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Veröffentlicht am 04.02.2020

Neun Häuser in Yale, würdevoll

Das neunte Haus
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Alex kann die Geister der Toten sehen. Das macht sie zu einer idealen Kandidatin für das Haus Lethe, das neunte Haus auf dem Campus der Yale-Universität. Denn Lethe ist für die Überwachung der Magie der ...

Alex kann die Geister der Toten sehen. Das macht sie zu einer idealen Kandidatin für das Haus Lethe, das neunte Haus auf dem Campus der Yale-Universität. Denn Lethe ist für die Überwachung der Magie der anderen acht Häuser, die Studentenverbindungen ähneln, zuständig. Als eine Studentin ermordet wird, ist es naheliegend, dass man Alex mit dem Fall betraut. Womit allerdings niemand gerechnet hat ist, dass der Mord direkt zu einer 100 Jahre zurückliegenden Verschwörung führt und Alex mit ihren Fähigkeiten ganz schön an ihre Grenzen kommt.

Eigentlich gehört Alex Stern gar nicht an die Yale. Weder ihre Noten noch ihr finanzieller Hintergrund ermöglichen ihr ein Studium an der Eliteuni. Allerdings hat sie gerade einen Mordversuch überlebt. Das und die Tatsache, dass sie Geister, Graue genannt, sehen kann, machen sie interessant genug für das Haus Lethe und öffnen ihr die Türen der Yale Universität. In „Das neunte Haus“ porträtiert Leigh Bardugo zwar den Luxus einer Eliteuniversität, stellt dem aber die düstere Kehrseite gegenüber: Okkulte Praktiken, auf denen die Macht der Häuser beruht. Und was die Beschreibung der Praktiken angeht, ist die Autorin keinesfalls zimperlich, was großen Einfluss auf die düstere Grundstimmung der Geschichte hat.

Je mehr der elitäre Glanz von Yale entzaubert wird, desto mehr gewinnt die Handlung an Faszination. Dabei ist Alex keine einfache Figur, zu Beginn auch keine unbedingte Sympathieträgerin und man braucht etwas, um mit ihrer Art warm zu werden. Allerdings hilft Leigh Bardugos Erzählstil der Protagonistin, die Leser auf ihre Seite zu holen. Leigh Bardugos Art zu Erzählen ist es auch, die einen in die Geschichte zieht, da man zu Alex immer einen, wenn auch nur kleinen, Abstand wart. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht, schließlich muss die Hauptcharakterin einiges erdulden, bei dem man doch ganz froh ist, die Geschichte beim Lesen erleben zu können.

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Veröffentlicht am 01.02.2020

Aufbruch in eine neue Welt

Skyle
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Die alte Ordnung in der Wolkenwelt von Skyle bröckelt. Unter der Oberfläche schwelen Konflikte zwischen den Völkern und Kulturen, die lange Zeit (mehr oder weniger) friedlich nebeneinander gelebt haben. ...

Die alte Ordnung in der Wolkenwelt von Skyle bröckelt. Unter der Oberfläche schwelen Konflikte zwischen den Völkern und Kulturen, die lange Zeit (mehr oder weniger) friedlich nebeneinander gelebt haben. Inmitten all dieser Unruhen machen sich der Schiffsbauer Wolf, der Headhunter Raven, die Wirtin Lynx und der Berater Hawk mit einem Luftschiff auf die Reise. Allerdings müssen sie sich inmitten all der Konflikte bald überlegen, auf welcher Seite sie stehen wollen und wie ihre Zukunft aussehen soll.

Drachen sind in der Welt von Skyle zwar einerseits genau die echsenartigen Wesen, die man sich unter dem begriff vorstellt, andererseits können sie aber auch eine menschenähnliche Gestalt annehmen. Die Zeit der Drachen scheint sich in den vier Reichen von Skyle dem Ende zuzuneigen. Die Menschen lassen Jagd auf sie machen und man begegnet ihnen zunehmend feindseliger. Dabei entsteht beim Lesen der Eindruck, dass es unerheblich ist, wer gerade gegen wenn vorgeht. Vielmehr werden die politischen Machtstrukturen deutlich, die sich ebenso gut auf jede andere Gesellschaft übertragen lassen. „Skyle – Himmelsbeben“ erzählt aber auch die Geschichte von dem Traum, in Frieden leben zu können.

