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Veröffentlicht am 07.11.2019

Auch wer Fantasy nicht mag, wird den kleinen Yorsch mögen

Der letzte Elf
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Inhalt:
Es ist kalt und regnet ununterbrochen. Der kleine Elf Yorsch ist ganz alleine unterwegs, seine Grossmutter musste er in ihrer Hütte, in der das Wasser immer mehr und mehr anstieg, zurücklassen. ...

Inhalt:
Es ist kalt und regnet ununterbrochen. Der kleine Elf Yorsch ist ganz alleine unterwegs, seine Grossmutter musste er in ihrer Hütte, in der das Wasser immer mehr und mehr anstieg, zurücklassen. Er ist total durchnässt und traurig, friert und hat grossen Hunger. Zum Glück findet er eine Menschenhütte und dort hält sich Sajra auf. Da Yorsch grosse Mühe mit der Menschensprache hat, gibt es einige Verständigungsprobleme. Nachdem aber die grössten Missverständnisse aus dem Weg geräumt sind, fasst sich Sajra ein Herz, gibt dem Elfen zu essen und nimmt ihn in ihre Obhut. Damit begibt sie sich in grosse Gefahr. Menschen, welche Elfen bei sich aufnehmen oder ihnen Hilfe anbieten, werden in der Regel nämlich mit dem Galgen bestraft. Sie ziehen weiter und schon bald treffen die beiden auf Monser, welcher ihnen seinen Schutz anbietet. Leider währt aber dieser Frieden nicht lange. Schon bald werden sie entdeckt und als Elfenfreunde verhaftet und zum Tode verurteilt. Doch der Elf wäre ja kein Elf, wenn er sie nicht aus dem Verlies von Daligar befreien würde. Während der Flucht stösst Yorsch auf eine alte Prophezeiung, welche sagt, dass der letzte Elf zusammen mit dem letzten Drachen die Welt vom Regen befreien kann. Sogleich macht sich das mutige Trio auf die Suche nach dem letzten Drachen und das Abenteuer beginnt.

Meine Meinung:
Ich bin überhaupt kein Fan von Fantasy-Literatur, muss aber auch zugeben, dass ich mich auf diesem Gebiet auch nicht gut auskenne. Der letzte Elf hat mir jedoch unglaublich gut gefallen. Die wunderschöne Sprache, die witzigen Dialoge, die Spannung, das Abenteuer und die toll beschriebenen Figuren machen dieses Buch zu einem kleinen und sehr lesenswerten Schatz, vor allem auch für junge Leser. Das Buch eignet sich sicher auch sehr gut zum Vorlesen, da die Handlung in nicht zu lange Kapitel eingeteilt ist. Gewisse Dinge werden in der Geschichte nicht geklärt, was aber auch überhaupt keine Rolle spielt. Zum Beispiel erfährt man nicht, warum Sajra in der Hütte ist, in welcher Yorsch Zuflucht sucht und warum sie dann weiterzieht und was genau ihr Antrieb und ihr Ziel ist. Auch über ihre Vergangenheit erfährt man fast nichts. Ähnlich verhält es sich bei Monser und ich denke nicht, dass dies im nächsten Band der Reihe noch geklärt wird. Wie gesagt: es hätte mich interessiert, ist aber eigentlich für die Handlung nicht wichtig zu wissen.
Das Buchcover gefällt mir auch sehr gut und die ganze Aufmachung der Reihe empfinde ich als sehr stimmig. Ich werde die nächsen Teile auf jeden Fall lesen und bin schon ganz gespannt, wie es mit Yorsch weiter geht.

Fazit:
Märchenhafte Fantasy, welche man einfach lieben muss, auch wenn man sich aus Fantasy nicht so viel macht, und ein brillianter Schreibstil machen diese Geschichte zu einem tollen Stück Unterhaltungsliteratur.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Nicht nur als Geschenk, sondern auch im eigenen Regal ein wahrer Schatz

Tiere und Töne
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Inhalt:

Was gibt es - für mich als Musikerin so oder so - Schöneres, als wenn sich eine Autorin die Zeit nimmt, sich sehr konkret mit Musik - in diesem Falle Händels Arien - auseinanderzusetzen und sich ...

