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Veröffentlicht am 29.01.2020

Folgenschwerer zu tiefer Blick ins Glas

Hirschhornharakiri
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"Hirschhornharakiri" ist der dritte Band aus der Fellinger-Reihe von Oliver Kern. Seines Zeichen Lebensmittelkontrolleur muss der Hobbydetektiv diesmal in eigener Sache ermitteln. Nachdem er beim Feuerwehrfest ...

"Hirschhornharakiri" ist der dritte Band aus der Fellinger-Reihe von Oliver Kern. Seines Zeichen Lebensmittelkontrolleur muss der Hobbydetektiv diesmal in eigener Sache ermitteln. Nachdem er beim Feuerwehrfest so tief ins Glas geschaut hat, dass er am nächsten Tag jegliche Erinnerung daran verloren hat, kommt es für ihn knüppeldick. Er wird des Mordes am Jäger Rosenberger verdächtigt und die Beweislast wiegt schwer. Bevor die Kripo aus Passau anrückt, muss er die Zeit schnellstens mit seinem Freund und Polizist Lechner nutzen, um die wahren Begebenheiten herauszufinden und seine Unschuld zu beweisen. Auch in diesem dritten Band lässt Oliver Kern den teils tollpatschigen aber doch liebenswerten Grantler aus dem Bayerischen Wald auf den Leser los. Thematisch zieht er dabei einen nicht gerade für diese Gegend typischen Fall von illegalem Schmuggel heran. Doch dies baut er in die Region geschickt ein, so wirkt alles sehr schlüssig. Das Lokalkolorit kommt dabei wieder nicht zu kurz und so unterhält dieser Krimi wieder auf teils witzige Art den Leser. Gerade die Mischung aus Kriminalfall und humorigen Begebenheiten lassen mich auch diesen Band wieder als gelungen bezeichnen. Der Protagonist ist mir mittlerweile mit seiner ganz eigenen niederbayerischen Art fast ans Herz gewachsen. Am Ende gibt es sogar eine kleine private Überraschung für ihn, das macht neugierig wie es in einem Folgeband für ihn weitergeht. In Summe ein weiterer unterhaltsamer Band aus dieser Reihe, der ich sicherlich weiter treu bleiben werde.

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Veröffentlicht am 29.12.2019

Die sieben Weihegrade des Mithraskult

Das Paulus-Labyrinth
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"Das Paulus-Labyrinth" ist ein Thriller von Jeroen Windmeijer. Das Geschehen spielt sich dabei in der niederländischen Stadt Leiden ab. Der Archäologe Peter de Haan wird mit Anhängern des Mithraskult konfrontiert. ...

"Das Paulus-Labyrinth" ist ein Thriller von Jeroen Windmeijer. Das Geschehen spielt sich dabei in der niederländischen Stadt Leiden ab. Der Archäologe Peter de Haan wird mit Anhängern des Mithraskult konfrontiert. Von der Polizei selbst gesucht als angeblicher Verdächtiger in einem Todesfall muss er seine verschwundene Kollegin Judith innerhalb 24 Stunden finden um sie aus den Fängen der Fanatiker zu retten. Diese stellen ihn vor Rätsel, die in Verbindung mit den sieben Initiationsstufen des Mithraismus stehen. Ein Wettlauf mit der Zeit. Zum Geschehen in der Gegenwart bindet der Autor diese sieben Weihegrade zur Zeit Paulus in die Handlung ein, sowie Vorgänge in der Sekte 21 Jahre vor der aktuellen Handlung. Anfangs kam ich durch diese Sprünge, sowie den oft detaillierten Erläuterungen aus dem Lesefluss. Ebenso durch die sehr genauen Ortsangaben von Peters Weg durch die Stadt Leiden. Hier wäre etwas weniger vielleicht besser gewesen. Mit fortschreitender Handlung aber wurde der Thriller immer spannender. Der Protagonist Peter de Haan ist dabei in etwa die niederländische Ausgabe eines Robert Langdon. Doch dieser Vergleich hinkt, denn an diesen reicht er meiner Meinung nach nicht ganz heran. Denn obwohl die Spannung kontinuierlich zunimmt, bleiben am Ende für mich einige Details offen. In Summe ein gut erzählter Thriller für Leser mit Interesse an mysteriösen Geheimbünden, aber doch noch mit einem Quäntchen Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 12.12.2019

Die "Thomas-Katastrophe" und das Leben zweier Frauen danach

Träume von Freiheit - Flammen am Meer
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"Träume von Freiheit - Flammen am Meer" ist ein historischer Roman von Silke Böschen. Basierend auf dem ersten Bombenanschlag mit einem Zeitzünder auf das Dampfschiff "Mosel", beschreibt die Autorin den ...

