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Veröffentlicht am 04.02.2020

Das fehlende Puzzleteil

Geteilt durch zwei
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Nadja hat eigentlich alles, was man für ein glückliches Leben braucht: Einen liebenden Ehemann, eine intelligente erwachsene Tochter und ein Haus im beschaulichen Niersbach. Doch tief in ihrem Inneren ...

Nadja hat eigentlich alles, was man für ein glückliches Leben braucht: Einen liebenden Ehemann, eine intelligente erwachsene Tochter und ein Haus im beschaulichen Niersbach. Doch tief in ihrem Inneren hat sie sich immer unvollkommen gefühlt, hat gespürt, dass ein wichtiger Teil fehlt. Ob es daran liegt, dass sie als Kleinkind adoptiert wurde? Das fehlende Puzzlestück scheint sie gefunden zu haben, als Nadja eines Tages eine Stimme im Radio hört, sie sich wie ihre anhört. Sie gehört Pia, die sich als ihre Zwillingsschwester herausstellt. Nadja und Pia begeben sich gemeinsam auf die Suche nach ihrer gemeinsamen Vergangenheit und wühlen jede Menge Staub auf. Sie entdecken dunkle Geheimnisse, die niemals ans Tageslicht hätten kommen sollen und lernen dabei auch neue Aspekte an sich selbst und entwickeln ihre neu entstandene Schwesternschaft weiter, die nicht so unkompliziert ist, wie sie den beiden auf den ersten Blick erschienen ist.

„Geteilt durch zwei“ ist eine sensible Geschichte über eine Frau, die sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit begibt. Im Gegensatz zu den meisten Romanen über Zwillinge fand ich spannend, dass das Buch nicht mit dem Finden der verschollen Schwester geendet, sondern erst angefangen hat. Gerade das Kennenlernen, das Herausfinden von Ähnlichkeiten aber auch Unterschieden und die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, hat mich berührt und nachdenklich gestimmt.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und treibt die Geschichte gut voran, auch werden Gefühle wie die tiefe Verbundenheit zwischen Zwillingen oder Nadjas Sehnsucht zu wissen, wo sie herkommt gut transportiert, auch wenn sich die Geschichte an manchen Stellen etwas zieht.

Sehr abwechslungsreich und interessant fand ich, dass die einzelnen Kapitel nicht nur in unterschiedlichen Zeiten spielen, sondern auch aus Sicht von verschiedenen Personen geschrieben sind. So verschwimmt Vergangenheit und Gegenwart ineinander und die Perspektiven verschiedener Personen auf dasselbe Geschehen werden deutlich. Der Leser erhält somit einen umfassenden Überblick auf die Gefühle und Beweggründe der Figuren und kann deren Entscheidungen verstehen und nachvollziehen.

Insgesamt habe ich die Personen als authentisch empfunden, sie wurden facettenreich mit all ihren Stärken und Schwächen dargestellt – auch wenn nicht jede sympathisch ist. Besonders schön fand ich, wie die Autorin die subtilen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den beiden Schwestern herausgearbeitet hat.

Das Cover ist stimmig zum Inhalt der Geschichte: Die Frau, die im Wasser ihr Spiegelbild betrachtet symbolisiert für mich sehr gut Nadja, die ihre fehlende Hälfte, ihre Zwillingsschwester sucht ohne zuvor zu wissen, dass es sie gibt.

Fazit:
Ein berührender, tiefgreifender Roman der ein ernstes Thema sensibel darstellt und eine Frau auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und sich selbst begleitet.

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Veröffentlicht am 24.12.2019

Aus dem Alltag eines „kapitalistischen“ Hundes

Du hast meine Leere gefüllt
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Die aus Georgien stammende Sophie führt ein ruhiges und beschauliches Leben im Städtchen Kirschburg, doch irgendetwas fehlt ihr. Dies ändert sich, als sie sich bereit erklärt, Hundesitter des alten Mischlingsrüden ...

Die aus Georgien stammende Sophie führt ein ruhiges und beschauliches Leben im Städtchen Kirschburg, doch irgendetwas fehlt ihr. Dies ändert sich, als sie sich bereit erklärt, Hundesitter des alten Mischlingsrüden des Partners ihrer Schwester zu werden: Chicco ist so ganz anders, als die Hunde, die Sophie aus ihrem Heimatland kennt – er ist anspruchsvoll, eigenwillig, ungezogen und stellt Sophies Alltag gehörig auf den Kopf. Doch sie nimmt sich des schwierigen „Scheidungshundes“ an und steigert sich immer mehr in Chiccos Welt hinein, sein Wohlergehen geht ihr über alles und letztendlich haben ihre Bemühungen Erfolg: Sophie und Chicco werden unzertrennlich, die Leere in Sophies Herzen ist gefüllt. Da tritt plötzlich Volker in ihr Leben – der ein erklärter Katzenfreund ist…

