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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2020

Spannend, vielschichtig, atemberaubend

Die Maske der Schuld
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Richard Schwarz hat Besuch von seiner Ziehschwester Sarah und deren Kindern, die gerade mit dem Zirkus in Wien gastiert, als ihn der Anruf von Gerichtspsychiaterin Theres Lend erreicht. Auf Grund ihrer ...

Richard Schwarz hat Besuch von seiner Ziehschwester Sarah und deren Kindern, die gerade mit dem Zirkus in Wien gastiert, als ihn der Anruf von Gerichtspsychiaterin Theres Lend erreicht. Auf Grund ihrer unheilbaren Augenkrankheit, die letztendlich zum Erblinden führt, hat sie sich einer dubiosen Selbsthilfegruppe angeschlossen, wo nicht alles mit rechten Dinger zugeht. Ihre Beschwerden verschlechtern sich und jetzt ist auch noch ein Mitglied verschwunden, dem soll Richard nachgehen. Dieser ist nicht begeistert, trotzdem verspricht er zu helfen. Doch fast zeitgleich wird eine Wasserleiche gefunden, die ihm und seinem Kollegen Chefinspektor Paul Rätsel aufgibt. Gerichtsmedizinerin Emily, für die Richard ein Faible hat, findet heraus, dass an dem gelähmten Mann kurz zuvor operativ gepfuscht worden war. Zudem holt Richard seine Vergangenheit ein, denn der Mörder seiner Mutter läuft immer noch frei herum ...

Auch beim zweiten Band rund um den vernarbten Richard Schwarz war ich von Anfang an mitten im Geschehen. Sein Kollege Paul, der eigentlich der Chefinspektor und quasi Vorgesetzter ist, verblasst neben dem Charisma von Richard. Die Autorin erzählt aus verschiedenen Perspektiven und in mehreren Zeitebenen, was extrem spannend ist. Besonders gruslig sind die Passagen aus der Sicht des Täters, der es ja eigentlich ›gut meint‹ (Gänsehaut pur) und die Einschübe vom Reha-Aufenthalt eines Opfers. Mosaikartig werden die Puzzlesteine zusammengefügt, bis sich das gesamte Bild zeigt. Die Figuren sind – wie schon in Band 1 – dreidimensional und hautnah geschildert, jeder hat sein Päckchen zu tragen, hat gute und schlechte Eigenschaften. Die Geschichte ist tiefgründig und perfekt recherchiert. Trotz der zahlreichen Handlungsstränge und Personen konnte ich der Story gut folgen und gerade diese Vielschichtigkeit macht die Geschichte zu einem aus dem Rahmen fallenden Genuss. Der Spannungsbogen hält sich von Anfang bis zum Schluss – und was mir am allerbesten gefiel – es gab keine Ungereimtheiten und Logikfehler, die die Handlung trübten. Schwarz ist kein Superheld, menschlich dargestellt und ich mag ihn sehr. Der Fall rund um seine Mutter treibt ihn an seine Grenzen. Bringt ihm die Auflösung wirklich die erhoffte Ruhe? Der Showdown war der nackte Wahnsinn, wenn ich Nägel kauen würde, hätte ich sie mir abgekaut! Mehr verrate ich hier nicht.
Nur so viel: Ich habe diese Geschichte wieder in atemberaubendem Tempo verschlungen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es bleibt einiges offen – natürlich, es ist ein Mittelteil. Ob der vom Schicksal gebeutelte Richard das Glück finden wird, an das er selbst nicht glaubt? Die Zeit bis zu Teil 3 wird mir unendlich lang werden!
Ein spannender Thriller mit liebevoll ausgearbeiteten Figuren, an dem alle Fans des Genres ihre Freude haben werden. Unbedingte Empfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 20.03.2020

Vielschichtiger Thriller mit Tiefgang

Opferfluss
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Der anerkannte Kommissar Thomas Rongen macht einen großen Fehler. Er verfolgt allein einen Verdächtigen, der zusammen mit einer Frau in den Wald flieht und als dieser die Waffe auf ihn richtet, erschießt ...

