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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2019

Sammler

Der Kreidemann
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C.J. Tudors Debütroman „Der Kreidemann“ ist ein echter Pageturner, spannend, gruselig, tiefgehend. Dabei haben nur die Kreidemännchen ihrer kleinen Tochter sie auf die Idee zu diesem Thriller gebracht. ...

C.J. Tudors Debütroman „Der Kreidemann“ ist ein echter Pageturner, spannend, gruselig, tiefgehend. Dabei haben nur die Kreidemännchen ihrer kleinen Tochter sie auf die Idee zu diesem Thriller gebracht.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, 1986 und 2016. Erst sind die Hauptfiguren noch Teenager, später Erwachsene, die sich zum Teil aus den Augen verloren haben. Doch die Ereignisse ihrer Kindheit holen sie wieder ein, denn sie haben eine Leiche gefunden und wurden durch geheimnisvolle Kreidezeichnungen geleitet. Aber hat ihr damaliger Lehrer, der mysteriöse „Kreidemann“, mit dem Mord an dem jungen Mädchen, dem er scheinbar sehr nahe stand, zu tun?

Genau beschreiben kann ich es nicht, aber Eddie, aus dessen Sicht die Vorkommnisse erzählt werden, ist sehr authentisch beschrieben; man kommt ihm während des Lesens sehr nah, kann sich gut in ihn hineindenken, mit ihm mitfühlen. Sehr geschickt werden außerdem immer wieder kleine Geheimnisse aufgedeckt, anderes dafür auch immer mehr verrätselt. In jedem Kapitel gibt es eine neue, raffinierte Wendung, und das ist es wohl, was diesen spannenden Thriller zum Pageturner macht.

Etwas kann man sich immer wieder einmal auch schon denken, wird aber dennoch zur Überraschung am Ende, weil man auch immer wieder Verdachtsmomente hat, die man gleichsam auch wieder verwirft.

Mein Fazit: Ein absolut gelungener Thriller, dicht erzählt und ohne Längen. Alles wird am Ende aufgelöst, kleine Überraschung inklusive. Besser geht es nicht!

Veröffentlicht am 20.08.2019

Erholungsurlaub im Wald? Wohl kaum! (Hörbuchrezension)

Im Wald der Wölfe (Jan-Römer-Krimi 4)
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Linus Geschkes "Im Wald der Wölfe" habe ich als mp3-Hörbuch gehört. Es handelt sich um eine ungekürzte Lesung von Nils Nelleßen, einem Sprecher, der mir bisher unbekannt war. Erschienen ist das Hörbuch ...

Linus Geschkes "Im Wald der Wölfe" habe ich als mp3-Hörbuch gehört. Es handelt sich um eine ungekürzte Lesung von Nils Nelleßen, einem Sprecher, der mir bisher unbekannt war. Erschienen ist das Hörbuch im HörbuchHamburg Verlag.

Zum Inhalt: Der Ermittler möchte eine ruhige Zeit im Wald verbringen, aber mit einer blutigen Besucherin rückt auch die Vergangenheit des Waldes wieder in den Mittelpunkt, denn hier gab es schon einige Morde.. Jan Römer, der mir noch nicht bekannt ist, ermittelt wieder statt im Thüringer Wald seine Auszeit zu genießen - wie auch?

"Im Wald der Wölfe" ist ein schnelles Hörbuch, dass den Hörer sofort fesseln kann. Auch, wenn es in der Mitte etwas nachlässt, so kommt am Ende wieder Hochspannung auf und ein guter Twist, der mich berührt hat. So muss ein guter Thriller sein, der auch als Buch sicher ein totaler Pageturner ist, vielleicht sogar noch besser als das Hörbuch, aber ich höre nun mal mehr als dass ich lese.

Ich werde mir unbedingt noch die drei Vorgängerromane von Linus Geschke besorgen, vielleicht sogar als Buch. Dieses Hörbuch hat wirklich Spaß gemacht und verdient daher die volle Sternzahl.

