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Veröffentlicht am 24.03.2020

Wunderbar spannende Thrillerkost aus Spanien

Die Stille des Todes
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Spanische Thriller oder Krimis haben (soweit ich das aus der Entfernung beurteilen kann) nicht den Ruf der nördlicheren Länder oder jenen der französischen Lokal-Krimis. Dennoch bewiesen und beweisen Autoren ...

Spanische Thriller oder Krimis haben (soweit ich das aus der Entfernung beurteilen kann) nicht den Ruf der nördlicheren Länder oder jenen der französischen Lokal-Krimis. Dennoch bewiesen und beweisen Autoren wie Manuel Vázquez Montalbán, Dolores Redondo oder Arturo Pérez-Reverte, dass aus Spanien auch ausgezeichnete Spannungsliteratur kommt.

Eva García Sáenz fügt sich nahtlos in diese Reihung ein und hat mit ihrem Helden “Kraken” eine gleichermaßen tragische wie vielschichtige Figur geschaffen. Zum heutigen Tag gibt es drei Krimis rund um Inspector Unai López de Ayala, wie er eigentlich lieber genannt wird, und das Erscheinen von Band 3 (De Herren der Zeit) nahm ich zum Anlass, den Beginn aus meinem Büchervorrat zu befreien.

Der Schauplatz: die Stadt Vitoria im Baskenland. Es ist ein heißer Sommer, aber trotz der mehr als 550 Seiten gibt es nie allzu lange “Vorträge” über das Land, das Wetter oder seine Personen. Die kurzen Atempausen, die Unai braucht, verbringt er in einem kleinen Dorf mit seinem Großvater, wo man dann solche Informationen in kleinen Happen bekommt.

Den Löwenanteil macht die klassische Polizeiarbeit aus. Unai, Kollegin Estíbaliz und ihre Vorgesetzten sind mit einem Serienmörder konfrontiert, der nach langer Pause wieder zuschlägt. Bloß, dass derjenige, der beim ersten Mal für die Morde schuldig gesprochen wurde, noch immer im Gefängnis sitzt.

“Die Stille des Todes” führt den Leser in eine Welt, die Mythologie, (Aber-)Glaube, Schuld, Rache und Geschichte miteinander vereint. Unai und Estíbaliz scheinen immer einen Schritt zu spät zu kommen und landen mit ihren Ermittlungen in zahlreichen Sackgassen. Nur durch gute Kombinatorik und etwas Hilfe von Unais Großvater können sie das Puzzle an Zeugenaussagen so zusammensetzen, dass die wenigen Übereinstimmungen am Ende auf eine Lösung hinweisen, die wohl niemand so vorhersehen konnte.

Veröffentlicht am 14.03.2020

Ein Spion und Schürzenjäger

Das Los, das man zieht
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Dass der Spanische Bürgerkrieg (1936-39) vor allem für Außenstehende sehr verworren war, mag bekannt sein. Wie schlimm es tatsächlich manchmal war, erfährt man verknüpft mit einer fiktiven Handlung in ...

Dass der Spanische Bürgerkrieg (1936-39) vor allem für Außenstehende sehr verworren war, mag bekannt sein. Wie schlimm es tatsächlich manchmal war, erfährt man verknüpft mit einer fiktiven Handlung in den Büchern von Arturo Pérez-Reverte. Seine Krimireihe (bisher 3 Bände) mit Agent Lorenzo Falcó spielt in und außerhalb Spaniens in den Jahren 1936 und 1937.

Falcó kann man getrost als James Bond der spanischen Literatur beschreiben. Er kann gut mit Frauen, ist nicht allzu wählerisch und auch als Agent und Auftragsmörder den meisten überlegen. Er führt seine Befehle gewissenhaft aus trifft während seines neuesten Auftrags zwar nicht auf 007, aber auf jemand viel realeren: Picasso kreuzt Falcós Weg. Oder vielmehr umgekehrt und das natürlich nicht zufällig.