Inhalt:

Was gibt es - für mich als Musikerin so oder so - Schöneres, als wenn sich eine Autorin die Zeit nimmt, sich sehr konkret mit Musik - in diesem Falle Händels Arien - auseinanderzusetzen und sich mit einem humorvollen Blick und zugleich solide recherchiertem Hintergrund auf die darin beschriebenen Tiercharaktere zu konzentrieren? Donna Leon ist dies meisterhaft gelungen und die wundervollen Illustrationen von Michael Sowa tragen viel zum Charme dieses Buches bei.


Meine Meinung:

Von der Aufmachung her ist dieses Buch genau so gelungen, wie inhaltlich. Jedes Kapitel bezieht sich auf ein einzelnes Tier, auf der Folgeseite wird eine liebevolle Illustration abgebildet und dann folgt der sich auf das Tier beziehende Text aus der Arie in der Originalsprache und in der Übersetzung. Als nächstes geht Leon auf Texte aus dieser Zeit (wir befinden uns bei Händel im 17./18. Jahrhundert) ein. Dies wären dann vor allem die mittelalterlichen Bestiarien Philippe de Thaons, Guillaume le Clercs und Gervaise de Fontenays, in denen teilweise amüsante, schauerliche, mystische und sehr konstruierte, aber manchmal auch überraschend genaue Beschreibungen des Aussehens und der Charaktereigenschaften der vorgestellten Tiere festgehalten sind. Dabei wird mit Humor, Feingefühl und vor allem viel Sachverstand erklärt und zusammengestellt, was damals zu den jeweiligen Tieren passte und wie diese Andeutungen und musikalischen Bilder in den Arien damals und heute zu verstehen sind, was nicht nur viel Lesevergnügen bereitet, sondern vor allem auch äusserst lehrreich ist.


Meine Empfehlung:

Dieses Buch ist nicht nur ein wundervolles Geschenk, es macht sich auch gut im eigenen Bücherregal und kommt mit einer CD mit Tonbeispielen daher, ist also nicht nur etwas fürs Auge und für entspannte Lesestunden, sondern auch fürs Ohr. Von mir gibt es deshalb eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Ein gelungener und spannender Reihenauftakt

Der Duft der weiten Welt
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Inhalt:
Mina ist - nicht wie gefühlt alle anderen junge Frauen in ihrem Alter - nicht auf der Suche nach einem Ehemann und nicht interessiert an Handarbeiten und der Haushaltsführung. Viel lieber begleitet ...

Inhalt:
Mina ist - nicht wie gefühlt alle anderen junge Frauen in ihrem Alter - nicht auf der Suche nach einem Ehemann und nicht interessiert an Handarbeiten und der Haushaltsführung. Viel lieber begleitet sie ihren Vater in sein Kaffeekontor und lernt dort die Grundlagen der Geschäftsführung, hilft bei der Auswahl der Bohnen und erlebt, wie man mit Angestellten umgeht. Nur leider lebt sie in einer Zeit, in der Frauen nicht befugt sind, ganze Firmen zu führen und in die Handelkammern werden sie gar nicht erst eingelassen. Mina ist aber stur, macht sich für sich selber stark und holt sich die Unterstützung ihres Jugendfreundes Edo und dessen Ziehbruder Heiko. Vor allem Heiko, ein einfacher aber herzensguter Arbeiter, ist dafür, dass die Wirtschaft sich grundlegend zu verändern hat und dies bezieht sich nicht nur auf Männer und Frauen, sondern auch auf Arbeitnehmer und Dienstherren. Mit seinen fortschrittlichen Ansichten hilft er Mina beim Pläneschmieden.
Sogar Minas Vater ist nach und nach immer überzeugter, in ihr eine würdige Erbin gefunden zu haben, schliesslich hat er schon längst erkannt, dass sie "Kaffee im Blut" hat. Aber das Leben macht ihnen allen einen Strich durch die Rechnung und plötzlich ist es an Mina, ganz schnell eine Entscheidung zu fällen.

