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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2019

Weil es so Tradition ist

Die Spiegelreisende 3 - Das Gedächtnis von Babel
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Etwas über 2,5 Jahre sind die Ereignisse auf Pol her und Ophelia musste auf ihre eigene Arche Anima zurückkehren. Sie versinkt in Trübsinn und tut wenig außer zu Hause bleiben und Thorn vermissen. Wenn ...

Etwas über 2,5 Jahre sind die Ereignisse auf Pol her und Ophelia musste auf ihre eigene Arche Anima zurückkehren. Sie versinkt in Trübsinn und tut wenig außer zu Hause bleiben und Thorn vermissen. Wenn sie wirklich mal draußen ist, wird sie gnadenlos von der Kundschafterin der Doyennen bespitzelt. Doch endlich wendet sich das Blatt, denn zuerst bekommt sie von ihrem Großonkel einen Hinweis, wo sie ihre Suche nach Gott (und damit quasi nach Thorn) fortsetzen kann und dann taucht überraschend Archibald auf, der ihr die Flucht von ihrer Arche ermöglicht. Sie begibt sich daraufhin nach Babel, der Arche mit dem Archiv. Doch das ist nicht das Einzige, was Babel ausmacht: Konformität und Disziplin werden großgeschrieben, und wenn sie ihr Ziel erreichen will, muss sie eine Ausbildung zur Informationssammlerin antreten und sich wieder einmal Gefahren stellen.

Ich bin hin- und hergerissen. Nachdem mich Band 1 mit einem angenehmen Schreibstil, aber einer etwas schwer in die Gänge kommenden Story und Logiklöchern neugierig machte, konnte mich Teil 2 schon mehr abholen und ich erwartete mit Spannung diesen Band. Doch hier zieht sich das erste Drittel schon mal ganz schön hin und einige Sachen passieren zu leicht und zu zufällig. Dann packt die Story wieder und nimmt schön bis zum Ende mit, nur um mit Lösungen aufzuwarten, die man im Allgemeinen als Isso bezeichnen könnte. Wenig Logik, friss oder stirb, ach frag nicht, so ist es halt. So was stört mich, das geht mir dann immer wieder im Kopf rum und macht mich irre. Von daher gibt's dieses Mal "nur" 3,5/5 Punkten und die Hoffnung, dass der Finalband mit besseren Lösungen und komplexeren Zusammenhängen nochmal alles erklären und überzeugen kann.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Sturmprinz

Sturmprinz
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Elodie hat nach dem Tod ihrer Ziehmutter niemanden mehr. Was ihr bleibt, ist sehr wenig Geld und ein Dolch. Mit diesem, so wurde ihr erzählt, kann sie den grausamen Herrscher töten, der das Land unterdrückt. ...

Elodie hat nach dem Tod ihrer Ziehmutter niemanden mehr. Was ihr bleibt, ist sehr wenig Geld und ein Dolch. Mit diesem, so wurde ihr erzählt, kann sie den grausamen Herrscher töten, der das Land unterdrückt. Er mordet unkontrolliert, doch niemand kann ihn aufhalten. Doch als sie sich dem Schloss nähert, wird sie bestohlen und bei der Verfolgung des Diebes stürzt sie in einen unterirdischen Gang und verletzt sich. Zum Glück rettet sie Liam, ein junger Mann, der mit Freunden im Wald lebt, und nimmt sie mit. Er pflegt sie gesund und die beiden verlieben sich, doch immer wieder stößt sie Liam von sich. Als Elodie genug hat, macht sie sich auf, ihre Aufgabe zu erfüllen und das Erbe ihrer Herkunft anzutreten, doch sie hätte nie gedacht, wie menschlich das Monster sein kann, das sie töten will.

Es ist ein Märchen und als solches bekommt es natürlich ein Happy End. Gut geschrieben ist es allemal und doch kann ich ihm nicht die volle Punktzahl geben. Natürlich muss in einem Märchen alles so ausgehen, dass Held und Heldin am Ende gut dastehen, aber hier ging mir vieles viel zu einfach. Ich bin auch nicht sicher, ob ich die teilweise extrem moderne Sprache gut finden soll oder nicht. Was mir aber recht gewesen wäre - die Logik zum Schluss. Die ganze Zeit ging es darum, dass das Land ausgeblutet ist und Kohle braucht und daher müssen megareiche Prinzessinnen her, doch plötzlich spielt das alle keine Rolle mehr, die Liebe zählt und keiner tut was dagegen? Wie gesagt, nichts gegen Happy End, aber es darf auch bei einem Märchen etwas logischer zugehen.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Sei mutig, wild und wunderbar

Pages & Co. (Band 1)
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Matilda ist elf, kennt ihre Eltern nicht und wächst bei ihren Großeltern im Buchladen Pages & Co auf. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt verschwunden, ihr Vater, so sagen die Großeltern, ist tot. Ihr ...

Matilda ist elf, kennt ihre Eltern nicht und wächst bei ihren Großeltern im Buchladen Pages & Co auf. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt verschwunden, ihr Vater, so sagen die Großeltern, ist tot. Ihr mangelt es trotzdem an nichts, denn ihr Zuhause ist äußerst liebevoll. Doch plötzlich gehen im Buchladen seltsame Dinge vor: die Großmutter unterhält sich mit jemandem namens Lizzie Bennett und der Großvater ist im Gespräch mit einem altmodisch aussehenden Herrn mit Steerwalker und Pfeife. Und dann tauchen da auch noch Mädchen auf, die haargenau aussehen wie Matildas Lieblingsprotagonisten! Sie muss der Sache auf den Grund gehen und zum Glück hat sie einen Freund wie Oscar, der sie dabei unterstützt.

