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Veröffentlicht am 17.11.2019

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Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt
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Es fällt recht schwer, einen Zugang zum Buch und zu dessen Handlung zu finden, da der Leser zu Beginn des Romans mit einem völlig neuen Gesellschaftssystem konfrontiert wird, zu dem es nur sehr wenige ...

Es fällt recht schwer, einen Zugang zum Buch und zu dessen Handlung zu finden, da der Leser zu Beginn des Romans mit einem völlig neuen Gesellschaftssystem konfrontiert wird, zu dem es nur sehr wenige Erklärungen gibt. Mit Begriffen wie Civitas, Electi, Id oder Duenna weiß der Leser nur wenig anzufangen und leider werden auch nicht alle Begriffe erklärt. Manche Bedeutungen ergeben sich aus dem Sinnzusammenhang, andere Verbindungen muss der Leser selbst herstellen. So bleibt einiges im Unklaren und offene Fragen bleiben unbeantwortet. Insbesondere wird nur angedeutet, wie sich das Gesellschaftssystem in mehr als 100 Jahren zu einem solchen Überwachungsstaat entwickeln konnte oder was genau dazu geführt hat, dass Frauen nun die Männer auf der Karriereleiter überholt haben und die wichtigsten Ämter bekleiden, während Männer nur noch unbedeutende Aufgaben wahrnehmen. Die Entwicklungen und Zusammenhänge des neuen Gesellschaftssystems, die erklärt werden, sind aber allesamt nachvollziehbar und plausibel.

Ebenso sind die Charaktere allesamt authentisch und lebendig gezeichnet. Kyria überzeugt von Anfang an mit ihrer lebendigen und offenen Art. Sie ist einfach ein sympathisches junges Mädchen. Sie ist zwar wohlbehütet und umsorgt aufgewacht, mit ihrer eigenen Dienerin, macht aber nicht den Eindruck einer verwöhnten Prinzessin, sondern hat durchaus ihren eigenen Kopf und ihren eigenen Willen. Reb ist hingegen ein Typ, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. Er hat ein loses Mundwerk, redet munter drauf los, ohne sich seine Worte zu überlegen und trifft nicht immer den richtigen Ton. Man gewöhnt sich aber an ihn und die Dialoge zwischen ihm und Kyria, die zu Beginn des Buches noch sehr gestellt wirken, werden mehr und mehr lebendig und überzeugend. Insbesondere kommt der feine Humor von Reb zum Tragen und so sorgt er für einige Schmunzler. Auch die Nebencharaktere sind lebendig und greifbar gezeichnet. Aber Vorsicht: Genauso wenig wie Kyria weiß auch der Leser nicht, wem er trauen kann und wem nicht!

Die Handlung des Buches ist sehr abwechslungsreich, was aber auch den Spannungsbogen betrifft. Es gibt Szenen, in denen sich die Ereignisse überschlagen und es gibt Momente, in denen es sehr ruhig zugeht. Diese Szenen kann der Leser nutzen, um ein wenig zu Atem zu kommen und sich auf neue, temporeiche Ereignisse vorzubereiten. Das Buch macht aufgrund der Stichworte „22. Jahrhundert“ und „Überwachungsstaat“ den Eindruck einer Dystopie, aber es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Großteil des Buches innerhalb einer Gemeinschaft spielt, die mit den Gesellschaftsentwicklungen nichts zu tun haben will.

Natürlich entwickelt sich zwischen Kyria und Reb etwas, was schon fast an eine Liebesbeziehung erinnert. Diese Entwicklungen gehen aber sehr langsam voran und der Leser darf keine tiefgründige Romantik erwarten. Die Beziehung zwischen den beiden beschränkt sich eher auf liebevolle Neckereien und Zickereien.

Der Schreibstil der Autorin bzw. der Erzählstil von Kyria ist sehr ansprechend, das Buch liest sich angenehm und flüssig. Allein die Dialoge sorgen zu Beginn des Buches für ein etwas befremdliches Gefühl, da sie konstruiert wirken. Aber wie bereits erwähnt, legt sich das im Verlauf des Buches.

Der Roman endet mit einem sehr gemeinen Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht.

Mein Fazit:

Ein Roman mit lebendigen Charakteren und einer abwechslungsreichen Handlung, dessen Zukunftsvisionen jedoch nicht alle nachvollziehbar bzw. erklärt sind.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Sorgt für Gänsehaut

Als die schwarzen Feen kamen
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Der Einstieg in das Buch fällt recht schwer, da der Leser im Prolog mit Ereignissen konfrontiert wird, die nicht wirklich erklärt werden und die nur schwer verständlich sind. Sie scheinen in einer Art ...

