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Veröffentlicht am 15.09.2016

Subtile Spannung und eine unerwartete Wendung zum Schluss

Was wir getan haben
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Die zwei Brüder Luke und Nick Yates, 8 und 10 Jahre alt, spielen gemeinsam mit ihrer 8-jährigen Freundin Katie an einem Fluss in Kenia. Am gleichen Flussabschnitt halten sich noch zwei weitere Kinder auf. ...

Die zwei Brüder Luke und Nick Yates, 8 und 10 Jahre alt, spielen gemeinsam mit ihrer 8-jährigen Freundin Katie an einem Fluss in Kenia. Am gleichen Flussabschnitt halten sich noch zwei weitere Kinder auf. Plötzlich durchschneidet ein schriller Schrei die trügerische Ruhe. Die Mutter der Brüder, die in der Nähe ist, läuft sofort los, weil sie vermutet, dass etwas Tragisches passiert ist. So beginnt der Thriller „Was wir getan haben“ von dem Autorenduo Karen Perry. Der Titel deutet bereits darauf hin, dass das Geschehene als Ballast den Beteiligten in die Zukunft hinein anhängen wird.

In Dublin im Jahr 2013, etwa 30 Jahre nach den Begebenheiten am Fluss, arbeitet Katie als Reporterin. Fotos von einem toten Mädchen im Wasser bringen sie vollkommen aus dem Gleichgewicht und dann erfährt sie auch noch, dass Luke Yates, einer der beiden Brüder und inzwischen als Geschäftsmann erfolgreich, tot ist. Zur Beerdigung reist natürlich auch dessen jüngerer Bruder Nick aus Nairobi an. Das, was in Kenia passiert ist, steht immer noch zwischen den Freunden von damals. Mysteriöse Post an die beiden zeigt, dass es außerdem jemanden geben muss, der ihr Geheimnis kennt. Lukes letzter Wunsch besteht darin, seine Asche an eben jenem Fluss in Kenia, an dem die Tragödie geschah, verstreuen zu lassen. Katie und Nick kommen dieser Bitte nach. Die Erinnerungen an das damalige Ereignis drängen sich ihnen ins Bewusstsein. Wird es den beiden möglich sein, ihr Geheimnis weiterhin zu wahren?

Die Autoren erzählen, mit Ausnahme des Prologs und der Rückblenden auf das damalige Geschehen, die Geschichte im Wechsel aus der Perspektive von Nick beziehungsweise Katie. Die beiden Protagonisten schildern die Ereignisse der Gegenwart im Präsens, so dass ich mir von Beginn an sicher war, dass ihnen im Laufe der Erzählung nichts Gravierendes zustoßen konnte, denn sonst hätten sie ihre Erlebnisse nicht selbst wiedergeben können. Durch die Wahl der Zeitform kommt die Geschichte dem Leser sehr nah, sie gibt ihm das Gefühl, dass er dabei sein könnte. Die unterschwellig vorhandene Spannung wird dadurch gesteigert.

In den eingeschobenen Rückblenden erfährt der Leser immer ein kleines Stück mehr darüber, was damals passiert ist. Dabei wird allmählich klar, dass es nicht nur darum geht, wer die Schuld an den Ereignissen am Fluss trägt. Im Laufe der Erzählung wird deutlich, dass weitere Personen durch ihre Liebe, den Hass aufeinander, Freundschaft und fehlender Vergebung zu der furchtbaren Begebenheit beigetragen haben. Darüber hinaus hat deren Beteiligung weitreichende Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Durch die Ich-Form-Erzählung von Katie und Nick kann der Leser deren Gedanken und Empfindungen teilen. Von Beginn an werden beide von den Schatten ihrer Vergangenheit bedroht, sie greifen immer wieder in deren Leben ein und bringen auch körperliche Veränderungen, die sich lebensbedrohend anfühlen, mit sich. Im Mittelteil stagnierte die Geschichte und damit die Spannung kurz. Etwas verwundert habe ich mich darüber, dass die Beteiligung eines jüngeren Mädchens an dem vergangenen Geschehen und deren Aussage sowie die Spuren vor Ort keinen größeren Hinweis auf den Ablauf geben konnte. Bei Nick fand ich es seltsam, dass er sich nicht mit der Familie seiner Frau auseinandergesetzt hat.

Den Autoren ist es sehr gut gelungen bis zum Schluss die subtile Spannung zu erhalten und auch noch eine unerwartete Wendung einzubauen. Mir hat das Buch gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Buch, demi ich noch viele Leser wünsche

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben
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„Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“ ist ein ganz persönliches Buch des Autors Matt Haig. Mit 24 Jahren erkrankte er an Depression. Das Buch schildert seine Auseinandersetzung mit der Krankheit und ...

„Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“ ist ein ganz persönliches Buch des Autors Matt Haig. Mit 24 Jahren erkrankte er an Depression. Das Buch schildert seine Auseinandersetzung mit der Krankheit und die Möglichkeiten die er gefunden hat, um damit zu leben. Sehr viele Menschen, vor allem Männer, die von der Krankheit heimgesucht werden sehen keinen Ausweg und bringen sich selbst um. Auch Matt Haig hatte zunächst den Gedanken an Selbstmord, dargestellt im Piktogramm auf dem Schutzumschlag. Er stand am Rand einer Klippe und es fehlte nur noch der letzte Schritt. Doch die Feststellung geliebt zu werden und die Angst vor dem Tod hielten ihn zurück.

Neben seiner Schilderung des Verlaufs seiner eigenen Erkrankung fügt Matt Haig viele Tatsachen und Fakten über Depressionen ein. Die Krankheit ist allein deswegen tückisch, weil sie von den Mitmenschen nur durch das auffällige Verhalten des Betroffenen wahrgenommen werden kann, aber in den allermeisten Fällen fehlgedeutet wird. Der Patient zieht sich aus der Gesellschaft zurück. So kommt es zu Ausgrenzungen die eine wichtige Unterstützung der Erkrankten unmöglich machen: das Reden.

Die Krankheit ist vielfältig. Es gibt verschiedenste Ursachen, die unterschiedlichsten Krankheitsverläufe und dementsprechend auch individuelle Therapien zur möglichen Heilung. Was dem einen hilft verschlimmert beim anderen die Depression.

Das Buch will wachrütteln und das Thema Depression in die Öffentlichkeit bringen. Es ist bewusst allgemein verständlich gehalten. Neben einigen Auflistungen die Matt Haig erstellt hat, nennt er auch diverse Gründe am Leben zu bleiben. Einige Einschübe in Form von Kapiteln in diesem Buch wie beispielsweise eine Liste mit Sätzen, die die Krankheit zum Depressiven sagt, heitern den Ernst des Buches etwas auf.

Mir bleibt zu hoffen, dass dieses Buch von Vielen gelesen wird, um über die Krankheit aufzuklären, irrtümliche Vorstellungen zu beseitigen und eventuell auch bereits Erkrankte dazu bringt, professionelle Hilfe zu suchen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schöne Lektüre für Sommertage

Der Sommer der Sternschnuppen
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Grace Hammond, Anfang 30, Überarbeiterin von computergenerierten Übersetzungen und Ordnungsfanatikerin, wohnhaft in Manhattan, ist derzeit arbeitslos und gerade wieder zum Single geworden. Als auch noch ...

Grace Hammond, Anfang 30, Überarbeiterin von computergenerierten Übersetzungen und Ordnungsfanatikerin, wohnhaft in Manhattan, ist derzeit arbeitslos und gerade wieder zum Single geworden. Als auch noch ein Wasserschaden ihre Wohnung unbewohnbar macht, beschließt sie, für einige Wochen zu ihren Eltern nach Hause in die Kleinstadt Dorset zu ziehen. Ihre Eltern sind erfreut über den Besuch, ihre Freundin Cluny schmiedet gleich wieder Pläne zu gemeinsamen Aktivitäten.

So beginnt der Roman „Der Sommer der Sternschnuppen“ von Mary Simses. Das Cover ist wunderschön und ansprechend gestaltet und deutet auf einen leicht beschwingten Inhalt mit viel Liebe hin, den man hier auch vorfindet. Über alldem liegt jedoch das Geheimnis einer Bürde, die die Protagonistin mit durch ihr junges Leben schleppt.

Als Grace ein altes Fahrrad ins Geschäft zur Reparatur bringt begegnet sie dort der Aushilfe Mitch der schon bald weitergehendes Interesse an ihr zeigt. Außerdem trifft sie in Dorset auf bekannte Gesichter ihrer Jugendzeit, allen voran ihr Ex-Freund Peter, der inzwischen als erfolgreicher Regisseur arbeitet und im Moment Szenen vor Ort für einen neuen Film dreht. Alte Gefühle werden wieder in ihr wach und auch der Filmschauspieler Sean kann ihre Aufmerksamkeit für sich gewinnen. Schließlich sieht sich Grace von gleich drei Männern begehrt. Wer mag nur der Richtige für sie sein?

