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Veröffentlicht am 12.02.2020

Definitiv ein Herzensbuch

Wie der Soldat das Grammofon repariert
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Inhalt:
Aleksandar erzählt seine Geschichten von Herzen, er beschreibt, was er sieht und er macht Listen von alltäglichen Dingen, die er nicht vergessen will. Das Erzählen hat er von seinem Grossvater ...

Inhalt:
Aleksandar erzählt seine Geschichten von Herzen, er beschreibt, was er sieht und er macht Listen von alltäglichen Dingen, die er nicht vergessen will. Das Erzählen hat er von seinem Grossvater Slavko gelernt, dessen Tod Aleksandar und die ganze Familie erschüttert hat. Und weil er versprochen hat, nie mit dem Erzählen aufzuhören, erzählt er immer weiter. Sein Lehrer bewertet seine Aufsätze als Ausgeburt kindlicher Fantasie, welche immer das Thema verfehlen und somit häufig nur sehr knapp genügend sind. Aber Aleksandar gibt nicht auf. Er erzählt von seiner Tante Taifun, die ihr Kind sicher drei Monate zu früh bekommen wird, weil sie in allem immer die Schnellste ist, von seiner Uroma, welche ein Comwboy ist und von der Einweihung der ersten Innentoilette in seinem Dorf. Dabei ist er immer an allem interessiert, was gerade passiert, was noch unvollkommen und unfertig ist, und was er sich wünscht. Also malt er unfertige Bilder und unterhält damit seine Familie. Das Malen hat er von seinem Vater, dieser ist schliesslich Künstler und malt täglich. Auch ein Fest beschreibt er, welches eskaliert, die Häuser, die Menschen und ihre Geschichten und die Drina. Seine Drina. Dieser Fluss, welcher stolz durch Višegrad fliesst und der ein Gesprächspartner für Aleksandar geworden ist. Die Drina spielt in dieser ganzen Geschichte eine grosse und wichtige Rolle. Schliesslich angelt Aleksandar fast täglich in der Drina, er spricht mit ihr und sie antwortet ihm. Die Drina darf aber nicht nur eine schöne Rolle spielen. Im Krieg werden die Leichen der Hingerichteten in ihr versenkt und auch wenn der Erzählton des jungen Mannes sehr pubertär scheint, so werden doch die Schrecken des Krieges klar und brutal ersichtlich. Auch wenn das Kind im Erzähler nicht alles begreifen kann, was vor sich geht, so versteht der Leser, was mit den Erzählungen und angedeuteten Situationen gemeint ist.
Aleksandar muss schliesslich flüchten, seine Familie geht nach Deutschland. Wie er Deutschland erlebt und was er in Deutschland erlebt, erzählt er mit genau diesem Hunger auf Geschichten, den er schon vorher in sich trug und lässt den Leser so an dieser neuen Welt teilhaben.
Doch seine Heimat hat er nicht vergessen.Während er noch in Bosnien war, hat er Listen gemacht. Listen von allen Menschen, die er kennt, Listen, in denen er alle Distanzen, die ihm wichtig waren, in Schritten gemessen hat, Listen von Dingen und Wörtern, die er nie vergessen wollte und Listen von Häusern und dem ganzen Dorf. Mitten in der Nacht beschliesst er, sich seiner Geschichte zu stellen und macht sich mit seinen Listen auf in seine Heimat Višegrad, wo er jetzt fast ein Fremder ist. Er besucht seine Verwandten, mit denen er nicht mehr vertraut ist und er trifft sich mit der Drina, welche immer so schöne Geschichten erzählen konnte und jetzt nur noch traurige Geschichten übrig hat.

