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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2020

Eine gute Zusammenfassung der Ereignisse um 1945

Gestern war noch Krieg
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Aus Anlass des Ende des Zweiten Weltkrieges, das sich 2020 zum 75 Mal jährt, haben Martin Verg und Jürgen Hübner dieses Buch herausgegeben. Zielgruppe sind Kinder ab 10 Jahren. Je nachdem, welche Vorbildung ...

Aus Anlass des Ende des Zweiten Weltkrieges, das sich 2020 zum 75 Mal jährt, haben Martin Verg und Jürgen Hübner dieses Buch herausgegeben. Zielgruppe sind Kinder ab 10 Jahren. Je nachdem, welche Vorbildung und begleitende Erwachsene die jungen Leser haben, kann die Altersangabe ev. zu niedrig angesetzt sein. Man darf allerdings die Kinder nicht unterschätzen, flimmern doch tagtäglich Bilder von Kriegen, Flucht und Vertreibung über den Bildschirm.

Das Buch besteht aus fünf Kapiteln, die sich jeweils einem bestimmten Thema widmen:

Wie der Bombenkrieg zum Alltag wird
Widerstand gegen die Nazidiktatur
Der Volkssturm. Hitlers letztes Aufgebot
Flucht und Vertreibung
Befreiung, Besatzung und Neuanfang

Am Ende des Buchs findet sich u.a. ein ausführlichen Nachwort, eine Zeittafel und ein weiterführendes Quellenverzeichnis.

Neben historischen Zahlen, Daten und Fakten kann der interessierte Leser Auszüge aus Jugendromanen lesen. Hier ist zum Beispiel die österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin Christine Nöstlinger (1936-2018) zu nennen, die einfühlsam über Erlebnisse von Kindern in den Kriegsjahre schreibt.

Meine Meinung:

Das Buch fasst die Ereignisse des Jahres 1945 gut zusammen.
Um dem Vorwurf, den Nachgeborene ihren Großeltern und Eltern häufig machen, nicht genug Widerstand geleistet zu haben ein wenig zu entkräften, wird anhand von Beispielen dargestellt, dass sich auch Jugendliche am Widerstand gegen das Naziregime beteiligt haben.

Passend zu aktuellen Tendenz „Graphic Novels“ zu verfassen, sind einzelne Abschnitte als solche dargestellt.

Berührend finde ich die Szene im Kapitel „Der Volkssturm“, in der ein Großvater seinem kriegsbegeisterten Enkel absichtlich verletzt, um ihn vor der Einberufung zum Volkssturm und dem sicheren Tod zu bewahren. Der Großvater selbst wird vom Krieg verschlungen.

Fazit:

Eine gute Zusammenfassung der Ereignisse rund um 1945. Unkommentiert und unbegleitet würde ich dieses Buch Kindern ab 10 Jahren nicht überlassen. Trotzdem gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.02.2020

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Spionin
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Dieser historische Roman erzählt die Geschichte der Australierin Nancy Wake, die als Captaine „Feldmarschall“ Wake rund 7.000 Mann der Résistance befehligt hat. Wie kommt es dazu?

Nancy Wake verlässt ...

Dieser historische Roman erzählt die Geschichte der Australierin Nancy Wake, die als Captaine „Feldmarschall“ Wake rund 7.000 Mann der Résistance befehligt hat. Wie kommt es dazu?

Nancy Wake verlässt Australien, um als Journalistin zu arbeiten. Sie ist im Jahr 1938 in Wien und muss hier, wie schon zuvor in Deutschland, zusehen, wie die jüdische Bevölkerung verfolgt wird. Sie geht nach Frankreich und beschließt etwas dagegen zu unternehmen. Zuerst als Geliebte und dann als Ehefrau des reichen Henri Fiocca unternimmt sie Kurierfahrten für die Résistance. Das Image der gelangweilten, schönen reichen Tussi kommt hier zu gute. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als die Deutschen herausfinden, dass Nancy die lang gesuchte „Weiße Maus“, die ihnen ständig zwischen Fingern davon schlüpft, sein könnte. Während Nancy die Flucht über die Pyrenäen gelingt, wird Henri von der Gestapo verhaftet und gefoltert.