"Träume von Freiheit - Flammen am Meer" ist ein historischer Roman von Silke Böschen. Basierend auf dem ersten Bombenanschlag mit einem Zeitzünder auf das Dampfschiff "Mosel", beschreibt die Autorin den Werdegang zweier Frauen. Auch als "Thomas-Katastrophe" benannt, hatte am 11.12.1875 der Täter Alexander Keith alias William King Thomas diesen Anschlag mit dem Motiv des Versicherungsbetrugs auf hoher See geplant. Doch das schwere Sprengstofffass löste sich im Hafen vom Kran und explodierte am Bremerhavener Kai. Dabei kamen 83 Menschen ums Leben und rund zweihundert Menschen wurden zum Teil schwer verletzt und verstümmelt. Der Täter selbst richtete sich nach dem missglückten Anschlag selbst durch zwei Kugeln in den Kopf, überlebte aber noch einige Tage und gestand auch die Tat. Die Autorin setzt auf dieses reale Ereignis auf und erzählt im weiteren Verlauf des Romanes die Lebensgeschichte von Johanne Claussen und Cecelia Thomas. Die junge Johanne, die fast ihre gesamte Familie bei dem Anschlag verlor und selbst am rechten Arm die Hand amputiert bekam, sowie Cecelia, Mutter von vier Kindern und ahnungslose Ehefrau des Täters. Für beide Frauen war nach dem 11.12.1875 ein Leben wie vorher nicht mehr möglich. Cecelia sucht ihr Heil in der Flucht nach Amerika und Johanne braucht Jahre um mit dem Ereignis und ihrer Trauer zurecht zu kommen. Das Buch gliedert sich dabei in drei Teile. Der Leser erfährt im ersten Teil alles zum Anschlag bis hin zu Cecelias Flucht aus Deutschland, während der zweite Teil geprägt ist wie es den Frauen in den Jahren danach jeweils ergeht. Erst im letzten Teil treffen beide in Amerika aufeinander. Gerade dieses Aufeinandertreffen hätte ich mir gern ein wenig ausführlicher von der Autorin beschrieben gewünscht, ist es doch von einiger Tragweite. Trotzdem ist die Geschichte der beiden Frauen gut erzählt und man kann als Leser nachvollziehen mit welchen Problemen diese ihren Alltag zu bewältigen hatten. Flüssig im Schreibstil liest sich der Roman sehr gut. Sehr interessant empfand ich auch am Ende des Roman das Personenregister, das einem nochmal historische Fakten zu den jeweiligen Protagonisten näher brachte. Diesen Roman habe ich auf Empfehlung gelesen. Hätte ich ihn rein vom Cover im Bücherregal gesehen, wäre mein Griff wahrscheinlich nicht dazu erfolgt, da es mir eine andere seichtere Story vermittelt hätte. Man darf sich aber vom Cover nicht täuschen lassen, denn dieser Roman ist durchaus gelungen und lesenswert.

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Veröffentlicht am 20.11.2019

Die toten Schiedsrichter vom Mittelkreis

Schlusspfiff
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"Schlusspfiff" ist der erste Offenbach-Krimi von Thorsten Fiedler. Kriminalhauptkommissar Adi Hessberger bekommt es mit einem brisanten Fall zu tun. Innerhalb kürzester Zeit werden immer wieder Schiedsrichter ...

