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Veröffentlicht am 30.09.2019

Erlösung im Licht

GOTTESZONE
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Man nehme einen fernen Planeten in einer fernen Zukunft, auf dem eine Kolonie errichtet wurde, die zusammengewürfelte Crew eines Raumschiffs, und einen unsympathischen Auftraggeber mit der Order, zu ergründen, ...

Man nehme einen fernen Planeten in einer fernen Zukunft, auf dem eine Kolonie errichtet wurde, die zusammengewürfelte Crew eines Raumschiffs, und einen unsympathischen Auftraggeber mit der Order, zu ergründen, warum der Kontakt zu eben dieser Kolonie abgebrochen ist und schon ist man mittendrin in der Geschichte. Gleich zu Beginn habe ich einige Parallelen gezogen zu Filmen aus dem Sience-Fiktion Genre, doch dann entwickelt sich die Story sehr eigenständig.

Der Titel lässt ja einen religiösen Hintergrund vermuten, den gibt es auch, aber ganz anders, als wir Religiosität gemeinhin beschreiben. Mit Gott hat das Buch so gar nichts zu tun, eher mit Anbetung bis zum Fanatismus, der totalen Selbstaufgabe, Verblendung, ausgelöst nicht durch den Kult um eine Person, sondern durch eine Krankheit, einen Virus. Sehr verwirrende und beängstigende Vorstellung. Möglich macht diese Infektion auch der im Buch beschriebene technische Fortschritt.

Technische Beschreibungen in Si-Fi Romanen sind ja so eine Sache, es kann sehr schnell sehr langatmig und öde werden, man hat als Leser oft das Gefühl, man müsste studiert haben um das alles zu verstehen. Auch im Buch gibt es einiges an technischen Details und gerade im Mittelteil hab ich nicht alles komplett verstanden, man kann aber vieles herleiten, oder aus ähnlichen Geschichten übernehmen. Der Autor greift hier auf viel altbewährtes zurück und schafft kein vollkommen neues Universum.

Die Figuren können dem Leser etwas flach vorkommen. Man erfährt kurz und prägnant einiges zu ihren Hintergründen, gerade genug um ihre Position in der Geschichte zu untermauern. Generell erzählt der Autor seine Story eher kurz, beschränkt sich auf die wichtigen Dinge, der Stil ist unaufgeregt, schafft aber trotzdem Spannung. Die Figuren erzeugen schnell Sympathie, Antipathie und Emotionen. Der Mittelteil des Buches befasst sich stark mit der "Erkrankung" der Kolonisten, hier wird es für die Figuren und für den Leser etwas verwirrend, aber auch das unterstützt die Grundaussage der Geschichte.

Ich bin bekennender Liebhaber von Si -Fi, zugegebenermaßen aber eher im Film als im Buch. Im Film kann gerade die Zukunftsvision mit all ihren Errungenschaften viel schneller verständlich gemacht werden. Im Buch ist da viel der Fantasie des Lesers überlassen, so zum Ende hin auch hier. Ganz konform gehe ich nicht mit dem Abschluss der Geschichte, für meinen Teil hätte es noch mehr Aufklärung geben können, der Autor lässt bewusst einiges unbeantwortet. Muss mir nicht gefallen, ist aber sein gutes Recht.

Geschichten in diesem Stil kann es gern mehr von Autor geben, allerdings bin ich mir etwas unschlüssig, ob ich sie mit den den selben Figuren erleben möchte. Gleich nach Beendigung des Buches dachte ich eher nicht an eine Art Fortsetzung, mittlerweile könnte ich mich mit dem Gedanken durchaus anfreunden.

Veröffentlicht am 26.09.2019

Erinnerungen

Wie Frau Krause die DDR erfand
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Ich bin selbst auch ein Kind der DDR, habe meine Kindheit und Jugend in diesem Land erlebt. Schon auf den ersten Seiten waren die Erinnerungen da, als Isas Oma vorm Fernseher die Ziehung der Lottozahlen ...

Ich bin selbst auch ein Kind der DDR, habe meine Kindheit und Jugend in diesem Land erlebt. Schon auf den ersten Seiten waren die Erinnerungen da, als Isas Oma vorm Fernseher die Ziehung der Lottozahlen verfolgt, ähnlich wie es meine Oma auch immer getan hat.

Isa, oder besser Isabella ist Schauspielerin und bewirbt sich eher notgedrungen für einen Werbespot für Joghurt. Aus dem Spot wird nichts, dafür wird sie angeheuert um Protagonisten für eine Fernsehserie zu finden, die erzählen, "wie es in der DDR wirklich war". Eigentlich ganz einfach, sollte man meinen, doch Isa fühlt sich mit diesem Auftrag zunehmend unwohl, obwohl ihr die Reise in die Vergangenheit, in ihre Kindheit, durchaus gefällt.