Meine Meinung:
Wie der Soldat das Grammofon reapiert ist ein Buch, welches sich nicht mit wenigen Worten beschreiben und loben lässt. Mit einer uglaublichen Frische und einem brillanten Erzählstil zeigt uns der Autor Saša Stanišić seine Heimat und die Liebe zu Land und Leuten, welche er immer noch in seinem Herzen trägt. Er spielt mit den üblichen Balkan-Klischees und -Vorurteilen, er übertreibt und zwinkert dabei mit den Augen.
Dieses Buch besteht aus vielen zusammen gefügten Geschichten, welche eigenständig eine Begebenheit aus Aleksandars Vergangenheit schildern und sich trotzdem aufeinander beziehen.
Ausserdem findet sich ziemlich in der Mitte des Romanes ein Buch im Buch, welches der junge Protagonist in seiner Kindheit geschrieben hat und eine Sammlung von Ideen und Geschichten beinhaltet, die damals wichtig waren. Dieses Buch im Buch endet genau dort, wo der eigentliche Roman begonnen hat, nämlich beim Tod des Grossvaters Slavko und erklärt so, was vor diesem Todesfall geschehen ist und was früher im Leben des Jungen von Bedeutung war.
Manchmal fühlt es sich an, als wäre man mitten im Geschehen, aber trotzdem sieht man nur durch ein Fernglas zu. Und manchmal wird man als Leser mit Informationen überflutet und überfordert mit dem, was man im Gegenteil zum kindlichen Aleksandar bereits verstehen und begreifen kann und was betroffen und traurig und hilflos macht.
Am meisten hat mich diese Rückkehr des mittlerweile erwachsenen Mannes erschüttert. Was er in seiner Heimat vorfindet, erzählt bekommt und erleben muss, deckt sich mit so vielen Geschichten, welche ich von "Rückkehrern" gehört und gelesen habe. Diese Ohnmacht, nichts mehr ändern oder bewirken zu können und nur noch akzeptieren zu müssen, macht regungslos. Und dieses Wissen darum, dass man eine friedliche Heimat verlassen musste und nun als Fremder zurück kehrt, macht alles nicht einfacher. Indem Aleksandar aber seine Vergangenheit akzeptiert und es wagt, sich sowohl an die schönen, als auch an die schlimmen Dinge zu erinnern, kann er abschliessen und für sich einen Neubeginn wagen. Einen Neubeginn, welcher aus Wissen, Erfahrung und vielen schönen und auch traurigen Geschichten besteht.

Fazit:
Selten hat mich ein Buch so gefesselt und berührt und selten hat mich ein Buch zugleich auf so intelligente Art unterhalten und auf andere Gedanken gebracht.
Dieser Roman ist ein Schatz, welcher alle nur menschenmögliche Gefühle vereint und tausende von Geschichten und Schicksalen zusammen fügt.
Ich lege euch dieses Buch ans Herz mit dem Wissen, dass ich es selber wohl noch einige Mal lesen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2020

Eine bewegende und vielschichtige Erzählung

Der verdammte Hof
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Inhalt:
Der Inhalt dieser Erzählung lässt sich nicht so leicht zusammen fassen, weil in diese Erzählung hinein mehrere Erzählungen verschachtelt sind. Als Aussenhandlung haben wir die Geschichte eines ...

Inhalt:
Der Inhalt dieser Erzählung lässt sich nicht so leicht zusammen fassen, weil in diese Erzählung hinein mehrere Erzählungen verschachtelt sind. Als Aussenhandlung haben wir die Geschichte eines jungen Mönches, der dem verstorbenen Bruder Petar nachtrauert und nachsinnt. Dieser hatte Zeit seines Lebens Geschichten erzählt. Eine der Geschichten, hat es dem jungen Mönch sehr angetan und er erzählt sie für den Leser nach. Es geht dabei um Bruder Petar, der in Instanbul unglücklicherweise verhaftet und in ein Untersuchungsgefängnis gebracht worden ist.
Dieses Gefängnis wurde von allen Gefangenen nur "Der verdammte Hof" genannt. Bruder Petar, als Mönch natürlich nicht leutescheu, erzählte von den Menschen, welche ihm jeden Tag im Gefängnis begegneten.
Der Jude Chaim war ein aufmerksamer aber fast paranoider Beobachter, welcher überall Verschwörungen roch und seine Theorien jeweils auffällig unauffällig mit Petar teilte und diesem so ebenfalls einige unruhige Minuten bescherte.
Dann gab es Zaim, der mit seinen meistens erfundenen und übertriebenen Frauengeschichten den ganzen verdammten Hof unterhielt und sich so eine Welt erschuf, wie er sie sich nur träumen konnte. Zaim fand einige Nachahmer und auch Gegner, welche sich durch seine Geschichten gestört fühlten.
Die auffälligste dieser Personen war Djamil Efendi. Petar fühlte sich mit diesem jungen und intelligenten Mann sofort verbunden. Djamil war äusserst belesen. Als Sohn einer Griechin und eines Türken interessierte er sich für seine und ähnliche Familiengeschichten und wegen einer unglücklichen Liebe hatte er sich komplett in seine Bücherwelt zurückgezogen. Aus seinen Büchern erfuhr er von Dschem, dem Bruder des Sultans Bajezid, welcher den Kampf um den Thron verloren hatte. Dschem wurde darauf von unterschiedlichen Herrschern gefangen gehalten und als Mittel zum Geld erpressen verwendet und starb schliesslich im Exil. Djamil identifizierte sich so stark mit dem unglücklichen Dschem, dass er sich für Dschem zu halten begann und dies konnte an einem Ort wie dem verdammten Hof nicht gut enden. Wie dies alles endete erfuhr Petar dann schliesslich von Chaim, welcher sich einmal mehr in Angelegenheiten gemischt hatte, welche ihn eigentlich nichts angingen. Diesmal aber war sein Wissen von Nutzen, damit Petar erfahren konnte, was mit seinem Freund Djamil geschehen war.