Nancy absolviert in Schottland ein Überlebenstraining und kehrt Ende April 1944 per Fallschirm nach Frankreich zurück. Dort soll sie sich einer der zahlreichen Widerstandsgruppen anschließen, sie zu einer paramilitärischen Einheit formen und gegen die Deutschen führen. Da ihr die vorgesehene Gruppe nicht vertrauenswürdig vorkommt, entschließt sie sich, eine anderen Truppe auszubilden. Gemeinsam mit dem schwulen Funker bildet Nancy ein exotisches Duo, das sich erst das Vertrauen der Männer erarbeiten muss. Anders als die Männer des Maquis, geht sie auf die Frauen, die die Hauptlast der Besatzung tragen müssen zu. Sie hilft mit Geld, sie bezahlt die Lebensmittel anstatt sie einfach zu requirieren. Sie zahlt den Männern Sold und hilft den Familien, wenn deren Häuser zerstört werden.
Dann geht es Schlag auf Schlag: Brücken werden gesprengt, Straßen vermint und immer wieder kann Nancy ihr strategisches Geschick ausspielen. Letztendlich verleihen ihr ihre Männer den Titel „Feldmarschall“. Die Rechnung geht auf, auch wenn es immer wieder Tote und Verletzte zu beklagen gibt. Erst nach der Befreiung von Paris im August 1944 erfährt sie, dass ihr Mann Henri bereits 1943 von den Deutschen hingerichtet worden ist.

Meine Meinung:

Es gab sie, die Menschen, die das eigene Leben für andere riskierten, die den Nazis die Stirn boten: Nancy Wake ist einer dieser Menschen. In der deutschen Literatur nicht wirklich bekannt.

Über die Résistance ist schon viel geschrieben worden. Doch diese Berichte sind eher aus männlicher Sicht. Frauen kommt hier eher eine untergeordnete Rolle zu. Dieser historische Roman ist ganz auf Nancy Wake zugeschnitten. An Hand ihrer Autobiografie bzw. frei gegebener Akten hat das Autoren-Duo Imogen Robertson und Darby Kealy ihre Lebensgeschichte rekonstruiert. Die beiden sparen auch die Gräueltaten nicht aus.

Allerdings gibt es auch paar Stellen, wo ich doch schmunzeln musste. Auf S. 169, als Nancy in Pumps und Seidenstrümpfen aus dem Flugzeug springt und in Frankreich landet. Oder das gute Zusammenspiel zwischen ihr und dem schwulen Funker - beide Exoten, die vom Rest der Truppe scheel angesehen wird. Auch, dass neben Waffen, Sprengstoff und sonstigem Kriegsmaterial Kosmetika für Nancy abgeworfen wurden, hat mich ein wenig erheitert. Der Lippenstift mit der Bezeichnung „Victory-Red“ hat auch Symbolkraft. Jetzt muss ich schauen, ob ich den Roman „Codename Hélène“ von Michael Jürgs auftreiben kann. Denn das Leben der Nancy Wake interessiert mich sehr.

Fazit:

Ein gut recherchierter historischer Roman, der bis zur letzten Seite fesselt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.02.2020

Fesselnd bis zur letzten Seite

Echo des Schweigens
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Der junge Hamburger Strafverteidiger Hannes Jansen hat den wohl brisantesten Fall seiner bisherigen Karriere vor sich: Er soll einen ehemaligen Polizisten verteidigen, der des Mordes an einem Asylwerber ...

Der junge Hamburger Strafverteidiger Hannes Jansen hat den wohl brisantesten Fall seiner bisherigen Karriere vor sich: Er soll einen ehemaligen Polizisten verteidigen, der des Mordes an einem Asylwerber angeklagt ist. Dass ihm im Gerichtssaal ausgerechnet Sophie Tauber, die Frau, die vor kurzem kennen und lieben gelernt hat, mit einem neuen Gutachten gegenübersteht, ist ein gefinkelter Schachzug des Autors. Sophie Tauber ist eine gewissenhafte Pathologin und kann mit diesem Gutachten beweisen, dass der Polizist schuldig ist. Zusätzlich gibt es noch die Skizze des stummen Sohnes eines Polizeikollegens, der alles beobachtet haben will.

