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Veröffentlicht am 17.08.2019

Die Landpomeranze

OMG, diese Aisling!
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Aisling ist 28 und wohnt wieder bei ihren Eltern in einer irischen Kleinstadt. Sie arbeitet in Dublin bei der Rentenversicherung und ist schon 7 Jahre mit ihrem Freund John zusammen. Als er ihr weder bei ...

Aisling ist 28 und wohnt wieder bei ihren Eltern in einer irischen Kleinstadt. Sie arbeitet in Dublin bei der Rentenversicherung und ist schon 7 Jahre mit ihrem Freund John zusammen. Als er ihr weder bei der x-ten Hochzeit von Freunden noch im darauf folgenden Urlaub endlich den ersehnten Antrag macht, reißt ihr Geduldsfaden und sie macht mit ihm Schluss – sie will nicht nochmal 7 Jahre warten, bis er vielleicht endlich bereit für die Ehe ist. Zumal auch der Druck von ihren Eltern, Freunden und Kollegen immer größer wird: „... wenn ihr in dem Tempo weitermacht, seid ihr mit einem Fuß im Grab, bevor ihr zum Altar schreitet.“ (S. 67)
Und wo sie schon nun mal dabei ist, sich neu zu erfinden, mistet sie endlich ihren Kleiderschrank aus und nimmt das Angebot ihrer hippen Kollegin an, mit in deren WG zu ziehen – vom Bauernhof in ein luxuriöses Penthouse. Ihr Leben dreht sich um 180 Grad, aber wird es auch besser?!

Ich hatte Probleme, mit Aisling warm zu werden. Sie ist die typische Landpomeranze, etwas unbeholfen, robust, praktisch veranlagt (auch was ihren Kleidungsstil und die Schuhe angeht) und eigentlich ständig auf Diät. Uneigentlich rechnet sie zwar bei jedem Essen die Weight-Watchers-Punkte nach, stopft sich dann aber trotzdem mit Chips und Pommes voll. Außerdem hat mich gestört, dass sie ihre Kolleginnen ständig um deren schicke Klamotten beneidet um im gleich Atemzug zu denken, dass sie die ja eigentlich hässlich findet. Auch das ständige Nachrechnen, was wieviel gekostet hat, nervt – man versteht es erst als ihre Mutter erzählt, dass sie lange am Existenzminimum gelebt haben. Und nicht zuletzt lässt sich Aisling von ihrer Umgebung einreden, dass sie und John doch endlich eine Familie gründen müssen ...
Vielleicht verstehe ich ihre Probleme nicht, weil ich älter bin als sie. Aber mit 28 sollte man doch einen eigenen Lebensentwurf gefunden haben und sich nicht mehr reinreden lassen, oder? Es hat mir etwas zu lange gedauert, bis sie endlich begriffen hat: „Es wird Zeit, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe, dass ich mein Schicksal selbst lenke, dass ich herausfinde, was ich will – für mich selbst und nicht für jemand anderen.“ (S. 313)

Von Aisling abgesehen, mochte ich die Geschichte. Ihre Eltern sind hilfsbereit, bodenständig und wollen, dass es ihre Kinder besser haben als sie. Ihre Schicksalsschläge (über die ich hier nichts verraten will) haben mich sehr berührt. Auch John mochte ich sehr. Er hält sich an das, was Aisling verlangt, nämlich dass sie sich nicht mehr sehen, und sorgt damit bei ihr für viele Tränen und einige ungewollte Verwicklungen, das hat die Geschichte spannender gemacht.

Mein Fazit: Nicht ganz so komisch wie erwartet, aber eine schöne Selbstfindungsgeschichte.

Veröffentlicht am 24.06.2019

Der Inhalt passt nicht zum Klappentext

Die Mondschein-Lagune
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Was der Klappentext verspricht:
„Antonias Leben in Berlin ist festgefahren. Die junge Archäologin zögert keine Sekunde, als ihr ein Forschungsauftrag in Venedig angeboten wird. Kaum angekommen, lernt ...

