherapie zu nutzen.
Doch auch Davids Familie ist nicht ohne Macken, insbesondere sein Bruder Nathan fällt durch seine mittelalterliche Sprache und antiquierte Verhaltensweisen auf.

Was nach einem amüsanten, turbulenten und für Emily und David peinlichen Familientreffen klingt, artet in einer Aneinanderreihung von Nonsens am laufenden Band aus. Statt einer Handlung besteht der Roman fast ausschließlich aus stupiden Dialogen, ermüdenden und nervigen Diskussionen, die sich im Kreis drehen. Es trifft eine Überzahl oberflächlicher Menschen aufeinander, die wahlweise sexistische (Jason) oder genderkritische (Lauren) Parolen absondern. Weitere Thematik ist das Bodyshaming von Emily, die sich zu alt und/ oder zu dick fühlt. Die narzisstische Mutter Marla gibt wiederholt Unsinn von sich, um sich penetrant in den Mittelpunkt zu drängen.

Familienkomödien dürfen gerne durch überspitzt dargestellte Protagonisten unterhalten, aber in diesem Buch nervt einfach jeder - einschließlich der Hautperson Emily, die unter einer Psychose zu leiden scheint und sich lebensbedrohliche Krankheiten einbildet.
Dieser Roman ist absurd, aber wahrlich nicht witzig - oder trifft zumindest nicht meinen Humor. Die Themen, mit denen sich die Hochzeitsgäste beschäftigen, bewegen sich überwiegend unterhalb der Gürtellinie und drücken sich dazu noch primitiv aus.

"Die Tage vor der Hochzeit" ist einer der wenigen Romane, über den ich mich wirklich ärgere, ihn gelesen zu haben - nicht nur aufgrund der provokant auftretenden, grotesken Charaktere, die wie schlechte Karikaturen wirken und der extrem platten Handlung, sondern auch aufgrund der ausgeprägten Fäkalsprache.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Lächerliche Seifenoper mit einem völlig unsinnigen Handlungsverlauf. Bei diesem emotionalen Thema fehlt jede Ernsthaftigkeit

Glückliche Menschen küssen auch im Regen
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Diane hat vor ungefähr einem Jahr ihren geliebten Ehemann Colin und ihre kleine Tochter Clara durch einen Verkehrsunfall verloren. Seit diesem Zeitpunkt hat sie sich zurückgezogen, lässt sich und ihre ...

Diane hat vor ungefähr einem Jahr ihren geliebten Ehemann Colin und ihre kleine Tochter Clara durch einen Verkehrsunfall verloren. Seit diesem Zeitpunkt hat sie sich zurückgezogen, lässt sich und ihre Wohnung verwahrlosen und einzig ihren besten Freund Félix, mit dem sie zusammen das Literaturcafé "Glückliche Menschen lesen und trinken Kaffee" betriebt, an sich heran. Als er ihr Elend nicht mehr mitansehen kann und nicht locker lässt, sie aus ihrer Lethargie zu holen, ergreift Diane die Flucht und mietet ein Cottage in Mulranny in Irland, da Colin schon immer in Irland Urlaub machen wollte. Sie möchte Abstand zu den Erinnerungen an Colin und Clara und in der Einsamkeit aus ihrer Trauer finden.
Die Vermieter in Irland nehmen sie herzlich auf und auch die Einwohner des Ortes sind neugierig freundlich auf die Pariserin. Einzig ihr Nachbar Edward scheint etwas gegen ihre Anwesenheit zu haben und begegnet ihr mit offener Feindseligkeit. Diane fühlt sich von ihm provoziert , beginnt ihn regelrecht zu hassen. Doch als er ihr in der Not zu Hilfe kommt, beginnt sie umzudenken und entdeckt zögerlich hinter der harten Schale einen weichen Kern.

"Glückliche Menschen küssen im Regen" ist ein Roman über Trauer, Trauerbewältigung und die Kraft, neu zu beginnen. Diane hat geliebte Menschen verloren und sich seitdem hinter ihrer Trauer verschanzt, ohne jemanden an siech heranzulassen. In einer anderen Umgebung versucht sie endlich, sich aufzuraffen und den Verlust zu verarbeiten.

