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Veröffentlicht am 04.10.2019

Klassentreffen mit Katze

Hüttenkatz
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Eigentlich sollte das Wochenende ganz erholsam, entspannt und voller gemeinsamer Erinnerungen sein, denn nach dreißig Jahren trifft sich Steinböcks Abiturklasse endlich mal wieder. Natürlich ist Frau Merkel ...

Eigentlich sollte das Wochenende ganz erholsam, entspannt und voller gemeinsamer Erinnerungen sein, denn nach dreißig Jahren trifft sich Steinböcks Abiturklasse endlich mal wieder. Natürlich ist Frau Merkel dabei und schon allein das sorgt für die eine oder andere schräge Situation, doch dass ein Totgeglaubter nun doch quicklebendig ist und es dann gleich eine kleine Todesserie gibt, das war so nicht geplant. Oder etwa doch? Steinböck bleibt einfach nichts erspart und so ermittelt er jetzt bei seinen Klassenkameraden …

Gerne lassen bei Serien ja zwischendurch die Bände etwas nach. Dem ist hier – zum Glück – absolut nicht so. Im Gegenteil: Ich finde, dieser Band ist ganz besonders gelungen! Es ist erschreckend leicht, in die Story zu finden. Auch wer die vorherigen Bände nicht kennt, wird mit diesem Buch kein Problem haben, denn es ist ein in sich abgeschlossener Fall. Die eine oder andere kleine Anspielung auf die vorherigen Fälle Steinböcks sind für Fans der Reihe ein besonderes Bonbon, aber für das Verständnis nicht wichtig.

Panizza lässt seine Figuren immer wohldosiert bayerisch reden. Das versteht dann auch ein Nicht-Bayer, dennoch bekommt alles eine herrliche „Färbung“. Dazu die sprechende Katze, die nur er und ein paar wenige „Uneingeweihte“ verstehen. Das führt natürlich immer wieder zu urkomischen Szenen und schrägen Verwicklungen.

Dennoch bleibt die Ermittlungsarbeit nicht auf der Strecke. So lustig und witzig es immer wieder zugeht, spielt hier Kommissar Zufall kaum eine Rolle. Steinböck und sein wunderbares Team leisten prima Arbeit und dürfen entsprechend auch auf ihre Ergebnisse stolz sein. Humor und Spannung sind sehr gekonnt kombiniert. So hat man hier einen Wohlfühlkrimi, der bestens unterhält und auch die Lachmuskeln trainiert. Langweilig wird es an keiner Stelle!

Der Autor hat hier geniale Ideen eingebracht und seine vielen überraschenden Wendungen sind so genial, dass man nur noch staunt. Aber es passt alles zusammen und ineinander – es könnte glatt vom Leben geschrieben worden sein! Dazu kommen ein paar sehr interessante kleine, versteckte lose Fädchen, an die sich super gut in weiteren Bänden anknüpfen lässt. Die Figuren haben Tiefe und entwickeln sich stimmig weiter. Immer wieder freue ich mich auf die Namen der neuen Figuren. Die sind oft zum Wegschmeißen komisch!

Alles in allem – auch diesmal hat Kaspar Panizza einen gelungenen Regionalkrimi mit Katz geschaffen, den man kaum aus der Hand legen mag. Er ist ausgewogen und steckt voller neuer, einzigartiger Ideen, die das Lesen zu einem wahren Genuss machen. Auch die eine oder andere Sozialkritik versteckt sich im Buch. Ganz klar, dass ich da die vollen fünf Sterne gebe!

Veröffentlicht am 03.10.2019

Was ist der bester Moment DEINES Lebens?

LONELY PLANET Bildband Der beste Moment deines Lebens
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In diesem wunderschönen Buch erzählen einhundert Menschen von ihrem jeweils schönsten Reise-Moment. Die Orte sind auf der ganzen Welt verteilt und oft auf den ersten Blick typische Touristenorte. Doch ...

