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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2019

Lecker essen muss nicht teuer sein

Rachs Rezepte für jeden Tag
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Findet jedenfalls Spitzenkoch Christian Rach und hat in seinem neuen Kochbuch eine ganze Menge an entsprechenden Rezepten zusammengetragen.

Ich war wirklich sehr gespannt auf das Kochbuch, würde ...

Findet jedenfalls Spitzenkoch Christian Rach und hat in seinem neuen Kochbuch eine ganze Menge an entsprechenden Rezepten zusammengetragen.

Ich war wirklich sehr gespannt auf das Kochbuch, würde ich doch auch am liebsten jeden Tag was Leckeres essen. Aber daraus wird wohl nichts, jedenfalls nicht mithilfe dieses Kochbuchs, denn: soviel Zeit habe ich nicht. Es ist zwar jetzt nicht unbedingt alles opulent, aber ein Stündchen sollte man in der Regel schon einplanen, oft sogar mehr, wenn man die Garzeit mit kalkuliert.

Mir als Pendlerin fehlt dazu schlicht die Zeit: vielleicht ein-, zweimal unter der Woche, aber sonst sind mir meine drei Stunden Feierabend, die ich zu Hause verbringen kann, dann doch zu kostbar dafür. Zudem gönne ich mir gern ein bisschen Ruhe.

Dazu kommt, dass der Geschmack von Herrn Rach sich von meinem ein wenig unterscheidet: er ist nämlich, wie so einige Männer, eher der deftige Typ und es gibt viel Fleisch, viel deftiges Gemüse wie bspw. Sauerkraut - kurzerhand also "Zeug", bei dem man schon vom Anschauen satt wird.

Dennoch, es ist sehr abwechslungsreich und beinhaltet viele leckere Rezepte, wobei ich mich über die Fülle üppiger Nachtische gewundert habe - unter der Woche gibt es die bei uns nie.

Auf jeden Fall ein Kochbuch mit vielen Anregungen, auf keinen Fall eines für jeden Tag!

Veröffentlicht am 19.11.2019

Ein kleines, (fast) verlassenes Dorf in Schweden

Tagebuch meines Verschwindens
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Ein Dorf, wie es auch irgendwo in Deutschland sein könnte: mitten in einem ehemaligen Bergbaurevier, in dem zudem Industrie angesiedelt war. Ich könnte mir vorstellen, dass es inzwischen dort ...

Ein Dorf, wie es auch irgendwo in Deutschland sein könnte: mitten in einem ehemaligen Bergbaurevier, in dem zudem Industrie angesiedelt war. Ich könnte mir vorstellen, dass es inzwischen dort aussieht wie an einem der vielen "Lost Places" in der ehemaligen DDR, über die inzwischen ganze Bildbände herausgegeben wurden: verwahrlost, morbide... und irgendwie auch gruselig.

Doch in diesem Dorf leben noch Menschen - auch die junge Polizistin Malin, die im Rahmen von Ermittlungen in einem "Cold Case" hierher zurückkehrt, ist in diesem Ort geboren und aufwewachsen. Ausgerechnet sie hatte damals vor vielen Jahren als Teenager selbst die Kinderleiche entdeckt. Damals wurde der Mörder nicht gefunden, nun soll die Suche wieder aufgerollt werden - nie hätte Malin gedacht, dass sie beruflich damit zu tun bekommt! Und das, obwohl sie nie ein Geheimnis aus ihrem damaligen Fund gemacht hat!

Nach einigen Tagen verschwindet ein Polizist und dessen Partnerin Hanne wird zwar aufgefunden, stellt sich aber als völlig dement heraus und kann deswegen keine Angaben machen. Ganz zufällig gerät auch der junge Jake, ein Teenager, der in der Nähe des einstigen Fund- und jetzigen Handlungsortes lebt, in die Ereignisse und etwas Großes und sehr, sehr Gruseliges kommt ins Rollen! Berichtet wird abwechselnd aus den Perspektiven von Malin, Hanne und Jake.