Meine Meinung:
Ich wollte unbedingt wieder einmal einen historischen Roman lesen und nicht enttäuscht werden und dies ist dem Buch "Der Duft der weiten Welt" gelungen. Aber dieser Reihenauftakt mit der mutigen und liebenswürdigen Protagonistin Mina und ihrem strengen aber in sie vernarrten Vater, der kleinen Schwester Agnes und all den anderen Nebenfiguren, die so liebevoll beschrieben und mit ganz einzigartigen Charaktereigenschaften versehen werden, ist noch viel mehr. Nämlich eine grandiose Kombination aus Familiendrama, intelligenter Unterhaltung und Gesellschaftskritik. Natürlich darf ganz viel fundiert recherchierte Geschichte auch nicht fehlen und eine Prise Romantik und Tragik gehören auch noch dazu. Vor allem aber wird die Stadt Hamburg mit der schönen Speicherstadt sehr realistisch beschrieben und "Der Duft der weiten Welt" hat mich deshalb auch ein wenig in einen kleinen Mini-Urlaub entführt.
Ohne zu spoilern möchte ich ausserdem erwähnen, dass dieser erste Band der Trilogie nicht nur aufgrund aller breits genannter Gründe ein wirklich sehr gelungener Auftakt ist, sondern weil er ausserdem ganz viele Fragen und lose Enden aufwirft, aber auch einige Rätsel aufdeckt und trotzdem genug Potenzial für (mindestens) zwei weitere Bände lässt.

Sprache:
Auch sprachlich hat Fenja Lüders ihr Handwerk bestens im Griff. Ich habe den Lesefluss und die wundervollen Beschreibungen geliebt, mit denen sie zugleich Spannung zu erzeugen und einfach eine entspannte Leseatmosphäre zu gestalten vermag. Ausserdem habe ich mitgelitten, herzhaft gelacht und einmal auch ganz feuchte Augen bekommen, weil mir das Schicksal der Figuren und die Träume, Wünsche und auch Entscheidungen dieser jungen, mutigen, intelligenten und gerechten Protagonistin so sehr zu Herzen gingen.

Meine Empfehlung:
"Der Duft der weiten Welt" ist ein gelungener, feinsinnig und zugleich leidenschaftlich erzählter Auftakt einer Reihe und aufgrund der stimmigen Handlung mit den vielen fundierten Recherchen und den Details in der Erzählsprache kann ich euch dieses Buch nur ans Herz legen.

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  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
  • Thema
Veröffentlicht am 27.10.2019

Ein Buch, das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient hat

Schildkrötensoldat
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Inhalt:

Der ein wenig seltsame und aufgrund der im Kindesalter erlebten Gewalt lernschwache und stotternde Zoltán Kertész ist ein in seiner eigenen Welt lebender, kindlich gebliebener Philosophe. Indem ...

Inhalt:

Der ein wenig seltsame und aufgrund der im Kindesalter erlebten Gewalt lernschwache und stotternde Zoltán Kertész ist ein in seiner eigenen Welt lebender, kindlich gebliebener Philosophe. Indem er sich in der Natur verliert, liebevoll ein Lindenblatt streichelt, Ameisen beobachtet oder Kreuzworträtsel löst, entflieht er seinem oft sehr traurigen Alltag, in dem er überall aneckt und auf Widerstände stösst. Ausgerechnet er wird von seinem willensschwachen und lieblosen Vater und seiner Mutter, die scheinbar genug Liebe für alle Männer dieser Welt übrig hat, in die Jugoslawische Volksarmee geschickt, in der er Gehorsam lernen und in den Krieg ziehen soll.

Nur versteht Zoltán oft nicht, was überhaupt von ihm erwartet wird und gerät versehentlich mit seinen Vorgesetzten aneinander. Erst als er sich mit Jenő anfreundet, wird seine Welt wieder bunt, er fühlt sich verstanden und geschätzt. Doch ausgerechnet dieser eine Freund wird ihm genommen und so beginnt er, sich dem System komplett entgegenzustellen.