„Du hast meine Leere gefüllt“ von Ekaterine Doreulli stellt die moderne Beziehung zwischen Mensch und Hund auf überspitzte, satirische Weise dar: Hunde werden zunehmend vermenschlicht, die Besitzer ordnen sich ihren Bedürfnissen unter und behandeln sie als Kinderersatz. Das humorvolle Cover des Buches unterstreicht dieses Missverhältnis. Mitzuverfolgen, auf welch kuriose Art und Weise sich die Protagonistin Sophie in die ideale Hundehaltung hineinsteigert und dabei sogar zwischenmenschliche Beziehungen vernachlässigt ist aufgrund des ironischen Erzählstils zwar lustig, regt anderseits aber auch zum Nachdenken über moderne soziale Beziehungen und die große Einsamkeit in unserer modernen Gesellschaft an.

Das Buch ist leicht zu lesen, der lockere und nachvollziehbarer Stil der Autorin beschreibt alltägliche Situationen des Hundes mit solch einer Ernsthaftigkeit, dass der Leser wirklich überlegen muss, was satirisch gemeint ist und was nicht. Versteht man dieses „Augenzwinkern“ der Autorin hat man sehr viel Spaß bei den authentisch dargestellten Anekdoten aus dem Leben eines modernen Hundes in der „kapitalistischen“ Welt. Diese Vergleiche eines Hundelebens in den beiden Kulturen der Autorin habe ich als wahnsinnig bereichernd empfunden. Die Autorin bzw. Protagonistin stellt viele Bezüge zu ihrem Heimatland her: Wie leben Hunde in der ehemaligen Sowjetunion? Wie geht man in Georgien mit Hunden um, welche Aufgaben erfüllen sie? Die Unterschiede des Verhältnisses von Mensch und Hund werden sehr deutlich und anschaulich dargestellt.

An manchen Stellen zieht sich das Buch leider, wenn Chiccos Leben zu exzessiv und detailreich dargestellt wird. Sogar mir als hundeliebendem Leser wird es manchmal zu viel, wenn es sich vorne und hinten nur um den Hund, sein Verhalten, seine Bedürfnisse und jeden noch so kleinen Teil seines Lebens dreht. Auch die teilweise seitenübergreifende Fußnoten mit Hintergrundinformationen sind zwar interessant sowie gut recherchiert, allerdings umständlich zu lesen, da ein Umblättern notwendig ist.

Fazit:
„Du hast meine Leere gefüllt“ ist ein entspannendes Buch für zwischendurch mit einer gehörigen Prise Humor, der die Beziehung zum besten Freund des Menschen überzeichnet portraitiert und dabei noch kulturelle Vergleiche anstellt – eine Geschichte für Hundeliebhaber und solche, die es danach sein werden!

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Drei Freundinnen auf Krypto-Jagd

Bis zum Mond
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„Bis zum Mond“ erzählt die Geschichte dreier südkoreanischer Freundinnen, die ihres Arbeitsalltags überdrüssig geworden sind und sich erhoffen, mithilfe einer Krypto-Währung zu Geld zu kommen.
Das Buch ...

„Bis zum Mond“ erzählt die Geschichte dreier südkoreanischer Freundinnen, die ihres Arbeitsalltags überdrüssig geworden sind und sich erhoffen, mithilfe einer Krypto-Währung zu Geld zu kommen.
Das Buch scheint auf den ersten Blick großes Potenzial zu haben, behandelt er doch ein sehr aktuelles Thema und wird als „Bestseller aus Korea“ angepriesen. Das Cover hätte mich auf den ersten Blick nicht unbedingt angesprochen, es wirkt auf mich sehr comichaft-verspielt, was jedoch auch wieder zum Herkunftsland passt.
Zu Beginn habe ich etwas gebraucht, um in das Buch hineinzukommen. Der unaufgeregte Schreibstil hat mich zunächst etwas irritiert, aber mit dem Fortschreiten des Buches habe ich mich daran gewöhnt. Dennoch bleiben einige Szenen und Erklärungen langatmig, zu detailverliebt und ausschweifend und somit etwas langweilig. Auch finden viele Wiederholungen statt.
Die Protagonistinnen fand ich sympathisch und es hat Spaß gemacht die Entwicklung ihrer Beziehung mit steigendem Kurs zu verfolgen. Am spannendsten empfand ich aber den authentischen Einblick in ihr Leben in Korea - wie ihr Arbeitsalltag abläuft, wie sie wohnen, mit welchen Sorgen und Nöten sie kämpfen, etc. Das wurde von der Autorin sehr gut beschrieben. Auch fand ich die Erklärung zu Kryptowährungen gut, da ich mich selbst bisher nicht damit beschäftigt habe.
Insgesamt hätte ich mir allerdings etwas mehr charakterliche Entwicklung bei den drei Frauen gewünscht. Sie blieben dann doch etwas blass und am Ende ihre Lebensumstände eher vage. Auch birgt die Story an sich keine wirklichen Überraschungen. Die Handlung plätschert dahin und es gibt kaum Spannungsmomente. Auch das Ende läuft einfach so aus. Ich hätte mir etwas mehr Tiefgang gewünscht.
Insgesamt empfand ich „Bis zum Mond“ als nette, leichte Geschichte, die mir mehr über die Gesellschaft und Lebensumstände in Korea beigebracht hat.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Sommerlektüre mit Schwächen