Meine Meinung:
Wie ihr vielleicht schon der Zusammenfassung anmerkt, ist diese Erzählung äusserst komplex aufgebaut. Sie liest sich zwar schnell, aber wenn man sie wirklich verstehen will, muss man sich schon ein wenig intensiver mit den Figuren und ihren Geschichten beschäftigen. Ich habe mir bei der Lektüre auch einige Notizen gemacht und musste mehrmals im Buch zurück blättern, um zu verstehen, was genau gerade vor sich ging.
Natürlich geht es aber auch in dieser Erzählung von Andrić nicht einfach darum, eine spannende Geschichte zu erzählen. Auch hier kann man eine ganz klare kritische Sicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge und die Problematik von so vielen Religionen auf kleinem Raum erkennen. Das Gefängnis spiegelt die Gesellschaft und vor allem die eher negativen Seiten der Menschen auf eine ganz klare und brutal ehrliche Art wider. Der Gefängnisdirektor Latif Aga, welcher von allen nur Karadjos gennant wird und selber eine kriminelle Vergangenheit hat, will das Schlechte und Böse im Menschen nun umso drastischer ausrotten und sieht daher in seinem Gefängnis, obwohl es ein Untersuchungsgefängnis ist, nur Schuldige. Er schafft es, jedem ein Geständnis zu entlocken, lässt aber manchmal auch ganz willkürlich gewisse Gefangene frei.
Dieses Gefängnis steht also für ein in sich geschlossenes und meistens funktionierendes System, welches mit der Wirklichkeit vor der Türe eigentlich nicht viel gemeinsam hat, aber trotzdem Menschen vereint, wie sie eben nur in der Realität vorkommen und was darum zwangsläufig zu Problemen führt.

Fazit:
Ein höchst anspruchsvolles Buch, welches sich aber auch einfach als unterhaltsame Geschichte lesen lässt. Viel sinnvoller und spannender ist es jedoch, wenn man versucht, die einzelnen Erzählungen wirklich zu verstehen und sich ausführlich damit befasst.

Veröffentlicht am 31.01.2020

Miss Marple ermittelt wieder, sehr lesenswert

Mord im Spiegel
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Inhalt:

Miss Marple ermittelt wieder und sieht sich dabei in der glamourösen Welt des Films um. Schliesslich ist bei einer Hausparty der berühmten Schauspielerin Marina Gregg eine Frau vergiftet worden. ...

Inhalt:

Miss Marple ermittelt wieder und sieht sich dabei in der glamourösen Welt des Films um. Schliesslich ist bei einer Hausparty der berühmten Schauspielerin Marina Gregg eine Frau vergiftet worden. Schnell zeigt sich, dass der Fall nicht ganz so einfach ist, wie er scheint und dass vor allem verschiedene Menschen ein Tatmotiv haben könnten. Als dann eine weitere Leiche gefunden wird, kommen die Ermittlungsarbeit und auch das Getratsche im Dorf erst so richtig ins Tollen.


Meine Meinung:

Als Teenie habe ich die Romane von Agatha Christie nur so verschlungen, weshalb es für mich fast ein wenig ein "Heimkommen" war, wieder an Miss Marples Seite zu ermitteln. Obwohl mir von Anfang an klar war, wen man am Schluss überführen würde, kam ich so gar nicht hinter die Motive und Zusammenhänge. Dazu muss ich sagen, dass es mir sonst oft sehr leicht fällt, Kriminalromane zu durchschauen (was manchmal ein wenig langweilig ist), aber mit Miss Marple kann ich es definitiv nicht aufnehmen und erst im letzten Drittel war mir dann klar, wie alles zusammenhing. Die sympathische Ermittlerin hat mir wirklich gefehlt und ich habe vor, mir wieder den einen oder anderen Miss Marple-Krimi zu gönnen. Besonders interessant übrigens: Agatha Christie hat sich bei "Mord im Spiegel" einer wahren Geschichte bedient, die äusserst dramatisch ist und sich fast genau so zugetragen hat, wie im Buch geschildert. Recherchiert bitte erst, wenn ihr "Mord im Spiegel" gelesen habt, sonst spoilert ihr euch.