"Wem gehören wir? Dem Staat? Gott? Den Eltern? Der Luft? Uns selbst? Dem Tod?"

Schildkrötensoldat - Melinda Nadj Abonji



Meine Meinung:

"Schildkrötensoldat" hat mich mit seiner poetischen, musikalischen Sprache und seiner überwältigenden Wortgewalt gefesselt und berührt. Besonders angetan hat es mir die liebevolle Erzählweise, in der die Ich-Erzählerin Anna (von Zoltán immer Hanna gennant) von ihrem Lieblingscousin Zoltán spricht. Sie ist es auch, die sich auf Spurensuche in ihrer gemeinsamen Vergangenheit macht und sie ist es, welche in der Kaserne, in der er bis kurz vor seinem Tod stationiert war, nach dem "Warum" fragt.

"Schildkrötensoldat" ist aber auch deshalb so grossartig angelegt, weil alle Ereignisse, die während des Kroatienkriegs um 1991/1992 spielen, immer ganz knapp am Kriegsgeschehen vorbeischrammen. Die Stimmung ist zwar da, die Luft flirrt, die Soldaten wissen, was ihnen unweigerlich blühen wird, aber das Buch umgeht, ja, verweigert diese direkte Konfrontation, bezieht keine Stellung, lässt Zoltán um Vukovar herumkommen, stattdessen aber einen geliebten Freund verlieren und wieder zum Ausseinseiter werden. Abonji zeigt, wie sehr sie sich den Eierschalen der europäischen Geschichte, auf denen ihr Protagonist zu tanzen scheint, bewusst ist, wie sehr diese Ereignisse, die zwar da sind, aber nie ganz konkret geschildert werden, die Stimmungen und Lebensumstände ihrer Figuren beeinflussen. Und trotzdem schafft sie es, die Gräuel und Sinnlosigkeiten dieser Zeit aber auch Zoltáns persönliche Erlebnisse mit seinen Eltern und weiteren Mitmenschen mit einer gewissen Leichtigkeit und einem äusserst poetischen Humor zu erzählen. Sie zeigt auf, was neben den Schlachtfeldern existiert und lässt ihren philosophischen Helden, den man einfach mögen muss, uns allen die Welt aus seiner Sicht erklären und so entdecken wir Farben, Formen, Gerüche und Zusammenhänge, die uns ohne Zoltán für immer verborgen geblieben wären.



Schreibstil:

Zoltán und Anna erzählen uns die Geschichte und durch ein paar Zeitsprünge reisen wir stets zwischen ihrer Kindheit und dem jungen Erwachsenenalter hin und her. Während Zoltán stottert, sich verliert und immer wieder Gedankensprünge macht, ist Anna von ihrer Schlaflosigkeit und dem steten Konsum von Xanax ruhiggestellt und betrachtet ihre Welt durch einen dumpfen Nebel, der ihre Empfindungen zu dämpfen scheint.

Nicht nur schafft es Abonji also, ihren Figuren auch charakteristisch passende sprachliche Stilmittel zuzuordnen, sie vereint die unterschiedlichen Ebenen auch äusserst intelligent zu einem wundervoll konstruierten Ganzen, das mit seinen humorvollen, poetischen, kritischen und auch schmerzlichen Untertönen zu überzeugen weiss.



Meine Empfehlung:

Sprachgewandt und wortgewaltig setzt uns Melinda Nadj Abonji hier eine Geschichte vor, die es in sich hat, die berührt und mit philosophischem, leichtem Humor unterhält und die auf ihre ganz eigene, äusserst intelligente Weise mit einem düsteren Kapitel der jüngeren Zeitgeschichte umgeht und uns statt Kriegsgräueln einen Protagonisten bietet, der die Schönheit in den kleinen Dingen des Lebens findet.

Von mir gibt es eine sehr, sehr ausdrückliche Leseempfehlung für "Schildkrötensoldat".