Doch dann begegnet Sophie erstmals ihrem verschollen geglaubten Vater und erfährt von ihrer wahren Familiengeschichte. Dabei verschwimmen Recht und Gerechtigkeit, als sie entdeckt, wozu sich ihre geliebte Mutter hinreißen hat lassen.
Wie wird sich Sophie entscheiden? Kann sie über ihren Schatten springen?

Meine Meinung:

Autor Markus versteht es meisterhaft Recht und Unrecht von mehreren Seiten zu beleuchten. Solange Sophie quasi als Vertreterin der Anklage zu sehen ist, ist alles für sie klar: Der Täter muss zur Strecke gebracht werden, um jeden Preis. Sei es, dass die Beziehung zum Verteidiger scheitert. Doch dieses Rechtsempfinden ändert sich schlagartig, als sie ihre Familiengeschichte kennenlernt.

Schon früh habe ich bei den Rückblenden in die Nazi-Zeit gewusst, dass Sophies Verständnis von Recht und Gerechtigkeit gehörig ins Wanken geraten wird - und Recht habe ich damit gehabt. Sehr spannend habe ich gefunden, wie schnell sich Sophie und ihr Vater, den sie ja zuvor nicht kannte, verstanden haben. Das war mir einen Hauch zu schnell. Sophie hat wenig Zweifel an der Geschichte, die er erzählt. OK, sie ist gut „unterfüttert“, aber trotzdem. Für mich ist Sophie ein analytisch denkender Mensch, dem ich doch ein Körnchen Misstrauen zugebilligt hätte.

Diese Geschichte hat mich völlig in den Bann gezogen. Ich bin förmlich darin versunken und habe das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen.

Sprachlich ist das Buch ein Genuss und die Charaktere sind fein herausgearbeitet.

Fazit:

Ein Lesehighlight, das sich wohltuend unter den vielen Publikationen hervorhebt. gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.02.2020

Diese was der 6. Streich und der 7. folgt ...

Die Weltköche zu Gast im Ikarus
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Martin Klein vom Team Ikarus hat gemeinsam mit den besten Spitzenköchen der Welt ein neues, opulentes Kochbuch verfasst. Es ist eine Hommage an eine Auswahl von Weltköchen, die im Hangar 7 kochen.

Unter ...

Martin Klein vom Team Ikarus hat gemeinsam mit den besten Spitzenköchen der Welt ein neues, opulentes Kochbuch verfasst. Es ist eine Hommage an eine Auswahl von Weltköchen, die im Hangar 7 kochen.

Unter anderem kommen folgende Köche zu Wort:

Best of Niederlande (Das Quartett)
Julien Royer
Norbert Niederkofler
Fernando P. Arellano
Bee Satongun
Joachim Wissler
Hiroyasu Kawate
Christophe Hardiquest

Wie schon die anderen 5 Kochbücher ist auch dieses nichts für den interessierten Küchenlaien. Zum einem sind jede Menge Know How und Kniffe in der Spitzenküche notwendig. Zum anderen stellt die Besorgung der einen oder anderen Zutat den Koch vor ziemliche Herausforderungen. Die Starköche lassen niemanden in den Topf schauen.

Auch dieser 6. Band passt mit seinem weißen Cover perfekt zu den anderen. Das großformatige, über 2,5 kg schwere Kochbuch ist ein Schmuckstück in jeder Designerküche. Die zahlreichen Fotos sind ein wahrer Augenschmaus!
Ein wunderbares Geschenk für Leute, die schon alles haben, und erstklassische Küche schätzen.

Fazit:

Seit über 15 Jahren werden im Hangar 7 exklusive Speisen gekocht. Es ist zu wünschen, dass diese Tradition noch länger anhält. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.02.2020

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die schönen Mordschwestern
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Es ist kurz nach der Jahrhundertwende. Um ihrer dörflichen Armut und der Strenge des verwitweten Vaters zu entkommen, verlassen der Reihe nach die vier Schwestern Huber ihr Elternhaus in Mürzzuschlag. ...

