Geruhsamer Wohlfühlroman mit Krimielementen
Tod in BadenDas Titelbild dieses Buches, das ich von einer lieben Freundin geschenkt bekam, sprach mich gleich an. Schlicht und doch prägnant gestaltet weist das Design schon gelungen auf die 1920er Jahre hin, in ...
Das Titelbild dieses Buches, das ich von einer lieben Freundin geschenkt bekam, sprach mich gleich an. Schlicht und doch prägnant gestaltet weist das Design schon gelungen auf die 1920er Jahre hin, in denen die Geschichte stattfindet.
"Tod in Baden" machte von der erste Seite an einen guten Eindruck auf mich, da hier bereits mehrere historische Details - der Prolog spielt im Jahr 1914 - gut in die Geschichte eingeflochten waren und der Prolog Spannung und gutes Erzähltempo mit sich brachte.
Spannung und Erzähltempo sind in der eigentlichen Geschichte wesentlich reduzierter, was aber wohl auch beabsichtigt ist und sich angenehm liest. Es handelt sich um den vierten Band einer Reihe von Kriminalfällen, die durch Anton und Ernestine aufgeklärt werden, zwei älteren Leuten, die einander freundschaftlich verbunden sind, wobei sich wohl allmählich ein wenig mehr anbahnt (was zum Glück die Handlung nicht überlagerte). Ich kannte die ersten drei Bände nicht, was aber überhaupt nicht stört. Die Charaktere werden gut eingeführt, die Geschichten sind in sich abgeschlossen.
Anton und Ernestine fahren also im Jahr 1924 zur Kur nach Baden, einem gemütlichen Städtchen in der Nähe Wiens. Man merkt sehr gut, daß wir in Österreich sind, immer wieder wird ein wenig Dialekt in die Dialoge eingestreut, was mir gefiel. Das mir mit diesem Buch zusammen geschenkte "Wiener Wörterbuch" erwies mir gute Dienste, denn es werden auch immer wieder Worte verwendet, die in Deutschland nicht bekannt sind. Ich mag gut und in Maßen eingebrachtes sprachliches Lokalkolorit und fand das hier sehr gelungen.
Das Buch firmiert als "historischer Kriminalroman". Allerdings dauert es fast bis Seite 90, bevor der Mord geschieht, um den es geht. Das kenne ich aus anderen sog. Cosy Crimes auch, wenn es hier doch ein wenig sehr geruhsam zugeht. Das störte mich allerdings nicht, denn wir erhalten eine liebevolle Schilderung des Kurhotelalltags, einiger mehr oder weniger skurriler Gäste und Antons eingeschränkter Begeisterung über Schwefelwasser und Diätkost. Das liest sich unterhaltsam, manchmal habe ich laut gelacht, ab und an rutschte es ins Alberne ab, was mir nicht so gut gefiel. Der Schreibstil ist eingängig, läßt sich entspannt lesen.
Auch nach dem Mord geht es recht gemächlich weiter. Ganz zum ruhigen Kurort passend wird eher ein wenig nebenbei ermittelt. Der Fall ist recht gut ausgedacht, wenn auch weniger ausgefeilt, als ich es in anderen cosy crimes gelesen habe, so richtig spannend wurde es für mich nie, aber ich habe gemütlich mit gerätselt und mich ansonsten an der Atmosphäre gefreut. Weiterhin finden sich immer wieder interessante historische Informationen und man merkt auch, wie nah der Erste Weltkrieg noch im Bewußtsein der Charaktere ist, welche Traumata er teilweise hinterlassen hat. Es gibt hier inmitten des ansonsten eher heiteren Dahinplätscherns einige Momente, die nachdenklich machen.
Auch die Fallauflösung kommt ein wenig beiläufig daher, und ich persönlich würde das Buch nicht als Kriminalroman einstufen, sondern als heiteren Roman mit historischem Hintergrund und einigen Krimielementen. Mit dieser Mischung war ich aber sehr zufrieden. Ich habe das Kurhotel vor mir gesehen, habe auch die Bescheibungen des Praterlokals in Wien genossen, bin mit Anton auf der Suche nach Mehlspeisen durch das geruhsame Baden spaziert. Ein Wohlfühlbuch, dessen Lektüre ich absolut empfehlen kann.