In Paris wird 1937 gerade die große Weltausstellung vorbereitet auch wenn es im Hintergrund politisch in ganz Europa schon stark rumort und die Bürger zwischen Kommunismus und Faschismus regelrecht aufgerieben werden. Pérez-Reverte fängt in seinen Büchern gekonnt den politischen wie auch gesellschaftlichen Zeitgeist ein und entlässt seinen Helden und Anpassungskünstler in diese Welt.

Im Vergleich zu “Der Preis, den man zahlt” und “Der Tod, den man stirbt” ist dieser dritte Band der am wenigsten blutige. Statt allerlei Verfolgungsjagden und Schießereien spielt sich hier viel im Zwischenmenschlichen ab. Falcó braucht einen langen Atem um seine Ziele zu erreichen und es ist erstaunlich, wie geduldig er dabei vorgeht, wenn man bedenkt, dass er es mit den Frauen so ganz anders handhabt.

Fein konstruiert, unterhaltsam und spannend ist dieser Krimi, wenngleich man gegen Ende (sollte man die anderen Bände kennen) schon so ein bisschen vorausahnt, wer der geheimnisvolle Retter ist und was er eigentlich will.

Veröffentlicht am 12.02.2020

Atmosphärisch gelungener Nordland-Krimi

Doggerland. Tiefer Fall (Ein Doggerland-Krimi 2)
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Was den Titel angeht, bin ich nicht ganz sicher, wie der zur Geschichte passt, das Original (Sturmwarnung) finde ich besser gewählt. Abgesehen davon ist dieser Kriminalroman der schwedischen Autorin Maria ...

Was den Titel angeht, bin ich nicht ganz sicher, wie der zur Geschichte passt, das Original (Sturmwarnung) finde ich besser gewählt. Abgesehen davon ist dieser Kriminalroman der schwedischen Autorin Maria Adolfsson aber gelungen.

Ihrer Protagonistin, Kommissarin Karen Eiken Hornby, bürdet privat und beruflich einiges auf. Auch erfährt man ein wenig darüber was in Band 1 (Fehltritt) passiert ist. Sie ist zu Beginn deshalb krankgeschrieben und wie das so ist, muss sie einspringen und steht somit recht plötzlich wieder im Dienst.

Anlass ist ein unfreiwillig verunfallter Pensionist der auf der zu Doggerland gehörenden Insel Noorö lebte. Passenderweise hat Karen dort auch Familienbande, sie ist also die Idealbesetzung als Ermittlerin.

Doggerland ist eine fiktive Inselgruppe zwischen Großbritannien und Norwegen (Karte im hinteren Umschlag), was sich auch dadurch äußert, dass sehr enge Bande zum Vereinigten Königreich bestehen, viele Familien beide Nationalitäten beinhalten was sich im Namen äußert. (Der Name “Doggerland” ist aber tatsächlich überliefert und bezeichnet die Landmasse, die vor 10.000 Jahren Kontinentaleuropa und das spätere Großbritannien verband)

Die genauso fiktiven Charaktere hat man bald ebenso liebgewonnen (oder, im Fall der Verdächtigen, kennengelernt) wie die Inseln und alles zusammen ergibt ein sehr atmosphärisches, eindringliches Bild. Auch wenn leider Morde passieren und jemand dafür verantwortlich sein muss.

Durch die vielen Nebengeschichten vergisst man zwischendurch fast, dass es eigentlich Ermittlungen gibt, wobei es Karen da manchmal nicht anders ergeht. So ist die Krimihandlung nicht sehr geradlinig und flott, aber es tut sich immer etwas. Im vorderen Umschlag gibt es einen Hinweis auf den nächsten, dritten Band. Auf “Fester Grund” (soll Ende 2020 erscheinen) dürfen wir uns schon freuen. Bis dahin lässt sich die Zeit auch mit dem Nachlesen von Teil 1 überbrücken.

Veröffentlicht am 12.02.2020

Humor, Action und illustre Charaktere in einem gut konstruierten Thriller

Wolves – Die Jagd beginnt (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 3)
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“Wolves” ist nach “Ragdoll” und “Hangman” der dritte Thriller rund um William Fawkes, seines Zeichens Londoner Detective und das schwarze Schaf dieser Familie. Nach einiger selbst gewählter Abwesenheit ...

