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Veröffentlicht am 27.01.2020

Konnte mich diesmal leider nicht überzeugen

Im Schatten der Vergangenheit
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In Elisabeth Büchles neuem Roman hat mich das Cover etwas irre geführt. Nachdem ich bei der Autorin blind zugreife, habe ich auch nicht den Klappentext gelesen (was ich in letzter Zeit immer weniger mache, ...

In Elisabeth Büchles neuem Roman hat mich das Cover etwas irre geführt. Nachdem ich bei der Autorin blind zugreife, habe ich auch nicht den Klappentext gelesen (was ich in letzter Zeit immer weniger mache, da oftmals schon gespoilert wird). Erwartet hatte ich einen Roman in zwei Zeitsträngen, wie ihr letztes Hardcover, das ähnlich gestaltet ist, nämlich "Mehr als nur ein Traum", das für mich ein Jahres Highlight war. Und nach dem Beenden war mir auch klar, dass es in gewisser Weise auch mit "Im Schatten der Vergangenheit" zusammenhängt, aber nur weitläufig. Ein Thema haben beide Romane gemeinsam, nämlich den Klu-Klux-Clan..
"Im Schatten der Vergangenheit" ist ein Spannungsroman, fast schon ein Action-Thriller, der nur im Prolog in die nahe Vergangenheit reist, aber sonst nur in der Gegenwart spielt. Für mich kein Problem, weil ich ja sehr gerne Krimis und Thriller lese, allerdings hatte ich das von einem christlichen Roman von Elisabeth Büchle nicht erwartet.

Der kurze Prolog hat mein Blut sofort in Wallung gebracht. Wir befinden uns im Jahr 1985 und der Klu-Klux-Clan stürmt das Haus des farbigen Bürgermeisterkandidaten in einem kleinen Ort in Mississippi und hinterlässt ein Blutbad.
Dreißig Jahre später lernen wir die deutsch-amerikanische Leistungssportlerin Hanna Jameson kennen. Nach einer sportlichen Pause wegen Krankheit, soll sie in Pattonville, nahe Stuttgart, zu ihrer Familie stoßen, die vor drei Wochen aus der USA nach Deutschland übersiedelt ist. Als Hanna jedoch bei der besagten Adresse ankommt, wohnt eine fremde Frau im Haus der Eltern. Die Nachbarn haben weder den Ein-, noch den Auszug ihrer Familie bemerkt und auch telefonisch sind sie nicht zu erreichen. Hanna ist verzweifelt und wendet sich nach einem erfolglosen Versuch bei der Polizei an den einzigen Menschen, den sie kennt: Kevin Pancol, IT-Spezialist und Mitarbeiter ihres Vaters und Freund der Familie. Er ist aus firmeninternen Gründen auch erst aus den USA übersiedelt. Als Kevin zusammengeschlagen und ebenso wie Hanna verfolgt wird, setzt sie sich ins Flugzeug und fliegt zurück in die USA zu ihrer Zwillingsschwester Helen. Diese ist seit einem Amoklauf in der Mother Emanual Church jedoch ebenfalls unauffindbar. In den USA angekommen entdeckt Hanna verdächtige Männer am Flughafen und trifft kurze Zeit später auf Deputy US Marshall Chris Thompson, der ihr seinen Schutz anbietet....

Die Geschichte wechselt zwischen sehr rasanten und temporeichen Stellen und tritt danach wieder viel zu lange auf der Stelle. Neben dem temporeichen Teil rund um die Verfolgung von Hanna geht es um die Themen Rassenhass, Zeugenschutzprogramm, Glaube und Selbstfindung. Auch die Familie und ihr Zusamenhalt spielt eine Rolle, genauso wie das FBI. Trotz der schnellen Szenewechsel, vorallem zu Beginn, hatte der Roman für mich einige Längen. Vorallem in der Mitte hatte ich öfters den Drang querzulesen.