Ein toller, origineller und sehr eindringlicher Krimi - ich würde ihn nicht ungebedingt als Thriller bezeichnen, da die Entwicklung doch eine eher langsame ist und es am Ende eine wundervolle Auflösung im Stil eines klassischen Whodunnit gibt - genau wie ich sie liebe! Camilla Grebe schreibt spannungsvoll und eindringlich, wenn auch einiges sehr weit hergeholt ist, vor allem die bereits weit fortgeschrittene Demenz von Hanne, die nichtsdestotrotz noch mit beiden Beinen im Berufsleben steht, bzw. stand.

Mir gefällt die atmosphärische Darstellung sehr, ich kann mir das kleine Kaff Ormberg bildlich vorstellen. Und auch die Personen sind sehr anschaulich geschildert, die Charaktere hat man als Leser durchgehend vor den Augen. Trotz ein paar kleinerer Einschränkungen empfehle ich diesen Krimi von Herzen, er eignet sich gerade im Winter für ein paar gemütliche Abende im Warmen!

Veröffentlicht am 16.11.2019

Den Friesennerz ablegen

Laufen
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Das möchte die namenlose Frau, Protagonistin und Ich-Erzählerin dieses eigenwilligen Romans. So nennt sie die Last, die seitdem an ihr haftet, zuerst seit einem, dann seit zwei Jahren. Seitdem: das ist ...

Das möchte die namenlose Frau, Protagonistin und Ich-Erzählerin dieses eigenwilligen Romans. So nennt sie die Last, die seitdem an ihr haftet, zuerst seit einem, dann seit zwei Jahren. Seitdem: das ist der dunkelste Punkt überhaupt in ihrem Leben, der Selbstmord ihres Lebensgefährten nämlich. Der nicht nur für sie äußerst überraschend kam, auch wenn ihr bewusst war, dass sie mit einem schwer depressiven Mann zusammen lebte.

Man kommt wohl nicht umhin, in einer solchen Situation nach der eigenen Schuld an diesem traumatischen und komplett lebens- und werteverändernden Ereignis zu suchen und das tut auch diese Frau. Wobei sie durchaus in einer für viele beneidenswerten Situation ist: sie hat die richtigen Menschen an ihrer Seite, nämlich ihre beste Freundin Rike, die quasi instinktiv alles richtig macht und eine wirklich gute Therapeutin noch dazu. Aber sie begegnet viel mehr Menschen, die alles falsch machen, quasi den Finger in die Wunde legen, sobald diese sich auch nur das kleinste Bisschen schließt. Zu diesen Menschen gehört sie am Anfang auch selbst.

Der Leser folgt ihren Gedanken beim Laufen, einer Aktivität, zu der sie nach jahrelanger Pause zurückgefunden hat. Die zunächst sehr mühsam für sie ist, dann aber immer leichter von der Hand bzw. vom Fuß geht - allmählich natürlich und ebenso langsam, wie sich ihre Wahrnehmung wandelt - zunächst zur Würdigung positiver Dinge in ihrem Leben, dann auch zu vorsichtig-optimischer Planung. Es ist keine Trauerbewältigung, denn das ist - so sehe ich und ich glaube, auch sie es - nichts, was man bewältigen kann, aber sie lernt, damit umzugehen, es als Teil ihres Lebens zu sehen.

Manchmal fiel es mir schwer, dem Laufrythmus der Erzählerin zu folgen, was nur beweist, wie individuell ein solcher Verlust, der Umgang mit ihm und die Trauer jeweils ist. Stark und schwach zugleich, dabei ausgesprochen authentisch.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Nicht nur Tee

Fettnäpfchenführer Ostfriesland
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gibt es in Ostfriesland in Hülle und Fülle - nein, man begegnet auch Schönheitswettbewerben sowie sportlichen Aktivitäten der besonderen Art, verspeist mit ein bisschen Glück (und guter Recherche im Vorfeld) ...

gibt es in Ostfriesland in Hülle und Fülle - nein, man begegnet auch Schönheitswettbewerben sowie sportlichen Aktivitäten der besonderen Art, verspeist mit ein bisschen Glück (und guter Recherche im Vorfeld) köstliches Essen und darf den herben Charme der "Ureinwohner" genießen.

Ja, in der Fremde unterscheidet sich vieles vom Leben daheim: man muss nicht unbedingt Landesgrenzen überschreiten, auch in vielen Regionen Deutschlands ticken die Uhren in mancher Hinsicht anders. Und wie!