Veröffentlicht am 25.10.2019

Eine Chronik, die es in sich hat, unbedingt lesen

Die Brücke über die Drina
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Inhalt und erster Leseeindruck:
In der bosnischen Stadt Višegrad trennt die Drina, ein grosser und bedeutender Fluss, das, was man heute Orient und Okzident nennt. Geografisch gesehen Stadt und Vorstadt, ...

Inhalt und erster Leseeindruck:
In der bosnischen Stadt Višegrad trennt die Drina, ein grosser und bedeutender Fluss, das, was man heute Orient und Okzident nennt. Geografisch gesehen Stadt und Vorstadt, aber in erster Linie Menschen und Menschen. Nur ein alter und launischer Fährmann befördert Touristen und Staatsmänner gleichermassen zuverlässig aber nach seinem eigenen Zeitplan vom einen Ufer zum anderen. Die Situation wird zunehmend unhaltbarer, die Fähre immer unregelmässiger und die Menschen immer mehr von einander getrennt. Doch im Herzen des Grosswesirs Mehmedpaša, einem ursprünglich aus bosnien stammenden Jungen, der bei der Knabenlese der Türken ausgewählt wurde und ab dann als Türke lebte, reift aus ihm unerklärlichen Gründen das Bild einer Brücke über die Drina heran. Eine Brücke, welche das Reisen erleichtern, Kulturen verbinden und nicht zuletzt Arbeitsplätze schaffen sollte. Und nach Jahren der Planung geschieht es genau so, wie es sich Mehmedpaša vorgestellt hat; man beginnt, eine Brücke zu bauen. Lange und arbeitsreiche Jahre, in denen viel Blut und Schweiss fliesst, Köpfe rollen und manches böse Wort fällt, vergehen, bis die Brücke endlich steht. Mit der Brücke kommt ein neues Zeitalter über Višegrad, das Leben der Menschen spielt sich zunehmend auf und um die Brücke herum ab und die Geschichten einzelner Erbauer, Bewohner und einige Legenden rund um die Drinabrücke werden in diese Chronik eingebettet, weil die Brücke sie direkt und indirekt geprägt und mitbestimmt hat. Protagonistin ist und bleibt aber immer die Brücke selber, welche mit fast stoischer Ruhe den Lauf der Zeiten, Generationen von Menschen, und Glück und Unglück um sich herum erträgt und unsicheren Verhältnissen, Unterdrückung, Kriegen, Aufständen und Schicksalen zum Trotz den Menschen Halt, Sicherheit und Beständigkeit vermittelt.

Meine Meinung:
Es erstaunt nicht, dass Ivo Andrić mit dieser Chronik (welche er absichtlich nicht Roman nennt) seinen Weltruhm begründete. Selten habe ich ein so vielschichtiges, komplexes, genau recherchiertes und trotzdem unterhaltsames Buch gelesen. Die ganze Liebe zu seiner Heimat aber auch den Anspruch an genaue und nicht wertende Wiedergabe der Ereignisse rund um die Erbauung und das ganze Bestehen der Brücke zeichnen den Autor aus und verleihen seinem Werk eine grossartige Authentizität. Es lohnt sich, viel Zeit in zusätzliche Recherchen zum Buch und der Geschichte der Stadt Višegrad und der Drinabrücke aufzuwenden um die gesamte Chronik und deren Bedeutung für die Geschichte und Kultur von Višegrad sowie die darin aufgezeigten Missstände aber auch den Ideenreichtum und die beschriebenen Traditionen zu erfassen. Wem dies alles zu kompliziert ist, kann dieses Buch aber auch "nur" ganz oberflächlich als unterhaltsame Chronik lesen, was ich persönlich schade und zu einfach finde.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch und so viele weitere Werke aus dem literarischen Osten haben definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie strotzen vor Humor, genauen Beobachtungen und einer Liebe zum Erzählen und zu den Menschen, wie man sie hier in der Literatur kaum findet. Bitte lest dieses Buch.