In diesem wunderschönen Buch erzählen einhundert Menschen von ihrem jeweils schönsten Reise-Moment. Die Orte sind auf der ganzen Welt verteilt und oft auf den ersten Blick typische Touristenorte. Doch die kleinen Geschichten, die diese Menschen über diese Orte erzählen, machen sie zu ganz besonderen Orten – und wenn auch nur für diesen einen Moment und diesen einen Menschen. Das zu lesen geht ins Herz und unter die Haut, lässt innehalten und nachdenken – und gleichzeitig weckt es die Lust, selbst einen solchen einzigartigen Moment zu erleben.

Jeder dieser Menschen, Orte und Momente bekommt eine eigene Doppelseite. Auf einem Piktogramm sieht man, wo sich dieser Ort befindet. Immer gibt es mindestens ein Foto davon, meist aber zwei oder drei. Ab und an wird dem Ort auch eine ganze Doppelseite für ein Foto gewidmet.

Von jedem Autor gibt es ein kleines Foto und seinen Text zur Reise und rund um den besonderen Moment und den Weg dorthin. Natürlich wird auch erklärt, was sich auf dem oder den Fotos findet.

Alles zusammen ergibt ein Kaleidoskop, das bunter nicht sein könnte. Träume, Wünsche, Hoffnungen und auch Ängste werden hier angstfrei offen dargelegt. Das bewegt und motiviert. Und es zeigt, dass Reisen eben nicht einfach nur Luxus und Urlaub ist oder sein muss, sondern in jeder Reise, besonders wenn sie einen so speziellen Grund hat, wie beispielsweise bei Ethan Gelber oder Stephen Phelan.

Man lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen und einen weiteren bewussten Schritt zu gehen. Das gefällt mir an diesem Buch ganz besonders gut. Ganz ohne Frage ist es ein wahres Kleinod und die vollen fünf Sterne wert.

Veröffentlicht am 03.10.2019

Fotos aus einem dreiviertel Jahrhundert von einem außergewöhnlichen Fotografen

Walter Chandoha. Cats. Photographs 1942–2018
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Das Buch ist unbeschreiblich schön! Es hat ein stolzes Gewicht und lässt sich deshalb nur unbequem halten, aber in den Lesesessel gekuschelt mit Buch auf dem Schoß oder ordentlich am Tisch, da versinkt ...

Das Buch ist unbeschreiblich schön! Es hat ein stolzes Gewicht und lässt sich deshalb nur unbequem halten, aber in den Lesesessel gekuschelt mit Buch auf dem Schoß oder ordentlich am Tisch, da versinkt man sofort ganz tief darin. Früher nannte man solche Bücher wohl Teetisch-Bücher. Auf alle Fälle mag man „Cats“ wirklich nicht wegräumen, sondern immer wieder darin blättern und sich über die herrlichen Fotos und charakterstarken Tiere freuen.

Die Texte sind in Englisch, Deutsch und Französisch gehalten. Nur leider sind die Bildunterschriften einzig in Englisch gehalten. Das finde ich sehr schade (auch wenn ich persönlich verstehe, was da steht – das geht ja aber nicht jedem so).

Chandoha hat früh die Liebe zur Fotografie allgemein entdeckt. Sein Lieblingsmotiv wurde irgendwann dann die Katze. Dazu brachte ihn im Grunde ein Kater, der bei ihm einzog: Loco. Ja, es ist Zufall, dass unser Kater exakt so aussieht, wie Loco (er könnte in der Tat seine Wiedergeburt sein, auch von seinen Eigenarten her!). Doch ist das mit ein Grund, warum mir die Fotos mit ihm darauf besonders gut gefallen.

Ich bin ein großer Fan der Schwarz-Weiß-Fotografie. Ob von heute oder aus alter Zeit, ich mag das sehr. Chandohas langes Fotografenleben zeigt wunderbar, wie sich die Zeiten geändert haben, wie das auch in den Fotos zum Tragen kommt. Der Schwerpunkt liegt auf den Fotos der 1950er bis 1980er und das erfreut mich persönlich sehr. Danach findet man nur wenige Bilder. Die ältesten Fotos gefallen mir am besten, obwohl es kein Foto von Chandoha gibt, das ich so gar nicht mag. Seine Bilder strahlen sehr deutlich aus, wie gut es allen Tieren dabei ging und dass es keinerlei Stress für sie gab. Viele Bilder zeigen deutlich, welche Position er selbst eingenommen hat, um sie so wunderbar hinzubekommen. Das ist Leidenschaft pur! Liebe zum Beruf, zum Motiv und zu allem, was den besonderen Moment ermöglicht.

