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Veröffentlicht am 21.04.2020

Die letzten 24 Stunden im Leben von Will

Mercy Seat
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Wir sind in den Südstaaten in den 1940iger Jahren. Eine Gleichstellung zwischen Schwarz und Weiß ist Zukunftsmusik. Noch immer verbergen sich weiße Männer hinter spitzen weißen Kapuzen um gegen Schwarze ...

Wir sind in den Südstaaten in den 1940iger Jahren. Eine Gleichstellung zwischen Schwarz und Weiß ist Zukunftsmusik. Noch immer verbergen sich weiße Männer hinter spitzen weißen Kapuzen um gegen Schwarze oder "Niggerfreunde" vorzugehen. Der Klu-Klux-Clan ist allgegenwärtig. Zu dieser Zeit wird ein junger schwarzer Mann wegen Vergwaltigung einer jungen weißen Frau zum Tode verurteilt. Die Beiden sind ein Liebespaar, doch der Vater des Mädchens ist Mitglied im Clan. Während Will festgenommen wird, erschießt sich Claire und kann somit nicht für ihn aussagen...was aber egal ist, denn dass er zum Tode verurteilt wird ist zu dieser Zeit in den USA einfach nur klar...

Die Geschichte erzählt die letzten 24 Stunden vor Wills Hinrichtung aus der Sicht mehrerer Personen. Die kurzen Kapitel und der rasche Perspektivwechsel hat mich zu Beginn etwas verwirrt. Ich konnte nicht alle Figuren sofort zuordnen und die vielen Namen taten ihr Übriges. Doch nach und nach waren diese Probleme vergessen und ich war tief in die Geschichte eingetaucht.

Zuerst begegnen wir Lane und den Captain, die den elektrischen Stuhl nach St. Martinsville kutschieren. Lane ist selbst Häftling und hat seinen ersten Tag Freigang, um den Captain zu begleiten. Als sie an einer Tankstelle kurz halten, lernen wir auch den Tankstellenbesitzer Dale und seine Frau Ora kennen. Ihr gemeinsamer Sohn Tobias ist einberufen worden und kämpft in Japan. Dale und Ora spielen auch in der fortlaufenden Handlung eine Rolle.
Eine weitere Perspektive erhalten wir von Polly, dem Staatsanwalt, der das Strafmaß von Will festgesetzt hat. Seine Frau Nell, die im Norden geboren wurde, findet keinen Gefallen an der Rechtssprechung im Süden. Gabe, ihr gemeinsamer Sohn, erkennt die Zweifel seines Vaters. Frank, der Vater von Will, ist ebenfalls auf dem Weg nach St. Martinsville. Mit seinem altersschwachen Maultier Bess transportiert er den Grabstein für seinen Sohn, den er noch kurz vor der Hinrichtng sehen möchte. Und zu guter Letzt lernen wir noch Hannigan, einen Priester kennen, der Will die letzten Monate begleitet hat und ihm auch kurz vor seinem Tod beizustehen versucht. Er zweifelt am Glauben und an der Gerechtigkeit. Und natürlich Will selbst, der sich dem Urteil ergeben hat und nun seiner Hinrichtung um Mitternacht entgegensieht.

Feinfühlig erzählt Elizabeth H. Winthorp wie die oben genannten Personen mit dem Urteil umgehen und welche Gedanken, Emotionen oder auch Schuldgefühle sie spüren. Dabei gibt uns die Autorin einen schonugslosen Einblick in das letzten Jahrhundert in die Südstaaten der USA. Leider muss man sagen, dass sich in manchen Dingen - trotz der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den 1960igern - noch immer viel zu wenig geändert hat. Schwarze werden noch immer benachteiligt, sowie oftmals willkürlich und ungerecht angegriffen oder sogar getötet.

Die intensive Erzählung hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Man spürt die Emotionen der einzelnen Figuren, die drückende Hitze und das langsame Aufkommen von Zweifel und im Gegenzug den Mob, der der Hinrichtung entgegenfiebert. Manche Antworten überlässt Winthorp dem Leser. Dabei hätte ich bei einem Strang gerne noch etwas mehr erfahren.
Die Autorin hat sich an einem wahren Fall orientiert, die sie zu dieser Geschichte inspiriert hat. Ein Roman, der einem nicht so schnell loslässt und niemand kalt lässt.

Schreibstil:
Die Autorin hat einen wahnsinnig eindringlichen und intensiven Schreibstil. Man spürt die beklemmende Stimmung mit jeder Faser beim Lesen, ebenso wie die sengende Hitze und die Emotionen der einzelnen Charaktere. Die kurzen Kapitel mit wechselnden Perspektiven verleiten zum "Ich muss unbedingt noch ein bissche weiterlesen", denn man hat den Wunsch mehr von dieser Figur zu lesen, die wir gerade begleiten, obwohl bereits aus der Sicht der Nächsten erzählt wird. Und so ergeht es einem bei jedem Perspektivwechsel.


