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dear_fearn

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2019

Herb enttäuscht und doch fasziniert

Das flüssige Land
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Als Ruth nach dem Tod ihrer Eltern erfährt, dass es deren Wunsch war, ein Groß-Einland beerdigt zu werden, das offiziell gar nicht existiert, gerät sie in eine Art Rausch, fährt ziellos und verzweifelt ...

Als Ruth nach dem Tod ihrer Eltern erfährt, dass es deren Wunsch war, ein Groß-Einland beerdigt zu werden, das offiziell gar nicht existiert, gerät sie in eine Art Rausch, fährt ziellos und verzweifelt umher, um schließlich zwei Herren zu belauschen, die von diesem Ort sprechen, ihnen durch einen Waldpfad dorthin zu folgen und ihr Auto dabei vollständig zu demolieren.

In Groß-Einland angekommen widmet sie sich jedoch nicht der Ausrichtung der Beerdigung, sondern verplempert ihre Zeit, steht unter ständigem Einfluss von Kodein und verliert völlig ihr Zeitverständnis, wobei doch gerade das der Inhalt ihres langjährigen Studiums und ihrer Habilitation ist, an der sie seit Jahren arbeitet.

Ihr Medikamentenwahn wird nur noch umso bildlicher, als das große Loch ins Spiel kommt, das unter der Ortschaft verläuft und die ganze Stadt in die Tiefe zu reißen droht. Darum ranken sich Geschichten, die weder fundiert noch recherchierbar sind. Ruth verwendet den Großteil ihrer Zeit dafür auf, alte Bücher zu durchforsten und abstrusen Geschichten hinterherzuforschen. Das alles wird von einer Gräfin überschattet, die das Erinnerungsvermögen des Ortes manipuliert und das Loch zu vertuschen zu versucht, statt eine gute Lösung für ein Auffüllen zu finden.

Mit dem Schreibstil hatte ich sehr zu kämpfen, vor allem, weil auch viele österreichische Begriffe drin sind, die ich so im Deutschen nicht kenne. Darüber stolperte ich immer wieder und kam schwer voran. Der Handlung musste ich erstmal ein paar Seiten Zeit geben, weil ich sie anfangs recht unlogisch fand. Was vor allem im Gedächtnis bleibt, sind Beschreibungen von Natur, Stadt und Einwohnern, die ein großartig klares Bild des Ortes hinterlassen.

Das ist meiner Einschätzung nach aber auch schon alles, was dem Leser von dieser Geschichte bleiben wird. Sämtliche Spannungsbögen verlaufen im Nichts, Fährten in Ruths Recherchen verlieren sich einfach, ungeklärte Fragen bleiben genau das: ungeklärt. Interpretationen sind hier womöglich völlig Fehl am Platz, dennoch komme ich nicht umhin, das alles als eine Art Drogenrausch zu empfinden, in dem die Zeit verschwimmt, Halluzinationen entstehen, die Gebäude ins Wanken geraten und sich in Ruth selbst ein unendlicher Abgrund auftut, der schwer zu füllen ist. Fantasystory, ok, aber etwas Sinn hätte ich mir doch gewünscht.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Kein Leuchten

Das Leuchten jenes Sommers
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Es gibt zwei Handlungsstränge in zwei unterschiedlichen Zeiten. Die eine spielt kurz vor dem ersten Weltkrieg und beschäftigt sich mit der jungen Madeleine und ihrer älteren Schwester Georgiana, die bei ...

Es gibt zwei Handlungsstränge in zwei unterschiedlichen Zeiten. Die eine spielt kurz vor dem ersten Weltkrieg und beschäftigt sich mit der jungen Madeleine und ihrer älteren Schwester Georgiana, die bei der Rückkehr von ihrer Europareise einen Mann mitbringt, Victor. Die beiden Mädchen haben früh ihre Eltern verloren und das Summerhill-Anwesen an Englands Küste geerbt, das Victor nutzt, um sich zwischen die beiden Schwestern zu drängen. Madeleine zeichnet für ihr Leben gern und bringt ein Kinderbuch heraus, um das Anwesen weiterhin zu finanzieren.