Doch der Höhenflug ihres Glücks in Liebesdingen wird überlagert von dem alten Schmerz eines nicht verarbeiteten Verlusts einer ihr nahestehenden Person. Erst muss sie sich mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigen, um weitere erfolgreiche Schritte in die Zukunft zu gehen.

Grace konnte trotz ihrer gelegentlichen Naivität meine Sympathie erlangen. Zu Beginn des Buchs ist bemitleidenswert. Doch sie macht das Beste aus der momentanen Situation. Dabei stellt sie erst später fest, wie sehr sie ihren Eltern mit ihren seltenen Besuchen daheim fehlt. Erst als es ihr gelingt inne zu halten und das Gespräch zu suchen, wird ihr klar, dass sie deren Umgang mit ihr fehl gedeutet hat. Und auch in Sachen Liebe wird ihr im Laufe der Ereignisse deutlich, wer ihr Vertrauen und ihre Zuneigung verdient hat.

Die Protagonistin bedient sich einer gewissen Leichtigkeit und neigt dazu, von einem Fettnäpfchen ins Nächste zu tappen. Es ist nicht einfach für sie, wieder in der Heimat zu sein und auf ihre Schulkameraden zu treffen. Als in der Großstadt wohnend möchte sie sich ihnen gegenüber gerne als jemand zeigen, der Karriere gemacht hat. Indem Grace öfters mal in Situationen über ihren derzeitigen Stand flunkert und sich selbst so gibt, wie es für ihr Gegenüber interessant erscheint, entstehen Szenen mit viel Komik. Die Kapitel beginnen jeweils mit einer Grammatikregel und einem dazu passenden Beispielsatz. Diese Kapitelanfänge stehen in Bezug zu der Penibilität von Grace in Sachen Rechtschreibung und Ordnung, die zu weiteren Momenten mit Witz und Charme führen.

Die Autorin besetzt einige ihrer Charaktere recht klischeehaft, wie beispielsweise den Schauspieler Sean. Das ist amüsant zu lesen. Trotz des an Grace nagenden Geheimnisses in Bezug auf den Verlust einer ihr wichtigen Person stimmt der Roman nicht traurig. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bleibt oberflächlich. Jedoch bringt die von Beginn an auf Grace liegende, zu spürende Last auch eine Prise Spannung in die Erzählung.

Mary Simses lässt ihre Geschichte an der Küste von Connecticut spielen. Die üppige Landschaft fliegt bei den Fahrradtouren der Protagonistin am Leser vorbei und die über allem liegende Wärme des Sommers ist vermeintlich zu spüren. Bis nahezu zum Schluss bleibt offen, für welchen weiteren Lebensweg sie sich entscheiden wird. Einen großen Anteil dazu trägt bei, ob einer der drei an ihr interessierten Männer ihr Herz erobern wird.

Das Buch hat mich bestens unterhalten und ich empfehle es gerne als sommerlich leichte Lektüre weiter.

Veröffentlicht am 11.11.2025

Die Ausführung des Themas bleibt hinter ihrem Potenzial zurück

Grand Hotel Avalon
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Mit „Grand Hotel Avalon“ legt Maggie Stiefvater ihren ersten Roman für Erwachsene vor. Die Handlung ist angesiedelt in der beeindruckenden Landschaft der Appalachen in West Virginia, die die Autorin bestens ...

Mit „Grand Hotel Avalon“ legt Maggie Stiefvater ihren ersten Roman für Erwachsene vor. Die Handlung ist angesiedelt in der beeindruckenden Landschaft der Appalachen in West Virginia, die die Autorin bestens kennt, weil sie unweit davon entfernt mit ihrer Familie lebt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht June Porter Hudson, die Hotelleiterin des titelgebenden fiktiven Hotels, dem zentralen Ort des Geschehens. Die Handlung umfasst wenige Monate der Jahre 1942 und 1943. June wurde von ihrem Vorgängen, dem früheren, inzwischen verstorbenen Besitzer des Hauses, seit ihrer Jugend auf ihre Rolle vorbereitet. Sie ist eine bemerkenswerte Frauenfigur und in einer Führungsposition, die zur damaligen Zeit durchaus nicht alltäglich war.