Der anerkannte Kommissar Thomas Rongen macht einen großen Fehler. Er verfolgt allein einen Verdächtigen, der zusammen mit einer Frau in den Wald flieht und als dieser die Waffe auf ihn richtet, erschießt er ihn in Notwehr. Blöd nur, dass die Kollegen keine Waffe bei dem Toten finden können, auch die Frau ist wie vom Erdboden verschluckt und auf einmal sieht sich der Ermittler auf der anderen Seite des Gesetzes. Als die Frau schließlich gefunden wird, ist sie tot, ermordet, und Rongen sitzt endgültig in der Patsche. Er bittet Staranwalt Nicholas Meller, mit dem ihn bis zu diesem Zeitpunkt lediglich respektvolle Feindschaft verband, um Hilfe. Dieser sticht mit seinen Nachfragen in ein Wespennest und Rongens Leben ist in Gefahr. Sind es die eigenen Kollegen, die er fürchten muss? Oder die beiden Russen Morosow und Sokol, die sich nach außen hin als biedere Geschäftsmänner tarnen?

Dieser Thriller beinhaltet eine Reihe von Handlungssträngen aus mehreren Perspektiven erzählt. Die Kapitel sind kurz gehalten, sodass es mir am Anfang schwerfiel, die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen. Überhaupt ist es ein facettenreiches Werk, auch als ich so im Slow-Motion-Tempo ein wenig Durchblick bekam, musste ich mich konzentrieren, um den Faden nicht zu verlieren. Aber es lohnte sich, am Ball zu bleiben. Der Autor besticht durch eine anschaulich klare bildhafte Erzählweise, teilweise grausam (Foltermethoden), ohne dies jedoch unnötig auszuweiten. Der Plot beeindruckt durch zahlreiche Wendungen, spritzig bis interessante Dialoge sowie sogar an manchen Stellen mit ein wenig Humor gewürzt. Sämtliche Charaktere sind lebendig gestaltet, besonders gefiel mir die Menschlichkeit. So ist beispielsweise der Protagonist kein Superheld, der jeder Folterung trotzt, sondern auch mal panisch und ängstlich reagiert. Der Schluss war spannend, gut gelöst und leider realitätsnah.
Das Buch hat zwei Vorgängerbände, die ich nicht kannte, trotzdem fand ich mich in der Thrillerhandlung rasch zurecht. Lediglich die privaten Entwicklungen der einzelnen Personen konnte ich teilweise nicht ganz nachvollziehen, beispielsweise das Verhältnis von Nicholas zur einarmigen Nina. Daher werde ich die ersten Bände nachlesen und hoffe, dass Nicholas Meller noch weitere Fälle lösen wird.

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Veröffentlicht am 16.08.2020

Vorsicht - Lachmuskelkater

Pleiten, Geld & Geiseln
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Als die arbeits- und obdachlose Jenny plötzlich Geld findet, ist das ein Glücksfall. Sie hat gerade ihre Unterkunft verloren, sich außerdem in einem Selbstversuch schrecklich grüne Haare verpasst, als ...

Als die arbeits- und obdachlose Jenny plötzlich Geld findet, ist das ein Glücksfall. Sie hat gerade ihre Unterkunft verloren, sich außerdem in einem Selbstversuch schrecklich grüne Haare verpasst, als ihr dreibeiniger Hund Ahab im Gebüsch eine alte Ledertasche mit über achthunderttausend Euro findet. Sie ist gerade auf dem Weg zu ihrer Oma Käthe, die ihr Unterschlupf gewährt. Die beiden Frauen verstecken das Geld, aber kurze Zeit später wird Jenny von dem Privatdetektiv Rick Mick verfolgt. Eine Zeit lang kann sie ihm ausweichen, doch bald stellt er sie zur Rede. Es werden zwei Millionen Lösegeld aus einem Entführungsfall gesucht. Jenny fühlt sich unschuldig, achthunderttausend sind schließlich nicht zwei Millionen. Aber Rick bleibt nicht der Einzige: Die Polizei steht bald auf der Matte und außerdem noch eine Person, die nicht danach aussieht, als hätte sie gute Absichten. Jenny findet einen Hilfsjob bei ihrer früheren Klassenkollegin in einem Friseurladen, doch nirgends scheint sie sicher. Als auch noch ihre Oma in Gefahr gerät, ist es ausgerechnet Rick, den sie um Hilfe bittet ...

