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Veröffentlicht am 09.04.2020

Ponys, Mädchen, Familie und Geheimnisse

Die Schule der kleinen Ponys - Ein Heuhaufen voller Geheimnisse
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Inhalt:
Die Titelunterschrift "Ein Heuhaufen voller Geheimnisse" gibt es schon vor: Die 10jährige Mo Winter erfährt einige Geheimnisse, die sie bei sich behalten soll, aber auch aufdeckt.
Sie lebt mit ...

Inhalt:
Die Titelunterschrift "Ein Heuhaufen voller Geheimnisse" gibt es schon vor: Die 10jährige Mo Winter erfährt einige Geheimnisse, die sie bei sich behalten soll, aber auch aufdeckt.
Sie lebt mit ihrer Familie - Vater, Mutter, großem Bruder, und dem Stallmeister Eugen auf einer großen Pferdefarm. Sie züchten Springpferde und Connemara-Ponys.
Außerdem haben sie eine Ponyschule auf ihrem Hof - etwas ganz Besonderes!
Mo hat auch ein eigenes Pony, genannt Dr. Paul, das genauso alt ist wie sie. Die beiden sind unzertrennlich.
Durch einen Unfall ihrer Mutter, von dessen Verlauf niemand erfahren soll, muss Mo diesen Sommer die Ponyschule übernehmen - was sie ganz schön herausfordert, aber auch begeistert.
Auf einem von Mos Ausritten mit Dr. Paul in den nahegelegenen Wald trifft sie auf ein ihr unbekanntes, etwa gleichaltriges Mädchen auf einer schönen Stute. Mit dieser Begegnung fangen die Geheimnisse erst an.
Meine Meinung:
Das Buch nimmt den jungen Leser von Anfang an gleich mit hinein in eine fortlaufend, spannende Handlung. Der Spannungsbogen wird kontinuierlich bis zum Finale aufgebaut, hat aber auch vorher schon kleine Spitzen, die die Erzählung forttragen. So wird es nie langweilig und der Leser möchte immer weiter lesen und das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen.
Die Geschichte ist klar auf eine junge, weibliche Leserschaft ausgelegt - wobei auch Pferde- oder tierliebende Jungs bestimmt auf ihre Kosten kämen -, da beide Hauptfiguren Mädchen sind.
Beide sind sympathisch und lebenslustig angelegt. Ihre Freuden, Sorgen und Nöte passen klar zur Altersangabe. Das traurige Thema Scheidung wird durch die Frreundschaft der beiden Mädchen und das Finale klar aufgefangen.
Ein besonderes Highlight des Buches sind die Illustrationen von Nadine Reitz. Sie werden jedes Kind (Mädchen) ansprechen und begeistern. Schon das Cover ist ein echter Hingucker mit dem niedlichen, burschikosen Mädchen und den lächelnden Ponys.
Gleich auf der Coverrückseite ist eine Karte aufgemalt, die den Hof und sein Umland für den Leser erklärt und einordnet, was in manchen Kapiteln sehr hilft, sich die Ortsverhältnisse vorzustellen.
Auf jeder Seite entdeckt man ein liebevolles Detail. Ein besonderer Clou sind auch die kleinen "Merkzettel", die verraten, wer an der Handlung an dieser Stelle beteiligt ist.
Dr. Paul ist als wichtigstes Pony besonders liebevoll und hübsch gezeichnet. (Allerdings steht im Text etwas von schwarzer Mähne, schwarzem Schweif und schwarzen "Strümpfen" - auf den Zeichnungen ist aber alles dunkelbraun.)
Auch die Kreativität der Leserin kommt nicht zu kurz: Am Ende des Buches ist das Rezept für die von Mo hochgelobten Nachtischkekse der Familie Winter abgedruckt. Desweiteren gibt es eine Seite zum Heraustrennen, um sich ein eigenes Lesezeichen für das Buch mit einer Zeichnung von Dr. Paul darauf zu basteln. Eine besonders schöne Idee!!
Fazit:
"Die Schule der kleinen Ponys" ist ein besonders liebevoll illustriertes (Mädchen-)Buch, das die spannende, interessante Geschichte einer neu beginnende Mädchenfreundschaft erzählt, in der das Thema Pferde und Ponys einen wichtigen Platz einnimmt. Die beiden Hauptpersonen und ihre Freuden, Sorgen und Nöte wachsen einem ans Herz und die Geschichte entwickelt einen eigenen Sog.
So möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und immer weiter lesen, um alle Geheimnisse und ihre Auflösungen zu erfahren.
Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Achtung! Achtung!

