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Veröffentlicht am 01.11.2019

Voller Poesie

Poet X
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Xiomara lebt mit ihren Eltern und ihrem Zwillingsbruder in einem der schäbigeren Viertel New Yorks. Eigentlich stammt die Familie aus der Dominikanischen Republik und immer, wenn ihre Mutter sie bestrafen ...

Xiomara lebt mit ihren Eltern und ihrem Zwillingsbruder in einem der schäbigeren Viertel New Yorks. Eigentlich stammt die Familie aus der Dominikanischen Republik und immer, wenn ihre Mutter sie bestrafen möchte, droht sie damit, Xiomara dorthin zurück zu schicken. Und das geschieht häufig, denn die Familie ist streng religiös, während Xiomara ihre Beziehung zu Gott immer wieder in Frage stellt. Als sie nicht zur Kommunion gehen will und sich auch noch mit einem Jungen aus der Schule anfreundet, droht der Streit zwischen Xiomara und ihrer Mutter zu eskalieren. Doch eines lässt das junge Mädchen sich von keinem nehmen: ihre Worte.

"Poet X" ist definitiv anders als die meisten Jugendbüchern, denn es ist in Versen geschrieben. Das ganze Buch ist quasi ein Rap über Xiomaras Leben, von ihr selbst geschrieben. Manchmal sperrig zu lesen, aber wunderbar poetisch und tiefgründig beweist die Autorin und Poetry Slammerin Elizabeth Acevedo, dass Literatur für Jugendlich und Poesie sich nicht ausschließen müssen. Und so erfährt der Leser auf diese besondere Weise von Xiomaras Beziehung zu ihrem "Zwilling", den sie immer nur so nennt. Einen Jungen, der so anders ist, als sie selbst. So still, so verliebt in die Wissenschaft, so demütig - bis sie eines Tages feststellt, dass sie beide dasselbe wollen: Freiheit, sie selbst zu sein.

Erst die Sprache, ihre Gedichte und der Traum von einem Auftritt bei einem örtlichen Poetry Slam geben Xiomara ein Ziel und etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Es ist inspirierend und zugleich schmerzhaft zu sehen, wie sie sich von ihren Fesseln zu befreien versucht. Dabei wird sie, zum Glück, auch tatkräftig unterstützt: von ihrer ebenfalls sehr religiösen Freundin Caridad, ihrer Lehrerin Mrs. Galiano und natürlich von den Mitgliedern des Poetry Slam Clubs der Schule. Doch auch von ganz unerwarteter Seite erhält Xiomara Verständnis und Hilfe.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Eine besondere Frau

Die Zeit des Lichts
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1929. Mit Anfang 20 lernt die Engländerin Lee Miller den amerikanischen Fotografen Man Ray kennen und taucht tief in die Szene der dort lebenden surrealistischen Künstler ein. Lee, die von ihrem Vater ...

1929. Mit Anfang 20 lernt die Engländerin Lee Miller den amerikanischen Fotografen Man Ray kennen und taucht tief in die Szene der dort lebenden surrealistischen Künstler ein. Lee, die von ihrem Vater das Fotografieren gelernt hat und selbst großes Talent besitzt, gibt so lange nicht auf, bis Man Ray sie als seine Assistentin einstellt. Sie werden ein grandioses Duo aus Künstler und Muse - nach und nach beginnen aber auch Lees Ideen, das Schaffen von Man zu beeinflussen. Immer tiefer werden beide in einen Strudel der Abhängigkeit voneinander gezogen: Lee kann ohne Man ihren Lebensunterhalt in Paris nicht bestreiten und er kann keine Kunst erschaffen, wenn Lee einmal längere Zeit nicht bei ihm ist. Und so steuert die große Liebe der beiden kontinuierlich auf eine Katastrophe zu - denn Lee ist keine Frau, die sich einsperren lässt.