Fazit:
Eine beklemmende Geschichte über Rassismus und der Willkür der Menschen, die Menschleben unterschiedlich werten. Eindringlich und schonungslos - eine echte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 20.04.2020

Spannender Auftakt der neuen Tribute Reihe

Tribut der Sünde
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Tribut der Sünde" ist Teil Eins einer neuen historischen Reihe aus der Feder von Silvia Stolzenburg - jipee! Ich liebe ihre historischen Romane, die meistens sehr grausam und blutig sind und mir oftmals ...

Tribut der Sünde" ist Teil Eins einer neuen historischen Reihe aus der Feder von Silvia Stolzenburg - jipee! Ich liebe ihre historischen Romane, die meistens sehr grausam und blutig sind und mir oftmals mehr Gänsehaut bescheren, als so einige sogenannte Thriller.

Auch diesmal geht es blutig zu, denn gleich zu Beginn der Geschichte erwacht Martin Wengert aus seinem Rausch in der Schankstube und stolpert über eine Leiche. Dummer Weise ist es der Sohn des Bürgermeisters, Moritz Welling, der mit durchschnittener Kehle am Boden liegt und mit dem er letzte Nacht einen Streit hatte. Entsetzt flieht er zum Haus der Familie seiner Verlobten, Franziska Hochperger. Kurze Zeit später wird er verhaftet und des Mordes angeklagt. Zwei Tage später wird auch Franziskas Vater, ein ehrwürdiger Weinhändler und Ratsherr, festgenommen und der Beihilfe angeklagt. Haus und Hof werden beschlagnahmt und Franziksa steht plötzlich auf der Straße und muss sich als Bettlerin durchschlagen. Einzig Jakob, ein Freund von ihr und Martin, bietet ihr Hilfe an, die sie zuerst ausschlägt....

Von Anfang an fiebert man mit Franziska mit, deren Leben von einem Tag auf dem anderen aus den Angeln gehoben wird. Noch gestern Tochter eines angesehenen Mannes und kurz vor der Hochzeit stehend, steht sie nun auf der Straße und hat nichts und niemanden mehr. Eine furchtbare Vorstellung! Franzi ist sich sicher, dass ihr Verlobter und ihr Vater unschuldig sind und versucht alles Mögliche, um ihnen irgendwie Hilfe zukommen zu lassen.Gleichzeitig versucht sie herauszufinden, wer hinter dieser Intrige stecken könnte.

Zur selben Zeit brodelt es bereits unter den Bürgern von Stuttgart. Herzog Ulrich ist ein verschwenderischer Regent, der sich nicht um seine Untertanen schert. Seine Frau Sabina von Bayern hasst ihren Mann und dessen Geliebte und versucht mit allen Mitteln dieser Ehe zu entfliehen. Sie hütet ein Geheimnis, welches Franzi eines Tages zufällig in der Kirche, in der sie Zuflucht sucht, mithört. Ab diesem Zeitpunkt droht ihr auch von dieser Seite Gefahr.
Gewohnt spannend und fesselnd erzählt Silvia Stolzenburg die Geschichte um Franziska, deren Schicksal man mit klopfenden Herzen und unglaubigen Staunen liest. Glaubt man, ihr könnte nichts mehr zustoßen, wird man kurz darauf eines Besseren belehrt.

Das mittelalterliche Setting Stuttgarts wurde sehr bildhaft und detailliert beschrieben. Ich hatte immer das Gefühl mitten drinnen zu sein und mit Franzi durch die Gassen zu laufen.
Zusätzlich spürt man die Unzufriedenheit unter den Bürgern und ich nehme an, dass die Autorin im folgenden oder letzten Band den Aufstand des "Armen Konrad" als Mittelpunkt nehmen wird. Im ersten Band spürt man bereits die Ansätze dazu.

Mein einziger Kritikpunkt ist das Ende. Es gibt im ersten Band noch keine Auflösung und einen Cliffhanger. Ich hatte das Gefühl mitten aus demLesefluss gerissen zu werden. Das kommt leider nun immer öfters vor und ist nicht wirklich nach meinem Geschmack.
Außerdem bin ich von den anderen Bänden der Autorin gewohnt, dass eine Geschichte abgeschlossen isr, bevor es zum nächsten Band geht. Deswegen kann ich auch keine 5 Sterne vergeben, obwohl mich die Geschichte mitgerissen hat. Ich möchte aber nicht Monate warten und drei Bücher lesen, um endlich zu wissen, wer hinter der Intrige steckt, die Martin und Franzis Vater ins Gefängnis brachten.