Obacht!
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Plötzlich ist alles anders: Es gibt eine bedrohliche Situation für das Dorf! Die Erwachsenen verfallen in Hektik und denken sich eine Lösung nach der anderen aus, die allesamt nicht helfen. Warum fragt ...

Plötzlich ist alles anders: Es gibt eine bedrohliche Situation für das Dorf! Die Erwachsenen verfallen in Hektik und denken sich eine Lösung nach der anderen aus, die allesamt nicht helfen. Warum fragt eigentlich niemand die Kinder?

Vor dem Tor zur Stadt liegt eines Morgens ein riesiges Tier, so dass niemand mehr hinaus- und hineinkommen kann. Die Erwachsenen verfallen in Aktionismus, vor allem der Timpe-Pa.
Doch alle ihre Bemühungen bringen gar nichts. Niemand hört auf das Mienchen, das schon ganz am Anfang vorschlägt, das Tier einfach zu fragen, was es möchte und ob es bitte den Weg freimachen kann.
Doch genau das bringt letztendlich die Lösung.

Im rückseitigen Klappentext wird das Buch mit „Eine Geschichte über das miteinander Reden, aufeinander Zugehen und voneinander Lernen.“ angekündigt und genau so ist es auch. Der blindwütige und hier auch ängstliche Aktionismus führt zu nichts.

Die Bilder sind in Grautönen mit orangefarbenen Akzentuierungen gehalten (orangefarbene Nase des Timpe-Pas, orangefarbene kleine Blumen unter einem Baum, eine riesige orangefarbene Decke, u.v.m.) Das ist für das Auge erst einmal ungewöhnlich.

Die dargestellten Figuren sind es noch mehr: Das Tier ist riesig, die Figuren winzig und noch dazu sehr unterschiedlich mit witzigen, ungewöhnlichen Frisuren. Einer ist größer als die anderen, scheint dazu nackt und durchscheinend oder weiß zu sein, andere sind einfarbig schwarz. Auch die Namen sind ungewöhnlich.

Die Illustrationen sind unterschiedlich groß, mal doppel-, mal einseitig, aber auch zwei auf einer Seite übereinander. Zu jedem Bild gibt es Text, der in einem klaren Textfeld darunter vom Bild abgegrenzt ist. Geräusche sind im Text stets in Großbuchstaben und größer als der übrige Text geschrieben, was beim Vorlesen bestimmt für die Betonung hilft.

So zeigt dieses „zeitlose, aber zeitgeistige“ Bilderbuch erstens, dass es gut ist, die Vorschläge von Kindern anzuhören und sie an Problemlösungen zu beteiligen, zweitens, dass Fremdes, Unbekanntes und dadurch vielleicht auch Angsteinflößendes nicht so bleiben muss, sondern kennengelernt werden, und drittens „wie ein offenes Herz die Welt verändern kann“. (Zitat Autorin)

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Anders und doch klar!

Sie wollen uns erzählen
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Dieser Roman nimmt seine Leser auf eine ganz besondere Weise in das Erleben neurodivergenter Menschen mit hinein.

Ozzy ist in der dritten Klasse und hat gerade mit seinen Eltern verschiedene Diagnosesitzungen ...

Dieser Roman nimmt seine Leser auf eine ganz besondere Weise in das Erleben neurodivergenter Menschen mit hinein.

Ozzy ist in der dritten Klasse und hat gerade mit seinen Eltern verschiedene Diagnosesitzungen und Gespräche hinter sich und ist nun „diagnostiziert“. Anders als seine Mutter, die ebenfalls ADHS hat, aber in ihrer Kindheit einfach als „etwas wild“ bezeichnet worden ist.

In diesem Ausschnitt ihres Lebens erleben beide allein und zusammen ihren „Supergau“. Der Vater kann gerade wegen einer Verletzung nicht zu Hause sein, durch Ozzy und seine Freunde ist das Schulkaninchen ausgebüxt und dann in den Rasenmäher geraten und die Großmutter ist aus dem Krankenhaus verschwunden.

Wie die beiden diese Situationen, die sich auch noch zuspitzen, mit ihrem besonderen Nervenkostüm managen ist in einer besonders feinfühligen Weise von der Autorin beschrieben worden.