Ester K. Bertram erschafft eine vielschichtige Welt mit einer unglaublichen Figurenvielfalt, bei der man erst einmal ein paar Seiten mehr braucht, um sich zu zurechtzufinden. Der Handlungsort, die Wolkenwelt Skyle, täuscht dabei geschickt darüber hinweg, dass einige der Machtstrukturen und Mittel zur Machterhaltung dabei zutiefst politisch und gar nicht so weit weg von der Realität sind. Darüber hinaus nimmt sich die Autorin Zeit für ihre Figuren und thematisiert deren Vorlieben ebenso wie deren Ängste, was dazu beiträgt, dass man beim Lesen das Gefühl hat, die Charaktere wirklich kennenzulernen.

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Veröffentlicht am 26.01.2020

"Hätte, hätte, Brückenkette"

Das Schwert der Totengöttin
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Dorfheilerin Mirage DeBois und Sergent Erik Zejn, Anführer der Gardisten von Svonnheim werden wohl keine Freunde mehr. Als sich die Toten aus den Grabhügeln erheben, kann das nur das Werk der Hexe gewesen ...

Dorfheilerin Mirage DeBois und Sergent Erik Zejn, Anführer der Gardisten von Svonnheim werden wohl keine Freunde mehr. Als sich die Toten aus den Grabhügeln erheben, kann das nur das Werk der Hexe gewesen sein, da ist Erik sich ganz sicher. Mirage ist dagegen überzeugt, dass Erik keine Ahnung hat, wie er den Untoten begegnen soll und sie nur das Bauernopfer ist. Als er Mirage jagen und festnehmen lässt, begeht er damit einen ziemlich großen Fehler.

„Das Schwert der Tötengöttin“ arbeitet im Grunde mit einem alten Motiv. Die Heilerin und gute Kräuterhexe des Dorfes wird zum Quell allen Übels ernannt. Schließlich ist sie mit den dunklen Mächten im Bunde und hat, in diesem Fall, auch noch die Toten in den Grabhügeln wiedererweckt. Zumindest ist das in etwa der Gedankengang von Sergent Erik Zejn. Allerdings wird bereits auf den ersten Seiten deutlich, dass Erik weder Lust hat, Sergent zu sein, schließlich ist er gerade im Rang degradiert worden, noch, dass ihm Svonnheim sonderlich behagt. Ohne Kenntnis der Strukturen im Dorf säbelt er sich seinen Weg zurecht. Allerdings profitieren davon weder er noch einer der Dorfbewohner. Schon gar nicht Mirage.

Ein altbekanntes Narrativ, gewürzt mit Wiedergängern und einer großen Portion Charakterentwicklung sorgt für eine Geschichte, in die man beim Lesen regelrecht reingezogen wird. Katharina V. Haderers Erzählstil ist sowohl spannend, als auch an den passenden Stellen humorvoll. Dazu kommen die wechselnden Sichtweisen, sodass man die Beweggründe der Charaktere nachvollziehen kann und es eigentlich keinen Bösen gibt, sondern nur falsche Annahmen oder Denkweisen.

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Veröffentlicht am 17.12.2019

Wer ist Gott?

Die Spiegelreisende 3 - Das Gedächtnis von Babel
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Drei Jahre ist es her, dass Thorn plötzlich verschwunden ist und Ophelia auf ihre Heimatarche Anima zurückkehren musste. Allerdings lässt ihr die Frage, wer Gott ist, keine Ruhe und so macht sie sich unter ...

Drei Jahre ist es her, dass Thorn plötzlich verschwunden ist und Ophelia auf ihre Heimatarche Anima zurückkehren musste. Allerdings lässt ihr die Frage, wer Gott ist, keine Ruhe und so macht sie sich unter falschem Namen auf zur Arche Babel. Dort wird zwar jede Menge Wissen gesammelt, allerdings hat die Arche auch ziemlich strikte Vorschriften, mit denen Ophelia sich anfangs schwertut, es aber dennoch schafft, als Schülerin am Konservatorium der Guten Familie aufgenommen zu werden. Allerdings merkt sie schon bald, dass die Regeln auf der Arche Babel weniger dem allgemeinen Zusammenleben, als den Interessen Einzelner dienen und dass das Leben dort gar nicht ungefährlich ist. Vor allem nicht, als sie drauf und dran ist, die letzte Wahrheit herauszufinden.