Veröffentlicht am 06.05.2019

In jeder Szene eine neue Wendung (Hörbuchrezension)

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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"Das Verschwinden der Stephanie Mailer" ist mein erster Joel Dicker, und ich muss sagen, er macht wirklich süchtig. Unbedingt möchte ich nun auch die Vorgängerromane anhören, denn Dicker ist außergewöhnlich ...

"Das Verschwinden der Stephanie Mailer" ist mein erster Joel Dicker, und ich muss sagen, er macht wirklich süchtig. Unbedingt möchte ich nun auch die Vorgängerromane anhören, denn Dicker ist außergewöhnlich und viral. Am Wochenende konnte ich fast nichts anderes tun, weil ich immerzu Dicker hören musste.

Ich habe das Hörbuch von "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" gehört, da bei Osterwold Audio erschienen ist. Dieses hat eine Gesamtlänge von fast 20 Stunden, wird gelesen von Torben Kessler und ist erschienen auf drei mp3 CDs. Es handelt sich um eine ungekürzte Lesung.

Dabei liest Kessler wirklich passend und angenehm, man kann ihm gut zuhören. Und das Zuhören fällt anfangs wirklich schwer, denn Dicker wechselt zwischen unzähligen Perspektiven hin und her, und für ein Hörbuch muss man sich auch recht viele Namen merken. Daher hat es kurz gedauert, bis ich dem Hörbuch folgen konnte. Bei diesem Roman ist es möglicherweise leichter, das Buch zu lesen, aber das Hörbuch hat mir ausgesprochen gut gefallen, um nicht zu sagen, ich bin hin und weg.

Zur Handlung: Die Handlung wechselt einerseits auf verschiedenen Zeitebenen hin und her: 1994 sind im idyllischen Ort Orphea vier Menschen erschossen worden, ein weiterer starb bei einem Motorradunfall, der vermeintlich Schuldige kam ebenso ums Leben, der Fall war damit geklärt. Weitere "Lateralschäden", hier weitere Tote, haben das Leben einiger Menschen komplett aus der Bahn geworfen.

Zwanzig Jahre später ermittelt die Journalistin Stephanie Mailer erneut an dem Fall und verschwindet dann. Im Prinzip wird damit der 'Cold Case' aus 1994 wieder neu aufgerollt, zusammen mit dem Fall Stephanie Mailer. Die ungemein sympathischen Ermittler Jesse und Derek, die auch schon 1994 am Fall waren, ermitteln zusammen mit der jungen Anna, und so ist am Ende nichts, wie es schien.

Die Handlung entfaltet sich langsam, immer wieder wird etwas vorweg genommen, das dann später durch Rückblicke erlebt wird. Immer wieder gibt es geniale neue Wendungen, immer wieder wird ein winziges Detail aufgedeckt, immer wieder ist dann doch nichts, wie es war. Der Hörer muss ganz genau zuhören, damit ihm hier nichts entgeht. Damit ist die Handlung trotz ihrer Länge von 20 Hörstunden unglaublich dicht und genial durchdacht, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie Dicker diesen Roman so genial konstruiert hat.

Meine Meinung: Irgendwo stand: "Macht süchtig", und genauso hat es mich erwischt. Dicker schreibt so außergewöhnlich genial, dass ich auf jeden Fall an diesem Autor dran bleiben werde. Absolute Hör- oder Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 16.05.2026

Sachbuch, aber spannend

Bakterien – die heimlichen Helden
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Ich mochte schon Peter Wohllebens Bäume-Bücher, nun hat er sich mit "Bakterien - die heimlichen Helden" in eine andere Richtung gewagt. Dabei schreibt Wohlleben ein Sachbuch im Fließtext, das ohne Graphiken, ...

Ich mochte schon Peter Wohllebens Bäume-Bücher, nun hat er sich mit "Bakterien - die heimlichen Helden" in eine andere Richtung gewagt. Dabei schreibt Wohlleben ein Sachbuch im Fließtext, das ohne Graphiken, Bilder und Diagramme auskommt. Er richtet sich damit an alle lesenden Laien, denn seine Erklärungen kann man gut verstehen. Weiterhin überzeugt sein Bakterienbuch auch durch eher kurze Kapitel und eine Einteilung in drei übergreifende Titel ("Die Erfindung des Lebens"/"Wie Bakterien unseren Alltag bestimmen"/"Verbündete für die Zukunft"). Man kann auch ein wenig querlesen und muss nicht unbedingt chronologisch lesen.