Whitney Scharer ist es mit "Die Zeit des Lichts" gelungen, die Atmosphäre der 20er und 30er Jahre in Paris einzufangen - mit all den Charakterköpfen, zu denen beispielsweise auch Dalí gehörte, den ausschweifenden Parties und dem teilweise sehr harten Künstlerleben. Lee Miller arbeitet zunächst als Model, bis ihr das Posen vor der Kamera nicht mehr genügt und sie selbst die Zügel in die Hand nehmen will. Dabei bleibt sie stets eine sehr zwiespältige Protagonistin: auf der einen Seite ist ihr Mut und ihre Durchsetzungskraft bewunderswert, vor allem im Lichte dessen, was man im Verlauf der Handlung über ihre Kindheit erfährt. Auf der anderen Seite bleibt sie stets unnahbar, wirkt spröde und arrogant. Als ihr Modelkollege Horst ihr einmal vorwirft, sie würde sich nicht für ihn interessieren, muss man als Leser leider zustimmen. Lee Miller interessiert sich nur für sich selbst.

Die Handlung wird auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, beginnend an einem Punkt, an dem Lee Miller bereits mit ihrem Ehemann Roland Penrose wieder in England auf dem Land lebt und sich langweilt. Von dort aus scheint die Geschichte durch Lees gesamtes Leben zu springen. Zu der Zeit mit Man Ray in Paris, aber auch zu der Phase ihres Schaffens, als sie genug von der schicken Künstlerszene hat und als Kriegsfotografin die Schrecken des zweiten Weltkrieges dokumentiert. Hier lernen wir eine andere Lee Miller kennen. Eine, die bedächtiger geworden ist, die am Leben anderer Anteil nimmt, die aber auch einen unbändigen Hass auf die Deutschen in sich trägt. Die Bilder der Konzentrationslager, der vielen Leichen, der Kriegsverletzungen werden sie ihr Leben lang nicht mehr loslassen.

Whitney Scharers Roman ist keine detailgenaue Biografie, gewisse Freiheiten, so gibt sie selbst zu, die hat sie sich gelassen. Dennoch ergibt sich am Ende ein stimmiges Bild einer interessanten Frau, über die man unbedingt mehr wissen möchte. Sollte ich doch etwas kritisieren, so hätte die beinahe obszessive Beziehung zu Man Ray etwas weniger und die Fotografie etwas mehr Raum einnehmen dürfen. Die Autorin jedoch hat für sich diesen Fokus gewählt und auch mit ihm ist ihr ein fesselndes, lebendiges Porträt gelungen.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Für Buchliebhaber

Pages & Co. (Band 1)
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Matilda, genannt Tilly, ist elf und lebt nach dem Verschwinden ihrer Mutter Bea bei ihren Großeltern, die in London die Buchhandlung "Pages & Co" betreiben und ihr die Liebe zu Büchern quasi in die Wiege ...

Matilda, genannt Tilly, ist elf und lebt nach dem Verschwinden ihrer Mutter Bea bei ihren Großeltern, die in London die Buchhandlung "Pages & Co" betreiben und ihr die Liebe zu Büchern quasi in die Wiege gelegt haben. Mit Menschen tut sich Tilly manchmal ein wenig schwer, vor allem die Beziehung zu ihrer ehemals besten Freundin Grace hat sich in der letzten Zeit stark verändert. Selbstzweifel nagen an ihr und so fühlt sie sich ihren liebsten Romanfiguren Alice (aus dem Wunderland) und Anne (von Green Gables) näher, als so manchem Menschen aus Fleisch und Blut. Als dann eines Tages ein seltsamer Mann in der Buchhandlung auftaucht und Alice und Anne auf einmal lebendig vor ihr stehen, soll sich Tillys Leben für immer verändern. Sie entdeckt, dass sie das Buchwandeln beherrscht, also in Bücher hineingehen kann. Gemeinsam mit dem Nachbarsjungen Oskar macht sie sich daher auf, ihre Lieblingsbücher zu erkunden und am Ende vielleicht sogar ihre Mutter wiederzufinden.