Doch es ist nicht nur der Luxus, für den das Hotel mit seinen etwa vierhundert Zimmern bekannt ist. Legendär sind hier die Behandlungsmöglichkeiten durch geheimnisvolles, süßes Heilwasser und nur June kann es kontrollieren, denn es scheint die Stimmungen aller Menschen im Haus wahrzunehmen. Mit ihren eigenen Emotionen kann die Hotelleiterin durch stundenlangen Aufenthalt im Wasser gegensteuern und auf diese Weise verhindern, dass das Wasser umschlägt. Zahlreiche Schnecken dienen dabei als Warnsignal. Das Covermotiv greift dieses Symbol auf und deutet den Zusammenhang mit den Weichtieren an. Die schwarz-weiße Gestaltung lässt zugleich die Epoche anklingen, in der die Handlung angesiedelt ist.

Das wunderschöne Setting ist eine Stärke des Romans. Das Hotel ist imposant und befindet sich in einer traumhaften Kulisse in den Bergen. Hier können die wohlhabenden Gäste entspannen und ihre Sorgen vergessen. Doch der Krieg verschont auch diese Idylle nicht. Die Autorin hat eine wenig bekanntes historische Kapitel eingefangen. Sie schreibt darüber, dass statt zahlender Besucher dreihundert Diplomaten der Achsenmächte und ihre Familien dort interniert werden, wie es in der Realität zur damaligen Zeit in mehreren bekannten Hotels tatsächlich stattfand.

Leider verliert sich die Erzählung stellenweise im Detail. Häufige Rückblenden in Junes Vergangenheit lassen die Handlung in der Gegenwart nur behäbig voranschreiten. Zwar treten zwischen den Diplomaten immer wieder Intrigen zutage, doch Spannung entwickelt sich kaum. Das Verhalten einiger Figuren wirkt zudem manchmal überraschend modern, was das historische Flair der 1940er Jahre abschwächt. Der magische Realismus sorgt für einen Hauch magischer Atmosphäre, bleibt jedoch in seiner Bedeutung für die Handlung eher vage und trägt wenig zur Dramaturgie bei.

In ihrem Roman „Grand Hotel Avalon“ verknüpft Maggie Stiefvater einen beeindruckenden Schauplatz, eine starke Protagonistin sowie politische Verwicklungen und eine leise Liebesgeschichte. Trotz dieser vielversprechenden Ansätze für eine ungewöhnliche Erzählung über Verantwortung und Loyalität bleibt die Ausführung leider hinter ihrem Potenzial zurück und konnte meine Erwartungen nicht ganz erfüllen.

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Veröffentlicht am 01.11.2024

Eine Auswahl von dreizehn Märchen aus aller Welt

Die Froschprinzessin. Märchen aus aller Welt
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Das Buch „Die Froschprinzessin“ aus dem Verlag Fischer Sauerländer beinhaltet eine Sammlung von Märchen aus aller Welt. Die bekannte deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke hat die Geschichten ...

Das Buch „Die Froschprinzessin“ aus dem Verlag Fischer Sauerländer beinhaltet eine Sammlung von Märchen aus aller Welt. Die bekannte deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke hat die Geschichten kuratiert. Mit beeindruckenden Farbillustrationen wurden sie von Julia Plath versehen, die beim Projekt für Künstler:innen von Cornelia Funke zu den Resident:innen in der Toskana gehört.

Der vorliegende Band von nicht ganz 200 Seiten umfasst Erzählungen aus verschiedenen Kulturkreisen, die nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene interessant sind. Neben einigen aus Europa, sind Erzählungen aus Russland, Vietnam und Japan vertreten. Die Konzeptionistin verweist in einem Kommentar darauf, dass asiatische Märchen nicht wie fast jedes westliche mit einem Erfolg endet, was an den unterschiedlichen sozialen Konventionen liegt.

Obwohl Cornelia Funke im Vorwort bekennt, dass sie keine Anhängerin von Märchen ist, besitzt sie eine umfassende Sammlung. Die Erzählungen sind bereits 2018 in englischer Sprache erschienen. In ihren Kommentaren zu den jeweiligen Geschichten stellt die Kuratorin mehrfach Bezug zu ihrem Roman „Reckless“ her, für den sie ebenfalls viele Märchen gelesen hat.

Bei ihrer Auswahl der insgesamt dreizehn Märchen hat Cornelia Funke nach solchen gesucht, die ihr eher unbekannt erschienen und deren Held oder Heldin ihr rebellischer vorkam als in anderen Erzählungen, die hauptsächlich die Werte patriarchaler Gesellschaften zu festigen versuchen. Die im Buch befindlichen lösen sich aus dieser Tradition nicht vollständig. Letztlich hat aber die Neugier der Kuratorin und der Zufall Feder geführt bei der Zusammenstellung der Sammlung.

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