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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2019

Meine Gartenbibel

Bauerngartenglück
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* Mischkultur ist eine Anbaumethode von Pflanzenkombinationen, die auf wenig Platz die Bodennährstoffe optimal ausnützen, sich gegenseitig vor Schädlingen schützen und durch verschiedene Höhenstaffelungen ...

* Mischkultur ist eine Anbaumethode von Pflanzenkombinationen, die auf wenig Platz die Bodennährstoffe optimal ausnützen, sich gegenseitig vor Schädlingen schützen und durch verschiedene Höhenstaffelungen ein gutes Kleinklima schaffen.
Wir schauen uns nun in jedem Monatskapitel an, wie es im Beispielbeet so aussieht und welche Arbeiten anstehen.
*

Mit Walburga Schillinger und ihrem Praxiswissen durchs Gartenjahr.

Dieses Buch nimmt den Laien ans Händchen und bietet dem Profi noch so einige Tipps und Tricks.

Ich zähle mich eher zur ersteren Kategorie und war ganz glücklich, bevor es richtig losgeht, etwas über Lage, Bodenbeschaffenheit, Vorbereitung des Beetes, dem Unterschied zwischen Hecken und Mauern usw. zu erfahren. Mit diesem allgemeinen Wissen ist man gut vorbereitet und läuft nicht gleich Gefahr ein Anbaujahr frustriert zu verschenken.

Der Rest des Buches ist in 2-Monatsabschnitten (Jan/Feb, März/April, Mai/Juni...) aufgeteilt, die stets denselben Aufbau haben (Gartenpraxis, eigene Kinderstube, Ab in den Boden, DIY, Die guten ins Töpfchen (was wird jetzt geerntet incl. Rezepten) und Was die Oma schon wusste). Anfangs war ich skeptisch, was diese 2-Monatseinteilung anbelangt, wurde aber ganz schnell eines besseren belehrt, denn es macht das Ganze enorm übersichtlich und zu einem praktischen Gartenbegleiter.

Mein besonderes Highlight sind die jeweiligen Zeichnungen von Walburgas Mischkulturenbeet, anhand derer man ein Gartenbeetjahr Stück für Stück nachvollziehen kann. Hier schaut man sich so einige Kniffe in Sachen optimaler Auslastung ab.

Man merkt einfach, dass die Autorinnen ihr Wissen aus jahrelanger Praxiserfahrung und auch den dazugehörigen Fehlern und Misserfolgen ziehen. Zu den vielen farbigen Bildern und Zeichnungen gibt es immer wieder kleine "Gut zu Wissen" Kästchen, die allein schon Gold wert sind. So habe ich meine Tomaten in diesem Jahr zum ersten Mal mit einem Vollmilch/Wasser-Gemisch "gefüttert" und sie haben es wie eine kleine Vitaminbombe angenommen. Auch wie man Beete für kleine Gärten in die Höhe bauen kann, fand ich unheimlich faszinierend.

Fazit: Dieses Buch ist nicht nur ein Standardwerk, es ist ein Allrounder und man entdeckt immer wieder Neues. Wer einen allumfassenden Gartenbegleiter sucht, dem kann ich "Bauerngartenglück" uneingeschränkt empfehlen. Für mich ist er ein ständiger Begleiter geworden - meine Gartenbibel.

Veröffentlicht am 15.09.2019

Der Dämon des Lebens

Ein neues Blau
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* Das ist die Stille nach dem Tee. Wenn der Geist zur Ruhe kommt und sich ein kleiner Teil der Welt offenbart. Weil sich ein Weg aufgetan hat. Ein Weg, der vorher nicht dagewesen ist. *

Erneut beschreibt ...

* Das ist die Stille nach dem Tee. Wenn der Geist zur Ruhe kommt und sich ein kleiner Teil der Welt offenbart. Weil sich ein Weg aufgetan hat. Ein Weg, der vorher nicht dagewesen ist. *

Erneut beschreibt Tom Saller - dessen Debut "Wenn Martha tanzt" mich schon arg begeistert hat - das Leben einer starken, unabhängigen Frau auf der Suche nach sich selbst.

