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Veröffentlicht am 03.11.2016

Das Geheimnis eines Gemäldes

Der gestohlene Sommer
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Bei der New Yorkerin Julia Conley läuft es gerade nicht so gut, als sie erfährt, dass sie ein Haus in der Nähe Londons geerbt hat. So begibt sie sich also auf die Reise über den Ozean und in eine Vergangenheit, ...

Bei der New Yorkerin Julia Conley läuft es gerade nicht so gut, als sie erfährt, dass sie ein Haus in der Nähe Londons geerbt hat. So begibt sie sich also auf die Reise über den Ozean und in eine Vergangenheit, die mehr für sie bereit hält, als sie je geahnt hätte. Der Fund eines versteckten Gemäldes führt sie auf die Spur eines lange gehüteten Geheimnisses …

Zunächst plänkelt die Story so ein wenig dahin und weckt nur mäßiges Interesse. Doch so nach und nach wird man – wie die Protagonistin Julia – doch immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Man möchte die Rätsel der Vergangenheit gern mit Julia lösen und verstehen, wie alles zusammenhängt.

Dabei gerät man automatisch in den Sog der Geschichte und wird dennoch am Ende eiskalt erwischt. Ich jedenfalls hatte Gänsehaut und ein Schauer nach dem anderen kroch über meinen Rücken.

Lauren Wilig hat die Zeit um 1850 wunderbar lebendig werden lassen und Ulrike Hübschmann gelang es wieder einmal, die Geschichte lebendig werden zu lassen. Mit genau dem richtigen Maß gibt sie jeder Figur eine passende Stimme und Aussprache, ohne je zu übertreiben. Das hört man gerne und genießt es.

Die Autorin verleiht ihren Protagonisten sehr individuelle Charaktere, die niemals überspannt sind, auch wenn sie oft sehr besonders sind. Gerade die Überheblichkeit der Männer dieser Zeit Frauen gegenüber wird sehr schön herausgestellt, ohne kitschig zu werden oder plump.

Auch wenn die Lesung gekürzt ist, hat man nicht das Gefühl, es fehle etwas. Die Geschichte ist rund und stimmig und alles passt. Die 482 Minuten gehen sehr flott vorbei und dabei ist der Stil sehr dicht. Dennoch kann ich „nur“ vier Sterne geben, da die Autorin meiner Meinung nach einfach nicht an Kate Morton heranreicht, deren Bücher in gleicher Weise aufgebaut sind und in der Vergangenheit und der Gegenwart gleichermaßen spielen. Wie bei ihr so zeigt auch Lauren Willig, wie sehr die Vergangenheit in der Gegenwart ihre Auswirkungen hat, doch berührt mich Kate Morton mehr und weiß auch besser zu fesseln.

Dennoch habe ich dieses Hörbuch sehr genossen und werde es mit Sicherheit ein weiteres Mal anhören.

Veröffentlicht am 19.09.2016

Kater Socke und sein Team - immer eine Nasenspitze voraus

Schlüsselreiz
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Kater Socke will die Heimtiermesse Hannover dazu nutzen, seine Wurzeln zu finden. Doch statt Verwandtschaft findet er eine Leiche. Hauptkommissar Peter Flott, Sockes Mensch, ist jedoch etwas begriffsstutzig ...

Kater Socke will die Heimtiermesse Hannover dazu nutzen, seine Wurzeln zu finden. Doch statt Verwandtschaft findet er eine Leiche. Hauptkommissar Peter Flott, Sockes Mensch, ist jedoch etwas begriffsstutzig und muss von seinen Kollegen auf den Fall angesetzt werden. So ermitteln ein menschliches und ein tierisches Team und suchen eine Mörder und einen Tiernapper, denn zwei Koi und eine Rassekatze sind seit dem Mord ebenfalls verschwunden. Zufall oder Zusammenhang?

Der Einstieg in die Story ist ein klein wenig anstrengend, da es sehr viele menschliche und tierische Protagonisten und entsprechend Namen gibt. Das zieht sich dann so durch das ganze Buch, doch mit der Zeit kann man alle sehr gut auseinanderhalten.

Die einzelnen Protagonisten sind gut angelegt. Sie unterscheiden sich alle, haben alle einen eigenen kleinen Kosmos, der sich mit dem des Wachmanns überschneidet. So ist es nicht leicht, den Täter frühzeitig zu entlarven.

Die Lösung des Falles ist schlüssig und rund, da fühlt sich nichts zusammengeschustert an und es bedarf auch keiner aberwitziger Wendungen.

Sehr schön ist, dass die Tiere untereinander reden und sprechen, aber mit dem Menschen nicht verbal kommunizieren können. Sie versuchen auf ihre artspezifische Weise, den Menschen zu sagen, was sie mitteilen wollen. Witzig, wie begriffsstutzig dabei die Menschen doch sind.

