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Veröffentlicht am 31.10.2019

So wundervoll!

Ich würde dich so gerne küssen
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Also dieses Buch hat mir echt ein besonderes Leseerlebnis bereitet, weil es mich in ein Wechselbad der Gefühle geworfen hat. Ich fand die ersten Seiten sooo blöd. Irgendwie war der Schreibstil so komisch, ...

Also dieses Buch hat mir echt ein besonderes Leseerlebnis bereitet, weil es mich in ein Wechselbad der Gefühle geworfen hat. Ich fand die ersten Seiten sooo blöd. Irgendwie war der Schreibstil so komisch, so umgangssprachlich und irgendwie nicht richtig passend. Und ich dachte schon, dass mir dieses Buch bestimmt gar nicht gefallen würde. Doch irgendwann hatte ich mich eingelesen und mich wahrscheinlich auch einfach an den Erzählstil der Autorin gewöhnt.

Die Handlung geht auf den ersten Seiten recht schnell voran, das Buch ist ja auch nicht besonders dick. Jeffer taucht auf, Frieda selbst und ihre beste Freundin lernt man sowieso schon auf der ersten Seite kennen. Das Wesentliche ist schnell erzählt. Und irgendwie kam ich mit den Charakteren nicht klar. Friede fand ich ganz ok, aber ihre Freundin Maja hat mich genervt. Die ist echt anstrengend. Und mit Jeffer konnte ich gar nichts anfangen, der ist so undurchschaubar. Und dann gab es da auch noch diese Kiki. Die war echt die schlimmste von allen. Obernervig.

Was mich aber trotzdem am Lesen gehalten hat, war diese besondere Stimmung, die von dem Buch ausgeht. Jeroena, du hast das in deiner Rezi echt gut beschrieben und ich kann es auch gar nicht anders sagen: Es ist diese Besonderheit des Teenagerlebens, die den Reiz an diesem Buch ausmacht. Man fühlt sich in seine eigene Jugend versetzt, vergleicht Friedas Gedanken mit seinen eigenen und genießt dabei das Lebensgefühl, das die Charaktere ausstrahlen. Die Unbeschwertheit und Sorglosigkeit auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch die Angst vor der Zukunft, die Unsicherheit. Die Stimmung des Buches lässt sich wirklich nur schwer in Worte fassen, aber es ist so eine Stimmung, nach der ich mich manchmal zurücksehne. Die mich wünschen lässt, selbst noch einmal süße 16 zu sein. Und die mich irgendwie auch wünschen lässt, als Teenager in Berlin gelebt und ein Leben wie Frieda und Jeffer geführt zu haben.

Und plötzlich haben mich die nervigen Eigenschaften der Charaktere nicht mehr gestört. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich nur noch auf Frieda und Jeffer konzentriert habe, weil sich auch die Handlung des Buches mehr und mehr auf diese beiden konzentriert. Gut, dass ewige Hin und Her hat mich gestört. Die beiden sind sich einfach nicht im Klaren darüber, was sie füreinander sind. Es steht immer etwas zwischen ihnen und das steht auch zwischen ihnen und dem Leser. Teilweise ist die Beziehung der beiden zu schwammig, zu unkonkret, was irgendwie anstrengend ist. Ganz anders zum Beispiel als bei "Kirschroter Sommer", wo die Charaktere und der Leser genau wissen, dass die beiden sich lieben. Hier weiß man das gar nicht so genau.

Ich war dann davon überzeugt, dem Buch :nur drei Sterne zu geben. Man macht sich ja während des Lesens doch schon ab und zu Gedanken darüber, wie man das Buch bewerten wird. Aber dann kamen Szenen, die außerhalb von Berlin spielen. Mehr sag ich jetzt dazu nicht, das solltet ihr dann schon selbst lesen. Wer das Buch schon kennt, weiß aber natürlich, was ich meine. Und diese Szenen haben angefangen, das Ruder rumzureißen. Ich konnte immer noch nichts mit der Beziehung zwischen Friede und Jeffer anfangen, sie war immer noch zu schwammig. Aber diese Szenen waren sehr emotional, für mich zumindest. Und auch hier habe ich mir gewünscht, selbst mal so wie Frieda und Jeffer gewesen zu sein. So unbeschwert. So frei.