Auch die Charaktere blieben mir teilweise zu blass und fern. Oftmals wurden sie nur anhand einer einizigen Charaktereigenschaft beschrieben (Kevin spricht keine ganzen Sätze und ist ein Nerd, Helena ist der ruhige Zwilling, Hanna die Sportliche und Ruhelose...beide sind natürlich äußerst attraktiv; die jüngere Halbschwester ist ein typischer motziger Teenager, ihr kleiner Bruder steht in ihrem Schatten...mehr erfährt man eigentlich nicht über ihn. Auch die Eltern bleiben Phantome).
Ich wurde weder mit den Figuren richtig warm, noch überzeugte mich die Liebesgeschichte, die von vielen Äußerlichkeiten dominiert wurde. Die Figuren blieben für mich leblos, obwohl sie jede Menge erleben.

Der Schreibstil der Autorin ist wie immer sehr einnehmend. Sie erzählt lebendig und flüssig. Die Landschaftsbeschreibungen, vorallem während der Verfolgungsjagd im Nationalpark, waren sehr lebendig und bildhaft. Einzig die Charaktere waren diesmal ein großes Manko.

Fazit:
Dieser Roman von Elisabeth Büchle, der teilweise schon einen Action-Thriller nahe kommt, konnte mich leider nicht wirlich überzeugen. Die Figuren blieben mir zu einseitig und blass. Rasante und temporeiche Szenen wechselten zwischen langatmigen Kapiteln, die mir oftmals die Lust zum Weiterlesen nahmen. Für mich bisher der schwächste Roman der Autorin, der mich leider enttäuscht zurrückgelassen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2019

Kann man lesen, muss man aber nicht

Böser als du denkst
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Nach der beendeten Nachtschicht erleidet die junge Sozialarbeiterin Andrea Boudreaux einen Autounfall. Sie ist sich sicher auf der Straße einen Mann gesehen zu haben, dem sie ausgewichen ist. Zum Glück ...

Nach der beendeten Nachtschicht erleidet die junge Sozialarbeiterin Andrea Boudreaux einen Autounfall. Sie ist sich sicher auf der Straße einen Mann gesehen zu haben, dem sie ausgewichen ist. Zum Glück ist sie mit nur kleinen Verletzungen davongekommen, doch als sie zuhause den Fernseher einschaltet wird ihre Welt durch eine Nachricht erschüttert. Ihr Zwillingsbruder Eli soll eine Frau ermordet und grausam zugerichtet haben. Er ist auf der Flucht und Andrea ist sich sicher, dass er früher oder später bei ihr auftauchen wird. Vor 15 Jahren wurde er der Brandstiftung und des Mordes an den gemeinsamen Eltern verurteilt, die bei einem Brand ums Leben kamen. Addy wurde dabei schwer verletzt und konnte von Eli in letzter Minute gerettet werden. Nun ist er wieder frei und Addy fürchtet, dass ihr neu geordnetes Leben der Vergangenheit angehört...


Der Thriller ist von Beginn an spannend, jedoch war für mich als eingefleischter Thrillerleser viel zu schnell klar, wohin Nina Laurin den Leser in ihrem Buch führen will. Die Suche nach der Wahrheit zieht sich als roter Faden durch die Geschichte. Mit einigen geschichkten Wendungen möchte die Autorin den Leser auf falsche Fährten führen. Leider ist ihr das bei mir nicht wirklich gelungen. Trotzdem liest sich der Thriller nicht schlecht.

Interessant fand ich die Rückblenden in die Kindheit der Beiden. Andrea, genannt Addy, die gemobbt wurde und die sich immer hinter den allseits beliebten Eli minderwertig fand und sich auch von den Eltern zurückgesetzt fühlte. Nach langer Zeit und diversen Therapien hat sie sich endlich ein eigenes Leben aufgebaut, als Eli freikommt und kurz darauf einen grausamen Mord begeht. Die Psychospielchen, die Eli mit Addy treibt, sind profan. Addy versucht den Mord an der jungen Frau aufzuklären und verwickelt sich immer mehr in ein Geflecht aus Lügen und diversen Vertuschungsaktionen. Will sie ihren Bruder helfen? Oder will sie ein Geheimnis bewahren, das die Zukunft von ihr und Eli gefährden könnte?