Der Einstieg in das Buch fällt recht schwer, da der Leser im Prolog mit Ereignissen konfrontiert wird, die nicht wirklich erklärt werden und die nur schwer verständlich sind. Sie scheinen in einer Art Parallelwelt zu spielen, es ist immer wieder die Rede von einem Maskierten und es wird nicht wirklich deutlich, was da eigentlich vor sich geht. Auch in den Zwischenspielen wechselt die Handlung immer wieder in diese Zwischenwelt, die anfangs sehr verwirrend ist. Aber nach und nach lüften sich viele Geheimnisse und die Geschehnisse zu Beginn des Buches bzw. in den Zwischenspielen lassen sich schließlich auch erklären.

Dem Buch liegt die Idee zugrunde, dass aus jedem bösen oder traurigen Gedanken eine schwarze Fee schlüpft, die die glücklichen Erinnerungen frisst. So hat man Marie zumindest jahrelang ihre schlechten Träume, ihre merkwürdigen Anfälle und ihre Ängste erklärt. Dass viel mehr dahinter steckt, muss Marie auf sehr schmerzvolle Weise erfahren: Ihre Mutter liegt von einem Tag auf den anderen völlig apathisch auf dem Sofa, ist zu schwach, um sich zu bewegen und möchte am liebsten nur noch schlafen. Um sie herum sieht Marie einen Schwarm geflügelter Wesen, schwarze Feen, die ihrer Mutter die Kraft zu rauben scheinen. Die schwarzen Feen tauchen in vielen Szenen immer wieder auf und sorgen für eine düstere und unheimliche Stimmung, die von der Autorin sehr gut eingefangen wurde. Die geflügelten Kreaturen verursachen Gänsehaut und sind einfach gruselig. Überhaupt sind sie völlig neue Wesen, über die im Bereich der Jugend-Fantasy noch nicht viel geschrieben wurde.

Marie ist natürlich völlig verzweifelt und panisch und bekommt unerwartet Hilfe von Gabriel, einem jungen Typen von ihrer Schule, der Marie zur Seite steht und zusammen mit ihr ein unerwartetes Abenteuer erlebt. Sowohl Marie als auch Gabriel sind sehr sympathisch und bildhaft gezeichnet. Marie ist ein freundliches junges Mädchen, das durch ihren Charme und ihre Offenherzigkeit besticht. Sie wirkt authentisch dadurch, dass die Autorin auch ihre Freundschaft zu Klassenkameradinnen beleuchtet, die im Verlauf des Buches eine große Wandlung durchmacht. Gabriel dagegen ist ein sehr geheimnisvoller Charakter. In einem zweiten Erzählstrang neben dem um Marie erfährt der Leser einige interessante Informationen über ihn, auf die sich aber zu Beginn des Buches nur schwer ein Reim machen lässt. Die Rede ist von einer Bestie und merkwürdigen Gemälden, die Gabriel in einer Art von Anfall malt und die merkwürdige Wesen zeigen. Die Nebenfiguren, wie zum Beispiel Maries Psychiater oder ihre Klassenkameradinnen sind weniger bildhaft gezeichnet. Ihre Beschreibungen reichen aber aus, um sich ein Bild von ihnen zu machen.

In der ersten Hälfte des Buches entwickelt sich die Geschichte nur sehr langsam. Der Leser erfährt viel über Maries Leben, über ihre Anfälle und begleitet sie zu Therapiegesprächen mit ihrem Psychologen. Die Bekanntschaft mit Gabriel entwickelt sich weiter und schnell wird daraus mehr als nur Freundschaft. Aber keine Angst: Es ist keine kitschige Liebesbeziehung, die sich zwischen den beiden entwickelt. Es ist mehr ein Prickeln bzw. eine gewisse Spannung, die zwischen den beiden spürbar wird. Es ist einfach schön, zu verfolgen, wie die beiden jungen Leute Gefühle für einander aufbauen, die sie wahrscheinlich selbst noch nicht richtig begreifen bzw. wahrhaben wollen. In der zweiten Hälfte legt die Handlung ein enormes Tempo vor. Hier passiert plötzlich sehr, sehr viel und stellenweise überschlagen sich die Ereignisse auch. Die Handlung wird nun immer fantastischer, worauf man sich als Leser einlassen können muss, aber es werden auch viele Erklärungen geliefert. Vor allem auf den letzten 50 Seiten passiert sehr viel und das Ende kommt etwas plötzlich. Hier könnte das Buch ruhig noch ein paar Seiten mehr vertragen, auf denen sich die Autorin noch etwas mehr Zeit für die Entwicklungen nimmt. Dafür gibt es im Ergebnis einen Stern Abzug.