Lili ist noch ein Kind, als sie ihre Mutter durch die spanische Grippe verliert. Die Mutter Christin, der Vater Jude, hatten beide mit Religion nicht viel am Hut. Doch nun möchte Jakob, dass sie im jüdischen Glauben erzogen wird; um einer Gemeinschaft dazuzugehören. Für Rabbi Teichlmann ist Lili jedoch nicht einmal Halb-Jüdin, da dies ausschließlich über die mütterliche Linie bestimmt wird. Er ist es auch, der sinniert, ihr Name leite sich wahrscheinlich von Lilith ab. Und diese Lilith bleibt ein innerer Dämon, der sie ihr Leben lang begleiten wird....
Zuhause übernimmt Takeshi, ein Freund des Vaters und halb Japaner, halb Chinese ihre Erziehung, da Jakob oft für Monate geschäftlich unterwegs ist.
Jüdisch, Christlich, Japanisch.... alles halb, nichts ganz... Und das setzt sich in ihrem Leben und ihrer Suche fort.
Doch wenn Lili etwas auszeichnet, dann Hartnäckigkeit, sie liebt das Malen, aber ihr fehlt der Mut freie Malerin zu werden, und so verschlägt es sie nach Halle in eine Porzellanmalklasse....

Tom Saller ist es wieder einmal gelungen, mich mit einem bewegten und interessanten Leben in den Bann zu ziehen und das, obwohl ich lt. Klappentext etwas anderes, mehr auf KPM ausgerichtetes, erwartet hatte. Und das ist eigentlich das größte Kompliment.

Ruhig, feinfühlig und dennoch in sehr eindringlichen Bildern entfaltet sich Lilis Leben Schicht um Schicht. Viele Szenen verbleiben im Raum, stehen still und hallen nach, ganz intensiv. Dazu kommen noch die sehr leisen Zwischentöne ("Ein merkwürdiges Wort kommt ihm in den Sinn: Fehlgepaart." (S.78). Ein Schreibstil, den man Stück für Stück genießen sollte, um ihn in seiner ganzen Tiefe zu erfassen.

Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch. Geschickt verwebt Tom Saller geschichtliche Fakten mit Fiktion, die man als Leser im Anhang unter Anmerkungen und Quellen nachvollziehen kann. Das fand ich unheimlich interessant und ist mir bei dieser Art Geschichten schon sehr wichtig.

Fazit: "Ein neues Blau" berührt mit leichter Hand, doch nicht minder intensiv politische und religiöse Themen. Der Roman erzählt die berührende und interessante Geschichte der 1913 geborenen Lili Kuhn, keine Jüdin, aber mit jüdischem Vater, auf der Suche nach sich selbst.

Veröffentlicht am 03.09.2019

ungewöhnlicher Whodunit der Spitzenklasse

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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* "Jetzt sehen sie all diese Leute so, wie ich sie sehe", sagte der Pestdoktor mit leiser Stimme. "Wie Schauspieler in einem Theaterstück, die Abend für Abend dasselbe tun." *

Ein abgelegenes Herrenhaus ...

* "Jetzt sehen sie all diese Leute so, wie ich sie sehe", sagte der Pestdoktor mit leiser Stimme. "Wie Schauspieler in einem Theaterstück, die Abend für Abend dasselbe tun." *

Ein abgelegenes Herrenhaus im Wald, eine adelige Familie mit trauriger Vergangenheit und ein Maskenball, bei dem die Tochter Abend für Abend um 23:00 Uhr stirbt. Dazu ein Protagonist, der jeden Morgen am selben Tag aber in einem anderen Gast aufwacht - 8 Tage lang. 8 Tage, in denen er den Mord an Evelyn Hardcastle aufklären muss, um das Anwesen wieder verlassen zu können....