Auch zwischenmenschliche Entwicklungen und auch Verwicklungen finden sich. Nicht alle verlaufen so, wie ich es gern gehabt hätte. Besonders eine Konstellation regelt sich auf eine Weise, die ich nicht wirklich gelungen finde, doch das ist mein rein persönliches Empfinden.

Die Autorin hat einen Schreibstil, der sich flüssig und zügig lesen lässt. Keine entsetzlich verschwurbelten Sätze, kein hochgestochenes Gerede, kein übertriebenes Fachchinesisch – das mag ich gern, denn ich möchte mich von Büchern fesseln, aber auch ablenken lassen.

Die Hauptfiguren haben mir gut genug gefallen, dass ich gerne weitere Fälle mit Socke und Hauptkommissar Flott löse. Insgesamt bekommt „Schlüsselreiz“ von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Vierzehn Geschichten, die berühren

Die Küche ist zum Tanzen da
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Diese kleine Anthropologie beinhaltet vierzehn Kurzgeschichten, die sich mit dem Lauf des Lebens, dem Alter, dem Älterwerden, der Einsamkeit, der Zweisamkeit, den Veränderungen und dem Glück befassen. ...

Diese kleine Anthropologie beinhaltet vierzehn Kurzgeschichten, die sich mit dem Lauf des Lebens, dem Alter, dem Älterwerden, der Einsamkeit, der Zweisamkeit, den Veränderungen und dem Glück befassen. Doch nicht immer sind sie fröhlich und leicht, sondern sehr oft auch melancholisch und schwer. Dennoch berühren sie eine Saite im Herzen, die dann sehr lange nachklingt.

Marie-Sabine Roger legt den Finger in die Wunde und zeigt, wie es ist. Und das ist nun mal nicht immer schön – gerade dann, wenn es um Abschied jedweder Art geht. Doch das Buch schenkt trotzdem Glücksmomente und es regt zum Denken an.

Meine Lieblingsgeschichten sind Éliette und Léonarde, Wie macht sie das nur und Die Klammer.

Wie bei jeder Kurzgeschichtensammlung finden sich auch hier Geschichten, die man weniger mag. Doch alle lassen sich sehr gut und flüssig lesen und machen neugierig auf das Ende. Man kommt auch immer schnell in die einzelne Story hinein, ganz ohne Anlaufschwierigkeiten. Das kann nicht jeder so gut, wie Marie-Sabine Roger.

Für die kurzen Lesemomente genau das Richtige – dafür vergebe ich vier Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Harte Zeiten

Der Junge, der Träume schenkte
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Tiefster Süden Italiens. Natale ist das Produkt einer Vergewaltigung, dennoch liebt seine Mutter ihn abgöttisch und nimmt sehr viel auf sich, um ihm ein gutes Leben in Amerika ermöglichen zu können. Doch ...

Tiefster Süden Italiens. Natale ist das Produkt einer Vergewaltigung, dennoch liebt seine Mutter ihn abgöttisch und nimmt sehr viel auf sich, um ihm ein gutes Leben in Amerika ermöglichen zu können. Doch das ist mit weiterem Leid verbunden und auch in der Lower East Side in New York, wo sie mit Natale, der fortan Christmas genannt wird, landet, herrscht Elend und Kriminalität. Christmas lernt schnell, wie er mit seinem Charisma und einigen Tricks die Leute manipulieren kann. Als er dann die geschändete und verstümmelte Ruth findet, verliebt er sich sofort in sie. Er rettet sie und kämpft darum, sie immer wieder zu sehen. Ihre Familie ist wohlhabend und noch dazu jüdisch – dazu noch die herrische Mutter von Ruth. Schnell wird klar, dass sie fast wie Romeo und Julia sind. Christmas kämpft für seine Träume und vergisst dabei nie seine Ruth, die währenddessen ebenfalls viel an ihn denkt und mit den Dämonen ihrer Vergangenheit kämpft …

Dieses Buch steckt voller Schmerz und Traurigkeit, Brutalität (besonders Frauen gegenüber) und Armut, aber dennoch macht es Hoffnung und strahlt eine Menge Liebe aus. Die drei Erzählstränge (Christmas, Ruth, Bill) wechseln sich ab und steuern unaufhaltsam aufeinander zu. Alle drei Leben sind auf ihre Weise hart, alle drei Schicksale nicht einfach. Bill ist dabei die Figur, die man so richtig schön hassen und verachten kann, um alle Sympathie auf Ruth und Christmas zu fokussieren.