Mit dieser Krimi-Posse schuf die Autorin eine temporeiche Action-Komödie, die ich mir sehr gut im Fernsehen vorstellen könnte. Es geht Schlag auf Schlag und ich musste oft richtig herzhaft lachen, wenn die Bilder in meinem Kopf lebendig wurden. Die Hauptperson Jenny ist das bildlich auferstandene Chaos. Ihre Ausweichmanöver, Schlagfertigkeit und ihr Unschuldsgetue sind komisch und spaßig zu lesen, jedoch an keiner Stelle ernstzunehmen. Kurios ist auch ihre Ima Käthe, die so ganz und gar nicht einer würdigen alten Dame gleicht, sondern ihre Enkelin in puncto Schrägheit sogar an die Wand spielt. Selbst die Nebenfiguren sind schrullige Persönlichkeiten: Bestatterin Anna, Privatdetektiv Rick und Verehrer Otto – jede/r ist für sich ein unverwechselbarer Charakter und so plastisch dargestellt, dass ich die einzelnen Szenen deutlich vor mir hatte.
Was mir besonders gefiel, waren der Humor und die spritzigen Dialoge, sowie die abgedrehten Situationen, die die Autorin erschuf, über die ich einfach lachen musste. Nicht so meins war hingegen die Verharmlosung von Delikten, beispielsweise Diebstahl (für mich kein spaßiges ›Kavaliersdelikt‹) sowie das Umbringen und Beseitigen von Leichen, so nebenbei.
Der Schreibstil war angenehm flüssig zu lesen, ich habe mich gut unterhalten und gebe 4,5 Sterne für einen fröhlichen Roman, der jede gedrückte Stimmung mit Leichtigkeit fortspült. Für einen düsteren Regennachmittag unbedingt zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Intelligente und reiche Frau – chancenlos in der Liebe?

Herzklopfen to go
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Dies ist der dritte Roman rund um die Kinder des steinreichen Firmenimperium-Inhabers Aaron Stone, der ihnen überraschend alles vererbt hat. Das Buch kann unabhängig von den Vorgängern gelesen werden, ...

Dies ist der dritte Roman rund um die Kinder des steinreichen Firmenimperium-Inhabers Aaron Stone, der ihnen überraschend alles vererbt hat. Das Buch kann unabhängig von den Vorgängern gelesen werden, mehr Spaß macht es jedoch, wenn man die Vorgeschichte kennt.
In diesem Band steht nun Alexandrea, genannt Alex, im Mittelpunkt. Die Geschwister führen Stone Enterprises weiter, wobei die Hauptlast bei Alex bleibt. Sie gönnt sich kaum Ruhe. Dann gibt es auch noch eine Bombendrohung. Es wird klar, dass Stone Enterprises nicht ausreichend geschützt ist, eine Sicherheitsfirma wird beauftragt, die mit einem Team anrückt. Teamleiter Hawk und Alex fühlen sich zueinander hingezogen, aber es wäre unprofessionell sich aufeinander einzulassen. Zudem trägt Hawk noch ein altes Trauma mit sich herum.