Der Qualität der Fotos ist der ganze Bildband angepasst. Die Bindung ist stabil und mit Leinen verstärkt, das Papier schön dick und die Drucke klar und brillant. Man hält eine Hommage an die Fotografie, an Katzen und an einen brillanten Fotografen in Händen. Selbst für mich, die ich eine sehr große Katzenbuchsammlung besitze, ist dies ein ganz besonderes und hervorstechendes Werk. Ein Werk, das rundum überzeugt – und damit von mir fünf Sterne bekommt.

Veröffentlicht am 29.09.2019

Im Leben ist nicht nur Sommer

Bratapfel am Meer (Neuauflage)
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Caro richtet sich nach ihrer gescheiterten Ehe gerade in ihrem Leben neu ein. Als Intensivkrankenschwester ist sie gewohnt, dass Patienten sterben, doch Elfriede Fischermann war eigentlich wieder auf Normalstation ...

Caro richtet sich nach ihrer gescheiterten Ehe gerade in ihrem Leben neu ein. Als Intensivkrankenschwester ist sie gewohnt, dass Patienten sterben, doch Elfriede Fischermann war eigentlich wieder auf Normalstation verlegt worden und soweit gesund. Kurz vorher hat sie Caro gebeten, ihre Halskette zurück zu ihrer großen Liebe nach Juist zu bringen. Da Caro dringend eine Auszeit braucht, nutzt sie die Tage nach den Weihnachtsfeiertagen für einen Urlaub auf Juist. Dort ist es weniger ruhig, als sie dachte, und sie kommt zu völlig unerwarteten Erkenntnissen …

Die Juist-Bücher von Anne Barns sind zauberhaft, leicht und voller Leben. Sie spielen im Sommer. Da ist die Stimmung natürlich heller. Diesmal führt sie uns im Winter auf die Zauberinsel. Passend zu Kälte und Sturm sind hier auch die Themen dunkler und schwerer, dennoch hat mir das Buch wieder sehr gefallen. Traurigkeit und Probleme gehören zum Leben dazu – es kommt aber darauf an, wie man damit umgeht und sie verarbeitet. Genau das lässt uns die Autorin mit Caro, Max und den Inselbewohnern erleben und erkennen.

Manche Stellen waren nicht so ganz mein Geschmack, mir etwas zu drüber, doch insgesamt passt wieder alles prima zusammen. Rätsel lösen sich mehr oder weniger von selbst auf, der Inselfunk arbeitet großartig, die Stärken und Schwächen der Menschen gleichen sich aus und mit Einstein, Caros Hund, kommt auch der Tierfreund nicht zu kurz. Die neuen Figuren haben Ecken und Kanten, sind also „aus dem Leben gegriffen“. Besonders schön war es auch, die „alten Bekannten“ wiederzutreffen und festzustellen, dass man sie sofort wieder erkannt hat. Wunderbar, wie Anne Barns ihre Romanfiguren gleichzeitig immer wieder sie selbst sein lässt, ihnen aber auch eine Weiterentwicklung zugesteht und ermöglicht.

Mag sein, dass ich alt und melancholisch werde, aber ich habe an vielen Stellen lachen, aber auch Tränen kullern lassen können. Obwohl ich nicht der typische „Frauenbuchleser“ bin, fühle ich mich mit diesem Buch wieder sehr wohl. Es lässt sich gut und leicht lesen, also genau richtig, um ein bisschen zu entspannen. Dennoch gibt es hier und da kleine Lebensweisheiten mit auf den Weg und regt zum Nachdenken an. Das mag ich sehr!

Wunderbar auch wieder die Rezepte am Ende des Buches. Darauf und darüber freue ich mich jedes Mal. Diesmal gibt es noch einen besonderen Bonus: Im Buch sind drei Texte von Songs des Duos SCHEER zu finden. Es lohnt sich, die Songs auch wirklich zu hören. Sie gehen ans Herz, sind aber traumhaft schön.