Zunächst fällt "Matilda und das Geheimnis der Buchwandler" durch seine wunderschöne Gestaltung auf. Nicht nur das Cover und der Schutzumschlag sind geschmackvoll und passend, auch im Inneren ist der Text mit den Illustrationen von Paola Escobar zurückhaltend, aber zauberhaft geschmückt. Die Handlung ist ein Traum jedes Buchliebhabers: einmal die liebsten Charaktere kennenlernen und in Buchwelten abtauchen - das klingt verlockend, ist aber auch keine ganz neue Idee. In Teilen erinnert das Buch doch sehr an "Tintenherz", wobei das Buchwandeln hier deutlich regelbehafteter und organisierter ist, wird es doch von den Mitarbeitern der Underlibrary, einer Bibliothek unter der British Library überwacht. Und während es sich in Cornelia Funkes Reihe um eine unbestimmte, recht märchenhafte Fantasywelt handelt, reist Tilly gezielt in Klassiker der Kinderliteratur.

Im Hinblick auf die Gestaltung und die Grundidee kann sich Erwachsenenliteratur ruhig eine Scheibe von Kinderbüchern abschneiden. Oft sind es, wie eben in diesem Fall, kleine Kunstwerke, die zum Schmökern unter der Decke einladen. Dabei kann und muss man als adulter Leser auch darüber hinwegsehen, dass die Handlung eigentlich schon von der ersten Seite an klar ist. Gerade am Ende hätten der Geschichte ein paar Zeilen mehr auch nicht geschadet, aber schließlich soll es ja in den Folgebänden dieser Reihe noch genug zu erzählen geben. Die Charaktere hingegen, vor allem Tilly und ihr Großvater sind absolut hinreißend und liebenswert, ihre Liebe zu Büchern ist in jedem Satz zu spüren. Ich hoffe, dass dieses Buch Kinder dazu animieren kann, ihre Nase auch einmal in "Die Schatzinsel" oder "Alice im Wunderland" zu stecken, denn dort gibt es so viel zu entdecken!

Veröffentlicht am 01.06.2026

Spannender Thriller

Tokyo
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Tokyo, 1990. Mehrere Morde an Kindern erschüttern die Bevölkerung. Kommissar Saeki steht unter Druck, die Fälle schnell aufzuklären, liegt sein rasanter Aufstieg die Karriereleiter hinauf doch auch in ...

Tokyo, 1990. Mehrere Morde an Kindern erschüttern die Bevölkerung. Kommissar Saeki steht unter Druck, die Fälle schnell aufzuklären, liegt sein rasanter Aufstieg die Karriereleiter hinauf doch auch in bestimmten familiären Beziehungen begründet. Gleichzeitig irrt Matsumoto durch die Straßen, völlig verzweifelt und auf der Suche nach einem neuen Sinn in seinem Leben. Als er diesen in einer Sekte findet, geht es für ihn endlich wieder bergauf. Dann aber bemerkt er erste Unstimmigkeiten und hört Gerüchte über dunkle Machenschaften in den höheren Rängen. Was spielt sich hinter den Kulissen der Sekte ab?

„Tokyo. Schwarzer Sommer“ ist der Debütroman des japanischen Schriftstellers Tokuro Nukui und erschien im Original bereits 1993. Die deutsche Übersetzung verfasste Heike Patzschke. Die Geschichte wird im Wechsel aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt: auf der einen Seite verfolgen wir die Ermittlungen rund um die mysteriöse Mordserie, auf der anderen Seite beobachten wir das Abgleiten eines verzweifelten Mannes in die Fänge einer Sekte. Es ist klar, dass diese beiden Stränge sich irgendwann treffen werden, wann und wie bleibt aber lange unklar.