Und dann wechselte die Handlung zurück nach Berlin und es kam ein Satz von Kiki, die mich bislang einfach nur genervt hat. Und die mit diesem kleinen Satz Tränen in meine Augen getrieben hat, was ich von diesem Buch nie erwartet hätte. Ich bin gerade selbst überrascht davon, wie emotional ich beim Schreiben dieser Rezi werde und wie emotional auch die Rezi selbst ist. Das schaffen nicht viele Bücher, so etwas bei mir auszulösen. Und es überrascht mich noch mehr, weil ich es von diesem Buch wirklich nie erwartet hätte.

Tja, und dann kam der Schluss, der die Tränen hat fließen lassen. Und der meine Bewertung letztlich auf vier Sterne erhöht. Der Schluss hätte nicht besser und passender sein können. Ich hätte mir keinen anderen Schluss gewünscht. Und er hat mir echt schwer zugesetzt und dafür gesorgt, dass dann tatsächlich noch die ein oder andere Träne geflossen ist.

Ich kann den holprigen Einstieg und die nervigen Nebencharaktere nicht unbeachtet lassen, ansonsten hätte ich diesem Buch volle fünf Sterne gegeben. Diese Beziehung zwischen Frieda und Jeffer ist ganz, ganz besonders. So zart, aber gleichzeitig auch kompliziert. Irgendwie macht mich das gerade sehr melancholisch und ich könnte jetzt auch kein neues Buch anfangen, weil ich noch in der Geschichte der beiden Teenager gefangen bin.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein Geständnis, dass das eigene Leben komplett über den Haufen wirft

Geliebter Mörder
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Als Kristin Ganzwohl aus dem Mund ihres Partners Claus den Satz „Wir müssen reden.“ hört, befürchtet sie Schlimmes: eine Geliebte, Kinder mit einer anderen Frau, Trennung. Aber mit dem, was sie dann zu ...

Als Kristin Ganzwohl aus dem Mund ihres Partners Claus den Satz „Wir müssen reden.“ hört, befürchtet sie Schlimmes: eine Geliebte, Kinder mit einer anderen Frau, Trennung. Aber mit dem, was sie dann zu hören bekommt, hätte sie nicht in ihrem schlimmsten Albtraum gerechnet: Ihr Partner ist ein verurteilter Mörder, er hat seine damalige Lebensgefährtin ermordet, war deswegen jahrelang im Gefängnis.

Wie geht man damit um? Wie verarbeitet man so eine Offenbarung? Wie verändert sich der Blick auf den Menschen, den man liebt? Kann man mit ihm weiter eine Beziehung führen? Wie sagt man es den Freunden?

All diese Fragen stellt sich Kristin Ganzwohl ganz automatisch und in ihrem Buch beschreibt sie, wie sie versucht hat, Antworten auf ihre Fragen zu finden.

Plötzlich sieht sie ihren Partner in einem völlig anderen Licht. Kleine Macken, über die sie sich vor Kurzem noch gewundert oder amüsiert hat, bekommen auf einmal einen Grund. Zwischen Kristin und ihrem Partner ändert sich viel. Sie weiß nicht, ob sie Angst vor Claus haben muss. Die bislang so harmonische Beziehung droht zu kippen. Es herrscht ständig eine angespannte Stimmung zwischen den beiden. Und Claus verschließt sich. Er redet nur sporadisch über das Geschehen vor elf Jahren, gibt widerwillig Antwort. Dabei ist es Kristin so wichtig, die Hintergründe zu erfahren. Um ihren Partner zu verstehen, um seine Beichte zu verarbeiten.

Das Buch beleuchtet nicht nur die aktuelle Beziehung zwischen Claus und Kristin, sondern blickt auch immer wieder zurück auf Kristins vorherige Beziehungen und natürlich auf die Beziehung zwischen Claus und seinem Opfer. Die Autorin beleuchtet, wie es zu dem Mord kam, wie Claus' Verhandlung ablief und wie er die Jahre im Gefängnis überstand.

Auch die Reaktionen von Kristins Freunden auf das Geständnis, die durchaus recht unterschiedlich ausfallen, werden beschrieben.

„Geliebter Mörder“ ist ein sehr persönliches Buch, ist aber dennoch nicht zu emotional geschrieben. Klar, Gefühle bleiben bei so einer Offenbarung nicht aus. Aber die Autorin drückt nicht auf die Tränendrüse, will kein Mitgefühl von den Lesern. Sie beschreibt ziemlich sachlich, wie so ein Geständnis das Leben komplett über den Haufen werfen kann. Und wie man es dabei dennoch schaffen kann, nicht die Nerven zu verlieren.