Abwechselnd lesen wir die Geschichte in der Gegenwart und in Rückblenden, wo wir erfahren was in den letzten fünfzehn Jahren geschehen ist. Dazwischen gibt es auch Ausschnitte einer Art Biografie/Interview von Eli, in der der Autor die Zeit in der Haft beschreibt.

Beide Hauptprotagonisten sind manipulativ und waren mir nicht wirklich sympathisch. Die restlichen Charaktere kommen viel zu kurz und bleiben an der Oberfläche.

Schreibstil:
Der Schreibstil liest sich sehr leicht und flüssig. Die Kapitel sind kurz gehalten. Nina Laurin erzählt die Geschichte aus verschiedenen Sichtweisen und in zwei Zeitsträngen.

Fazit:
Leider nicht wirklich etwas Neues für mich und sehr früh vorhersehbar. Durch den lockeren Schreibstil und die Rückblenden zum großen Unglück vor 15 Jahren bleibt man aber trotz Vorhersehbarkeit am Ball. Für mich leider nur Durchschnitt. Kann man lesen, muss aber nicht sein.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Winterlicher Kurzroman, dem leider etwas die Tiefe fehlt

Die Kinder des Nordlichts
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Linda Winterberg hat nach ihrem großartigen Roman "Das Haus der verlorenen Kinder" eine kleine weihnachtliche Fortsetzung geschrieben. Dieses, nur knapp 200 Seiten fassende Sequel, sollte man auch nur ...

Linda Winterberg hat nach ihrem großartigen Roman "Das Haus der verlorenen Kinder" eine kleine weihnachtliche Fortsetzung geschrieben. Dieses, nur knapp 200 Seiten fassende Sequel, sollte man auch nur als dieses ansehen, denn auf diesen wenigen Seiten reicht es bei weitem nicht an die Vorgängergeschichte heran.

In "Kinder des Nordlichts" treffen wir wieder auf Marie, der Enkelin von Lisbeth/Betty aus "Das Haus der verlorenen Kinder". Von ihr muss sich Marie für immer verabschieden, nachdem Betty in ihrem norwegischen Heimatdorf verstorben ist. Ihre Freundin Elin hat ebenfalls erst ihre Großmutter verloren, mit der sie gemeinsam ein Café geführt hat. Nach ihrem Tod wird der Mietvertrag nicht mehr verlängert und Elin steht vor einer ungewissen Zukunft. Als Marie nach Deutschland zurückkehrt, schlägt sie Elin vor mitzukommen und nach ihrem Großvater zu suchen. Sowohl Marie's, als auch Elin's Großmütter waren norwegische Frauen, die sich mit den damaligen deutschen Besatzern eingelassen haben. Beide Frauen haben ihre damalige große Liebe aber nie vergessen. In Deutschland wollen die beiden Frauen einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Ich hatte eigentlich angenommen, dass wir nun Elin begleiten werden, die den Spuren der Vergangenheit nachgeht und ihrem Großvater sucht. Sie trifft auch kurz auf ihn, aber danach geht es nur mehr über die Errichtung eines kleines Cafes, das eine Erinnerung an Norwegen sein und ebensolches Flair verbreiten soll. Der Gedanke ein neues Leben in Wiesbaden aufzubauen und sich ein kleines Stück Norwegen mitzunehmen findet bei beiden jungen Frauen schnell Gefallen. Bei Gertrud, Maries ehemaliger Arbeitskollegin und Freundin, finden die beiden Frauen erstmal Unterschlupf. Durch eine glückliche Fügung wird ihnen ein ehemaliger Geschäftsraum angeboten, der mit Hilfe von Freunden und Bekannten umgebaut wird. Bald rückt ihr gemeinsamer Traum immer näher und der Eröffnung des Cafès steht nichts mehr im Wege....oder doch? ...