Mein Fazit:

Ein fantastischer Roman, der zu Beginn etwas verwirrt, der letztlich aber keine offenen Fragen hinterlässt und mit seinen unheimlichen geflügelten Wesen für Gänsehaut sorgt.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Ein wahrer Pageturner!

Die Bestimmung
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„Die Bestimmung“ spielt im Chicago der Zukunft. Ein völlig neues Gesellschaftssystem hat sich entwickelt – wie es dazu kam, erfährt der Leser in einem kurzen Überblick. Ausführlichere Erklärungen folgen ...

„Die Bestimmung“ spielt im Chicago der Zukunft. Ein völlig neues Gesellschaftssystem hat sich entwickelt – wie es dazu kam, erfährt der Leser in einem kurzen Überblick. Ausführlichere Erklärungen folgen vielleicht in der Fortsetzung der Reihe – vorerst muss sich der Leser mit wenigen Informationen zufrieden geben. Welche Entwicklungen die Menschheit und die Technik mitgemacht haben, erfährt der Leser auch nur ansatzweise. Fest steht, dass elektrische Geräte wie Computer dem Menschen nach wie vor das Leben erleichtern und er sogar mehr oder weniger darauf angewiesen ist.

Von der ersten Seite an vermag „Die Bestimmung“ zu fesseln, was zu einem Großteil der Erzählkunst der Autorin bzw. der Ich-Erzählerin geschuldet ist. Beatrice ist eine sehr sympathische Figur, die mit ihrer offenherzigen und leicht ironischen Art schnell das Herz des Lesers gewinnt. Sie ist ein aufgewecktes junges Mädchen, das im Verlauf des Buches eine enorme Entwicklung durchmacht. Sie hat viele Prüfungen zu bestehen und wächst mit ihren Aufgaben.

Aber auch die Handlung selbst nimmt schnell an Fahrt auf. Nach der Zeremonie der Bestimmung, in der Beatrice sich für die Fraktion der Ferox entscheidet, folgt ein Aufnahmetest, denn die Fraktion nimmt nicht alle neuen Mitglieder endgültig in ihre Gemeinschaft auf. Die „Neuen“ müssen sich verschiedenen Tests stellen, bei denen die Autorin einen enormen Ideenreichtum bewiesen hat und sich kreative Aufgaben ausgedacht hat. Die Tests sind sehr umfangreich und sehr unterschiedlich – oft aber vor allem sehr brutal. Es ist erschreckend zu sehen, wie Jugendliche sich verhalten, wenn es um Sieg oder Niederlage geht. In vielen Szenen fließt Blut und Gewalt bestimmt die Geschehnisse, wobei die Autorin nicht davor zurückschreckt, detaillierte Beschreibungen zu liefern. Der Leser muss sich auf einige grausame Ereignisse einstellen. Vor allem muss er damit rechnen, dass nicht jeder Charakter durchschaubar ist. Es gibt einige überraschende Wendungen in diesem Buch, die oft auf dem Verhalten der Figuren begründet sind.

Aber es gibt auch sehr schöne und berührende Szenen in diesem Buch. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich und schafft es besonders dadurch, zu überzeugen. Das Buch erzählt von Vertrauen, von Freundschaft, von Liebe. So erschreckend manche Szenen sind, so herzerwärmend sind andere Szenen wiederum. Die Autorin beweist ein Feingefühl für die Bedürfnisse ihrer Leser und sorgt für eine Berg- und Talfahrt der Gefühle.

Der Autorin ist sehr gut gelungen, die Unterschiedlichkeiten der Fraktionen herauszuarbeiten und darzustellen, wie sich das Leben innerhalb der Fraktionen unterscheidet. Die Differenzen beginnen bei der Kleidung und setzen sich über die Ernährung bis hin zur Wahl eines Berufes fort.

Die Aufnahmeprüfungen nehmen rund zwei Drittel des Buches ein. Im letzten Drittel konzentriert sich die Handlung auf einen anderen Schwerpunkt, der nicht mehr hundertprozentig zu überzeugen vermochte. Auf den letzten 100 Seiten überschlagen sich die Ereignisse derart, dass die Autorin sich nur noch wenig Zeit für Beschreibungen nehmen kann. Während auf den ersten gut 350 Seiten die Lebendigkeit der Figuren und der Ideenreichtum bezüglich der Handlung überzeugt hat, kommen diese Punkte im letzten Drittel leider etwas zu kurz.