Dadurch, dass sie die Lesenden sehr stark an den Gedanken der beiden teilhaben lässt, sind ihre Reaktionen und Gefühle sehr gut nachvollziehbar. Man kommt ihnen sehr nah, kann alles miterleben und fühlt einfach mit.

Wie die Autorin Neurodiversität hier beschreibt, ist nicht oberflächlich, klischeehaft oder verurteilend, sondern sehr menschlich, differenziert und hilft, zu verstehen.

Ein bemerkenswertes Buch über ein anderes Erleben!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Es ist nie zu spät!

Eine Maus namens Merlin
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Helen Cartwright kehrt nach dem Tod ihres Mannes und später auch ihres Sohnes nach sechzig Jahren aus Australien zurück in ihren kleinen Heimatort in der Nähe von Oxford.

Dort hat sie sich ein kleines ...

Helen Cartwright kehrt nach dem Tod ihres Mannes und später auch ihres Sohnes nach sechzig Jahren aus Australien zurück in ihren kleinen Heimatort in der Nähe von Oxford.

Dort hat sie sich ein kleines Haus in der Nähe ihres einstigen Elternhauses gekauft und erwartet nichts mehr vom Leben. Eigentlich fühlt sie sich innerlich schon wie gestorben.

So nimmt sie auch keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen auf und ihre Tage und Wochen fließen in einer Gleichmäßigkeit von Essen, Schlafen, Radio hören, Fernsehen schauen und einmal die Woche einkaufen dahin.

Doch eines Nachts holt sie sich den Sperrmüll ihrer Nachbarn ins Haus, weil dort dasselbe Spielzeug dabei lag, das sie ihrem Sohn einst schenkte. Der nostalgische Zauber ist bald verflogen, doch bei den Sachen war auch eine kleine, dreckige Kiste, die sie gar nicht anschauen mochte. In dieser befindet sich eine Maus.

Wie Helen sich nach und nach der Maus annähert, ja sie sogar als Haustier und Freund zu akzeptieren beginnt, erzählt der Autor herzerwärmend und nachvollziehbar. Durch die Maus muss Helen wieder raus in die Welt und Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen.

So nimmt sie wieder teil am Leben, schließt Freundschaften und startet sogar eine Rettungsaktion für ihre Maus Merlin. Als sie krank wird und Merlin verschwunden scheint, sind diese (neuen) Menschen für sie da und kümmern sich um sie.

Der Autor zeigt mit diesem Buch, dass es im Leben nie zu spät ist, einen neuen Anfang zu machen, sich neu zu entdecken, Neues zu wagen, auf andere zuzugehen und das Leben zu genießen, ja, es zu feiern.

Ein absolut lebensbejahendes Buch!

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Veröffentlicht am 31.01.2026

LIefern - aber rackizacki!

Liefern
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Der Autor beschreibt in verschiedenen Settings Menschen auf fast der ganzen Welt, deren Arbeit das Liefern von Essen ist. Dabei nimmt er uns Lesende mit hinein in ihr Erleben, ihre Sorgen, Nöte und ihr ...

Der Autor beschreibt in verschiedenen Settings Menschen auf fast der ganzen Welt, deren Arbeit das Liefern von Essen ist. Dabei nimmt er uns Lesende mit hinein in ihr Erleben, ihre Sorgen, Nöte und ihr Privatleben.
Die einzelnen Geschichten und Schicksale werden vom Erzähler alle miteinander verbunden, indem meistens eine Person aus den Erzählungen davor wiederauftaucht. Dabei schreibt er immer konsequent aus der Sicht seiner Protagonisten heraus, meist auch in der Ich-Perspektive.
Fasziniert hat mich der verbindende Weitblick des Autors, denn mögen die Probleme für die Liefernden auch in jedem Land etwas anders gelagert sein, so wird doch überall von den Arbeitgebern und den Bestellenden vergessen, dass ein Mensch liefert und keine Maschine.
So entsteht die Ausbeutung der Kuriere und es entsteht ein Konkurrenzkampf unter ihnen, wer die nächste Lieferung bekommt, denn die Bezahlung ist immer zu knapp. Keiner kann sich einen Ausfall leisten. Hinzu kommen die Bewertungen im Internet, die immer gut sein müssen, um vom Chef nicht heruntergestuft zu werden.
„So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman“ (Klappentext) und so einfühlsam die Lebensumstände einer „Berufsgruppe“ zeigend – da kann ich mich nur anschließen.

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