Bei dieser Geschichte tat ich mich anfangs schwer und sie braucht ein wenig Zeit, bis sie an Tempo gewinnt. Nach dem ersten Drittel steigt die Spannungskurve. Die Liebesgeschichte zwischen Hawk und Alex berührt und fesselt, denn für eine taffe Geschäftsfrau, noch dazu eine Millionenerbin, ist es bestimmt nicht leicht, einem Mann zu vertrauen. Aber auch die sich zuspitzende Krimihandlung hält in Atem. Aaron Stone hatte mehrere Häuser auf der Welt und überraschend finden sie in jedem der Häuser ein Safe mit Massen an Gold und Bargeld. Offenbar war er in illegale Aktivitäten verstrickt. Dieses Detail war für mich nicht ganz schlüssig, vor allem, wer wie bestochen wurde, damit man Firmen aufkaufen kann, sie absichtlich in den Konkurs stürzt und wieder abstößt, dennoch war es mitreißend zu lesen. Für mich punktet die Story rund um die drei Geschwister vor allem durch den unglaublichen Zusammenhalt der drei und dass sie miteinander durch dick und dünn gehen. Das ist herzerwärmend und wunderschön zu lesen. Auch der Schreibstil der Autorin überzeugt, flüssig und angenehm lesbar, gute Übersetzung.
Wer die anderen beiden Bände gelesen hat, für den ist dieser Abschlussband ein absolutes Must Read, unter dem Strich ist der Autorin hier eine großartige Trilogie gelungen, der Abschluss ist würdig und befriedigend.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Wenn Kunst dein Leben ist und niemand hinter dir steht

Bound by Hopes
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Tess hat es schwer. Sie studiert Kunst und hat kaum Rückhalt in der Familie. Ihre Eltern versuchen fast täglich sie zu überzeugen, einen anderen Beruf zu ergreifen, und ihre weit verstreute Familie mit ...

Tess hat es schwer. Sie studiert Kunst und hat kaum Rückhalt in der Familie. Ihre Eltern versuchen fast täglich sie zu überzeugen, einen anderen Beruf zu ergreifen, und ihre weit verstreute Familie mit Tanten, Cousinen und sonstigen, quälen sie förmlich bei jedem Familientreffen, weil sie weder Freund noch (in ihren Augen) Zukunftsperspektive habe. Nur ihr Bruder Travis, mit dem zusammen wohnt, steht halbwegs hinter ihr, ist aber mit Frauengeschichten und eigenem Studium zu sehr beschäftigt, um auf Tess einzugehen. Zumindest hat sie Brit, eine gute Freundin. Ein Skandal aus ihrer Collegezeit wird genüsslich immer wieder aufgewärmt. Als auch noch ihr Jugendfeind Ryker, für den sie damals heimlich geschwärmt hat, in den Ort zurückkehrt, verzweifelt sie fast.

Die Autorin hat einen fröhlich flotten Schreibstil und das ließ mich sofort in die Handlung eintauchen. Es ist aus der Sicht von Tess in Ich-Form geschrieben, daher habe ich mit ihr mitgelitten und gehofft, dass sich das Blatt bald wendet. Tess muss viele schmerzhafte Momente durchmachen, ihre gesamte Verwandtschaft hätte ich davonjagen können. Auch ihre Eltern sind anfangs wenig sympathisch, weil sie bei jedem Gespräch sofort auf Tess‹ angeblich so schreckliche Berufswahl kommen. Besonders ihre Cousine Orla und die Tanten hacken auf Tess in einer gehässigen Weise herum, dass es mir fast zu viel wurde. Mit dem Eintreffen von Ryker scheint sich Tess‹ Situation sogar noch zu verschlimmern, doch auch er hat einige Päckchen zu tragen. Der Spannungsbogen ist hoch und das Buch hat mir einige Adrenalinschübe verpasst. Unter dem Strich hätte ich gern ein paar wenige geöffnete Fässer gehabt und dafür manches ein wenig vertieft. Vor allem einigen Charakteren, die Tess besonders zugesetzt haben, hätte ich ein bisschen mehr an den Hals gewünscht. Dennoch ist es ein fesselndes Jugendbuch, mit flotten Dialogen und überraschenden Wendungen und Geheimnissen, dass ich gern weiterempfehle.


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