Ich liebe raffinierte Whodunit`s und das war genau das was "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" versprach.
Dennoch war ich skeptisch, ob der Krimi mein Interesse und die Spannung ganze 600 Seiten lang halten kann oder ob der Autor mich irgendwann unterwegs verliert (was ich ehrlich gesagt erwartet hatte).
Doch Stuart Turton gelingt es seine Leser vollends hineinzuziehen in die Geschehnisse auf Blackheath und mit einem spannenden Plot und unblutigem Krimi zu fesseln.

Mit hat der Schreibstil unheimlich gut gefallen - ich konnte sofort in die Geschichte eintauchen, die sehr ruhig, fast schon gemächlich erzählt wird, aber voller Atmosphäre und Raffinesse steckt. Durch die täglichen Perspektivwechsel ergeben sich immer andere Sichtweisen und das bringt neben so manchem klitzekleinem Puzzleteilchen auch immer wieder überraschende Twists - und zwar nicht konstruiert und aus der Luft gegriffen, sondern mit woow-Effekt. Mich hats begeistert.

Ich finde die Geschichte wirklich außergewöhnlich gut erzählt, so dass die Auflösung für mich manchmal sogar komplett in den Hintergrund geriet, da ich allein von den Personen und dem Geschehen rundherum gefesselt war.

Fazit: Eine absolute Leseempfehlung für alle Fans des ruhigen, unblutigen Krimis. Für mich ist das Debut von Stuart Turton ein Whodunit der Spitzenklasse und ich hoffe, es werden weitere folgen.

Veröffentlicht am 19.08.2019

unheimlich berührende Familiengeschichte

Die verlorenen Blumen der Alice Hart
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* Manchmal war es schlimmer Dinge zu hören, als sie zu sehen - den dumpfen Aufprall des Körpers ihrer Mutter gegen die Wand, das nahezu lautlose, stoßweise Ausatmen ihres Vaters, wenn er auf sie einschlug. ...

* Manchmal war es schlimmer Dinge zu hören, als sie zu sehen - den dumpfen Aufprall des Körpers ihrer Mutter gegen die Wand, das nahezu lautlose, stoßweise Ausatmen ihres Vaters, wenn er auf sie einschlug. *

Alice ist neun als ein Feuer ihr nicht nur das Zuhause, sondern auch ihren gewalttätigen Vater, die in sich gekehrte Mutter und das ungeborene Brüderchen raubt. Plötzlich gibt es da eine Großmutter, June, von der sie noch nie zuvor gehört hat. June nimmt sie mit nach Thornfield, ihre Blumenfarm, auf der Frauen Zuflucht und ein Zuhause finden ~ wie damals ihre Mutter Agnes...

Wow, was für eine berührende und vielschichtige Familiengeschichte. June lebt nach dem Motto, was man nicht in Worte fassen kann, sagt man in der Sprache der Blumen und es gibt viel über das June nicht mehr zu sprechen vermag. Doch irgendwann sucht ihre Enkelin nach Antworten, nach Worten....

Holly Ringland erzählt ihre Geschichte langsam und bedächtig und dennoch nicht ausschweifend. Jedem Kapitel ist eine australische Blume vorangestellt, mit wunderschönen s/w Zeichnungen, Bedeutung und Kurzbeschreibung. Das gibt dem Buch noch einmal zusätzlich eine ganz besondere Richtung und zwar mitten ins Herz.

Ich vermag es kaum in Worte zu fassen, diese Emotionalität durch das Ungesagte, die sich wiederholenden Familienmuster, die wilde und so gegensätzliche Landschaft Australiens - von der Küste bis ins Outback - haben mich 500 Seiten lang gefesselt.

Der Schreibstil ist unheimlich flüssig, unaufgeregt und doch so bildgewaltig. Oftmals werden Situationen von der Autorin im Raum stehen gelassen und hallen beim Leser dadurch umso länger nach.