Die Autorin beschreibt die Suche nach "Authentizität" mit sehr viel Humor. Die Erinnerungen der meist schon älteren Protagonisten sind sehr echt erzählt, unverklährt, ohne Schuldzuweisungen , oder politische Propaganda. Beim Lesen kamen Erinnerungen hoch an Dinge, an die ich seit Ewigkeiten nicht gedacht habe, wie die Plastikhülle für die Milchtüten. Anderes, wie der typische Bahnhofsgeruch sind mir heute noch so gegenwärtig, wie vor dreißig Jahren. Ich fand es herrlich.

Sehr eindringlich wird der Unterschied deutlich zwischen dem, was die Menschen erinnern, die hier gelebt haben und dem, was die Anderen gern erinnern wollen. Besonders beim Interview mit den Zeitzeugen wird dies erkennbar, wen der westdeutsche Redakteur unzufrieden damit ist, das die Kindergärtnerin nicht einsehen will, wie falsch sie all die Jahre bei der Erziehung vorgegangen ist, oder keiner etwas über die Stasi und die Mangelwirtschaft erzählt. So sehr ich bei den Geschichten der oft etwas verschrobenen Figuren auch Schmunzeln musste, so sehr hat mich erbost, auf was das Leben in der DDR am Ende meist reduziert wird. Der Spruch "Es war nicht Alles schlecht" hat durchaus seinen wahren Kern und nichts mit übersteigerter Ostalgie zu tun.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Planung ist alles

Architekt des Bösen
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Ein Verbrechen bedarf ja auch immer der Planung. Je besser die Planung, desto höher die Chancen, dass das Verbrechen gelingt und die Täter nicht geschnappt werden. Was, wenn die Planung nun quasi ausgelagert ...

Ein Verbrechen bedarf ja auch immer der Planung. Je besser die Planung, desto höher die Chancen, dass das Verbrechen gelingt und die Täter nicht geschnappt werden. Was, wenn die Planung nun quasi ausgelagert wird, an einen hochbrillianten Kopf, der präzise wie ein Architekt das perfekte Verbrechen plant. Goldene Zeiten für die Verbrecher, goldene Zeiten für den Architekten, der seinem Intellekt nun immer größere Herausforderungen verschaffen kann, und Geld bringt das Ganze ja auch noch ein. Gewissensbisse hat er dabei nicht, denn schließlich tut er nichts Unrechtes, ist nicht aktiv an der Tat beteiligt.


Im vorliegenden Thriller wird der Architekt von einer Reichsbürger Vereinigung in Anspruch genommen. Es geht um die Planung eines Diebstahls, was da allerdings gestohlen werden soll, ist ziemlich gefährlich.
Für die Ermittlungen bedient sich der Autor nicht nur der offiziellen Behörden, sondern auch einem privaten Team, das gibt der Geschichte eine interessante Variante. Die Ermittler gehen ungewöhnliche Wege und haben ungewöhnliche Helfer, durch diese Kombination bekommt das Buch, trotz des ernsten Hintergrundes sehr viel Humor. Die Figuren sind sehr charismatisch, einige kann der Leser schon aus anderen Büchern kennen.

Die Geschichte läuft nicht fortwährend auf Höchststufe, trotzdem aber immer spannend. Es ist kein Thriller im amerikanischen Stil, mit wilden Schießereien und Verfolgungsjagden auf jeder zweiten Seite. Die Hintergründe zur Reichsbürger Szene sind ebenso aktuell, wie auch die Bedrohung durch die absichtliche Freisetzung eines Krankheitserregers. Beide Themen werden gut zusammengefügt, ohne reisserisch zu sein, oder das Ganze zu verharmlosen.

Gut gemachter deutscher Thriller.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Mord vor beschaulicher Kulisse

Tod an der Seebrücke
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Es war so schön das Ermittlerteam Flottmann und Hilgersen wiederzusehen. Die beiden gestandenen Kommissare bilden durch ihren liebevoll frotzeligen Umgang miteinander einen guten Kontrast zu den Kriminalfällen, ...

Es war so schön das Ermittlerteam Flottmann und Hilgersen wiederzusehen. Die beiden gestandenen Kommissare bilden durch ihren liebevoll frotzeligen Umgang miteinander einen guten Kontrast zu den Kriminalfällen, mit denen sie im beschaulichen Husum konfrontiert werden. Gerade für Flottmann ist von der Ruhe, die er sich durch seine Versetzung in den hohen Norden versprochen hat, nichts zu spüren.