Das Buch liest sich sehr zügig, was nicht nur an dem geringen Seitenumfang liegt. Es handelt sich trotz des schweren Themas um eher leichte Kost, wobei Diane eine wenig sympathische Protagonistin ist. Selbst wenn man für ihre Trauer, ihre Zurückgezogenheit und Wut durchaus Verständnis aufbringen kann, reagiert sie in vielen Situationen unpassend und überzogen. Von einer depressiven Frau wird sie in Bezug auf Edward zur Furie und herrscht ihn hysterisch an, obwohl er wie sie einfach nur in Ruhe gelassen werden möchte. Dies schaukelt sich auf beiden Seiten zu einem grundlos aggressiven Verhalten auf, was völlig unverständlich ist. Die beiden verhalten sich derart kindisch und giften sich an, dass die Handlung jegliche Ernsthaftigkeit verliert. Mit einer unglücklichen Dreierkonstellation entwickelt sich der Roman zu einer lächerlichen Seifenoper mit einem völlig unsinnigen Handlungsverlauf. Eine Figur verhält sich dümmer als die andere, dass mich der Roman im letzten Drittel nur noch nervte.
Dass Diane plötzlich zur Vernunft kam, war genauso wenig nachvollziehbar wie die Veränderung ihres Verhältnisses zu Edward.

Über weite Teile konnte ich beim Lesen nur den Kopf schütteln.
Leider spielt das Literaturcafé in Paris keine Rolle und auch das Land Irland hat in dem Roman nicht mehr zu bieten als anhaltenden Regen. Regelrecht störend sind die wiederholten Beschreibungen zum Griff zur Zigarette durch Diane und/ oder Edward, die in diesem schmalen Büchlein einen unverhältnismäßig großen Anteil haben, als ob der Autorin die Ideen ausgegangen wären. Dabei gibt es mit "Abschiedsküsse zählt man nicht" tatsächlich eine Fortsetzung des Romans...

Veröffentlicht am 18.02.2017

Seichte Liebesschnulze auf niedrigem sprachlichen Niveau statt Kriminalroman

Kölsch & Spätzle
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Florian Wenzel ist Polizeikommissar in Köln und bekommt einen neuen Partner an die Seite: Frank Scheuerle aus dem Schwabenland.

Mit Pullunder und Krawatte hält ihn Florian, der begeisterte Sportwagenfahrer ...

Florian Wenzel ist Polizeikommissar in Köln und bekommt einen neuen Partner an die Seite: Frank Scheuerle aus dem Schwabenland.

Mit Pullunder und Krawatte hält ihn Florian, der begeisterte Sportwagenfahrer mit dem athletischen Oberkörper, für einen Oberspießer und ist skeptisch was die zukünftige Zusammenarbeit betrifft.

Als Frank seinen Partner zu sich nach Hause einlädt, offenbart sich dem Junggesellen Florian die perfekte Familienidylle in der Reihenhaussiedlung. Frank ist glücklich mit seiner ersten Liebe Ute verheiratet, mit der er drei süße Kinder hat.

Florian muss sich bald eingestehen, dass die herzliche Schwabenfamilie nur auf den ersten Blick spießig und akzeptiert Frank als gleichberechtigten Partner. Zu dem ältesten Sohn Maik baut Florian sogar ein freundschaftliches Verhältnis und unternimmt gerne etwas mit ihm alleine.


Durch einen Zufall lernt Florian an einer Tankstelle die toughe Schwester Kerstin von Frank kennen, die in Stuttgart wohnt und seine Leidenschaft zu schnellen Autos und Hardrock-Musik teilt.

Auch Kerstin ist auf den ersten Blick von Florian überwältigt und kann ihn zu Hause in Stuttgart nicht vergessen. Sie hatte sich allerdings seit dem Tod ihres Vaters bei einem Polizeieinsatz geschworen, sich nie mit einem Polizisten einzulassen, weshalb es bei einzelnen knisternden Begegnungen im Hause Scheuerle zu bleiben scheint...


Unter "Kölsch & Spätzle" hatte ich mir irrtümlich einen humorigen Krimi vorgestellt, in welchem ein Kommissar aus Schwaben in Köln ermittelt. Anders als gedacht, handelt es sich um einen Liebesroman, in dem der Kriminalfall nahezu keine Rolle spielt. Schwerpunkt der Handlung ist die "verbotene" Liebe von Florian und Kerstin.

Nicht nur in der Vorstellung der Protagonisten, sondern auch in der Umsetzung durch die Autorin werden fortlaufend Klischees betont und stereotype Charaktere beschrieben. Diese Plattitüden wurden zwar auch nach einem aufmerksamen Lesen des Klappentextes klar, hätten aber auch spielerisch humorvoll in den Roman einfließen können. Ich fand sie allerdings vordergründig platt und fast schon satirisch und zu dominant für die Handlung. Formulierungen der Personenbeschreibungen à la "athletischer Oberkörper", "eisig blaue Augen", "stahlblaue Augen", "seliges Lächeln" usw. werden penetrant aneinadergereiht, so dass bei mir kein Lesevergnügen aufkommen konnte.

Aus einem Kriminalroman wurde eine seichte Liebesschnulze auf niedrigem sprachlichen Niveau.