Christmas weiß zu überzeugen, auch den Leser, der seine Tricks ja erkennt. Trotzdem zieht er magisch an und man möchte ihm bei der Erfüllung seiner Träume so gerne helfen. Ruth berührt das Herz, weil sie auf so starke Weise mit ihrem Leid umgeht, bei dem ihr niemand hilft.

Am Ende ahnt man Schlimmes und der Show-Down ist grandios.

Das Hörbuch ist eine „bearbeitete Fassung“. Da das Buch 784 Seiten hat und das Hörbuch 397 Minuten, bedeutet dies wohl „gekürzt“. Stellenweise waren die Sprünge auch ein wenig groß, dennoch hatte ich nie das Gefühl, mir fehlt zum Verständnis des Geschehens etwas.

Timmo Niesner ist ein bekannter Synchronsprecher, der sich in diesem Hörbuch jedoch völlig anders als gewohnt anhört. Dennoch weiß er perfekt, die Personen mit seiner Stimmfarbe zu zeichnen. Man hört ihm einfach gerne zu.

Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen, dennoch ziehe ich einen Stern ab und vergebe somit vier Sterne. Das liegt daran, dass mir die Grundstimmung zu düstere war und ich teilweise echte große Pausen brauchte, um das Gehörte zu verkraften. Beim Lesen wären die Pausen vermutlich noch sehr viel länger geworden.

  • Einzelne Kategorien
  • Charactere
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Recherche
  • Stimme
Veröffentlicht am 15.09.2016

Herumtreiber

Drifter
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Peter Ash ist ein Veteran mit Kriegstraumata. Sein ärgster Feind ist er selbst – geschlossene Räume kann er nicht ertragen, es setzt das „weiße Rauschen“ ein und über kurz oder lang setzt es ihn außer ...

Peter Ash ist ein Veteran mit Kriegstraumata. Sein ärgster Feind ist er selbst – geschlossene Räume kann er nicht ertragen, es setzt das „weiße Rauschen“ ein und über kurz oder lang setzt es ihn außer Gefecht. Deshalb ist er zum Drifter (Herumtreiber) geworden. Er schläft im Freien und meidet geschlossene Räume. Doch dann erfährt er vom Selbstmord seines Kameraden und fühlt sich dafür verantwortlich. Unter einem Vorwand repariert er das Haus dessen Witwe und findet einen äußerst auffälligen, riesigen Hund unter der maroden Veranda. Doch nicht nur das – auch einen Koffer voller Geld und Plastiksprengstoff. Was hat James vor seinem Tod gemacht? Peter gerät immer tiefer in ein Netz, das ihn zu ersticken droht …

Der Schreibstil von Nicholas Petrie fesselt sofort an das Buch. Auch wenn die nur sehr langsam ansteigt, mag man das Buch kaum aus den Händen legen. Dabei wirkt die Sprache der Protagonisten kein bisschen gekünstelt, sondern sehr authentisch. Und Petrie kommt sogar ohne das inflationäre Nutzen von Begriffen wie „f..k“ aus, das gefällt mir sehr. Die Protagonisten sind alle auf ihre Weise sympathisch, sogar die Bösewichte haben Eigenschaften, die es schwer machen, sie nicht auch ein klein wenig zu mögen. Doch besonders Charlie muss man einfach ins Herz schließen. Man möchte seiner Mutter zu diesem Prachtjungen gerne gratulieren. Dennoch ist er nicht langweilig oder überzogen gezeichnet, sondern einfach ein ganz besonderer Halbwaise, der sehr verantwortungsvoll ist. Und sogar Menschen, die sonst nicht viel mit Hunden am Hut haben, werden von Mingus begeistert sein.

Aufgebaut ist das Buch in vier Teile. Der letzte Teil ist völlig anders gestaltet und auch vom Stil her etwas anders. Hier wird aus einem bisher guten Buch ein Thriller. Und hier wird auch mehr Konzentration vom Leser gefordert, da es zum Show-Down kommt, bei dem jede Menge Protagonisten aufeinandertreffen und sehr viel Information zu Bomben, Finanzen und Manipulationen zu verarbeiten sind. Nicht so ganz meine Themen, deshalb bin ich da auch ein wenig abgedriftet.

Trotzdem – mir gefällt „Drifter“ sehr gut. Ich habe es recht schnell gelesen und mich mit den Protagonisten angefreundet. So leicht kommt man nicht immer in die Story rein, auch wenn lange nicht ansatzweise klar war, in was Jimmy hineingeraten war. Das herauszufinden war spannend und dass ich mit ein paar Themen nicht so ganz warm werden kann, ist nicht Petries Schuld.

Insgesamt bekommt „Drifter“ von mir vier Sterne und ich bin gespannt, was Nicholas Petrie noch nachliefern wird. Ein Autor, den ich im Auge behalten werde!