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Veröffentlicht am 10.04.2020

Anders als erwartet

Zeugin der Toten
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Ein faszinierendes Buch, wenn auch anders, als erwartet.

1985, in einem Kinderheim in Stralsund. Ein fünfjähriges Mädchen wird gegen ein anderes ausgetauscht und heißt ab sofort wie diese: Judith Kepler.
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Ein faszinierendes Buch, wenn auch anders, als erwartet.

1985, in einem Kinderheim in Stralsund. Ein fünfjähriges Mädchen wird gegen ein anderes ausgetauscht und heißt ab sofort wie diese: Judith Kepler.
Mehr als 20 Jahre später hat Judith einiges hinter sich; lieblose Kindheit und Jugend im Heim, Alkoholmissbrauch, Drogenabhängigkeit. Jetzt arbeitet sie als Cleaner in einem Gebäudereinigungsunternehmen, putzt in öffentlichen Einrichtungen oder reinigt Haushalte Verstorbener. Das ist bei weitem nicht so harmlos, wie sich das zunächst anhört. Nicht nur die Todesumstände werden ersichtlich, oft trifft Judith auf Verwesung und eklige Hinterlassenschaften, die beseitigt werden müssen. Die Beschreibung der Szene in der Wohnung der alten Frau ist besonders gelungen, hier wird ein Schicksal erzählt.
Im Haushalt einer ermordeten jungen Frau findet Judith ihre Heimakte. Warum und wieso bei einer Unbekannten? Warum wurde diese ermordet? Nach und nach findet Judith Spuren, die ins Jahr 1985 zurückreichen. An speziellen Dokumenten aus dieser Zeit haben mehrere Organisationen Interesse, der BND, ausländische Geheimdienste, die StaSi. Auf ihrer Suche erlebt Judith brisante Situationen, sie wird bedroht, entführt, als Mörderin hingestellt. Allmählich werden Zusammenhänge klar, im Dunkeln Liegendes wird erhellt. Hilfe bekommt Judith von einem Exagenten des BND, auch von ihrem väterlichen Chef.
Mit Mut, Glück und Dreistigkeit erreicht sie... ja was?
Elisabeth Herrmann schreibt spannend, die handelnden Personen werden anschaulich dargestellt, man empfindet auch für sperrige Charaktere Sympathie. Nicht alles ist glaubhaft, aber der Handlungsablauf ist nachvollziehbar.

Ein lesenswertes Buch, das die Zeit des Kalten Krieges und seine Auswirkungen bis heute erhellt.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2020

Die neue Brautprinzessin

Die Brautprinzessin
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Eine märchenhafte Phantasie, eingerahmt von der Geschichte eines Autors, der lange erklärt, warum dieses Buch sein Lieblingsbuch - obwohl nie von ihm selbst gelesen- ist. Die Lösung ist einfach: sein Vater ...

Eine märchenhafte Phantasie, eingerahmt von der Geschichte eines Autors, der lange erklärt, warum dieses Buch sein Lieblingsbuch - obwohl nie von ihm selbst gelesen- ist. Die Lösung ist einfach: sein Vater las die spannendsten Stellen vor, das Langatmige des „Originals“ von S. Morgenstern ließ der weg. Dahingehend wollte er das auch abändern, sein Ziel: Kürzung und Straffung der ursprünglichen Fassung. Das wenigstens ist ihm gelungen, seine Variante bietet rasante Aktionen, spannende Szenarien, Romantik, Drama, Abwechslung pur. Sowohl seine Meinung als auch die häufigen Einschübe waren nur anfänglich amüsant.
Die Brautprinzessin selbst ... ist von unüblicher Art. Wunderschön, schlichten Gemüts erleben sie, der heldenhafte Stalljunge Westley und ihre Bekanntschaften seltsame Abenteuer. Schurken und Helden gibt es natürlich in hübscher Abwechslung. Der Leser darf an ihren Gedanken, die oft sehr ausführlich dargelegt und in Schleifen wiederholt werden, teilhaben. Mal etwas Anderes, zum Teil kitschig, aber auch unterhaltsam.
Spezielles von William Goldmann aus dem Hause Klett-Cotta. Übersetzt von Wolfgang Krege.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 25.10.2019

Spannung, Verrat und Gewalt

Wenn die Zeit gekommen ist
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Kommissar Jan Tommen jagt den Schläfenmörder, einen brutalen Gangster, der in zwei Jahren sechs Menschen auf die gleiche Weise ermordet hat: durch einen Nahschuss in die Schläfe. Jetzt hat er offenbar ...