Ophelia hat ein untrügliches Talent dafür, mit Anlauf in Schwierigkeiten hineinzuspringen. Während sie sich im ersten Band am Pol und im zweiten bei Hofe beweisen musste, schlägt sie diesmal einen akademischen Weg ein. Auch in „Das Gedächtnis von Babel“ lässt Christelle Dabos es nicht langweilig werden und stellt ihre Protagonistin vor einige Schwierigkeiten und Herausforderungen. Die Bedingungen unter denen Ophelia einerseits versucht Thorn zu finden, andererseits aber auch versucht herauszufinden, wer Gott ist, sind alles andere als menschenfreundlich. Allerdings zeigt sich hierbei auch der eiserne Willen Ophelias, ihr Ziel zu erreichen. Denn anders würde sie vermutlich an den Schikanen ihrer Mitschüler verzweifeln. Genau darin liegt aber auch der Reiz der Handlung. Ophelia ist eine absolute Sympathieträgerin, der man in jedem Kapitel aufs Neue wünscht, dass das Erreichen ihres Ziels unbeschadet – und in diesem Fall lebend – übersteht.

Dass Ophelia so eine Sympathieträgerin ist, liegt nicht nur daran, dass sie eine sympathische Person ist, sondern auch die Tatsache, dass die Geschichte aus Ophelias Sicht erzählt wird, trägt dazu bei. Insofern ist man immer bei Ophelia, auch was handlungsrelevante Informationen anbelangt. Zwar macht man sich als Leser eigene Gedanken, ist der Protagonistin aber nie voraus. Christelle Dabos empathischer aber unaufgeregter Erzählstil bringt einem die Charaktere nahe und lässt die Leser in die erzählte Welt eintauchen. Hinzu kommen weitere Figuren, die ebenso wie Ophelia vielschichtig angelegt sind und deren Motive teilweise nicht immer ganz ersichtlich sind, was der Handlung zusätzlich Dynamik verleiht.

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Veröffentlicht am 08.12.2019

Mit Fuchsohren und Spürnase

Schatten der Ewigkeit - Zwillingsblut
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Mit einem Alias ist in der Regel ein Deckname oder Pseudonym gemeint. Allerdings kann ein Alias auch eine Gott, Geist oder Fabelwesen sein, der, die oder das eine andere Identität angenommen hat und nun ...

Mit einem Alias ist in der Regel ein Deckname oder Pseudonym gemeint. Allerdings kann ein Alias auch eine Gott, Geist oder Fabelwesen sein, der, die oder das eine andere Identität angenommen hat und nun unter den Menschen lebt. Kit beispielsweise ist eine Gestaltwandlerin und damit eine Alias. Die junge Frau arbeitet bei einer Einheit mit polizeiähnlichen Strukturen, die Sterbliche, also Menschen, vor abtrünnigen Alias schützen soll. Als bei einem Einsatz jedoch ihr Partner ums Leben kommt, wird Kit nach Edinburgh versetzt, wo sie schon bald mit ihrem neuen menschlichen Partner Keagan damit beschäftigt ist, einen rätselhaften Mord aufzuklären. Einer ihrer Vorgesetzten glaubt allerdings, dass Kit mehr über den Tod ihres vorherigen Partners weiß, als sie bisher zugegeben hat.

Kit Sune ist eine Gestaltwandlerin, die sich in einen Fuchs verwandeln kann und ja, sie heißt wirklich so. Wobei sich Autorin Carolin Wahl bei der Namensgebung gekonnt selbst auf die Schippe nimmt und Kits Namen durch ihre Charaktere kommentiert. Aber auch sonst sind Kit und ihre Kollegen Lelja und Keagan nur selten um einen Spruch verlegen. Neben dem passenden Humor der Figuren hat „Schatten der Ewigkeit – Zwillingsblut“ aber auch eine spannende Handlung, die am Ende doch noch eine etwas andere Wendung nimmt, als man zwischendurch denken mag.

Carolin Wahl erschafft eine Welt aus Geistern, Götter und Wesen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft, die sich in ihren jeweiligen Sagen und Mythen nie begegnet wären, hier aber wunderbar miteinander funktionieren. Oder eben nicht funktionieren, denn nicht alle sind sich wohlgesonnen. Das hat aber nicht immer etwas damit zu tun, dass sie einen unterschiedlichen Ursprung haben, sondern liegt meistens eher daran, dass sie bereits in ihren gemeinsamen Mythen und Sagen als Feinde dargestellt werden. Hinzu kommt ein übernatürlicher Kriminalfall, der natürlich auch auf übernatürlich Art und Weise gelöst werden will.

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