Sprache:

Nach wenigen Sätzen fühlte ich mich in meine Jugendjahre zurückversetzt, der Stil, mit dem Agatha Christie erzählt und mit dem sie vor allem ihre Miss Marple beschreibt, ist wirklich einzigartig. Fesselnd, äusserst liebenswert, ein wenig schrullig und sehr humorvoll. Man merkt beim Lesen von Christies Büchern einfach, dass ihr das Schreiben eine Herzensangelegenheit war und dass sie sich stets voller Leidenschaft in die Leben ihrer Protagonisten gestürzt hat. Auch die vielen Nebenfiguren werden überzeugend, ein wenig kritisch und auch mit einer klaren Sicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und Ungleichheiten dieser Zeit beschrieben. Wie es der Autorin stets gelang, so viele Indizien in ihren Romanen zu verstecken, die dann am Ende zu einem grossen Ganzen zusammengeführt werden - und dies in der Regel mit nur wenig Polizeiarbeit und schon gar keinen Laboranalysen, sondern reiner Logik - wird mir stets ein Rätsel bleiben und davor ziehe ich den Hut.


Meine Empfehlung:

Für "Mord im Spiegel" gibt es von mir eine herzliche Leseempfehlung. Mit ein wenig englischem Tee oder einem kleinen Sherry liest sich das Buch besonders gut. Aber passt bloss auf, dass euch niemand etwas in den Drink kippt

Veröffentlicht am 22.01.2020

Ein beklemmendes, fesselndes Debüt

Augustas Garten
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Inhalt:

Augusta will nach Hause, sie will zu ihrem Vater zurück, in ihr Kinderzimmer, in ihr altes Leben. Aber ihre Eltern haben sich getrennt. Barbara, Augustas Mutter, ist mit Augusta zu Eduard gezogen. ...

Inhalt:

Augusta will nach Hause, sie will zu ihrem Vater zurück, in ihr Kinderzimmer, in ihr altes Leben. Aber ihre Eltern haben sich getrennt. Barbara, Augustas Mutter, ist mit Augusta zu Eduard gezogen. In sein Haus mit seinem Garten. Kurz vor ihrem sechsten Geburtstag wird Augusta damit konfrontiert, dass dies nun definitiv ihr neues Zuhause ist, dass sie nicht nur zu Besuch sind bei Eduard, sondern nun wirklich dort wohnen. Nn ihrem sechsten Geburtstag läuft sie weg, lässt ihre Mutter alleine zurück und Barbara wird durch dieses Warten, Hoffen und Bangen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, ihrer Kindheit, ihren Eltern und ihrer Beziehung zu Augustas Vater konfrontiert.



Meine Meinung:

In kurzen Kapiteln und Abschnitten, mit vielen Rückblenden und inneren Monologen wird die Geschichte von Augustas Verschwinden, die eigentlich vor allem auch Barbaras Geschichte ist, erzählt. Barbara nämlich muss sich intensiv mi ihrem eigenen Leben auseinandersetzen und dabei erkennen, welche Fehler dazu geführt haben könnten, dass Augusta nun nicht mehr da ist. Die beklemmende Grundstimmung aber auch die süsse Melancholie, mit der Barbara an vergangene Ereignisse, Reisen, ihre jugendliche Unbeschwertheit und die Anfänge ihrer Beziehung mit Augustas Vater Andreas denkt, lassen diesen Erstling zu einem nachdenklich stimmenden Buch werden, das süchtig macht. Besonders gut gefallen hat mir, wie auch Augustas Gedankengänge, die Unbeschwertheit und auch das Unverständnis ihrer Lebenssituation und ihre wundervollen Träume und Wünsche eingebunden werden. Augusta ist ein Kind, das - vor lauter Liebe - irgendwie untergegangen ist, an das niemand mehr gedacht hat im ganzen Strudel der Ereignisse voller Schmerz über eine Trennung und voller Hoffnung auf einen Neubeginn. Und dies rächt sich grausam, was sehr berührend und überzeugend geschildet wird.