Das Buch endet relativ offen, aber nicht mit einem zu fiesen Cliffhanger. Die Fortsetzung darf natürlich trotzdem gespannt erwartet werden.

Mein Fazit:

Ein wahrer Pageturner, der durch seine abwechslungsreiche Handlung und den Ideenreichtum der Autorin überzeugt – bei dem sich die Ereignisse auf den letzten 100 Seiten aber zu sehr überschlagen, wodurch der Autorin die Gelegenheit genommen wird, sich Zeit für die Beschreibungen der Handlung und der Figuren zu nehmen.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Wer Erdmännchen mag, wird dieses Buch lieben!

Ausgefressen
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Erdmännchen sind wirklich possierliche und niedliche Tiere und dass sie nun als Hauptfigur in einem Buch auftauchen, ist einfach nur klasse, sind sie doch schon längst der absolute Renner in den Zoos. ...

Erdmännchen sind wirklich possierliche und niedliche Tiere und dass sie nun als Hauptfigur in einem Buch auftauchen, ist einfach nur klasse, sind sie doch schon längst der absolute Renner in den Zoos. Moritz Matthies ist es hervorragend gelungen, die Eigenheiten dieser Tiere einzufangen und zu beschreiben. Ihre Neugier, ihr Rudelverhalten, ihre Rivalität untereinander, ihre Lust am Fressen – all dies beschreibt der Autor so anschaulich und lebendig, dass man sich als Leser wie ein Zoobesucher fühlt, der gerade vor dem Erdmännchengehege steht. Das Besondere an dem Buch ist, dass man die Tierchen nicht nur von außen beobachtet, sondern zusätzlich Einblicke in ihre Gedankenwelt bekommt, die oft nicht einfach zu verstehen ist, aber dafür für viel Spaß und Freude sorgt.

Auch alle anderen Bewohner des Zoos werden vom Autor mit ihren besonderen Eigenheiten versehen. Da sind zum Beispiel die Flamingos, die nicht nur schwer hören, sondern auch noch vergesslich sind. Oder die Elefanten, die den ganzen Tag schlafen und ihre Ruhe haben wollen. Oder die Gorillas, die sich als Könige des Zoos aufspielen. Für jede Tierart hat sich Moritz Matthies etwas einfallen lassen und sorgt mit den witzigen Beschreibungen der Zoobewohner für zahlreiche Lacher.

Der Humor des Autors ist sehr abwechslungsreich. Es gibt viele Wortwitze, Witze, die unter die Gürtellinie gehen oder einfach nur witzige Sprüche, die im richtigen Moment abgelassen werden. Je nach Gemüt des Lesers kommen dabei sicherlich manche Witze besser an als andere, aber das Verhältnis ist durchaus ausgewogen, sodass jeder Leser auf seine Kosten kommen sollte. Ray ist ein großartiger Erzähler – etwas dümmlich, etwas naiv, aber gleichzeitig ausgestattet mit einem guten Gespür für Sensationen und vor allem trägt er das Herz am rechten Fleck.

Dass in diesem Buch ein Mensch mit den Erdmännchen kommunizieren kann, sollte nicht weiter stören oder zu Bedenken geben. Als Leser muss man sich einfach darauf einlassen können. Der Fall, den Phil zusammen mit seinen Erdmännchen-Kollegen zu lösen hat, ist nicht besonders spektakulär, aber durchaus spannend und mit einigen überraschenden Entwicklungen versehen. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich und vielschichtig. Verschiedenste tierische sowie menschliche Probleme kommen zur Sprache und werden vielleicht auch gelöst. Aber das lest ihr am besten selbst!

Mein Fazit:

Wer Erdmännchen mag, wird dieses Buch lieben!

Veröffentlicht am 15.11.2019

Teilweise etwas übertrieben

Night Academy - Die Begabte
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„Night Academy. Die Begabte“ beginnt sehr geheimnisvoll und unheimlich. Der Leser wird im Prolog direkt mit Dancias besonderer Gabe konfrontiert, auch wenn es zu Beginn des Buches schwer fällt, sich darunter ...