Irgendwann wird Juist wohl rettungslos überfüllt sein, denn Anne Barns weckt im Leser die Sehnsucht nach der Insel und deren unvergleichlichen Bewohnern. Man will sich einfach unbedingt vor Ort ein Bild darüber machen.

Kurz und knapp – „Bratapfel am Meer“ ist anders, als seine Vorgänger. Aber es geht ganz tief unter die Haut und hallt trotz seiner Leichtigkeit insgesamt auch nach. Dafür gebe ich fünf Sterne.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Horror-Roman vom Feinsten!

Kill Creek
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Das Finch-House in Kill Creek ist als Geisterhaus bekannt. Es hat eine düstere Aura und niemand will es mehr haben. Der Mann, der es erbaut hat, wurde aufgrund seiner Liebe zu einer ehemaligen Sklavin ...

Das Finch-House in Kill Creek ist als Geisterhaus bekannt. Es hat eine düstere Aura und niemand will es mehr haben. Der Mann, der es erbaut hat, wurde aufgrund seiner Liebe zu einer ehemaligen Sklavin ermordet und musste zuvor zusehen, wie sie geschändet und getötet wurde. Die beiden Finch-Schwestern, die das Haus kauften und erhileten, lebten komplett zurückgezogen. Und dann ist da noch diese seltsame Mauer mitten im Haus. Für Wainwright ist all dies die optimale Kulisse, um vier der besten Schriftsteller des Horrorgenres an Halloween genau hier zusammenzubringen und zu interviewen. Doch er hat nicht mit den Mächten des Hauses gerechnet …

Das Buch fängt sehr gemächlich, aber nicht uninteressant an. Der Leser lernt die einzelnen Figuren kennen, erfährt ein wenig von ihren kleinen Geheimnissen und Schwächen und überlegt insgeheim, welcher bekannte Autor da wohl gemeint sein könnte. Dieser Trick ist Scott Thomas echt prima gelungen. Der Leser muss nämlich durchhalten. Es kommt der Punkt, an dem man sich fragt, wo hier die Parallelen zu „The Shining“ sein sollen und wieso Autor und Buch so hoch gelobt werden. Tja, und genau dann fängt es an! Geduld wird hier belohnt und irgendwann macht alles einen Sinn.

Ich habe mich an vielen Stellen enorm an Stephen King erinnert gefühlt. Das liegt nicht nur am Haus, sondern an ganz vielen kleinen Zeichen. Fast könnte ich glauben, dass der Meister des Horrors sich zu seinem 72. Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht und wieder ein Alter Ego erfunden hat, wie zu Zeiten Richard Bachmanns. Schon allein das Haus auf dem Cover – es ist so typisch King! Doch ob das nun so wäre oder nicht – wenn Scott Thomas drauf steht, werde ich beim nächsten Buch auch wieder zugreifen, denn die Story ist super gelungen und ich bin gekonnt an der Nase herumgeführt worden.

Man merkt es nicht gleich, aber am Ende ergeben viele, unendlich viele Puzzleteile ein Bild, das den Atem raubt. Ich liebe es, wenn ich am Ende denke, das hätte ich schon am Anfang sehen und erkennen müssen – genau das passiert hier. Noch dazu krönt Scott Thomas sein Buch mit einem gelungenen, runden und noch dazu genialen Ende.

Die einzelnen Figuren sind Thomas so gut gelungen, dass man meint, sie zu kennen. Jede hat ihren eigenen inneren Dämon und Thomas schafft es, sich nicht zu wiederholen oder langweilig zu werden. Nichts ist überspannt, alles logisch und in sich stimmig. Die Parallelen zum „Overlook Hotel“ und teils auch zu „Es“ sind erkennbar, dennoch empfinde ich die Story nicht als nachgemacht. Im Gegenteil, sie ist runder und realer, sie ängstigt deshalb noch mehr.

Ich hatte großartige Lesestunden mit „Kill Creek“ und warte nun, ob es weitere Bücher von Scott Thomas geben wird und er dieses Level halten (oder gar toppen) kann. Zeitweise dachte ich, das wird ein vier-Sterne-Buch, aber am Ende wusste ich, warum der Anfang so war, wie er nun mal ist. Deshalb gebe ich die vollen fünf Sterne!