Leider gibt es meiner Meinung nach bei der Umsetzung der Geschichte etwas zu viele Zufälle. Das Café wird etwas zu schnell und reibungslos eröffnet, auch wenn die eine oder andere böse Überraschung doch noch hinter einer Ecke lauert.
Die Suche nach Elins Wurzeln kam viel zu kurz und wurde erst am Ende zu schnell und zu beiläufig abgehandelt. Manches passiert wie im Zeitraffer, was auch den wenigen Seiten (197 Seiten ohne Rezepte und Leseprobe eines anderen Romans) geschuldet ist.
Der Zusammenhalt von Maries und Elins alten und neuen Bekannten, die ihnen ihre Hilfe bei der Umsetzung des Café anbieten, hat mir hingegen sehr gefallen. Auch die vorwinterliche Atmosphäre wurde wunderschön eingefangen. Das gemeinsame Backen und die norwegischen Rezepte lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Zusätzlich gibt es immer wieder Rückblenden, Gedanken und Erinnerungen an Marie`s Zeit mit Betty. Man spürt wie sehr sie ihre Großmutter vermisst, die sie eigentlich nur wenige Jahre kannte. Marie ist von Selbstzweifeln geplagt und lässt niemand richtig an sie ran. Elin hingegen besitzt mehr Mut und Stärke und findet sich auch schnell in Deutschland zurecht.

Die Geschichte lässt sich locker und schnell lesen, auch wenn sie manchmal doch sehr vorhersehbar ist. Ein paar Seiten mehr hätten dem Roman gut getan, allerdings ist das Buch nur als weihnachtliches Sequel gedacht. Auf den letzten Seiten gibt es noch Rezepte aus der norwegischen Küche.
Man muss den Vorgänger dabei nicht unbedingt gelesen haben, aber wer ihn nicht kennt, dem kann ich "Das Haus der verlorenen Kinder" wirklich ans Herz legen.

Fazit:
Ein winterlicher Kurzroman, der leider nicht an die anderen Romane der Autorin heranreicht. Linda Winterberg kann es wirklich viel besser und hat ein weihnachtliches Sequel erschaffen, das nicht wirklich viel mit dem Vorgängerband zu tun hat. Nett zu lesen und mit wundervollen Rezepten gespickt, aber leider nicht mehr.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Ein geheimnisvolles Gemälde

Apfelgelb
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Der nur 176 Seiten lange Roman erzählt die fiktive Geschichte von Jarik de Boer, dem einzigen Sohn eines Schweinebauern, dessen Freund Sander zufällig sein Zeichentalent entdeckt. Jarik versteht nichts ...

Der nur 176 Seiten lange Roman erzählt die fiktive Geschichte von Jarik de Boer, dem einzigen Sohn eines Schweinebauern, dessen Freund Sander zufällig sein Zeichentalent entdeckt. Jarik versteht nichts von Schweinen und hat keinerlei Ambitionen die Schweinezucht seines Vaters zu übernehmen. Er lebt für seine Skizzen und Zeichnungen und verlässt heimlich eines Nachts das Gehöft der Eltern um in Delft sein Glück zu versuchen. Zufällig entdeckt der Maler Joannis van der Meer sein Zeichentalent, als Jarik eine Kohlezeichnung seiner kleinen Tochter Marie anfertigt. Daraufhin nimmt van Meer Jarik als Lehrling zu sich nach Hause und ändert dessen Namen, um von der Malerzunft anerkannt zu werden. In Marie findet er eine kleine Freundin, die seine Leidenschaft für Farben mit ihm und ihren Vater teilt. Jarik unterstützt den berühmten Künstler bei der Fertigstellung seines Gemäldes "Briefleserin am offenen Fenster", das auf dem Buchcover abgebildet ist. Jarik verliebt sich in die schöne Griet, die Modell steht und deren Bildnis ihr Verlobter in Auftrag gegeben hat....