Nicht ganz klar ist mir, wie ich die Vorbemerkung der Autorin einordnen soll, in der sie schreibt, dass dieses Buch zwar zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhe und typisierte Personen behandele, die es so oder so ähnlich gegeben haben könne. Diese Urbilder seien jedoch durch künstlerische Gestaltung des Stoffs und dessen Ein- und Unterordnung in den Gesamtorganismus dieses Kunstwerks gegenüber den im Text beschriebenen Abbildern so stark verselbständigt, dass das Individuelle, Persönlich-Intime zugunsten des Allgemeinen, Zeichenhaften der Figuren objektiviert sei. Für alle Leser erkennbar erschöpfe sich der Text nicht in einer reportagehaften Schilderung von realen Personen und Ereignissen, sondern besitze eine zweite Ebene hinter der realistischen Ebene. Es finde ein Spiel der Autorin mit der Verschränkung von Wahrheit und Fiktion statt. Sie lasse bewusst Grenzen verschwimmen.

Aufgrund dieser Vorbemerkung wollte ich das Buch eigentlich unter der Rubrik „Romane und Erzählungen“ vorstellen. Da der Verlag selbst es allerdings unter der Rubrik „Sachbuch“ führt, habe ich meine Rezension nun ebenfalls in diesem Bereich erstellt.

Mein Fazit:

Ein Geständnis, dass das eigene Leben komplett über den Haufen wirft - „Geliebter Mörder“ erzählt eine wahre Geschichte.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ich mag die Bücher der Autorin sehr!

Solange die Nachtigall singt
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"Solange die Nachtigall singt" ist ein sehr stimmungsvolles, irgendwie düsteres, aber gleichzeitig auch anspruchsvolles Buch, das sich nicht mal eben so nebenbei weglesen lässt. Der Stil der Autorin ist ...

"Solange die Nachtigall singt" ist ein sehr stimmungsvolles, irgendwie düsteres, aber gleichzeitig auch anspruchsvolles Buch, das sich nicht mal eben so nebenbei weglesen lässt. Der Stil der Autorin ist sehr poetisch und man muss sehr genau aufpassen, was sie mit ihren Bildern sagen will. Vieles liegt zwischen den Zeilen und lässt sich nur erahnen. Aber es liegt durchweg eine sehr tolle und vor allem spannende Stimmung über dem Buch, die zum Weiterlesen animiert. Denn die Handlung an sich ist eher ruhig, bis auf einige Ausnahmen. Aber dennoch fragt man sich als Leser ständig, was hinter dem Ganzen steckt und wie das Buch wohl enden wird.

Während des Lesens hatte ich tausende Fragezeichen im Kopf. Es gibt so viele mysteriöse Kleinigkeiten, zu denen ich gerne Erklärungen gehabt hätte. Aber diebekommt man einfach nicht. Stattdessen passieren erneut merkwürdige Sachen. Die Autorin lässt die Figuren und vor allem den Leser ziemlich allein. Die wirkliche Auflösung bekommt man erst am Ende. Bis dahin muss man mit der Ungewissheit leben. Ich muss sagen, dass ich die Auflösung toll fand. :thumleft: Ich hätte damit nun wirklich nicht gerechnet und meine Fragen wurde am Ende auch beantwortet.

Das Verrückte an dem Buch ist nämlich, dass man überhaupt nicht weiß, was real ist und was nicht. Ein bisschen verwirrend ist es schon, aber gleichzeitig auch einfach total spannend.

Irgendwie fand ich das Buch auch ziemlich gruselig. Es gab so viele Kleinigkeiten, die mir einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Das Weinen eines Kindes, das nachts zu hören ist. Oder die Tatsache, dass die weibliche Hauptperson in Windeseile von einem Ort zum anderen wechselt und dann vorgibt, schon die ganze Zeit dagewesen zu sein. Oder ein in einen Felsen geritztes Kreuz, dessen Geschichte nicht
verraten wird. Oder ein Raum voller Schneiderpuppen. Oder ein Raum voller ausgestopfter Füchse, von denen einer auf ein mal zur Tür raus
rennt. Oder die Tatsache, dass die weibliche Hauptperson Sachen vergisst, die sie noch einen Tag vorher getan oder gesagt hat. Es sind viele Kleinigkeiten, die beim Lesen stutzig machen und für die man so gerne eine Erklärung hätte.