“Wolves” ist nach “Ragdoll” und “Hangman” der dritte Thriller rund um William Fawkes, seines Zeichens Londoner Detective und das schwarze Schaf dieser Familie. Nach einiger selbst gewählter Abwesenheit taucht er plötzlich wieder auf, als er von einem vermeintlichen Selbstmord hört. Er will den Fall näher untersuchen, muss zuerst aber verhindern, von seinen eigenen Kollegen eingesperrt zu werden.

Der gute “Wolf” hat einiges auf dem Kerbholz, das wird auch für die Leser klar, die die beiden ersten Bände nicht kennen. Aber so wie er wirkt, hat er jegliche Gesetzesübertretungen nur zu seinem Besten begangen. Der Anti-Held, der immer richtig liegt also. Ob er das auch in diesem Fall tut?

Er kann die richtigen Leute überzeugen und beginnt zu ermitteln, gräbt in der Vergangenheit und wird dabei selbst hinters Licht geführt.

Kuriose, illustre Charaktere und ein gewisser britischer Humor sowie einiges an Action säumen Wolfs Weg. Die Aufklärung ist stimmig, der Schreibstil unaufgeregt und die kurzen Abschnitte machen das Buch zum Pageturner. “Ragdoll” steht hier schon im Regal, das wird sicher bald mal fällig.

Veröffentlicht am 11.02.2020

Zwei zerstörte Lebensträume

Hauptkommissarin Diederike Dirks / Friesenklinik
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Unkompliziert und schnell führt Stefan Wollschläger auch im zweiten Band der Lokalkrimis um Diederike Dirks und ihre Kollegen Regie. Die Ostfriesener Kriminalhauptkommissarin hat es diesmal mit einem eher ...

Unkompliziert und schnell führt Stefan Wollschläger auch im zweiten Band der Lokalkrimis um Diederike Dirks und ihre Kollegen Regie. Die Ostfriesener Kriminalhauptkommissarin hat es diesmal mit einem eher ungeschickten Täter zu tun, hat dieser doch seinem vermeintlichen Opfer eine zu hohe Dosis K.o.-Tropfen verabreicht. Doch als er Ermittlungen ergeben, dass die Frau, Bente, eine ehrgeizige Volontärin bei der Lokalzeitung war, werden die Recherchen der Toten zu ihrer eigenen Recherche. Worauf war sie gestoßen?

Auch einer anderen Frau, Jorina, ergeht es nicht viel besser. Zwar lebt sie, aber eine schreckliche Nachricht bringt sie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs: Ihre Eizellen, die sie vor Jahren als Rückversicherung einfrieren ließ, sind spurlos verschwunden. Zudem gibt es keine Beweise für den Eingriff und ihr Traum von einer Familie ist geplatzt.

Zunächst fast unbemerkt werden hier diese Ereignisse miteinander verknüpft und bald erscheint jeder verdächtigt, der befragt oder in anderem Zusammenhang mit dem Fall genannt wird. Durch Hartnäckigkeit und eine Prise Glück bleiben Dirks und Kollege Breithammer an der Sache dran, als sie schon gelöst scheint und decken Machenschaften auf, die undenkbar scheinen. Doch so faszinierend gestrickt die Geschichte ist, so normal sind die Motive: verletzte Eitelkeit, Liebe, Macht und Geld. Irgendwie beruhigend.

Nach Band 1, „Friesenkunst“, ist es schön, altbekannte Charaktere wiederzuentdecken und ihre Entwicklung zu beobachten. Der Vorgänger wurde doch sehr von Diederikes Gefühlen und „Komplexen“ beherrscht. Umso erfrischender war es, sie hier so selbstbewusst und souverän zu erleben. Auch Breithammer tut es gut, dass sich seine Zufallsbekanntschaft von damals, die rothaarige Folinde, zu einer längeren Beziehung entwickelt hat. Und nicht nur in seinem Leben spielt sie in diesem Band eine wichtige Rolle.