Die Entstehung des Bildes "Briefleserin am offenen Fentser" bildet die Grundgeschichte des Romans. Die nur 176 Seiten sind schnell gelesen. Mit Jarik lernen wir einen jungen Mann kennen, der mit seiner Gabe die falsche Abstammung hat. Der kunstsinnige Junge wühlt nicht gerne im Dreck und müht sich am Bauernhof seines Vaters eher ab. Dieser versteht hingegen die Flausen seines Sohnes nicht. Ein Dilemma, das auch noch heute oftmals vorkommt und von Wiebke Kalläne sehr gut verdeutlicht wird.
Als Leser tauchen wir ein in die Welt der Farben und in ihre damals sehr aufwendige Zusammenstellung. Die Autorin versucht dem Leser diese Liebe zur Malerei, als auch die damalige Zeit in den Niederlanden lebendig zu vermitteln. Das gelingt ihr allerdings nur teilweise.
Sehr störend empfanden wir Leser bei der Leserunde einige Grammatik- und Rechtschreibfehler, was vorallem beim Beruf der Autorin (sie studierte Deutsch und Biologie und unterrichtet als Lehrerin) sehr verwundert. Der Schreibstil ist allerdings angenehm und bildhaft.
Die Stimmung im Roman ist großteils düster gehalten. Sehr oberflächlich fand ich auch die eher plumpe Liebesgeschichte zwischen Griet und Jarik. Mir blieben fast alle Charaktere viel zu blass. Das mag auch an der Kürze des Romans liegen, jedoch waren mir die Figuren auch nicht wirklich sympathisch.
Das Ende ist viel zu abrupt und es bleiben viele Fragen offen. Es gibt keinerlei Erklärungen zum Prolog des Buches, noch zu Jariks weiteren Lebensweg.

Fazit:
Ein eigenwilliger historischer Roman mit einer interessanten Grundidee und einer ansprechenden Gesellschaftsstudie der damaligen Zeit. Bildhaft erzählt, jedoch blieben die Charaktere zu sehr an der Oberfläche und das Ende kam viel zu abrupt. Auch einige Grammtik- und Rechtschreibfehler beeinträchigten das Lesevergnügen....schade!

Veröffentlicht am 23.09.2019

Leichter Wohlfühlroman mit einigen Schwächen

Herbstblüten und Traubenkuss
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Emilia Schilling's neuer Wohlfühlroman erzählt die Geschichte der 28-jährigen Mona, die ihren Job in der Agentur, die sie mit aufgebaut, verloren hat. Auch ihr Freund hat die Fliege gemacht und so steht ...

Emilia Schilling's neuer Wohlfühlroman erzählt die Geschichte der 28-jährigen Mona, die ihren Job in der Agentur, die sie mit aufgebaut, verloren hat. Auch ihr Freund hat die Fliege gemacht und so steht sie ohne Job und Wohnung da und kommt kurze Zeit bei ihrer Freundin Bianca unter. Diese nutzt sie allerdings zum Kinderhüten aus und ist ihr nicht wirklich eine Stütze. Da kommt ihr der Buchhalterjob in einer Detektei gerade recht. Doch der Inhaber verspricht ihr den Job nur, wenn sie zuerst den Winzersohn Oliver Feeberger ausfindig machen kann. Dieser soll nach fünf Jahren in die heimatliche Buschenschank zurückkehren und soll verhindern, dass ein Nobelheuriger den Familienbetrieb übernimmt. Oliver wird bald gefunden und willigt ein zurückzukehren, wenn Mona die restliche Saison auf dem Weingut und in der Buschenschank mitarbeitet. Mona überlegt nicht lange...zwei Monate sind schnell rum und das Geld kann sie brauchen. Außerdem muss sie nicht mehr im Kinderbett von Biancas Sohn schlafen, sondern kann direkt am Weingut übernachten. Doch so einfach, wie sich das Mona vorstellt, ist es nicht....