Die weibliche Hauptperson, die Auslöser dieser komischen Sachen zu sein scheint, hat zwarIMMER eine Erklärung, die alles ganz normal aussehen lässt. Aber im Hintergrund ist immer der Gedanke, dass man nicht weiß, ob man ihr überhaupt glauben kann. Deswegen hat mich das Buch teilweise etwas verzweifeln lassen.

Zwischendurch gab es bei mir immer ein paar Seiten, die mich nicht so mitreißen konnten und bei denen dann eine kleine Flaute aufgetreten ist. Und es gab Dinge, die ich jetzt gar nicht konkret beim Namen nennen könnte, die mich irgendwie gestört haben. Insgesamt fand ich aber vor allem die Stimmung und den Stil der Autorin einfach toll und von mir gibt es vier Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Thriller und Dystopie in einem

Du oder ich
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Der Verlag wertet dieses Buch selbst als Thriller, dem würde ich mich durchaus anschließen. Denn da man als Leser von Anfang an weiß, was die Ich-Erzählerin erwartet bzw. worauf das Buch hinsteuert, liegt ...

Der Verlag wertet dieses Buch selbst als Thriller, dem würde ich mich durchaus anschließen. Denn da man als Leser von Anfang an weiß, was die Ich-Erzählerin erwartet bzw. worauf das Buch hinsteuert, liegt von Anfang an eine gewisse Grundspannung über dem Buch. Außerdem geht es in diesem Buch um mehrere Kämpfe auf Leben und Tod, die zusätzlich für einen gewissen Thrill sorgen.

Gleichzeitig enthält dieses Buch aber auch Elemente einer Dystopie. Die Autorin entführt ihre Leser mit diesem Erstlingswerk in eine graue, finstere und trübe Welt. Hier herrscht Krieg, hier ist jeder auf der Flucht, hier hat jeder Angst. Es ist keine schöne Welt, die man zusammen mit der Ich-Erzählerin West entdeckt. Es ist eine brutale und grausame Welt, in der sich jeder selbst der nächste ist und in der es nur ein Ziel gibt: seinen Doppelgänger zu töten, bevor man selbst getötet wird.

Ein paar Informationen über die Hintergründe dieser Welt liefert Elsie Chapman ihren Lesern und beantwortet nach und nach ein paar offene Fragen. Aber es sind nur wenige Details, die verraten, wie die Welt sich so entwickeln konnte. Vielleicht ist es aber auch gar nicht nötig, mehr darüber zu wissen. Wahrscheinlich ist das gar nicht so wichtig.

Denn die Handlung des Buches lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Der Leser begleitet West bei vier, fünf ihrer Aufträge und schließlich bei ihrem letzten Kampf, den sie mit ihrer Substitutin - ihrer Doppelgängerin - auszufechten hat. Und dennoch ist das Buch durchweg spannend. Es ist vor allem diese unterschwellige Anspannung, diese düstere Stimmung, die diesen Thriller bestimmt. Als Leser weiß man einfach von Anfang an, dass West unweigerlich auf ihre Gegnerin treffen wird, wenn sie nicht von der Regierung eliminiert werden will. Und das sorgt für enormen Nervenkitzel. Ständig hat man das Bedürfnis, sich nach allen Seiten umzublicken, um zu sehen, ob Wests Gegnerin ihr schon auf der Spur ist. Aber natürlich geht das nicht, weil man ja die Dinge nur aus der Sicht von West sieht. Und West ist leider sehr unvorsichtig und macht einige Fehler.

Das Buch lebt nicht von seiner Handlung, sondern allein von seiner Ich-Erzählerin und der Entwicklung, die diese im Verlauf des Buches durchmacht. West ist ein junges Mädchen, das schon viel Schlimmes erlebt hat, das nach außen sehr kaltherzig erscheint, sich aber in Wirklichkeit viele Gedanken macht und viele Emotionen mit sich herum trägt. West hat sich eine Schutzmauer gebaut. Sie will nicht mehr verletzt werden, will selbst aber auch niemanden verletzen. Und sie ist keinesfalls perfekt. Sie handelt teilweise unüberlegt, einfach zu spontan. Sie geht auf Distanz, wo sie lieber Nähe suchen sollte. Sie verstellt sich, um keine Gefühle offenbaren zu müssen. Aber es kommt eine Zeit, da kann sie sich nicht mehr hinter ihrer Schutzmauer verstecken. Da muss sie einfach ihr wahres Ich zeigen.