Das ist eines dieser Bücher, die sogar mir so richtig von Cover und Aufmachung her gefallen und die es wahrscheinlich deshalb nicht schaffen, mit der Erwartungshaltung gleichzuziehen. Tatsächlich hebt sich Matilda nicht sehr von Büchern ähnlicher Machart ab, in denen Protagonisten in die Buchwelt gelangen. Es ist zwar alles sehr nett und die Idee, bei "Störungen" oder "Unterbrechungen" des Inhalts von Büchern die Buchstaben über die Seiten tanzen zu lassen, witzig. Doch richtig packen konnte mich Matildas Abenteuer nicht. Vielleicht liegt es zum Teil auch daran, dass das Korrektorat nicht sehr sorgfältig ausgeführt wurde und es immer wieder schaffte, mich aus Matildas Welt zu reißen, ohne dass ich nach Fehlern gesucht hätte. Allein schon den Imperativ von "lesen" als "Lese!" auszudrücken, tut weh, und es bleibt leider nicht dabei. Für mich also "nur" 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Mosel-Mystery

Der Oktobermann
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Nachdem sich "die Nachtigall" in England einen Lehrling genommen hat, kommen auch die Deutschen nicht um die Tatsache herum, dass ihre magische Ermittlerin Hilfe braucht. Sie nimmt einen jungen Mann unter ...

Nachdem sich "die Nachtigall" in England einen Lehrling genommen hat, kommen auch die Deutschen nicht um die Tatsache herum, dass ihre magische Ermittlerin Hilfe braucht. Sie nimmt einen jungen Mann unter ihre Fittiche, Tobi Winter. Dieser bekommt es in diesem Fall mit mehreren mysteriösen Todesfällen zu tun, die durch Edelfäule des Weins rings um die uralte Stadt Trier dahingerafft wurden. Unterstützung erhält er dabei von Vanessa Sommer, die sich als ausgesprochen kenntnisreich und ehrgeizig beweist. Natürlich dürfen auch diverse Flussgeister (immerhin sind wir hier an der Mosel) und andere übernatürliche Wesen nicht fehlen.

Als Hörbuch für Autofahrten ist es wieder eine sehr angenehme Unterhaltung, sehr gut gesprochen von Dietmar Wunder. Trotzdem finde ich es nicht ganz so gut wie das englische Pendant; Aaronovitch hat sich scheinbar so sehr darauf konzentriert, deutscher als jeder deutsche Autor zu schreiben, dass der Witz ein bisschen auf der Strecke blieb. Auch übertreibt er ein wenig bei der Deutschtümelei, wobei das dann wieder so überspitzt wird, dass es schon wieder witzig ist. Alles in allem macht es wieder Spaß, in dieses Universum einzutauchen, kann aber nicht ganz mit dem Original mithalten. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 26.10.2019

Bridie hat einen Plan

Die Ewigkeit in einem Glas
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Für eine Frau im London der 60iger Jahre des 19. Jahrhunderts ist Bridie Devine eine außergewöhnliche Person: Sie lebt mit einem zwei Meter großen, starken und Bart tragenden Hausmädchen zusammen, hat ...

Für eine Frau im London der 60iger Jahre des 19. Jahrhunderts ist Bridie Devine eine außergewöhnliche Person: Sie lebt mit einem zwei Meter großen, starken und Bart tragenden Hausmädchen zusammen, hat keinen Mann, raucht Pfeife und sucht nach Verschwundenen. Um ehrlich zu sein, selbst für die heutige Zeit ist das außergewöhnlich. Doch Bridie lässt sich nicht beirren, nicht einmal von dem Geist eines toten Boxers, der beschlossen hat, ihr zu folgen. Sie hat einen neuen Auftrag: die Tochter eines Lords zu finden, die entführt wurde. Doch Christabel, so der Name des Mädchens, ist selbst etwas Besonderes und das macht die Suche einerseits kompliziert und andererseits recht einfach, denn sie zieht eine Spur der Verwüstung und von Toten hinter sich her.

Das ist das dritte Buch von Jess Kidd und ich kenne auch die beiden Vorgänger. Von Anfang an war klar, dass die Autorin sich in keine Schublade zwängen lässt, dass sie Bücher schreibt, die gleichzeitig poetisch, spannend und vor allem anders sind. Auch dieses reiht sich da ein, gleichzeitig hat es mich nicht so packen können wie die Vorgänger, obwohl allein der Klappentext noch mehr tolle Ideen verspricht als Buch 1 und 2. Auch dieses hatte wieder skurrile Protagonisten und Gegenspieler, Geister, die die Hauptperson begleiten und einen Plot, der interessant war. Es unterscheidet sich von den meisten anderen Büchern allein dadurch, dass Kidd besser schreiben kann und sie Ideen hat, für die andere morden würden. Trotzdem fehlte mir etwas, vielleicht gerade, weil es alles zu viel war. Zu viel Vergangenheit von Bridie, die die ganze Zeit mit dem, was in der Gegenwart geschah, verwoben war. Alles gehörte irgendwie zusammen, gleichzeitig war der Handlungsstrang mit dem toten Boxer meiner Meinung nach völlig überflüssig. So ist das hier immer noch ein Buch, das aus der Masse heraussticht, aber für Jess Kidds Verhältnisse doch geringfügig unter den Erwartungen zurückbleibt. 3,5/5 Punkten.