Der Thriller gibt einen guten Einblick in die Strukturen der japanischen Polizei. Saeki ist ein so genannter Karrierebeamter, der durch entsprechende Förderung viel schneller einen hohen Rang erreicht hat, als das bei andere Kandidaten möglich wäre. Das macht ihn bei seinen Kollegen nicht besonders beliebt, so dass er mit Anfeindungen zu kämpfen hat und jeder nur darauf wartet, dass er einen Fehler macht. Auf der anderen Seite stehen Glaubensgemeinschaften im Fokus, die Menschen in bestimmten Lebenssituationen ausnutzen. An Matsumotos Beispiel wird sehr deutlich, wie eine solche Sekte den Selbstwert eines Menschen zu eigenen Zwecken wieder aufbaut und eine Art Ersatzfamilie vortäuscht.

Lange war ich überzeugt, durchschaut zu haben, wie die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, doch dann kam am Ende noch ein echtes Überraschungsmoment. Gestört hat mich jedoch, dass nicht alle Fälle aufgeklärt werden – ich hoffe, es existiert ein Folgeband?

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Nette Reihe mit kleineren Schwächen

The Morrisey Mysteries 2. Die geheime Treppe
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Erst kürzlich konnte Meg - mit der Hilfe ihrer Geisterfreundin Ripley - einen Mord in ihrem geliebten Wohngebäude, dem Morrisey, aufklären; da stolpert sie schon wieder über zwei Leichen im Keller, eine ...

Erst kürzlich konnte Meg - mit der Hilfe ihrer Geisterfreundin Ripley - einen Mord in ihrem geliebten Wohngebäude, dem Morrisey, aufklären; da stolpert sie schon wieder über zwei Leichen im Keller, eine davon aus den 1920ern. Und dann steht auch plötzlich Addison vor ihr, der Geist der vor knapp 100 Jahren verstorbenen jungen Frau. Um ihr zu helfen, muss Meg einfach wieder selbst ermitteln und erfährt so einiges über Seattle während der Prohibition, Flüsterkneipen und zwei verfeindete Familien.

„Die geheime Treppe“ ist bereits der zweite Band der gar nicht mal so gemütlichen Cozy Mystery-Reihe der US-amerikanischen Schriftstellerin Eryn Scott. Die deutsche Übersetzung verfasste Anne Rudelt. Der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist weiterhin das Morrisey-Gebäude mit seinen liebenswerten, aber auch etwas verschrobenen Bewohnern. Die Reihe nimmt dabei deutliche Anleihen an die Serie „Only Murders in the Building“ und das Wohnhaus Arconia; in diesem Band ist es zum Beispiel das versteckte Casino, das sich im Untergeschoss des Morrisey befunden haben soll.

Die Protagonistin Meg sieht sich in dieser Geschichte gleich mehreren Schwierigkeiten gegenüber. Ihr bester Freund (und Schwarm) Laurie hält sich wegen seiner Arbeit gerade in Japan auf, so dass er sie nicht bei ihren Ermittlungen unterstützen kann. In der Barfrau und neuen Nachbarin Zoe findet sie zwar eine Freundin, das führt aber zu einem Streit mit Ripley, weil die Zoe absolut verdächtig findet. Meg jedoch spürt sofort eine Bindung zu ihr, denn beide haben ihren Vater nie kennengelernt.

Der Kriminalfall an sich gerät neben den ganzen persönlichen Verwicklungen etwas in den Hintergrund und ist, ehrlich gesagt, auch nicht besonders komplex gestrickt. Meg verdächtigt im Verlauf der Handlung eigentlich jeden mindestens ein Mal und kommt dann am Ende beinahe zufällig auf die Lösung – und ist trotzdem schneller als der leitende Detective. Dennoch finde ich die Idee einer Privatdetektivin, die mit Geistern kommunizieren kann, durchaus spannend und gelungen und bleibe daher noch etwas an der Reihe dran.

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