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Veröffentlicht am 30.01.2020

Am Rande

Die Bagage
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des Dorfes, aber auch der dörflichen Gemeinschaft leben Josef und Maria, die bereits in jungen Jahren Eltern einer ganzen Kinderschar sind. Beide sind anders, sie sind schön, dunkel, irgendwie exotisch. ...

des Dorfes, aber auch der dörflichen Gemeinschaft leben Josef und Maria, die bereits in jungen Jahren Eltern einer ganzen Kinderschar sind. Beide sind anders, sie sind schön, dunkel, irgendwie exotisch. Maria weckt die Begehrlichkeit der männlichen Dorfbewohner.

Und dann passiert es - in den ersten Wochen des Ersten Weltkrieges wird Josef eingezogen und bittet den Bürgermeister, auf seine Frau aufzupassen. Dieser begehrt sie jedoch wie alle anderen. Maria ist charakterfest und treu, aber sie hat wenig Geld, genau genommen gar keins . Deswegen spielt sie ihre Reize auf platonische Art aus und einmal wird sie schwach - wenn auch "nur" nur mit dem Herzen. Und die Zielperson ihrer Begierde ist kein Dorfbewohner, sondern Georg aus dem fernen Hannover. Er betritt ihr Haus in Anwesenheit der Kinder.

Die Dorfbewohner munkeln und auf einmal ist Maria schwanger. Offenbar ohne das Zutun ihres Mannes. Sie und ihre Kinder geraten noch mehr ins Abseits, als es bisher der Fall war.

Es geht um Ausgrenzung, um Stigmatisierung und es ist die Familie der Autorin Monika Helfer selbst, um die es hier geht. Josef und Maria sind ihre Großeltern, beziehungsweise ist Maria ihre Großmutter, denn ihre Mutter ist das Kind, das dieser plötzlichen, ja deplazierten Schwangerschaft entsprang. Es fiel mir nicht leicht, dieses Buch zu lesen, denn die Autorin springt in den Zeiten und verwendet das Wort "schön" in Bezug auf das Beschreiben äußerlicher Reize fast schon inflationär. Andererseits versteht sie es, die untergeordnete, ja unterdrückte Position der Frau in der Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der eigenen Familie deutlich und eindringlich zu zeichnen. Ein sehr persönlicher und schmerzhafter Roman, der auch mir als Leserin an die Nieren geht!

Veröffentlicht am 23.12.2019

Morden wie im Märchen

Rapunzel, mein (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 2)
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Die Ermittler der Reihe des Autors Lars-Erik Schütz haben es hart getroffen: während im ersten Fall (Alphabetmörder) der Profiler Jan Grall so stark involviert war, dass er im Anschluss suspendiert wurde, ...

Die Ermittler der Reihe des Autors Lars-Erik Schütz haben es hart getroffen: während im ersten Fall (Alphabetmörder) der Profiler Jan Grall so stark involviert war, dass er im Anschluss suspendiert wurde, trifft es diesmal seine ehemalige Mitarbeiterin, die Schweizerin Rabea Wyler, die inzwischen auf seinem Posten sitzt - nicht freiwillig, denn sie hat die Fähigkeiten des ehemaligen Kollegen in der kurzen Phase der Zusammenarbeit zu schätzen gelernt und hätte ihn zu gern an ihrer Seite.

Rein zufällig gerät sie nämlich an einen Fall, der sie stark an den ihrer vor Jahren verschwundenen Schwester erinnert. Es geht um die Faszination des Entführers bzw. Mörders für langes, blondes Haar. Rabea hegt immer noch die Hoffnung, dass iMarie noch leben könnte - eigentlich glaubt da niemand mehr so richtig dran, nicht einmal ihre Eltern. Die haben sich nach der Tragödie getrennt und führen jeweils eigene Leben.

Aber zurück zum Rapunzel-Mord, wie der Fall genannt wird, der Rabea nach Deutschland und zwar ins Ruhrgebiet und nach Düsseldorf führt - ganz auf sich gestellt. Oder kann sie sich doch auf Jan Grall verlassen?
Ein kraftvoller und ungewöhnlicher Thriller mit starken Charaktern, Manchmal wirkt alles ein bisschen zu überladen und zu dicht - zu viele Figuren, zu viele Erzählstränge - und einiges ist auch einfach unlogisch. Dennoch hat mich dieser Thriller in seiner Intensität durchaus fasziniert. Für Leser, die gern für ein Weilchen im Bösen versinken, um dann vom Autor rechtzeitig wieder daraus befreit zu werden

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Die alte Geschichte

Mr. Booker und ich
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Blutjunge, liebesbedürftige Frau, eigentlich ein junges Mädchen noch, mit altem verheirateten Knacker. Wobei Mr. Booker, wie die 16jährige Martha, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird, in den ...

Blutjunge, liebesbedürftige Frau, eigentlich ein junges Mädchen noch, mit altem verheirateten Knacker. Wobei Mr. Booker, wie die 16jährige Martha, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird, in den 30ern ist - für sie ist er dennoch steinalt. Beziehungsweise erwachsen. So jung, wie sie ist, ist der Altersunterschied dennoch extrem.

Hier kommt noch eine Facette hinzu: Martha hat von früh auf die ausgesprochen schwierige, nun gerade gescheiterte Ehe ihrer Eltern miterlebt und ihrer ausgesprochen konfliktscheuen und leidensfähigen Mutter beigestanden. Obwohl sie ganz schön verliebt ist, klingen ihre Schilderungen pragmatisch - das Kind hat schon einiges vom Leben gesehen, vor allem Enttäuschungen. Manchmal - eigentlich oft - wirkt sie erwachsener als Mr. Booker.