In dieser Reihe wird gerade dieser Einstieg durch Zugezogene und Touristen veranschaulicht. Hier sind es Sonja aus Schwaben und ihr Freund Max, die sich in Ostfriesland und seine Besonderheiten einfinden wollen - und müssen! Vor allem Sonja, die dort bei einer Zeitung einsteigt - ausgerechnet im Lokalteil und dementsprechend schnell an ihre Grenzen stösst - vor allem bei der Reportage über einen Schönheitswettbewerb, der ganz anders ist als erwartet.
Ihr Freund Max besucht sie dort oft und überlegt, zu ihr zu ziehen. Wie sich die beiden schlagen und ob es dazu kommt, das können sie hier auf sehr unterhaltsame Art und Weise nachlesen und dabei viele der ostfriesischen Eigenarten kennenlernen. Und natürlich einiges an Tipps an die Hand bekommen. Mir standen in diesem Band die beiden Protagonisten ein bisschen zu sehr im Vordergrund, dennoch habe ich ihn sehr gerne und mit viel Freude gelesen.

Dies ist eine gute Vorbereitung bzw. Begleitung für Ostfriesland-Reisende jeder Art oder auch für Menschen, die sich für diesen Landstrich "einfach so" interessieren! Vielleicht wird nach der Lektüre ja mehr daraus!

Veröffentlicht am 30.10.2019

Die dunklen Seiten der Nachkriegszeit

Die Zeit der Töchter
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Wir begegnen Maria und Vivien und ihren Töchtern Anna und Antonia, die wir in "Die Stunde der Mütter" durch den Krieg begleiteten, in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Anna und Antonia sind zu jungen ...

Wir begegnen Maria und Vivien und ihren Töchtern Anna und Antonia, die wir in "Die Stunde der Mütter" durch den Krieg begleiteten, in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Anna und Antonia sind zu jungen Frauen herangewachsen, die ihr eigenes Leben leben und sich dem Alltag stellen. Ihre Mütter halten immer noch zusammen und stehen ein für die Schwachen: Vivien als energische Schuldirektorin und Maria durch ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe.

Sie sind umgeben von einer ganzen Reihe weiterer Charaktere, die mehr oder weniger wichtige Rollen im Leben der vier Frauen spielen.

Ich liebe den atmosphärischen, eleganten Stil und die klugen Recherchen der Autorin Katja Maybach zu immer noch brennenden historischen Themen und konnte somit auch wieder wunderbar in vergangenen Zeiten schwelgen bzw. mich von überraschend vielen negativen Erscheinungen schrecken lassen. Ein wieder mal ausgesprochen gelungener Roman über die Nachkriegszeit, in dem mir diesmal leider ein wenig zuviel Personal vorhanden war. Nicht nur die beiden Mütter/Töchterpaare, sondern weitere Figuren, die zuerst noch einführt werden mussten, standen im Vordergrund. Das war mir insgesamt ein bisschen des Guten zuviel, auch wenn dies eine Kritik auf sehr, sehr hohem Niveau ist: Katja Maybach ist und bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen - das hat sich durch die Lektüre dieses Romans nur verstärkt!

Insgesamt also ein keineswegs pessimistischer Roman, der die dunklen Seiten der Nachkriegszeit zutage fördert. Und zeigt, wie stark die Frauen trotzdem waren - sie waren diejenigen, die mutig einstanden für Werte, die auf eine bessere Zukunft hoffen ließen! Erschreckend allerdings ist, wie viele der damals aktuellen Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass im Allgemeinen und die Ablehnung von Flüchtlingen im Speziellen heute wieder im Vordergrund der politischen und gesellschaftlichen Debatten stehen!

Die Autorin legt den Finger in die Wunde, ohne jemals plump zu werden, sie rüttelt auf eine besonders markante Weise auf: durch das Aufzeigen des Wiederkehrenden, der Wiederholungen. Ein sehr empfehlenswerter Roman für alle die, die mit beiden Beinen im Hier und Jetzt stehen, denen die Bedeutung der Vergangenheit jedoch bewusst ist.