Was der Klappentext verspricht:
„Antonias Leben in Berlin ist festgefahren. Die junge Archäologin zögert keine Sekunde, als ihr ein Forschungsauftrag in Venedig angeboten wird. Kaum angekommen, lernt sie die alte Contessa Ada Foscarini kennen, in deren Palazzo sie wohnen wird. Sie vertraut Antonia ein düsteres Geheimnis an, das wie ein Fluch über ihrer Familie liegt, und bittet sie um Hilfe. Mit dem Venezianer Dario begibt sich Antonia tief hinein in das Herz der Stadt und erkennt allmählich, dass sie in Venedig ihr Glück finden könnte – und vielleicht die Liebe.“

Worum es wirklich geht:
Antonia fühlt sich in ihrer Beziehung in mit Stefan in Berlin nicht mehr wohl und will sich von ihm trennen. Statt einer offenen Aussprache nimmt sie einen mehrmonatigen Forschungsauftrag in Venedig zum Thema „Archäologische Forschungen auf den Laguneninseln“ an. Sie wohnt in dieser Zeit bei der Contessa Ada Foscarini. Bereits am ersten Tag lernt sie Dario kennen, einen ehemaligen Gondoliere und jetzigen Wassertaxifahrer, der sich sehr für den Umweltschutz einsetzt. Ihm geht es dabei vor allem um den Erhalt des ursprünglichen Venedigs, er ist für das Verbot der Lagunenbebauung, die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeiten für die Motorboote, den Verbot der Kreuzfahrtschiffe etc.

Man merkt der „Mondschein-Lagune“ an, dass Autorin Dorette Deutsch Kulturpolitikerin ist, sich sehr gut in Venedig auskennt und sich sonst mit sozialkritischen Themen auseinandersetzt. Der Spagat, Umweltpolitik mit einer Liebesgeschichte zu verbinden, ist ihr in meinen Augen leider nicht ganz gelungen. Ich hatte eher das Gefühl, einen Stadtgeschichtsführer über Venedig mit dem besonderen Schwerpunkt Nachhaltigkeit zu lesen. Auch das Familiengeheimnis als solches gibt es nicht wirklich.

Dabei hat sie vor allem Ada sehr liebevoll und mehrschichtig ausgearbeitet. Diese ist zwar schon um die 80, hat sich aber ihren jugendlichen Charme und einen großen Freundeskreis erhalten, obwohl sie recht zurückgezogen in dem alten Palazzo der Familie lebt. Leider ist sie die letzte Foscarani, da sie nie verheiratet war. Sie fühlt sich Antonia schnell verbunden, gibt ihr wertvolle Lebensweisheiten „In der Liebe lebt man immer nur, was man in sich trägt.“ (S. 10) und macht sie mit den richtigen Leuten bekannt.
Antonia blieb für mich leider etwas blass. Sie fühlt sich in Venedig nicht zuletzt wegen Dario sehr wohl: „Es kommt mir so vor, als hätte hier ein neues Kapitel in meinem Leben angefangen.“ (S. 105). Worin ihr Forschungsprojekt besteht und was sie dafür tut, außer durch die Lagunenstadt zu gondeln, wird viel zu kurz abgehandelt.

Obwohl mir vor allem der poetische Schreibstil und das venezianische Flair sehr gefallen haben, konnte mich das Buch nicht überzeugen. Ich hatte etwas komplett anderes erwartet. Zudem lässt die Autorin zum Ende jedes Kapitel auch noch Adas Katze und deren besten Freund, eine Ratte, zu Wort kommen. Das passte für mich leider überhaupt nicht zum Rest der Handlung. In diesen Gesprächen geht es ebenfalls um Geschichte, Politik oder Sehenswürdigkeiten Venedigs. Das hätte man sicher auch anders lösen können.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Mehr politisches Statement als Krimi

Bronstein
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Wien 1936: Oberst David Bronstein soll zusammen mit seinem Mitarbeiter Cerny den Mord an Hans Binder aufklären, einem ehemaligen Vertrauensmann der Sozialdemokraten, welcher in seiner Wohnung erschossen ...

Wien 1936: Oberst David Bronstein soll zusammen mit seinem Mitarbeiter Cerny den Mord an Hans Binder aufklären, einem ehemaligen Vertrauensmann der Sozialdemokraten, welcher in seiner Wohnung erschossen wurde. Allerdings finden sich keinerlei Hinweise auf den Täter oder wenigstens ein Motiv. Die anderen Mieter im Haus meinen „Die G´schicht´ ist ja eh völlig klar. Den Hans, den haben die Faschisten g´macht.“ (S. 17)
So ist es auch nicht verwunderlich, dass Bronsteins Chef ihn nur 2 Tage später von dem Fall abzieht. Der tote Binder interessiere keinen, um den kann sich der Cerny kümmern. Er soll stattdessen in einem Sozi-Prozeß einen Zuschauer spielen und die anderen Zuschauer bespitzeln. Bronstein hat keine Lust, aber schon der erste Verhandlungstag macht ihm klar, dass dieser Prozess ein Politikum ist und seine Meinung über die herrschenden Verhältnisse nachhaltig beeinflusst.