Das Dolce Vita Dilemma
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„Das Dolce Vita Dilemma“ von Stefanie Santer verspricht laut Klappentext eine sommerliche, locker-leichte romantische Lektüre, die man gut am Strand lesen kann. Dieser Erwartungshaltung kann ich am Ende ...

„Das Dolce Vita Dilemma“ von Stefanie Santer verspricht laut Klappentext eine sommerliche, locker-leichte romantische Lektüre, die man gut am Strand lesen kann. Dieser Erwartungshaltung kann ich am Ende des Buches leider nur teilweise zustimmen, da mich insbesondere das Ende negativ überrascht hat.
Aber von vorne: Der Einstieg ins Buch war leicht und hat mir gut gefallen. Der lockere, leicht zu lesende Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und auch der Humor hat mir zugesagt. Auch Lou als Protagonistin ist mir sympathisch und ich empfand es als angenehm, dass sie nicht lange vorgestellt wurde, sondern wir sie direkt aus dem Leben heraus kennenlernen durften.
Inhaltlich gibt es jedoch einige Punkte, die mich nicht überzeugen konnten. So entwickelt sich die Liebesgeschichte für meinen Geschmack ein wenig zu plötzlich, da die beiden Protagonisten nur wenig Berührungspunkte haben und sich sogar regelrecht meiden. Auch wurden viele weitere Themen und Nebengeschichten angeteasert, die mein Interesse und meine Neugier geweckt haben, aber dann einfach nicht weitererzählt wurden. Hier gab es noch sehr viel Potenzial, das nicht ausgeschöpft wurde. Enttäuscht war ich auch vom offenen Ende, das mich konsterniert zurückgelassen hat. Natürlich hat die Autorin hier ein realistisches Szenario geschaffen, für mich passte das allerdings nicht zur erhofften Urlaubs-Dolce-Vita-Sommerlektüre.
An sich hat mir das Buch gut gefallen und ich habe es gerne gelesen, das abruptes Ende entgegen jeder Erwartungshaltung kostet aber einen Stern. Schade!

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Eher ein Ratgeber für Einsteiger

Essen gut, alles gut
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Der Titel des Buches „Essen gut, alles gut: Wie wir wieder lernen, auf unseren Bauch zu hören“ klang für mich vielversprechend und interessant. Auch das fröhlich-bunte Cover empfand ich als sehr ansprechend. ...

Der Titel des Buches „Essen gut, alles gut: Wie wir wieder lernen, auf unseren Bauch zu hören“ klang für mich vielversprechend und interessant. Auch das fröhlich-bunte Cover empfand ich als sehr ansprechend. Ich beschäftige mich bereits seit einiger Zeit sehr intensiv mit gesunder Ernährung und habe mich neue Impulse erhofft, mich noch achtsamer zu ernähren. Leider blieb das Buch für mich etwas zu sehr an der Oberfläche und ist deshalb meiner Meinung nach eher für Personen geeignet, die erstmals in dieses Thema einsteigen möchten.
Inhaltlich ist es in drei Teile gegliedert und beginnt mit sehr persönlichen Einblicken und Meinungen der Autorin. Für mich persönlich war dies teilweise fast schon etwas zu subjektiv, als müsste Heike Niemeier erst ausführlich begründen, warum sie in diesem Thema als Expertin gelten darf. Die detaillierte Beschreibung ihres eigenen Lebenslaufes zu Beginn hätte es für mich nicht gebraucht. Gestört haben mich auch die anfangs häufigen allgemeine Plattitüden und Scheinwahrheiten, beispielsweise zum Abnehmen. Auch habe ich mich durch die sprachliche Ausdrucksweise teilweise sogar schon fast etwas bevormundet gefühlt.
„Essen gut, alles gut“ ist somit ein Ratgeber für alle, die sich über ihre Ernährung Gedanken machen und sie etwas sinnhafter gestalten möchten. Die Autorin bietet fundierte Informationen und praxisnahe Tipps, die helfen, eine gesunde Beziehung zum Essen aufzubauen, bleibt jedoch eher an der Oberfläche.

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