"Die verlorenen Blumen der Alice Hart" ist ein aussergewöhnliches Buch, mit unheimlich starken, unnachgiebigen Charakteren, die einen so schnell nicht wieder loslassen. Jede einzelne Begegnung ist wie eine Symphonie und hat ihre Bestimmung auf Alice Reise zu sich selbst.

Ein bildgewaltiger Roman über Familie, Freundschaft, die zerstörerische Kraft der Liebe, Heilung, Neuanfang und die allgegenwärtige Stimme der Blumen Australiens.

Veröffentlicht am 05.08.2019

Überrascht mit einer sehr dunklen Seite

Die Gärten von Monte Spina
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* Sie werden noch oft im Leben von vorne anfangen müssen. Nehmen sie es jedesmal als das, was es ist. Ein Geschenk.

Nach dem frühen Unfalltod ihres Mannes, zieht sich Toni immer mehr in sich zurück. ...

* Sie werden noch oft im Leben von vorne anfangen müssen. Nehmen sie es jedesmal als das, was es ist. Ein Geschenk.

Nach dem frühen Unfalltod ihres Mannes, zieht sich Toni immer mehr in sich zurück. Die junge Deutsche nimmt einen Job im Beaulieu House in England an, wo sie als Gärtnerin mehr oder weniger unabhängig und allein arbeiten kann. Doch dann bekommt sie das Angebot, den Garten auf einer kleinen Privat-Insel vor Lanzarote zu pflegen. Stille, Einsamkeit und beinah völlige Abgeschiedenheit... Doch schnell wird klar, es gibt auch eine andere Seite der traumhaft schönen Insel und zwar in Form des Besitzers, der ein paar Mal im Jahr dort aufschlägt und den jeder Angestellte fürchtet. Und auch Toni merkt schnell, das kein Gärtner lange geblieben ist....

~ Achtung! Kann Spuren von Spoilern enthalten! ~*

Was für eine dunkle, kraftvolle Geschichte vor einer traumhaften Kulisse.
Jane Eyre meets Christian Grey.

Ich mag es, wenn man mich mit interessanten Charakteren überrascht, die ich so in der Geschichte nicht vermutet hätte. Und das hat Henrike Scriverius definitiv. Ihr sperriger Charakter Bror bricht aus der Vorhersehbarkeit aus und will so gar nicht zu dem herrlichen Cover und Klappentext passen. Vielleicht auch nicht ganz zu meinem Einstiegssatz, denn Toni ist weder Waise, noch hat Bror ein "Spielzimmer" und dennoch wird mir der ein oder andere nach Beenden des Romans zustimmen.

Der Schauplatz, eine kleine Insel vor Lanzerote, ist hervorragend gewählt und jedem Hobbygärtner geht bei der Beschreibung das Herz auf. Man sollte aber auch bereit sein, sich auf die dunkle Seite einzulassen; der gequälten Seele Brors und seinem bösartigen Charakter, der genau das Gegenteil von Toni ist. Die Autorin spielt nicht nur hier ganz geschickt mit Gegensätzen.
Und trotz allem ist es auch eine Liebesgeschichte, auf mehreren Ebenen, die sowohl berührt als auch so manches Mal sprachlos macht.

Henrike Scriverius hat einen großartigen Schreibstil, bildgewaltig, emotional und kraftvoll. Ihre Charaktere sind unheimlich stark, eigensinnig und nicht immer unbedingt Sympathieträger und trotzdem mag man sie...irgendwie.

Ich hatte einen mehr oder weniger Wohlfühlroman über eine trauernde Witwe und ihre Heilung durch einen wunderschönen Garten auf einer abgeschiedenen Insel erwartet. Viel Romantik und was fürs Herz. "Die Gärten von Monte Spina" gehen irgendwann jedoch in eine etwas andere Richtung und lassen Romantik und eine cozy Atmosphäre vermissen. Aber wahrscheinlich grade deswegen hat mich der Roman nachhaltig begeistert.

Ein tolles Debut!