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Veröffentlicht am 02.02.2020

Münchens Gegensätze

Kühn hat Ärger
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Bisher habe ich von Jan Weiler zwar einiges an Humorvollem gelesen, jedoch noch keinen Krimi. Zuletzt habe ich das Hörspiel „Eingeschlossene Gesellschaft“ mit viel Vergnügen gehört. Und nun diesen Krimi ...


Bisher habe ich von Jan Weiler zwar einiges an Humorvollem gelesen, jedoch noch keinen Krimi. Zuletzt habe ich das Hörspiel „Eingeschlossene Gesellschaft“ mit viel Vergnügen gehört. Und nun diesen Krimi mit gesellschaftskritischen Untertönen um den Münchner Kriminalkommissar Martin Kühn. Gelesen vom Autor. Das Hörbuch "Kühn hat Ärger" hat mich auf meinen Laufrunden begleitet und mich Kilometer um Kilometer fressen lassen, ohne dass ich es bemerkte.

Klappentext:

Martin Kühn lebt. Und er hat immer noch viel zu tun. Denn wenn das Leben weitergeht, dann wachsen auch die Aufgaben. Nicht nur, dass er sein Haus auf giftigem Boden gebaut und weder seine Karriere noch seinen Sohn unter Kontrolle hat. Nun verhält sich auch noch seine Frau seltsam, in der Nachbarschaft geht ein Erpresser um und Martin Kühn begeht einen schweren amourösen Fehler. Nebenbei muss er den Mörder eines jungen Mannes finden, der im reichen Grünwald an einer Bushaltestelle tot aufgefunden wurde. Seine Reise in die Welt der Reichen und Wohltätigen setzt ihm, dem einfachen Polizisten und Berufspendler, mehr zu, als er sich eingestehen will. Und er fragt sich: Gibt es überhaupt einen Ort, an dem er in diesem Leben richtig ist?

Meine Meinung:

Zum Autor: Jan Weiler hat eine wunderbare Lesestimme. Es ist ein Genuss ihm zuzuhören. Für mich war Jan Weiler Martin Kühn.

Die Handlung ist stimmig. Die Schauplätze gut dargestellt. Die Ermittlungen führen in die Münchener Schickeria. Die Millionärsfamilie van Houten lebt das perfekte Familienidyll mit Wohlfühlfaktor für Außenstehende. Okay, jetzt weiß ich auch was ein Bonsai-Parkett ist. Köstlich, beschrieben. Frau van Houten engagiert sich maßgelblich beim Münchner Verein „Sternenhimmel“ , einem Projekt, das sich für die Integration von Flüchtlingen stark macht. Die Van Houtens sind ja so sozial, dass sie auch gar nichts gegen Julias neuen Freund, dem Libanesen Amir, einzuwenden haben. Im Gegenteil, er wird herzlich in der Familie aufgenommen. Leider ist Amir das spätere Opfer, das fürchterlich zugerichtet an einer Bushaltestelle tot aufgefunden wird. Man vermutet rechtsradikalen Hintergrund. Denn in diesem Hörbuch geht es auch um diese Gruppe. Außerdem um Bausünden und verseuchtem Boden und Vertuschungen.

Kühn ist ein guter Beobachter, er lässt den Hörer an seiner Gedankenwelt teilhaben. Das gefiel mir gut. Mit seinem Kollegen Steirer, liefert er sich einen kleinen Machtkampf. Aber auch seine Gefühlslage ist in Aufruhr. Betrügt ihn seine Frau? Außerdem ist das Ergebnis beim Amtsarzt niederschmetternd. Sehr humorvoll beschreibt er die Bettszene. Überhaupt kommt der Humor in vielen Szenen sehr gut rüber.

Mir hat das Hörbuch neben der Spannung auch großes Vergnügen bereitet. Ein absolutes Highlight.

Veröffentlicht am 02.02.2020

Mitten ins Herz

Ohne ein einziges Wort
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Inhalt:

Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. ...

Inhalt:

Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.

