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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2019

Der Korrekturensohn

World of Lehrkraft
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Meine Meinung und Inhalt

„Ich bin Lehrer. Nein, es ist noch schlimmer: Ich bin Deutschlehrer. Ich führe ein Leben am Korrekturrand der Gesellschaft. Durch meine Adern fließt rote Tinte. Ich wurde mit ...

Meine Meinung und Inhalt

„Ich bin Lehrer. Nein, es ist noch schlimmer: Ich bin Deutschlehrer. Ich führe ein Leben am Korrekturrand der Gesellschaft. Durch meine Adern fließt rote Tinte. Ich wurde mit Buchstabensuppe gestillt.Manche sagen, ich sei das Ergebnis einer beruflichen Fehlentscheidung. Aus meiner Sicht handelt es sich eher um eine ganze Verkettung von Fehlentscheidungen. Aber jetzt ist es, wie es ist. Ich bin Beamter mit Frustrationshintergrund.“ (ZITAT)

Herr Schröder schreibt wie kein anderer humorvoll und komisch über den Schulalltag. Ich selbst durfte bei einem Live-Auftritt seinen unglaublich schlagfertigen und trockenen Humor genießen.

Geboren 1974 in Berlin, unterrichtete Johannes Schröder zwölf Jahre lang im baden-württembergischen Offenburg. Bis 2014. Dann verbrachte er ein Jahr in Kanada, mit dem Ziel vor Augen, ein Comedyprojekt umzusetzen. In „World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung" spricht der Schröder über das Leben am Korrekturrand der Gesellschaft, über intellektuell barrierefreien Unterricht und die Schulhof-Lebenserwartung der Pubertiere.

"Wir benutzen pro Tag 160 Metaphern, sie sind sehr präsent. Die Metapher ist kein Stilmittel, sondern eine Art zu denken. Wenn ich also sage „Unsere Liebe war ein Strohfeuer", dann ist das eine lupenreine Metapher. Sie vergleicht aber zwei total unterschiedliche Bereiche miteinander. In diesem Fall vergleiche ich eine Emotion, die Liebe, mit einem landwirtschaftlichen Kollateralschaden, dem Strohfeuer. Oder wenn ich sage „Du bist meine Sonne" – dann wissen alle, was gemeint ist: Du bist hell, du bist warm, du strahlst, du bist der Mittelpunkt meines Universums. Niemand würde auf die Idee kommen: Du bist rund und krebserregend." (ZITAT)

FAZIT

"World of Lehrkraft" konnte bei mir nicht nur wegen des tollen Covers und dem einprägsamen Titel punkten, sondern hat mir auch ein großes Lesevergnügen bereiten können.

Auf amüsante und pointierte Weise zeigt Schröder ein Bild der derzeitigen Schullandschaft und konnte mich so oft zum Lachen bringen. Sicherlich werden sich hier viele Lehrer und auch Schüler wiederfinden. Mit viel Wortwitz und Charme schildet Herr Schröder seine Erfahrungen an vorderster Front des Klassenzimmers.

Absolute Leseempfehlung meinerseits für diesen Stimmungsaufheller!

Veröffentlicht am 24.10.2019

Gefühlvoll

Keine Ahnung, ob das richtig ist
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Meine Meinung

"Wir kommen allein, und wir gehen allein,

und dazwischen ist jedes Stück Nähe vielleicht

eine Chance, sich nicht einsam zu fühlen.

Lass sie los, sie ist bloß Illusion,

die vergeht, ...

Meine Meinung

"Wir kommen allein, und wir gehen allein,

und dazwischen ist jedes Stück Nähe vielleicht

eine Chance, sich nicht einsam zu fühlen.

Lass sie los, sie ist bloß Illusion,

die vergeht, wie du weißt." (ZITAT)


Julia Engelmann wurde 1992 geboren und nahm schon früh an Poetry Slams teil. Ein Video ihres Vortrags »One Day« beim Bielefelder Hörsaal-Slam wurde zum Überraschungshit im Netz und bisher millionenfach gelikt. Neben dem Slammen gilt ihre Leidenschaft der Musik.

Bereits erschienenen Titel:

Eines Tages, Baby
Wir können alles sein, Baby
Jetzt, Baby
Keine Abhnung, ob das Liebe ist
Keine Ahnung, ob das richtig ist


"Ich komm immer nur so weit, wie ich erlaub.

Vielleicht steh ich nicht im Stau, ich bin der Stau.

Ich fühl mich heute blue und du dich blau.

Du gehst an die Bar und ich hier raus." (ZITAT)


Mit ihren gefühlvollen Texten begeistert Deutschlands bekannteste Poetry-Autorin Julia Engelmann ein Millionenpublikum. In ihrem neuen Buch schreibt sie berührend über die kleinen und großen, die stillen und lauten Momente des Lebens, über den Mut, Entscheidungen zu treffen und uns zu fragen, wer wir sein wollen.

Die Texte sind sehr ausdrucksstark, machen nachdenklich, regen Hoffnung an und berühren. Die handgeschriebenen Worte und schönen Illustrationen sind ein zusätzlicher Pluspunkt für das toll gestaltete Buch.