Der zweite Handlungsstrang findet in der heutigen Zeit statt. Es geht um Chloe, die vom Arzt erfährt, dass sie schwanger ist, aber zögert, es ihrem Mann, Aidan, zu erzählen. Als sie den Auftrag erhält, Madeleine zu fotografieren, die erneut an einem Buch arbeitet, um das Summerhill-Anwesen halten können, drängt sich ihr Mann dazwischen, da er Chloe unter allen Umständen für sich allein haben will. Als er zudem von ihrer Schwangerschaft erfährt, sperrt er sie gänzlich im Haus ein und entzieht ihr alles, was ihr etwas bedeutet.

Anfangs war ich wirklich verliebt in die Geschichte. Mir gefiel die Athmosphäre in Madeleines Summerhill, die Natur, die Liebe zum Zeichnen. Auch Chloe hatte viel Interessantes in ihrer Geschichte. Die Reibereien und Intrigen der Männer brachten auch nochmal eine interessante Spannung rein. Das letzte Drittel wurde dann allerdings ganz schön zäh und die Charaktere verhielten sich plötzlich völlig irrational. Die Handlung der beiden Frauen wurde nicht gut miteinander verknüpft, teilweise ergeben Sachen überhaupt keinen Sinn, z.B. dass der strenge Buchverleger Matt Cooper plötzlich auftaucht und den beiden Damen beisteht, das ist doch völlig unrealistisch. Hier scheint es, als wurde auf Krampf ein an RTL-anmutendes Happy-End erzwungen, das die komplette Storyline ruiniert. Schade!

An sich ist der Schreibstil aber sehr einfach gehalten, auch die 1937-Sprache ist im heutigen Stil, insgesamt sehr bildhaft. Der Personenwechsel in den Kapiteln lässt sich sehr gut durch die Namen in den Überschriften erkennen, aber auch durch die Erzählprespektive - Maddy: ich, Chloe: sie.

Leider wird es, wie gesagt, am Ende etwas flach und hektisch. Die ganze mühsam und liebevoll aufgebaute Storyline endet in einem ganz schön schnell abgehandelten Durcheinander. Am Ende ist nicht mal klar, welcher Sommer jetzt inwiefern geleuchtet hat. Meiner Meinung leuchtete da relativ wenig...

Veröffentlicht am 19.08.2019

Sehregeln und Gewalt

Die Welt in allen Farben
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In Joe Heaps Geschichte gibt es zwei Hauptcharaktere: Nova und Kate. Nova ist von Geburt an blind. Als sie die Chance bekommt, durch eine Operation das Augenlicht zu gewinnen, ergreift sie sie, doch stellt ...

In Joe Heaps Geschichte gibt es zwei Hauptcharaktere: Nova und Kate. Nova ist von Geburt an blind. Als sie die Chance bekommt, durch eine Operation das Augenlicht zu gewinnen, ergreift sie sie, doch stellt schnell fest: Sehen ist ein Vollzeitjob. Sie legt sich selbst "Sehregeln" fest und lernt anhand von Karteikarten Farben, Formen und Gegenstände. Kate dagegen lernt die raue Seite ihres Ehemannes kennen und trägt sowohl physische als auch psychische Schäden davon. Als sie Nova zufällig im Wartezimmer des Krankenhauses kennenlernt, kommt die Story richtig in Fahrt.

Das Buch mischt einige Genres, aber trifft keins so richtig. Hat was von Thriller, Erfahrungsbericht, Liebesgeschichte. Einfache Erzählweise, viele Dialoge, sehr viele Einblicke ins Innere der Protagonisten und deren jeweilige Handlungen, wobei Nova meines Erachtens zu wenig und Kate viel zu viel Raum bekommt. Es geht banalerweise recht oft ums Essen und Schlafengehen.

Trotz einfachem Schreibstil, empfand ich das Buch als recht langwierig zu lesen. Die Handlung geht schleppend voran und an vielen Stellen fehlen mir Informationen, die Charaktere und Story glaubhafter machen würden: Nova hat zwei verschiedene Meinungen eingeholt, warum entscheidet sie sich schlussendlich für die OP? Warum wird John Katzner als wichtige Bezugsperson angeführt, taucht dann jedoch kaum auf? Die beiden hätten mal ausführlich über Blindheit und Sehenkönnen sprechen sollen. Die Vorgeschichte von Kate und Tony wäre hilfreich gewesen. Für den Leser kommt es wie eine blitzartige Charakteränderung rüber. Die Situation mit Kates Mutter ist auch etwas heftig, bleibt unaufgelöst. Wenn schon alle anderen Details so auseinandergenommen werden, warum wird dann das Miet- und Kreditthema erst angerissen und dann unter den Teppich gekehrt? Wieso bekommen die beiden Frauen keine therapeutische Begleitung, sondern plagen sich mit ihrer jeweiligen PTBS und Panikattacken rum? Von Novas Sehenlernen hätte ich gern mehr gelesen, mehr Schwierigkeiten, mehr Erfolge... Die Gewalt, die von Kates Ehemann Tony ausgeht, war mir am Ende auch einfach viel zu abgedreht.