„Night Academy. Die Begabte“ beginnt sehr geheimnisvoll und unheimlich. Der Leser wird im Prolog direkt mit Dancias besonderer Gabe konfrontiert, auch wenn es zu Beginn des Buches schwer fällt, sich darunter Genaueres vorgestellt. Auch die Handlung im ersten Kapitel ist sehr unvermittelt und direkt, denn hier wird Dancia bereits von Mr Judan und Cameron Sanders für die Night Academy angeworben. Der Leser hat zu Beginn somit relativ begrenzte Möglichkeiten, sich an die Charaktere und vor allem die Handlung zu gewöhnen, da er direkt in die Geschichte hineingeworfen wird. Das gleicht sich im Verlauf des Buches aber aus, denn die Autorin nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und die Entwicklung der Handlung.

Natürlich kann Dancia gar nicht anders, als sich für eine Ausbildung an der Night Academy zu entscheiden. Dazu wird sie zwar von ihrer Großmutter, die übrigens großartig gezeichnet ist, etwas gezwungen, aber am Ende sieht sie selbst ein, dass es wohl das Beste für sie und vielleicht auch alle anderen ist. In der Schule angekommen, wird diese sehr bildhaft aus Dancias Sicht beschrieben. Lebendig wird die Night Academy vor allem durch ihre Schüler und Lehrer, die sehr anschaulich dargestellt werden. Es herrschen genaue Regeln, die es einzuhalten gilt, aber den Schülern wird auch Freiraum gegeben, sich zu entfalten. Offiziell sollen an der Night Academy hochbegabte Schüler und Schülerinnen ausgebildet werden, doch Dancia merkt nach einer gewissen Zeit, dass mehr dahinter stecken muss.

Darauf gebracht wird sie von Jack, der eher ein Außenseiter ist und seine Zeit alleine verbringt. Mit ihm freundet sich Dancia an und zwischen den beiden entwickelt sich eine tolle Freundschaft. Ob es dabei bleibt, ob sich mehr daraus entwickelt oder ob den beiden doch Cameron in die Quere kommt, der sich anscheinend sehr für Dancia zu interessieren scheint – das lest ihr am besten selbst! Die obligatorische Dreiecks-Geschichte fehlt natürlich auch in diesem Jugendbuch nicht, aber sie ist sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet und driftet nicht ins Kitschige ab.

Der Schulalltag an der Night Academy wird sehr detailliert beschrieben und zum Großteil konzentriert sich das Buch tatsächlich auf das Internatsleben. Dieses ist aber sehr abwechslungsreich gestaltet. Der Leser begleitet Dancia zu ihren Unterrichtsstunden, zu außerschulischen Aktivitäten, die teilweise sehr geheimnisvoll und mysteriös sind, und auf ihrer Suche nach Freunden. Zunächst wehrt sich Dancia dagegen, Freundschaften zu schließen – dafür hat sie auch einen triftigen Grund. Aber mit der Zeit lernt sie doch, wie schön es ist, Gleichgesinnte um sich zu haben, und es macht Spaß, sie als Leser gemeinsam mit anderen Mädchen – oder auch Jungs – zu erleben. Die Dialoge zwischen den Jugendlichen sind sehr frisch und spritzig und sorgen für einige Schmunzler.

Dancia ist ein toller Charakter, der sehr sympathisch gezeichnet ist und schnell das Herz des Lesers gewinnt. Sie hat eine sehr ansprechende Art und überzeugt durch ihre kleinen Fehler und Macken, die ihr Sorgen bereiten, die sie aber nur umso liebenswerter machen. Auch mit den Nebencharakteren hat sich Inara Scott sehr viel Mühe gegeben, auch wenn sie bei ihrer Gestaltung stellenweise zu offensichtlich mit Klischees spielt. Aber im Ergebnis ist die Stimmung, die von den Schülern des Internats ausgeht, passend.

Wirklich spannend wird das Buch erst zum Ende hin, wo den Leser ein großer Showdown erwartet. Bis dahin vermag „Night Academy. Die Begabte“ einfach durch seine sympathischen Charaktere und die interessante Handlungsumgebung zu überzeugen. Die Ereignisse am Ende des Buches sind teilweise vorhersehbar, teilweise etwas zu übertrieben. Das Ende des Buches ist kein echter Cliffhanger, aber es bleiben doch einige Fragen offen, die neugierig auf die Fortsetzung macht.

Mein Fazit:

„Night Academy. Die Begabte“ überzeugt durch seine farbenprächtige Handlungsumgebung und die sympathischen Charaktere, zum Ende hin trägt die Autorin aber etwas zu dick auf, wodurch die Handlung zu übertrieben wirkt.