Ich habe bereits "Sommerglück und Blütenzauber" von der Autorin gelesen und fand diesen Roman einfach süß und erfrischend. Deshalb freute ich mich auf ihren neuen Roman wirklich sehr. Es gibt auch ein kleines Wiedersehen mit Rita, der Hauptprotagonistin, aus dem Vorgängerband, was ich toll fand.
Im Gegensatz zur liebenswerten Rita hatte ich allerdings einige Probleme mit Mona, unserer Protagonistin aus "Herbstblüten und Traubenkuss". Sie scheint mit ihren 28 Jahren nicht nur komplett aus der Welt gefallen zu sein, sondern hat absolut kein Selbstbewusstsein. Dies scheint vorallem den Eltern geschuldet, die ihr immer wieder zu verstehen geben, dass sie ihren Anforderungen nicht entspricht. Die beiden Zahnärzte wollten ihre Tochter als Nachfolger einsetzen, doch Mona ist mehr Zahlenmensch und verweigerte das Studium.
Angekommen in der Buschenschank in den Hügeln vor Wien, weiß sie weder wie man kocht, noch wie man sich außerhalb des Büros durchs Leben schlägt. Für mich war Mona weder glaubwürdig, noch konnte ich sie wirklich ins Herz schließen. Auch ihre sofortige Zusage mit Oliver mitzugehen, fand ich etwas unrealistisch. Zusätzlich lässt sich Mona von ihrer "besten" Freunden richtig ausnutzen. Es ist eine sehr einseitige Freundschaft, denn Bianca gibt ihrerseits eigentlich nichts zurück.
Ins Herz geschlossen habe ich jedoch Lore, Olivers Großmutter. Sie ist der Fels in der Brandung und schupft den Betrieb. Aber auch Olivers Schwester Nina ist absolut liebenswert. Seit einem schweren Autounfall sitzt sie im Rollstuhl. Das familiäre Band, das die Feebergers zusammenhält, ist auch durch jede Zeile spürbar, was mir sehr gefallen hat. Manche Leserinnen in der Leserunde haben die fehlende romantische Liebesgeschichte vermisst. Dies hat mich wiederum nicht gestört, denn ich habe es lieber kitschfrei. Ich muss aber trotzdem sagen, dass mir das Prickeln zwischen Mona und Oliver gefehlt hat und die Liebesgeschichte erst gegen Ende hin glaubwürdiger wurde.

Wohlgefühlt habe ich mich in der Buschenschank der Familie. Als Österreicherin waren mit natürlich alle Begriffe und Speisen bekannt. Außerdem lebe ich selbst nur wenige Kilometer vom Weinbauangebiet der Wachau entfernt. Die Landschaftsbeschreibungen sind atmosphärisch. Interessant und realitätsnah sind die Einblicke in die Arbeit der Weinbauern. Die Weinlese und die Erklärungen betreffend dem Unterschied zwischen Buschenschank und Heurigen, wie auch das Leben auf dem Lande, wurden sehr bildhaft beschrieben.

Atmosphärisch wunderbar, das Lokalkolorit stimmt ebenfalls, allerdings hakt es etwas an den etwas überzeichneten Charakteren und manchem Realitätsbezug. Im Großen und Ganzen hat mich der Roman - trotz meiner Kritikpunkte - gut unterhalten. Ich weiß, dass es die Autorin besser kann, deswegen freue ich mich auch schon auf ihr nächstes Buch, das wohl im Winter spielen wird.

Schreibstil:
Emilia Schilling schreibt leicht und flüssig. Man kommt schnell in der Geschichte voran. Die sehr bildhaften Beschreibungen der Umgebung, sowie der vorhandene Lokalkolorit konnten mich überzeugen. Die Charaktere sind facettenreich.
Über manche Kapitel steht eine Erklärung zu einer Tradion, die im kommenen Kapitel Einsatz findet. Die Autorin hat ebenfalls die im Roman verwendeten Buschenschank-Rezepte hinzugefügt. Am Ende befindet sich ein österreichisch-deutsches Glosaar, das ich natürlich nicht benötigte ;)

Fazit:
Ein leichter Wohlfühlroman, der das Leben in einem Winzerbetrieb sehr atmosphärisch beschreibt. Leider gibt es einige Kritikpunkte, über die ich nicht hinweg sehen konnte. Wer nette Unterhaltung ohne Kitsch sucht und über einige Logikfehler hinweg sehen kann, ist hier richtig. Für mich war dieses Buch um einiges schwächer, als der Vorgängerroman.