"Schlusspfiff" ist der erste Offenbach-Krimi von Thorsten Fiedler. Kriminalhauptkommissar Adi Hessberger bekommt es mit einem brisanten Fall zu tun. Innerhalb kürzester Zeit werden immer wieder Schiedsrichter ermordet und am Mittelkreis von Fußballplätzen aufgefunden. Schnell ist klar das es die Soko hier mit einem Serientäter zu tun hat. Und dann bekommt es Hessberger auch noch intern mit einem übereifrigen Staatsanwalt zu tun, so das die Ermittlungen noch zusätzlich erschwert werden. Der Autor lässt einen Ermittler auf die Leser los, der in Offenbach glühender Kickers-Fan ist, gerne die ein oder andere Fankneipe besucht und auch noch eine Gabe für Fettnäpfchen hat. Zudem liegt ihm seine Kollegin Sina sehr am Herzen, was auf Gegenseitigkeit beruht. Die Protagonisten wirken auf den Leser sehr sympathisch mit all ihren Facetten. Der Kriminalfall entwickelt sich mit zunehmender Seitenzahl gut, denn nach und nach ergeben sich weitere Aspekte für die wahren Hintergründe. Damit wird ein schöner Spannungsbogen erzielt, die Story liest sich angenehm flüssig. Erst sehr spät wird der Täter offenbart und doch steht der Ermittler letztendlich mit leeren Händen da. Dies schafft natürlich Raum für den Folgeband, man darf gespannt sein. Persönlich habe ich da ja einen schweren Verdacht, wer sich in diesem outen könnte. Bin mal gespannt, ob es so eintritt. Denn dass ich den Folgeband lesen werde, ist völlig klar. Schlusspfiff ist ein guter Regionalkrimi nicht nur für Fußballfans, sondern auch für alle anderen Leser.

Veröffentlicht am 18.11.2019

Die Geschichte eines vergessenen Widerstandskämpfer

Kolbe
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"Kolbe" ist ein historischer Krimi von Andreas Kollender. Fritz Kolbe, ein Beamter des Auswärtigen Amt, hat regelmäßig Zugang zu hoch brisanten Dokumenten die er vernichten soll. Kurz vor Beginn des 2. ...

"Kolbe" ist ein historischer Krimi von Andreas Kollender. Fritz Kolbe, ein Beamter des Auswärtigen Amt, hat regelmäßig Zugang zu hoch brisanten Dokumenten die er vernichten soll. Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges wurde er nach Berlin zurückbeordert und muss täglich seine Aufgaben in einem ihm verhassten Regime erfüllen. Getrieben von dem Gedanken der Beseitigung Hitlers wird er für die Amerikaner zum Spion. Regelmäßig übermittelt er geheime Informationen, die es den Alliierten ermöglichen soll, Hitler zu eliminieren. Aber der Krieg geht weiter und erst kurz vor Kriegsende kann Fritz Kolbe mit seiner Geliebten Marlene und der Unterstützung des OSS (Office of Strategic Services) in Bern untertauchen. Endlich ist der Krieg zu Ende aber für Fritz Kolbe wird es niemals mehr wie vor dem Krieg. Dieser Roman von Andreas Kollender basiert auf wahren Gegebenheiten. Unter dem Decknamen George Wood schmuggelte Fritz Kolbe tatsächlich immer wieder Aktenmaterial in die Schweiz und lieferte den Amerikanern damit völlig uneigennützig ca. 1600 Dokumente. Nach dem Krieg blieb ihm aber jegliche Anerkennung verwehrt. Er konnte in Deutschland nie mehr richtig Fuß fassen und verstarb 1971 in Bern. Erst im September 2004 erfuhr er eine späte Ehrung, als der damalige Außenminister Joschka Fischer im Auswärtigen Amt einen Saal nach ihm benannte. Im Auswärtigen Amt wird er seitdem als Widerstandskämpfer anerkannt. Andreas Kollender bringt einem den Menschen Fritz Kolbe nah, mit jeder Zeile ist spürbar wie unsagbar gefährlich sein Handeln war. Ein Mensch, der während der gesamten Zeit des Krieges ein Doppelleben führen musste. Man wünscht ihm direkt als Leser ein Happy-End, aber die Realität kam anders. Der Schreibstil allerdings war teilweise für mich ein wenig anstrengend. Der Autor wechselt des öfteren innerhalb eines Kapitels die Zeit und den Handlungsort. Dies unterbrach immer wieder teils meinen Lesefluss und erforderte dann erhöhte Aufmerksamkeit. Zwar gibt es kleine Ungereimtheiten, aber in Summe war "Kolbe" für mich ein sehr interessantes Buch. Der Autor brachte mir einen bisher für mich unbekannten Menschen damit absolut näher, der sein Leben im Widerstand gegen das dritte Reich täglich riskierte.