Von mir eine klare Empfehlung für dieses dünne Buch mit seiner ganz eigenen emotionalen Wucht.

Lasst euch von Julia Engelmann in den Bann ziehen!

Veröffentlicht am 07.10.2019

Alles hat seinen Preis

Der Store
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Meine Meinung und Inhalt

""Es ist nicht so, dass wir die Fähigkeit verloren hätte, etwas zu empfinden. Wir haben die Fähigkeit zu denken verloren. ... Wir leben in einem Zustand der Entropie. Wir kaufen ...

Meine Meinung und Inhalt

""Es ist nicht so, dass wir die Fähigkeit verloren hätte, etwas zu empfinden. Wir haben die Fähigkeit zu denken verloren. ... Wir leben in einem Zustand der Entropie. Wir kaufen Dinge, weil wir auseinanderfallen und weil etwas Neues uns das Gefühl vermittelt wieder ganz zu sein. Nach diesem Gefühl sind wir süchtig, und dadurch hat Cloud uns in der Gewalt. Das Schlimmste ist, wir hätten es kommen sehen sollen." (ZITAT)

Der Store liefert alles. Überallhin. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Aber alles hat seinen Preis.

Paxton und Zinnia lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten Onlinestore.

Paxton hat dort eine Anstellung als Security-Mann gefunden, nachdem sein Unternehmen ausgerechnet von Cloud zerstört wurde. Zinnia arbeitet in den Lagerhallen und sammelt Waren für den Versand ein.

Das Leben im Cloud-System ist perfekt geregelt, aber unter der Oberfläche brodelt es. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Bis eine schreckliche Entdeckung alles ändert.


Die Idee zu dieser Story hat mir wahnsinnig gut gefallen, ebenso das tolle aussagekräftige Cover! Hart schildert hier zwar eine fiktive Welt, jedoch trifft diese oftmals auf die Realität. Er thematisiert vieles, das bereits gängige Praxis ist bzw. sich in Planung befindet. Vieles war sehr erschreckend und hat Unbehagen bei mir ausgelöst.

Packend und fesselt schildert Hart "Der Store" mit einem flüssigen authentischen Schreibstil.

Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein, der Security-Mann, die Verpackerin und der Geschäftsmann. Menschen in den unterschiedlichen Stufen der Gesellschaft. Man merkt unter welchem Druck die untere Schicht steht und wie das natürlich Zinnia zusetzt. Gibson Wells, der Chef von Cloud erzählt uns vor seinem bevorstehenden Tode wie das Unternehmen entstand und vor allem wie es so mächtig wurde.

Kurzum, eine überaus gelungene Dystopie, die meine absolute Leseempfehlung erhält.


Rob Hart hat als politischer Journalist, als Kommunikationsmanager für Politiker und im öffentlichen Dienst der Stadt New York gearbeitet. Er ist Autor einer Krimiserie und hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. »Der Store« ist sein erster großer Unterhaltungsroman. Rob Hart lebt mit Frau und Tochter auf Staten Island.


Veröffentlicht am 30.09.2019

Kampf gegen das Böse

Licht und Schatten
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Meine Meinung und Inhalt
"Sie haben zwei Millionen Jahre darauf gewartet, dass Solea zurückkommt?
Solomon zuckte mit den Schultern.
Was blieb ihnen übrig?
Aber ... wer hält denn das so lange ...

Meine Meinung und Inhalt
"Sie haben zwei Millionen Jahre darauf gewartet, dass Solea zurückkommt?
Solomon zuckte mit den Schultern.
Was blieb ihnen übrig?
Aber ... wer hält denn das so lange aus?
Du darfst die Zeit nicht missverstehen, sagte ihr Vater. Zwei Millionen Jahre sind wie der Wechsel einer Jahreszeit, wenn die Ewigkeit vor dir liegt." (ZITAT)

Es ist der Winter 1704 und der Tod sitzt auf dem Wipfel einer Tanne und wartet geduldig auf die Geburt eines Kindes.

"...was Solea sah - nicht nur den Lichtfunken in der Dunkelheit und woher er kam, sondern auch, dass ein Kind geboren werden sollte, ein Kind aus ihren eigenen Reihen, und dass sich eine der Mütter dafür opfern würde, denn dieses Kind sollte nicht nur das Licht auf die Erde zurückbringen, es sollte auch zum Sturz der selbsternannten Göttin führen und ihre Herrschaften und die Zegechem dorthin zurückschicken, woher diese gekommen waren." (ZITAT)

Er ist nicht der einzige – ein Raunen wandert um die Welt und die Schatten lauschen mit gespitzten Ohren. Schon in jungen Jahren macht sich Vida auf den Weg, um die Wahrheit zu finden.

Sie hört den Ruf der Toten und begegnet ihrer eigenen Zukunft. Mit dreizehn lehren ihre Tanten sie die Mudras der Verbannung und sich ohne Waffen zu verteidigen. Denn Vida wurde geboren, um das Licht auf die Welt zurückzubringen.