In lakonischem Stil, der vor allem dann aufweicht, wenn es um ihren eigenen Vater geht, erzählt Martha von ihrer ersten Liebe. Und damit quasi unbeabsichtigt bzw. von ihr selbst unbemerkt von ihrem eigenen Erstarken. Obwohl ich dieses Buch gar nicht besonders gern gelesen habe - ich bin eigentlich kein Fan von Lolitageschichten Mr. Bookers Verhalten ging mir ziemlich auf die Nerven - hat es mich doch auf eine bestimmte Art fasziniert. Man kann es nämlich auch als Ode an die Kraft der Frau lesen - wenn man sich auf Martha einlässt. Ein eigenartiges und auf seine Art einzigartiges Werk.

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Veröffentlicht am 24.11.2019

Harry am Ende

Messer (Ein Harry-Hole-Krimi 12)
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Hole jagt seinen alten Widersacher. Sie winken müde ab und sagen, das hätten Sie schon gehabt und zwar mehrfach? Seien Sie versichert: so nicht! Denn diesmal hat sich Rakel, die Frau, der Harry Hole die ...

Hole jagt seinen alten Widersacher. Sie winken müde ab und sagen, das hätten Sie schon gehabt und zwar mehrfach? Seien Sie versichert: so nicht! Denn diesmal hat sich Rakel, die Frau, der Harry Hole die Sterne vom Himmel holen wollte, endgültig von ihm losgesagt und nicht nur das: ein altbekannter Verbrecher, nämlich Svein Finne ist wieder mal frei. Harrys größter Widersacher unter der Sonne also, ein perfider Mörder und Psychopath.

Wird Harry ihn diesmal schnappen? Oder vielleicht einen anderen? Ein wahres Defilee an Figuren aus allen vergangenen Bänden der Reihe findet hier statt - das ist mir manchmal ein bisschen zu viel des Guten wie auch die permanente Erwähnung des Musikgeschmacks von Harry - oder ist es der seines Autors Jo Nesbo? Den ich im Übrigen größtenteils teile, aber Clash und Ramones auf jeder zweiten Seite eines Thrillers muss ich dann doch nicht haben.

Ja, Sie merken schon, ich lenke ab von der Handlung. Weil ich nämlich nichts verraten will, das würde Ihnen ganz schön was von der Spannung rauben. Denn es gibt einen Punkt, der durchzieht die ganze Handlung und bringt viele Unterpunkte mit sich. Wie dem auch sei - dieser Band hat etwas von einem Schlussakkord, das kann aber auch "nur" die Befürchtung eines Fans sein, der nicht will, dass diese Reihe jemals endet.

Nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste Harry-Hole-Band. Und solides Mittelmaß ist für einen Band einer solchen Spitzenreihe doch ganz klar etwas, was man ohne Weiteres hinnehmen kann. Oder sogar mehr als das!

Veröffentlicht am 07.11.2019

Der kalte Krieg und die Literatur

Alles, was wir sind
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"Doktor Schiwago" kennen die meisten von uns als wunderbaren Film: für mich gehört er zu meinen absoluten Tops und immer, wenn "Laras Lied" erklingt, lasse ich mich zum Mitsummen verführen. Ganz ...

"Doktor Schiwago" kennen die meisten von uns als wunderbaren Film: für mich gehört er zu meinen absoluten Tops und immer, wenn "Laras Lied" erklingt, lasse ich mich zum Mitsummen verführen. Ganz egal, wie schief und stümperhaft das auch klingen mag: ich fühle mich dann fast so, als wäre ich selbst im Film, als Statistin in einer Massenszene oder ähnliches. Natürlich mit mutigem Blick und furchtloser Haltung!

Weit weniger bekannt ist das Schicksal des Romans, der dem Autor Boris Pasternak 1958 zum Nobelpreis verhalf - zum Preis, den er nicht annehmen durfte. Denn sein Roman existierte offiziell in der Sowjetunion gar nicht - er war nur im Ausland veröffentlicht worden. Zunächst in Italien - Pasternak hatte sein Manuskript den Agenten des Verlegers übergeben Allerdings gab es bald auch eine Fassung in russischer Sprache, also im Original. Exemplare wurden auf der Weltausstellung in Brüssel an sowjetische Teilnehmer verteilt, in der Hoffnung, sie würden sie in der Heimat verbreiten können.

Dies alles ist wahr und an sich schon spektakulär genug. Autorin Lara Prescott kleidet diese Ereignisse in eine dramatische, aus mehreren Perspektiven erzählte Handlung, die im Osten, also im Umfeld von Pasternak und im Westen, in Kreisen des amerikanischen Geheimdienstes spielt.

Das Besondere: Es sind Frauen, die im Fokus stehen. In der Sowjetunion Pasternaks langjährige Geliebte Olga Iwinskaja, die seinetwegen Jahre im Gulag verbringen musste. Im Westen sind es Agentinnen, die in die Affäre Schiwago verstrickt werden und weitere Mitarbeiterinnen des Geheimdienstes. Und auch hier gibt es eine Liebesgeschichte. Aus meiner Sicht ist sie ziemlich überzogen.

Für mich wäre es etwas Besonderes gewesen, diese Geschichte, deren wahre Elemente bereits wahnsinnig viel Spannung beinhalten, zu entzerren, sie auf ihren Kern zu reduzieren und die Kraft der Sprache und der Poesie als wirkungsvolles Instrument einzusetzen.

Hier hat das Gegenteil stattgefunden und mir ist es eindeutig zu viel: zu viel Personal, zu viel Chichi, zu viel Nebensächliches. Es nimmt dem eigentlichen Ereignis, der Handlung um den Roman, eine ganze Menge weg. Was ich sehr schade finde, auch wenn der Roman dennoch interessant zu lesen ist.