Es ist schon erschreckend, wie die Menschen in diesem Buch mit dem Thema Tod umgehen. Auf offener Straße werden hier Leute erschossen oder mit einem Messer erstochen. Wichtig ist am Ende nur, dass der Säuberungstrupp informiert wird, damit er die Sauerei aufwischt. Die Leute gehen in Deckung, wenn um sie herum geschossen wird, um nicht als Kollateralschaden zu enden. Aber wirklich berühren kann sie so ein Mord schon lange nicht mehr. „Du oder ich“ ist stellenweise sehr grausam, brutal und blutig. Zu sehr sollte man sich in das, was man hier liest, wohl nicht hineinversetzen.

West ist eine sehr gründliche Beobachterin und Erzählerin. Mit vielen Details und Bildern beschreibt sie dem Leser nicht nur, in welcher Umgebung sie sich gerade befindet, was ihre Augen sehen. Auch ihre eigenen Handlungen werden mit vielen Worten umfassend wiedergegeben. Jeder Handgriff, jeder Schritt wird dem Leser nahegebracht. Was somit einerseits für eine klare Vorstellung des Lesers von der Handlung und der Handlungsumgebung sorgt, wirkt andererseits stellenweise auch etwas langatmig.

„Du oder ich“ ist offensichtlich kein Teil einer Reihe und endet deswegen sehr eindeutig. Inmitten der vielen Buchreihen ist es auch mal ganz angenehm, ein zufriedenstellendes Ende geliefert zu bekommen.

Mein Fazit:

Thriller und Dystopie in Einem - „Du oder ich“ liefert Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Ein teils dramatischer, teils bewegender Roman, der einen tiefen Eindruck hinterlässt.

Das Lächeln meiner Mutter
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Im Prinzip lässt sich dieses Buch in zwei Handlungsstränge aufteilen: den Strang, der sich rückblickend mit dem Leben von Lucile, der Mutter der Autorin Delphine de Vigan, befasst - und den Strang, der ...

Im Prinzip lässt sich dieses Buch in zwei Handlungsstränge aufteilen: den Strang, der sich rückblickend mit dem Leben von Lucile, der Mutter der Autorin Delphine de Vigan, befasst - und den Strang, der beschreibt, wie die Autorin an dieses Buch herangegangen ist, wie sie sich mit dem Leben ihrer Mutter beschäftigt hat, was das Schreiben dieses Buches in ihr ausgelöst hat.

Und gerade dieser zweite Handlungsstrang war es, der mich am meisten bewegt hat. Denn ironischerweise bin ich gerade in einer ähnlichen Situation, in der sich die Autorin während des Schreibens dieses Buches befand. Denn ein Mitglied aus meiner Familie hat ebenfalls den Weg des Freitodes gewählt. Und unweigerlich kamen auch bei mir die Fragen nach dem „Warum“ auf und der Wunsch, diesen letzten Schritt zu verstehen. Hätte man diese schwierige und schwerwiegende Entscheidung verhindern können? Hätte man sie überhaupt verhindern SOLLEN? Es fällt nicht leicht, damit zu leben und diesen letzten Schritt zu akzeptieren. Die Gedanken drehen sich immer wieder im Kreis. Man versucht, damit klarzukommen. Aber das braucht einfach Zeit.

Und dieses Buch hat mir dabei geholfen, einiges mit anderen Augen zu sehen. Gerade die letzten Seiten des (autbiographischen Romans haben mir Hoffnung und Kraft gegeben. Ich habe dieses Buch genau zur richtigen Zeit gelesen.

Man merkt der Autorin an, dass es ihr nicht leicht gefallen ist, dieses Buch zu schreiben. Sie hat sich über viele Jahre hinweg mit diesem Thema beschäftigt, hat mit Familienmitgliedern geredet, Briefe und Tagebücher ausgewertet. Und dabei die ein oder andere dramatische Szene aufgedeckt, die ein oder andere Wahrheit enthüllt, die so mancher nicht hören wollte. Und dabei hat sie ihre Mutter besser kennengelernt, als sie es zu deren Lebzeiten konnte.

Das war nun eine sehr persönliche Rezension von mir, aber so ist ja auch dieses Buch: sehr persönlich.

Mein Fazit:

Ein teils dramatischer, teils bewegender Roman, der einen tiefen Eindruck hinterlässt.