Meine Meinung:

Das sich der Liebste so einfach, ohne ein Wort, ohne einen Grund, nicht mehr meldet, ist sicherlich für jede Frau Horror pur. In den 70igern war es durchaus Realität, dass ein Typ in die Versenkung verschwand. Heute im Zeichen von Internet und Handys ist das kaum mehr möglich, keine Spuren zu hinterlassen.

Und doch hat mich die Geschichte emotional stark berührt. Oh ja, Eddy hatte einen Grund. Und ich habe mit beiden Protagonisten gelitten. Ich stehe ja in der Regel bei der Auswahl meines Lesestoffs nicht auf Romantik, aber zwischendurch darf es schon mal was fürs Herz sein. „Ohne ein Wort,“ ist ein Treffer mitten ins Herz. Ich fühlte mich in meine Jugend versetzt und hab tatsächlich einige Tränen verdrückt.

Beide Protagonisten empfand ich als sehr sympathisch. Und ehrlich ich konnte Sarah verstehen, in Eddy hätte ich mich auch verliebt. Sein Aussehen, sein Charakter und sein unwiderstehlicher Humor.

Daumen hoch. Absoluter Lesespaß für Romantikerinnen und für alle Frauen, die glauben, dass alles längst hinter sich zu haben.

Veröffentlicht am 02.02.2020

Die Farben der Liebe

Ein zufälliger Irrtum über die Liebe
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Über den Inhalt:


Pizza im Baumhaus, tanzen zu Prince, die Welt durch eine lilafarbene Brille betrachten – all das ist für die kleine Willow Liebe. Es sind die Stunden, die sie mit ihrer lebenslustigen ...

Über den Inhalt:


Pizza im Baumhaus, tanzen zu Prince, die Welt durch eine lilafarbene Brille betrachten – all das ist für die kleine Willow Liebe. Es sind die Stunden, die sie mit ihrer lebenslustigen Mutter Rosie genossen hat. Doch seit sich die Eltern getrennt haben und Rosie in ihrer eigenen Dunkelheit verschwindet, steht Willow vor einem Rätsel: Ist die Liebe nur ein zufälliger Irrtum oder zeigt sie sich auch noch in anderen Farben?


Meine Meinung:


Rosie arbeitet in einem Blumenladen in Mannhatten, teils um Geld zu verdienen, aber hauptsächlich um der Liebe auf die Spur zu kommen. Eigenmächtig würzt sie die den Blumen beigefügten Grußkarten mit netten Worten und Gedichten. Auch die Karte von Rex Thorpe an seine Freundin wird aufgehübscht.


Wutentbrannt stürmt dieser Tage später in den Laden. Rosies Unbekümmertheit verschlug ihm den Atem. Ihr Leuchten. Und auch Rosie fand Rex Selbstsicherheit sexy. Sie fand, er sei ein gutaussehender Idiot. Beide sind fasziniert voneinander. Rex war beeindruckt von Rosies flippiger Art. Und Rosie war schwer beeindruckt von seiner Konsequenz, seiner Gradlinigkeit. Er gab ihr das Gefühl von Sicherheit. Und doch wussten beide, dass diese Liebe nicht von Dauer ist.


Willow ist die elfjährige Tochter der beiden. Inzwischen ist die Ehe der Eltern geschieden. Und Willow lebt mit ihrem kleinen Bruder Asher die Hälfte der Woche beim Vater und die andere bei der Mutter. Willow und ihre Mutter verbindet eine unbändige Liebe und eine Vorliebe für verrückte und kreative Ideen. Und gerade darum wird Willow in der Schule gemobbt. Sie liebt die Farbe Lila, und trägt täglich die gleichen Klamotten. Sie sieht die Welt durch eine lila Brille, genau wie ihre Mutter, denn dann sieht alles nicht mehr so traurig aus. Das Verhältnis zu ihrem Vater ist eher kühl. Er besteht auf die Einhaltung von Regeln und führt Listen, die abgearbeitet werden müssen. Und dabei wünscht sich Willow nichts sehnlicher, als dass auf der Liste ihres Vaters nur ein Punkt stünde: Asher und Willow einen Gute-Nacht-Kuss geben. Das fand ich ungeheuer traurig.


Und dann muss Willow erleben wie sich ihre Mutter verändert und immer trauriger wird.