Es ist kurz nach der Jahrhundertwende. Um ihrer dörflichen Armut und der Strenge des verwitweten Vaters zu entkommen, verlassen der Reihe nach die vier Schwestern Huber ihr Elternhaus in Mürzzuschlag. Zuletzt geht Josefine nach Wien.

Im Jänner des Jahres 1906, Kaiser Franz Joseph wird noch 10 Jahre regieren, wird die verstümmelte Leiche der Maria Müller in Mürzzuschlag aufgefunden. Recht bald ist klar, dass die Huber-Schwestern die Täterinnen sein müssen. Sie kennen die Müller, die als vermögend gilt, aus dem Kaffeehaus. Das Motiv scheint auch sonnenklar: Geldgier. Doch wer die eigentliche Täterin ist, darüber schweigen sich Gusti und Fini aus.
Während Gusti, als Haupttäterin zum Tode verurteilt und später begnadigt wird, erhält Fini als Mittäterin eine Haftstrafe von 5 Jahren.
Nach Verbüßung der Haft kehrt sie in die Anonymität der Großstadt zurück und begegnet dem Verursacher allen Übels wieder: Dem Opernsänger Josef Pokorny, der seinerzeit ihrer Schwester (und nicht nur der) die Ehe versprochen hat. Der Betrüger und Heiratsschwindler hat schon wieder eine leichtgläubige junge Frau am Arm, die ein wenig Geld geerbt hat. Um herauszufinden, was damals mit der Müller wirklich passiert ist, stiftet er seine aktuelle Flamme, Klara, an, sich mit Fini anzufreunden.


Meine Meinung:

Franz Preitler nimmt uns in die sogenannte „gute alte Zeit“ zurück, die so gut gar nicht war. Viele Menschen glauben in der Großstadt Wien, Glück und Reichtum zu finden. Dass dem leider nicht so ist, müssen zumindest zwei der vier Huber-Schwestern, Gusti und Fini, am eigenen Leib erfahren. Heerscharen von Dienstboten und Glücksrittern aller Art tummeln sich in Wien. Es wird gelogen und betrogen was das Zeug hält. So fallen immer wieder junge Frauen auf Hochstapler und Heiratsschwindler herein. Um diese Männer zu halten, die ihnen Liebe vorgaukeln, driften die Frauen nicht selten ins kriminelle Milieu ab. Sei es, dass sie ihren Körper verkaufen, stehlen oder wie in diesem Fall eine Unschuldige ermorden.

Der Fall ist komplex und verfügt über einige überraschende Wendungen. Die „kleine“ Fini hat es faustdick hinter den Ohren.
Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Manchmal hatte ich das Gefühl Gusti und die anderen Frauen, die dem Hochstapler aufgesessen sind, beuteln zu müssen, um ihnen vor Augen zu führen, welchem Menschen sie hier ihre Zuneigung geschenkt haben.

Gut gefällt mir, dass wir auch dem Prozess beiwohnen können. Wir erfahren einiges vom damaligen Geschehen. Einerseits aus der Zeitung, andererseits aus den Recherchen des Journalisten Goldstein, der für Pokorny ein Buch über den Mord schreiben soll und natürlich letztlich aus Finis Erinnerung. Diese Darbietung der Ereignisse aus verschiedener Perspektive ist geschickt strukturiert und erhöht die Spannung. Wer eine ungefähre Vorstellung der Gefängnisse dieser Zeit hat, wird sich fragen, ob die Vollstreckung des Todesurteils nicht humaner gewesen wäre als die Begnadigung zu einer langjährigen Haftstrafe.

Ich konnte diesen historischen Krimi nicht aus der Hand legen.

Fazit:

Ein historischer Krimi, der mehr ist als ein Kriminalfall - er ist gleichzeitig eine Milieustudie. Gerne gebe ich für diesen fesselnden Krimi 5 Sterne.