„Bronstein – sein vergessener Fall“ ist bereits der 5. Fall dieser Reihe und obwohl ich die Vorgängerbände nicht kenne, hatte ich keine Probleme, die Figuren oder ihre Handlungen zu verstehen. Trotzdem konnte mich Andreas Pittler nicht ganz überzeugen.
Oberst Bronstein kein schneidiger Ermittler, sondern ein netter, älterer, gemütlicher Herr, der auf seine Pensionierung wartet und die Zeit gern im Kaffeehaus oder der Wirtschaft verbringt. „Wie sollte da er, alt und verbraucht, einen Mörder fangen, wenn überhaupt nichts mehr so war, wie es vordergründig den Anschein hatte?“ (S. 109) Im Umgang mit Frauen ist er etwas ungelenk aber charmant. Die Welt ist im Umbruch und Bronstein wird das alles zu viel. Der erste Weltkrieg war doch schlimm genug, warum haben die Menschen nichts daraus gelernt sondern bekriegen sich schon wieder?! Am liebsten würde er am Meer sitzen und in die Wellen starren. Genau so ermittelt er auch, ganz in Ruhe.

Mit fehlte hier eindeutig Spannung. Die Handlung tröpfelt nur so vor sich hin. Ungefähr die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem Gerichtsprozess und der Nazifizierung Europas, statt mit dem Mord. Ich war regelrecht überrascht, als es dann auf den letzten 60 Seiten doch noch mal um den Fall ging und er auch endlich aufgeklärt wurde.
Der Autor erzählt sehr weitschweifig, kommt vom Hundertsten ins Tausendste und verwendet sehr viele österreichische Begriffe, die leider nicht alle erklärt werden. Das sorgt zwar für viel Wiener Schmäh, aber auch Verwirrung bzw. Verzögerung, weil man immer mal wieder Googeln muss, was denn nun gemeint ist.
Leider nur 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 08.04.2019

Konnte mich nicht annähernd so berühren, wie ich es erwartet hatte

Wenn du das hier liest
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Iris ist Anfang 30, als sie kurz vor Neujahr die Diagnose Krebs erhält: „Um den Tod kommt keiner von uns herum, doch Ihnen steht er aller Wahrscheinlichkeit nach binnen sechs Monaten oder auch schon früher ...

Iris ist Anfang 30, als sie kurz vor Neujahr die Diagnose Krebs erhält: „Um den Tod kommt keiner von uns herum, doch Ihnen steht er aller Wahrscheinlichkeit nach binnen sechs Monaten oder auch schon früher bevor.“ (S. 12) Ein halbes Jahr später ist sie wirklich tot, auch wenn es zwischendurch so aussah, als hätte sie eine Chance.
Als ihr Nachfolger ihren Schreibtisch ausräumt findet er eine Mappe, die für ihren Chef bestimmt ist: „Smith, wenn du meinst, dass das hier irgendwas taugt, steht es dir frei, es zu veröffentlichen.“ (S. 29) Smith und Iris waren Freunde, trotzdem wusste er nicht, dass sie ihr kurzes Leben mit dem Krebs in einem Blog dokumentiert hat – ihre Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen, Wünsche und Träume. Aber Smith will die Aufzeichnungen nicht ohne die Zustimmung von Iris Schwester Jade veröffentlichen und schreibt ihr eine Mail ..