Schreibstil:

Manchmal wechselt die Perspektive von Absatz zu Absatz, manchmal erst nach einigen Abschnitten. Aber immer sehen wir in Augustas Gedankengänge hinein, erkennen, wie minutiös die Sechsjährige ihre "Flucht" plant und welche Sorgen, Wünsche und Ängste ihren Alltag ausmachen. Dies wird kindlich-naiv und äusserst feinfühlig geschildert und besticht mit einer insgesamt sehr poetischen, ruhig dahinfliessenden Sprache. Genau wie bei Augusta können wir auch an Barbaras Gefühlswelt teilhaben, nur landen wir mit ihr oft in der Vergangenheit. Der Autorin Andrea Heuser gelingt es, die spätsommerliche Schwüle dieser Jahreszeit, die Hitze und den Geruch der Heckenrosen wie ein düsteres Versprechen wirken zu lassen. Eine Wehmut und zugleich Sanftheit durchzieht die Sprache, ein kleiner Hoffnungsschimmer leuchtet auf und verströmt eine starke Sogwirkung.



Meine Empfehlung:

Es wundert mich sehr, dass dieses Buch nicht viel bekannter ist, weil die darin behandelten Themen - wie Verlust, Trennung, Neubeginn, Hoffnung, scheidende Liebe und vor allem auch die Liebe zum eigenen Kind - zeitlos sind. Berührend, fesselnd und wunderschön erzählt ist "Augustas Garten" eine lohnenswerte Entdeckung, die bitte mehr LeserInnen verdient.

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.01.2020

Sprachgewaltig und sehr unterhaltsam, klug und poetisch

Verfasser unser
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Inhalt:

In diesem schmalen Bändchen versammeln sich Kurzgeschichten und Gedichte, die mit ihrer ganz eigenen Erzählsprache unterhalten und beim Lesen für anschauliche Bilder sorgen. Die Buchmenschen, ...

Inhalt:

In diesem schmalen Bändchen versammeln sich Kurzgeschichten und Gedichte, die mit ihrer ganz eigenen Erzählsprache unterhalten und beim Lesen für anschauliche Bilder sorgen. Die Buchmenschen, die Giwi Margwelaschwili ganz besonders am Herzen liegen, werden immer wieder zum Zentrum der Geschichte gemacht und Wortpoesie, neue Wortschöpfungen, Systemkritik, feinsinniger Humor und vor allem eine Liebe zum Beschreiben und Erzählen, zu Gedankenspielen und ungewöhnlichen Auslegungen, versammeln sich hier auf engstem Raum.


Meine Meinung:

Ich bin froh, Giwi Margwelaschwili endlich für mich entdeckt zu haben und "Verfasser unser" ist mit seinen meistens sehr kurzen Gedichten und Texten ein hervorragender Einstieg in ein Werk, das kritisch und voller Widerstand gegen bestehende Grenzen und Regeln anschreibt, das aber innerhalb dieser Grenzen alles macht, was mit Worten auch nur annähernd machbar und vorstellbar ist. Ein so kreativer, intelligenter und vor allem bewusster Umgang mit Sprache ist mir noch nie begegnet und dennoch muss man keine Angst vor Margwelaschwili haben. Ja, der grosse Philisoph und Autor macht rege Querverweise zu grossen Klassikern der Weltliteratur, bedient sich sogar ihrer Figuren und greift in Handlungen ein, seine Beschreibungen und Formulierungen und sogar seine Wortschöpfungen erklären sich aber für Menschen mit einer gewissen natürlichen Intuition für Sprache ganz von selbst. Aber nicht nur das: es macht auch einfach riesigen Spass, sich in diesen Buchwelten zu bewegen und es berührt, wie Margwelaschwili seine turbulente Lebensgeschichte und seine Erfahrungen mit strengen politischen Systemen immer wieder verarbeitet und vor allem auch zum Anlass nimmt, sich nicht mundtot machen zu lassen, sondern stets gegen Grenzen, Systeme, Tyrannen und Engstirnigkeiten anschreibt und dabei seinen Buchpersonen auch immer zu ein wenig mehr Glück im Leben verhelfen will.


Meine Empfehlung:

Ich empfehle euch diesen kleinen literarischen Schatz und die vielen weiteren Werke dieses leider eher unbekannten deutsch-georgischen Wortkünstlers von Herzen weiter und hoffe darauf, dass seine Bücher noch ganz viele Leser*innen in fremde und bekannte Buchwelten entführen, zum Nachdenken anregen, zum Lachen und Weinen bringen und vor allem zum Staunen und Geniessen einladen werden.

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