„Ein zufälliger Irrtum über die Liebe“ ist ein gelungener Debütroman der Autorin Brianna Wolfson. Der Schreibstil ist gut lesbar. Mir hat das Buch sehr gefallen. Ich mochte die lebhafte und flippige Rosie, aber auch den ernsthaften Rex. Zwei Protagonisten, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Und ich mochte vor allem den Rex, er sich um seine Kinder bemüht. Willow tat mir von Anfang an leid. Das Thema Depression und Sucht wird sehr eindringlich dargestellt, diese Auf und Ab’s und die Hilflosigkeit als Außenstehenden.


Ein gelungener Debütroman. Eine ergreifende und zum Teil sehr traurige Geschichte.

Veröffentlicht am 02.02.2020

Emotionale Altlasten abwerfen

Der emotionale Rucksack
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Warum können uns wildfremde Menschen, die uns anpöbeln, völlig aus der Bahn werfen? Wer erinnert sich nicht an einen solchen Moment. Die Frage ist: Was gibt diesen Menschen die Macht über unseren Gefühlshaushalt? ...

Warum können uns wildfremde Menschen, die uns anpöbeln, völlig aus der Bahn werfen? Wer erinnert sich nicht an einen solchen Moment. Die Frage ist: Was gibt diesen Menschen die Macht über unseren Gefühlshaushalt? – Längst Vergangene Erfahrungen spielen uns hier einen Streich. Wir alle haben einen emotionalen Rucksack.

Die meisten Eltern stellen irgendwann mit Schrecken fest, dass sie sich genau wie die eigene Mutter, der eigene Vater verhalten, trotz aller guten Vorsätze, genau das nie zu tun.

Wir brauchen Herausforderungen um uns weiter zu entwickeln, wir müssen dabei auch oft an Grenzen gehen und darüber hinaus, d. h. unsere Komfortzone verlassen. Allerdings, an jeder Herausforderung an der wir eher zerbrechen als zu wachsen, macht unseren Rucksack ein kleines bisschen schwerer.

Die Autorin unterscheidet zwischen Gefühlen und Emotionen. Gefühle kommen aus dem Moment heraus und sind frei von Altlasten, d. h. sie sind der Situation angemessen. Emotionen bezeichnet sie als „emotionale Altlasten“, sie sind gefühlte Gefühle aus der Vergangenheit, die wir zum damaligen Zeitpunkt nicht fühlen wollten oder konnten.

Die Autorin rät uns, Verantwortung für unser emotionales Gepäck zu übernehmen. Es geht darum nicht gefühlte Gefühle ins Bewusstsein zu heben, zu fühlen und dadurch eine Verarbeitung zu ermöglichen.

Die Aufmachung und das Layout sind absolut top. Mich hat der rote Rucksack auf dem Cover sofort angesprochen. Die Autorin Vivian Dittmar schreibt einfach und verständlich. Sie kommt ohne Fachkauderwelsch aus, die dem interessierten Laien das Lesen bei derartigen Themen oft verleidet. „Der emotionale Rucksack“ bietet einen guten Überblick zu dieser Thematik, vieles wird durch wissenschaftliche Forschungsergebnisse untermauert. Mit praktischen Übungen kann der Leser den eigenen emotionalen Altlasten auf die Spur kommen. Die Autorin gibt uns Strategien an die Hand, die eigenen Dramen aufzudecken und aufzuarbeiten. Ich habe mich tatsächlich in vielen Punkten wiedererkannt.

Fazit: Uneingeschränkte Leseempfehlung für diesen leicht lesbaren und verständlichen Ratgeber. Denn jeder von uns trägt einen emotionalen Rucksack mit sich, und tut gut daran Gepäck abzuwerfen.



Veröffentlicht am 02.02.2020

Galaktisch gut

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Um es gleich vorweg zu verraten: Ich bin begeistert. Ein wundervoller Roman.

Inhalt:
Die gute Miss Gladys kann sich nicht mehr alles merken, aber dieser Telefonanruf ist unvergesslich: Der Astronaut Thomas ...

Um es gleich vorweg zu verraten: Ich bin begeistert. Ein wundervoller Roman.