Die Idee des Buches ist nicht neu – auch in „eMail für Dich“ und „Gut gegen Nordwind“ kommunizieren die Personen überwiegend über Mails, hier kommt noch die Komponente Krebstod hinzu. Trotzdem konnte es mich nicht annähernd so berühren, wie ich es erwartet hatte. Das lag zum einen daran, dass hier verschiedene Personen Mails tauschen und es dadurch teilweise recht unübersichtlich wurde. Es gab sogar einen Strang mit Mails einer etwas durchgedrehten Kundin, der m.E. völlig überflüssig war, genau wie die Spam-Mails und Smith’ Bettelbriefe um neuen Kunden zu akquirieren – es wäre auch ohne sie deutlich gewesen, dass es seiner Firma nicht gut geht. „Wenn ein paar Dinge schlecht laufen, ruiniert man gleich alles, dann kann es wenigstens nicht noch schlimmer werden.“ (S. 166)
Ich hätte mir stattdessen gewünscht, dass Iris’ Blog und ihre Geschichte mehr Raum einnehmen, denn diese kurzen Passagen haben mich wirklich bewegt: „Die ganze Zeit dachte ich, mein richtiges Leben hätte noch gar nicht angefangen. Jetzt stellt sich raus: Das hier war mein leben.“ (S. 14) oder die angekündigte Liebesgeschichte zwischen Jade und Smith.
Generell kommt man den Protagonisten leider nicht so nah, wie man es erwartet hätte. Obwohl sie alle keine leichte Kindheit und zum Teil daraus resultierende Traumata haben, bleibt man beim Lesen seltsam reserviert und außen vor. Schade, ich hatte mir mehr erhofft.
Leider nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Wirre Handlung

Tod im Land der tausend Seen
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„Du magst die Vergangenheit nicht so sehr, oder?“ „Ich versuche mit großer Mühe, das Heute zu ertragen. Deshalb habe ich keine Nerven, mich mit allem anderen auch noch zu beschäftigen.“ (S. 24) Lilo Glück ...

„Du magst die Vergangenheit nicht so sehr, oder?“ „Ich versuche mit großer Mühe, das Heute zu ertragen. Deshalb habe ich keine Nerven, mich mit allem anderen auch noch zu beschäftigen.“ (S. 24) Lilo Glück ist seit 5 Jahren Witwe und gerade mit ihren Kindern von Stuttgart in ihre Geburtsstadt Neustrelitz zurückgezogen. Sie hat sich ihren Lebenstraum erfüllt und einen Buchladen übernommen. Der Tod ihres Mannes nimmt sie immer noch mit, sie fasst nur schwer Fuß und hat Probleme, neue Freundschaften zu schließen oder alte wieder aufleben zu lassen. Ihre Kindheit und Jugend in der DDR bis zur Flucht in den Westen scheint problematisch gewesen zu sein - sie möchte über diese Zeit nicht reden. Bei einer Wanderung im Müritz-Nationalpark stolpert sie über einen menschlichen Schädel.
Wenige Monate später findet Lilo bei der nächsten Wanderung die Leiche von Martin Friedemann, der Nationalparkamt arbeitete. Lilo und er gingen früher in eine Klasse. Hat sie sich für seine Drangsalierungen von früher gerächt? Oder hängen die beiden Mordfälle zusammen? Die Polizei ermittelt noch in alle Richtungen, da blasen besorgte Bürger bereits zur Hexenjagd auf Lilo – die hatte doch früher schon immer was zu verbergen ...

Ich mag Cosy-Krimis sehr und in Mecklenburg-Vorpommern haben wir früher jeden Sommer Urlaub gemacht, außerdem stammt mein Mann von da. Auch die Themen DDR-Flucht und Stasi finde ich spannend. Land und Leute werden sehr anschaulich beschrieben und auch mit geschichtlichen Hintergründen wird nicht gegeizt. Das Setting passt also. Auch die Mordfälle sind sehr spannend. Trotzdem bin ich mit „Tod im Land der tausend Seen“ von Jana Jürss nicht richtig warm geworden.

Das liegt zum einen an Lilo. Ihre Vergangenheit wird nur angedeutet, vieles bleibt unklar. Ist sie gemobbt worden? War sie bei der Stasi? Auf jeden Fall ist sie auf ihre früheren Mitschüler nicht gut zu sprechen. Auch erscheint ihre Persönlichkeit sehr unausgewogen. Sie ist einerseits sehr weinerlich, wird andererseits schnell wütend – das irritiert nicht nur die ermittelnden Beamten. Diese, Hauptkommissar Jens Meinhard und Kommissar Wilko Janssen, sind erst seit kurzem ein Team und müssen sich erst noch zusammenraufen. Den dauernden Streit zwischen ihnen fand ich etwas ermüdend.
Dazu kommen fehlende Zeitangaben. Die Ermittlungen erstreckten sich über mehrere Monate, aber das muss man sich aus Nebensätzen zusammenreimen. Und der Täter tauchte am Ende auf wie Kai aus der Kiste, ohne das ich ihn vorher überhaupt mal bewusst wahrgenommen hatte.
Darum gibt es von mir leider nur 3 Sterne.