Der aktuelle Fall gibt von Anfang an Rätsel auf. Obwohl die Tat gefilmt wurde gibt es keinen Hinweis zum Täter und auch vom Opfer fehlt jede Spur. Wenig später gibt es einen weiteren Toten, der in enger Beziehung zum ersten Opfer stand. Da es einige Unstimmigkeiten gibt, zieht Flottmann einen alten Bekannten zu den Ermittlungen hinzu, den hochsensiblen Musiker Leon Gerber, der schon in einem früheren Fall hilfreich war.

Der Autor baut einen soliden Krimi inmitten einer wunderschönen Küstenlandschaft. Während Flottmanns Vorgesetzte den Fall mit moderner Technik lösen wollen, bleibt der Kommissar, den traditionellen Methoden treu und der Leser kann über ihn gut den Ermittlungen und den damit verbundenen Spekulationen folgen. Spannung gibt es auch durch den Rückblick auf ein früheres Verbrechen, von dem nicht klar ist, ob und wie es mit dem aktuellen Fall zusammenhängt.

Die Geschichte hatte für mich anfangs etwas von "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast" , hat sich dann aber in eine gänzlich andere Richtung entwickelt. Im späteren Verlauf waren die tatsächlichen Hintergründe dann zwar für Ermittler und Leser zu erahnen, trotzdem schafft es der Autor den genauen Hergang noch bis zuletzt spannend zu halten.
Das Buch ist in sich abgeschlossen und kann gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Im Bezug auf die Figur des Leon Gerber ist es aber schöner, wenn man die Vorgänger kennt, denn sein "Projekt" spielt hier eine Rolle und wird hoffentlich im nächsten Buch fortgeführt.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Erschreckend

Die letzte Witwe
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Für mich war dies erst das zweite Zusammentreffen mit Will Trent. Ich liebe die Bücher um Sara Linton und Jeffrey Tolliver, und konnte mich nach seinem Tod irgendwie nicht damit abfinden, dass da plötzlich ...

Für mich war dies erst das zweite Zusammentreffen mit Will Trent. Ich liebe die Bücher um Sara Linton und Jeffrey Tolliver, und konnte mich nach seinem Tod irgendwie nicht damit abfinden, dass da plötzlich ein anderer Mann an Saras Seite war. Nachdem ich die folgenden Bücher boykottiert habe, hatte ich mit "Die letzte Witwe" Lust zu erfahren, wie es Sara inzwischen ergangen ist.


Der Start ins Buch war wie Wiedersehen mit einer alten Freundin, Sara in Diskusion mit ihrer Mutter, die Will genauso skeptisch gegenüber steht wie ich. Er ist eben nicht Jeff, aber ke in anderer Mann ist eben wie Jeff, also geb ich ihm eine Chance. Mir als Leser fällt das leichter als Saras Mutter im Buch, den in ihren Augen vergeigt er es, da er zulässt, dass Sara von den Mitgliedern einer extremistischen Gruppierung entführt wird.

Mit dem Szenario dieser Entführung ist man schon direkt auf den ersten Seiten mitten im Geschehen, ich persönlich mag es gern, wenn man gleich ohne großes Vorgeplänkel in eine Story startet. Alles was wichtig für die Geschichte und die Hintergründe ist erfährt man im weiteren Verlauf.
Etwas gewöhnungsbedürftig war die Tatsache, dass man die Geschehnisse bis zur Entführung einmal aus Saras Sicht und nochmals aus der von Will gelesen hat. Ich denke die Autorin wollte damit das Extreme der Situation für jeden einzeln besser rüber bringen. Später folgt man der Geschichte abwechselnd und ist somit überall dabei.

Karin Slaugther greift ein sehr erschreckendes, und gerade in Amerika, sehr aktuelles Thema auf. Gruppierungen der beschriebenen Art erfreuen sich ja trotz ihrer fragwürdigen Hintergründe eines großen Zulaufs. Erschreckend, wie es wenigen, charismatischen Führungspersönlichkeiten gelingt, Menschen die vom Leben enttäuscht und unzufrieden mit der Situation sind, zu instrumentalisieren und zu manipulieren. Die Autorin beschreibt sehr eindrucksvoll, wie diese Anführer sich selbst darstellen und ihr Handeln rechtfertigen, und welchen Einfluss sie somit auf ihre Gefolgsleute haben. Wie die Geschichte zeigt, ist ein solches Szenario keine Utopie, denkt man nur an Mason und ähnliche Verblendete.

Das Buch ist ein typischer Karin Slaughter. Die Geschichte ist logisch angelegt, die Figuren glaubhaft, der Verlauf berührend. Das Ende hätte ich eigentlich kommen sehen müssen, trotzdem hat es mich kalt erwischt.
Ich denke ich bin nun versöhnt mit Will und seiner Rolle in Saras Leben, genau wie ihre Mutter, kann ich ihn nun als Familienmitglied akzeptieren.