Inhalt:
Die gute Miss Gladys kann sich nicht mehr alles merken, aber dieser Telefonanruf ist unvergesslich: Der Astronaut Thomas Major ist am Apparat, gerade auf dem Weg zum Mars. Er hat sich natürlich verwählt und will am liebsten gleich wieder auflegen. Aber Miss Gladys und ihre Enkel brauchen seine Hilfe. Zögerlich und leise fluchend wird der Mann im All zum Helfer in der Not. Tausende von Kilometern entfernt, führt er die drei auf seine ganz eigene Art durch schwere Zeiten, denn Familie Ormerod droht ihr Zuhause zu verlieren. Miss Gladys und ihr Astronaut brauchen einen galaktisch guten Plan …

Meine Meinung:

Thomas Mayor will in seinem Job und überhaupt in seinem Leben nur noch seine Ruhe haben und sonst nix und beamt sich durch einen für ihn glücklichen Zufall ins Weltall und wird damit zu Major Tom. Nun ist er unterwegs zum Mars, auf einen Flug ohne Rückflugticket. Wie das der Autor das beschreibt, ist absolut köstlich!

Die 71-jährige leicht demente Gladys hat ihren Spaß mit allen möglichen Leuten am Telefon. Sie führt herrlich skurrile Gespräche. Und nun behauptet sie, ausgerechnet den Astronauten an der Strippe gehabt zu haben, den sie erst kürzlich im Fernsehen gesehen hatte, und der mit seinem Raumschiff unterwegs zum Mars ist. Natürlich glaubt ihr niemand. Ihre 15-jährige Enkelin Elli ist völlig genervt. Sie hat andere Probleme. Sie versucht die Familie zusammen zu halten. Der Vater ist im Gefängnis und hat seiner Mutter Gladys Elli und ihren Bruder James anvertraut. Aber Gladys hat immer mehr Aussetzer und kann eigentlich für niemand mehr sorgen. So lastet die ganze Verantwortung auf Elli. Die setzt alles daran, zu verhindern, dass die Außenwelt von ihrer Familiensituation erfährt und Behörden eingreifen und ihre Großmutter wohlmöglich in ein Pflegeheim stecken und sie und ihren Bruder in Pflegefamilien landen. Deshalb jobbt sie, neben ihrer Schule, fast rund um die Uhr. Elli ist so ein tapferes Mädchen. Als ihre Lehrerin sie anspricht, hätte sie sich ihr gerne anvertraut: „Meine Mutter ist Tod. Mein Vater im Gefängnis. Mein Bruder wird gemobbt. Meine Großmutter verliert den Verstand. Ich hab neben der Schule drei Arbeitsstellen, damit wir überhaupt das Geld zum Leben haben. Ich habe keine Freunde. Ich gehe nie aus. Ich versuche unsere Familie zusammenzuhalten, aber ich frage mich manchmal, ob es das überhaupt wert ist. Ich möchte einfach mal einen Tag schlafen. Oder eine Woche. Für immer.“ (Seite 113) Aber sie sagt es sich nur in Gedanken und schweigt.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen und macht definitiv Lust darauf immer weiter zu lesen. Der Autor David M. Barnett beherrscht sein Handwerk. Die Charaktere sind zauberhaft ausgearbeitet. Ich möchte sie alle. Auch Tom Mayor mochte ich sehr, trotz seiner schroffen Art oder gerade deshalb. Sein sarkastischer Humor ist umwerfend. Gladys ist eine liebenswert tüttelige Oma. Auch sie brachte mich oft zum Schmunzeln. Ihre Aussetzer und Erinnerungslücken sind lustig und traurig zugleich. So brachte es Oma fertig, das wenige Geld, das für die Miete gedacht war, einem nigerianischen Prinzen zu überweisen. Meine Lieblingsfigur ist jedoch die taffe Elli.

Mich hat dieses wundervolle Buch bestens unterhalten. Für mich war es ein echtes Lesehighlight. Ich habe geschmunzelt, gelacht, gegrinst, Daumen gedrückt, mitgelitten… kurz ich war voll in der Geschichte drin. Das kommt selten vor. Und deshalb meine uneingeschränkte Leseempfehlung.