Schon in den ersten Kapiteln des Buches wird aber auch deutlich, dass ein wenig Vorwissen aus Studium oder Oberstufenbiologieunterricht recht hilfreich sein kann, z.B. schon am Anfang, wenn die Bakterien vorgestellt werden. Ich bin Naturwissenschaftlerin beschäftige mich aber nicht oder kaum mit Bakterien. Damit ist für mich dieses Buch hochspannend, da ich auch viel an mein Vorwissen anknüpfen kann. Ein starkes naturwissenschaftliches Interesse ist sicher eine gute Voraussetzung, um dieses Buch wirklich spannend zu finden. Ansonsten muss man vielleicht über einiges hinweglesen.

Besonders interessant fand ich z.B. das Kapitel über die Bakteriencocktails und andere mögliche Lebewesen in unserem Trinkwasser. Jeder kennt die Legionellenprüfung, aber man macht sich kaum Gedanken, was da genau los ist und was noch so alles im Wasser ist. Auch die berühmten Erdnussschälchen in Restaurants und andere Bakterienüberträgerwege werden angesprochen. Vieles kennt man, vieles ist neu, einiges hat man sich nie bewusst gemacht.

Somit ist "Bakterien - die heimlichen Helden" ein informatives, interessantes, lehrreiches Buch, das man wie einen Roman lesen kann, mal nebenbei, dann wieder mit voller Aufmerksamkeit. Ich freue mich schon auf weitere naturwissenschaftliche Bücher von Peter Wohlleben!

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Ein Blick in die Vergangenheit

Was vor uns liegt
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"Was vor uns liegt" von Alba de Céspedes ist ein Roman aus den 1930er Jahren und somit für uns heute ein wertvolles Zeugnis aus der Vergangenheit, das eben nicht aus heutiger Sicht geschrieben wurde. Céspedes ...

"Was vor uns liegt" von Alba de Céspedes ist ein Roman aus den 1930er Jahren und somit für uns heute ein wertvolles Zeugnis aus der Vergangenheit, das eben nicht aus heutiger Sicht geschrieben wurde. Céspedes bringt uns das Leben von acht Frauen näher, die ihre Hoffnungen, Ängste, Sorgen und Wünsche mit in den Konvikt gebracht haben, in dem wohnen, während sie studieren.

Ich finde es anfangs eher verwirrend, dass es um so viele Charaktere geht, vier Frauen hätten mir vermutlich gereicht. Doch die Schicksale der Frauen sind sehr unterschiedlich, ihre Gemeinsamkeit beschränkt sich nur auf den Ort, an dem alle gemeinsam während ihrer Studienzeit leben. Der sehr strenge Konvikt schweißt alle zusammen, doch Freundinnen werden sie nicht wirklich; später gehen alle ihren (sehr unterschiedlichen) Weg.

In einer Zeit, in der das Frauenbild noch sehr traditionell und vorbestimmt war, sind die Frauen des Romans sehr fortschrittlich und unkonventionell. Was heute für uns selbstverständlich ist, ist es in vielen Teilen der Welt aber auch heute noch nicht. Die Frauen der Alba de Céspedes stehen für alle Frauen, die auch heute noch um ihren selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft kämpfen müssen. Im Roman gelingt dies nicht allen, und so hat mich die Vielschichtigkeit der Emotionen, Sehnsüchte, Träume und Empfindungen der acht unterschiedlichen Frauen sehr eingenommen.

"Was vor uns liegt" ist daher ein gut gewählter, eher neutraler Titel, der die Sehnsüchte umfasst, aber auch impliziert, dass es nicht für alle gut werden wird. Dieser Roman ist sicher für Frauen geschrieben, aber ich würde ihn gern allen Leserinnen und Lesern empfehlen, die gute Literatur lieben.

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