Schade! Die Story hätte deutlich mehr Potential gehabt. Hier wurden zu viele Themen zu oberflächlich abgehandelt.

Veröffentlicht am 12.06.2019

Hübsch anzuschauen

Sich selbst vertrauen
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Das Buch ist sehr hübsch anzuschauen. Es ist klein und handlich, mit sehr schönem Cover und hochwertigen Papieren. Die Gestaltung der Kapitelbeginne mit jeweils einem Zitat gefallen mir wirklich gut. Das ...

Das Buch ist sehr hübsch anzuschauen. Es ist klein und handlich, mit sehr schönem Cover und hochwertigen Papieren. Die Gestaltung der Kapitelbeginne mit jeweils einem Zitat gefallen mir wirklich gut. Das macht es zu einem idealen Geschenk, wenn man im Umkreis jemanden hat, der einen Stups in die richtige Richtung braucht.

Leider ist der Inhalt nicht zu mir durchgedrungen. Es ist durchaus einfach geschrieben, wodurch die teils wissenschaftlich-philosophischen Inhalte für den Leser sehr gut verständlich sind. Aber es ist eben ein "Einstieg", geht nicht in die Tiefe und hat ja schließlich auch nur wenige Seiten. Da ich einige bessere Bücher als Vergleich habe, schneidet nun diese kleine Auseinandersetzung mit dem Selbstvertrauen bei mir nicht so gut ab. Anzumerken ist: Dies ist kein Ratgeber.

Veröffentlicht am 04.06.2020

Zurück zu den Wurzeln

Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich Von einer Begegnung, die alles veränderte
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Das kleine Büchlein ist mit 120 Seiten sehr schmal. Es ist aufwändig verziert, das Cover veredelt, farbige Strichzeichnungen zieren viele der wenigen Innenseiten, sodass am Ende sehr wenig Lesetext übrig ...

Das kleine Büchlein ist mit 120 Seiten sehr schmal. Es ist aufwändig verziert, das Cover veredelt, farbige Strichzeichnungen zieren viele der wenigen Innenseiten, sodass am Ende sehr wenig Lesetext übrig bleibt, was das Buch noch kurzweiliger macht.

In der Geschichte geht es um eine gutverdienende und erfolgreiche Karrierefrau, die mit zwei Kindern und einem ebenso arbeitsamen, aber liebevollen Mann, zwei Autos, Haus und Garten zwar einen hohen und von vielen sicher beneideten Lebensstandard pflegt, aber trotzdem unglücklich ist. Sie steht unter permanentem Stress, hat nicht genug Zeit für ihre Kinder, und für sich selbst oder ihren Mann erst recht nicht. Bei der Flucht in ein Waldstück, das sie schon seit Kindheitstagen kennt, begegnet ihr eine alte Frau, die sie Stück für Stück zu ihren Wurzeln zurückführt, indem sie ihr die "vier Fragen des Lebens" mitteilt und die Gelegenheit gibt, ihr aktuelles Leben zu überdenken und umzustrukturieren.

Ich vermute mal, dass ich nicht in die Zielgruppe dieses Buchs passe. Ich lasse mir gern Zeit beim Lesen, mag vielschichtige Stories mit interessanten Charakteren mit Tiefe. Die Personen in dieser Geschichte sind dagegen eher platt, die Story vorhersehbar, die Handlung geht viel zu schnell voran und die Veränderungen nach den vier Fragen passieren quasi von heute auf morgen. Besonders philosophisch finde ich es nicht, eher ganz schön kitschig, teilweise auch realitätsfremd. Mir persönlich ist es zu oberflächlich geblieben, aber es waren einige nette Denkanstöße dabei.

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