Kommissar Jan Tommen jagt den Schläfenmörder, einen brutalen Gangster, der in zwei Jahren sechs Menschen auf die gleiche Weise ermordet hat: durch einen Nahschuss in die Schläfe. Jetzt hat er offenbar wieder zugeschlagen, die Polizei ist elektrisiert. Tommen verfolgt Erfolgversprechendes, gerät aber in eine Falle. Seine Kollegen schwören Rache.
Chandu, ein Kerl wie ein Schrank, Max, Hackergenie, beide sympathisch und Zoe, eiskalte Rechtsmedizinerin, mit einem Benehmen wie ein unerzogenes Kind, bilden einTeam, welches mit nicht immer legalen Methoden ermittelt. Verfolgungs- und Verbrecherjagden wie in amerikanischen Thrillern, hier allerdings in Berlin, bestimmen die Ermittlungen, konkurrierende Banden bekämpfen sich. Durchaus unterhaltsam.
Spannung, Verrat, Gewalt und zahllose Leichen finden sich in Alexander Hartungs Krimi.
Ein rasanter, einfacher Erzählstil zieht sich durch diese Lektüre für Actionfans.
Unterhaltung aus dem Edition M Verlag.

Veröffentlicht am 16.07.2019

Was gärtnern bewirken kann

Die Gärten von Monte Spina
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Toni, 32, verwitwet, depressiv. Kann ihre Leidenschaft fürs Gärtnern sie aus ihrem Seelentief holen? Eine neue Umgebung, andere Menschen - nein, das bringt nichts. Sie nimmt das Angebot, auf einer kargen ...

Toni, 32, verwitwet, depressiv. Kann ihre Leidenschaft fürs Gärtnern sie aus ihrem Seelentief holen? Eine neue Umgebung, andere Menschen - nein, das bringt nichts. Sie nimmt das Angebot, auf einer kargen Insel einen Garten zu gestalten, an und spürt, dass diese harte Arbeit ein wenig hilft. Wäre da nur nicht der fiese Inselbesitzer Max Brohr, der sie behandelt wie seine Sklavin.
Der ein mieses Spiel mit ihr spielt. Warum lässt sie sich das bieten?
Henrike Scriverius gibt ihrer Protagonistin viel Raum, stattet sie mit viel gärtnerischem Engagement aus und kreiert eine stets auf das Gute im Menschen hoffende Heldin.
Man erfährt etwas über das Gärtnern, die Natur auf Lanzarote und menschliche Unzulänglichkeiten. Schnell nimmt man Anteil an Tonis Leben, versteht ihr Handeln aber nicht immer. Ein Buch, in das man sich gut einlesen, über deren Hauptpersonen man aber geteilter Meinung sein kann.

Veröffentlicht am 15.03.2019

Verändern mysteriöse Wesen die Welt?

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Plötzlich ist er da: Carl. Übermannsgroß, stumm, faszinierend, aus unbekanntem Material. April, 23, ambitioniert und aufgeweckt, entdeckt ihn als Erste. Das Video, dass sie mit einem guten Freund dazu ...

Plötzlich ist er da: Carl. Übermannsgroß, stumm, faszinierend, aus unbekanntem Material. April, 23, ambitioniert und aufgeweckt, entdeckt ihn als Erste. Das Video, dass sie mit einem guten Freund dazu dreht, geht viral. April wird zu Talkshows eingeladen, ihre Clickzahlen in den Social Accounts steigen, Interviews werden gut bezahlt. Alle wollen wissen: Wer/ was ist Carl, was ist sein Zweck? April wird Carl-Expertin. Geschickt gemanagt, unterstützt von Freunden, ändert sich ihr Wesen. Sie wird süchtig nach Anerkennung und Bedeutung. Sogar die Regierung mischt sich ein, möchte, dass April kooperiert und hilft.
Und die inzwischen 64 Carls? Sie geben den Menschen Rätsel auf, senden mysteriöse Aufgaben in Träumen, die sich wie Viren ausbreiten. Um die Aufgaben zu lösen, müssen Menschen unterschiedlichster Interessen und Kenntnisse kooperieren. Können sie das? Und wozu wollen die Carls das?
Hank Green hat ein interessantes Erstlingswerk mit einer spannenden Idee geschrieben. Die Ich-Erzählerin bezieht die Leser direkt in ihre Erlebnisse ein, macht die Geschichte durch ungewisse Voraussagen spannend. Ihr Verhalten und ihre Entwicklung wirken authentisch, das macht die Story lebendig und erschreckend realistisch.