"Nachdem Solea sich geweigert hatte, die Eifersucht abzulegen, sprach Solomon weiter, kappte sie den Impuls, damit ihr niemand folgen konnte. Von diesem Tag an war es den Schwestern unmöglich, an ihren Ursprung zurückzukehren. Nur zusammen konnten sie zu Licht werden, denn nur
als Einheit konnten sie die weite Reise nach Hause antreten. ..." (ZITAT)

Aber niemand rechnet damit, dass sie ihren eigenen Weg geht und selbst dem Tod die Stirn bietet. Vor ihr liegen viele Gefahren, darunter ein Wächter, der es auf ihre Seele abgesehen hat.

"Ein Außenstehender hätte es für eine Ironie des Schicksals gehalten. Ein Tag früher, ein Tag später und alles wäre anders verlaufen. Aber der Wächter hielt nichts von dem Schicksal, denn er trug die Arroganz seines Daseins tief in seinem Herzen. Für ihn war das Schicksal wie das Glück und der Zufall. Drei Geschwister, auf die man sich nicht verlassen konnte." (ZITAT)

Für mich ist dieses Buch ein absolutes Meisterwerk. Der Autor Zoran Drvenkar ist mir bereits durch seine Bücher "Still", "Du" und "Sorry" bekannt. Drvenkar hat einen unglaublich tollen, fesselnden und magischen Schreibstil.

"Licht und Schatten" ist eine absolut fantastische Geschichte für Groß und Klein und wir mir in Erinnerung bleiben.

Großartiges Cover, heldenhafte authentische Protagonisten und eine phantasievolle malerische Kulisse / Story.

Dieses Buch ist eines meiner Jahreshighlights und bekommt deshalb meine Leseempfehlung!

Zoran Drvenkar, wurde 1967 in Kroatien geboren und zog im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Berlin. Angafangen mit Gedichten schrieb er bald schon Kurzgeschichten, die er mit der Zeit immer weiter ausbaute. Seit 1989 ist er als freier Schrifsteller tätig und ein vielfach ausgezeichneter Kinder-und Jugendbuch-Autor. Er schreibt auch unter den Pseudonymen Victor Caspak und Yves Lanois. Heute wohnt der Autor in einer alten Kornmühle bei Berlin.

Veröffentlicht am 26.09.2019

Johanna

Die Kräutersammlerin
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Meine Meinung und Inhalt

"Es war für eine Frau nicht ganz ungefährlich, allein in den Wald zu gehen. Doch sie liebte die Ruhe und die Abgeschiedenheit, die sie hier fand. Den nachgiebigen moosigen Boden ...

Meine Meinung und Inhalt

"Es war für eine Frau nicht ganz ungefährlich, allein in den Wald zu gehen. Doch sie liebte die Ruhe und die Abgeschiedenheit, die sie hier fand. Den nachgiebigen moosigen Boden unter ihren Schuhsohlen. Das sanfte Atmen der Bäume. Hier konnte sie ganz sie selbst sein, ohne das Gefühl zu haben, beobachtet zu werden." (ZITAT)

Die Heilerin Johanna entdeckt im mittelalterlichen Schwarzwald ein totes Mädchen, offenbar ein Opfer von Wölfen. Der Roman spielt im Jahre 1343 in Schiltach im Kinzigtal.

"Was sie dort zwischen einem Wust alten Laubes fand, halb bedeckt mit feuchten brauen Klumpen, verschlug ihr den Atem. Vor ihren Füßen lag der Leichnam einer jungen Frau!" (ZITAT)

Doch einige der Verletzungen passen nicht zum Biss eines Raubtiers. Zusammen mit dem Flößer Lukas beschließt sie der Sache auf den Grund zu gehen. Sie will unbedingt die Wahrheit ans Licht bringen.

Johanna versorgt die Dorfbewohner mit Kräutern gegen Schmerzen und nimmt auch gefährliche operative Eingriffe vor.

Deshalb kennt sie sich mit Wunden und Leiden aller Art sehr gut aus. Sie sieht sofort, dass einige der Verletzungen nicht zum Biss eines Raubtiers passen. Am Ort ist außerdem zu wenig Blut.

Die Protagonistin war mir aufgrund ihrer mutigen, schlagfertigen und hilfsbereiten Art sofort sympathisch. Hurst schildert die Umgebung und die früheren Verhältnisse detailliert und verständlich, sodass man sofort mitten im Geschehen ist.

Das Cover hat einen extra Stern verdient! Es ist einfach wunderschön und man möchte am liebsten darin eintauchen.

Heidrun Hurst, geboren 1966, hat sich auf das Schreiben historischer Romane konzentriert. Zu ihrer Spezialität gehören gut recherchierte Geschichten, die unter die Haut gehen, und sich einfühlsam mit dem Schicksal der einfachen Leute beschäftigen. Dabei verbindet sie fiktive Charaktere mit historischen Tatsachen.

"Die Kräutersammlerin" erhält eine klare Leseempfehlung von mir. Ein sehr gelungener regionaler Krimi, bei dem die Spannung nicht zu kurz kommt.