Fazit:
Ein spannender Triologieauftakt, der mich ins mittelalterliche Stuttgart entführt und mit der Hauptprotagonistin mitleiden hat lassen. Einen Stern Abzug gibt es für das abrupte Ende mit dem Cliffhanger. Ich hatte das Gefühl mitten in der Geschichte rausgerissen worden zu sein....nun kann ich es gar nicht abwarten, den nächsten Band in den Händen zu halten.

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Veröffentlicht am 11.04.2020

Spannender dritter Fall für Tom Perlinger

Karl Valentin ist tot
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"Karl Valentin ist tot" ist der dritte Band der Reihe rund um den Münchner Hauptkommissar Tom Perlinger und sein Team. Obwohl ich selbst bei Band 2 eingestiegen bin, empfehle ich diese Reihe von Beginn ...

"Karl Valentin ist tot" ist der dritte Band der Reihe rund um den Münchner Hauptkommissar Tom Perlinger und sein Team. Obwohl ich selbst bei Band 2 eingestiegen bin, empfehle ich diese Reihe von Beginn an zu lesen, denn die Krimis sind etwas komplex und der Familien- und Bekanntenkreis unseres Hauptkommissars groß. Zusätzlich gibt es immer wieder Verbindungen zu den Vorgängerbänden.

Am Karl Valentin Gymnasium im Zentrum Münchens bricht spätnachts ein Feuer aus. Der Kellerbrand kann dank der Aufmerksamkeit des Hausmeisters, der die Feuerwehr alamiert, bald gelöscht werden. Doch für eine der Lehrerinnen kommt jede Hilfe zu spät. Hauptkommissar Tom Perlinger wird zur Fundstätte gerufen. Bald stellt er fest, dass eine weitere Lehrerin vermisst wird und die Tote, die stellvertretende Direktorin Marianne Eichstädt, nicht durch das Feuer umgekommen ist. Je länger Tom und Jessica ermitteln, umso durchsichtiger wird der Fall. Außerdem stoßen die beiden auf enormen Leistungsdruck am Vorzeige-Gymnasum, der bereits zwei Selbstmordversuche unter den Schüler ausgelöst haben dürfte. Einer davon ist Fabian Brühl. Am Beispiel seines Vaters und einer weiteren Familie wird klar dargestellt, wie der Leistungsdruck sowohl Kinder, als auch deren Eltern zerstören kann.
Während Tom und Jessica das Umfeld der Lehrer und Schüler durchleuchten, scheint auch ein alter Bekannter von Tom seine Finger im Spiel zu haben. Der russische Oligarch und Immobilienspekulant Ivan Maslov, sein schlimmster Gegner, hat ebenfalls wieder mitzumischen. Zusätzlich taucht Toms ehemaliger Freund Class wieder auf.
Die Münchner Polizei hat es mit einem äußerst ausgeklügelten Kriminalfall zu tun. Geschickt eingebunden sind die Hintergrundinformationen zum titelgebenden Karl Valentin: Münchner Original, Komiker, Volkssänger, Autor und Filmproduzent. Seine Zitate werden immer wieder mit dem Geschehen verflochten und erinnern an das Münchner Urgestein.

Die zahlreichen Figuren haben Wiedererkennungswert und besitzen oftmals unverwechselbare Charakterzüge. Einige davon sind auch Tatverdächtig. Das Privatleben der Ermittler wird perfekt in die Krimihandlung miteingebaut. Für mich ist das Gleichgewicht zwischen dem Kriminalfall und dem Privatleben ausgewogen. Zusätzlich zeigt die Autorin auch das Problem des heutigen Leistungsdrucks bei Kindern auf, sowie Pädagogen, die sich zwar so nennen, aber keinerlei Empathie haben und nur nach Macht und Anerkennung streben. Als es eine weitere vermisste Person gibt, kommt Tom an seine Grenzen.
Der Spannungsbogen bleibt durchgehend hoch und man kann den Krimi nur sehr schwer aus der Hand legen.

Die Münchner Altstadt ist wieder eine perfekte Krimikulisse, die Sabine Vöhringfer sehr lebendig und bildhaft in Szene gesetzt hat. Kein Wunder! Lebt sie doch selbst in der bayrischen Metropole. Trotzdem muss die Umsetzung funktionieren und diese hat Sabine Vöhringer großartig gemeistert. Ich freue mich schon auf den Folgeband!

Schreibstil:
Sabine Vöhringer schreibt sehr bildhaft, detailliert und mit einem Schuss Humor. Besonders gefallen haben mir ihre Beschreibungen der unverwechselbaren Charaktere. Lokalkolorit wird hochgehalten und trotzdem tritt dabei der Kriminalfall nicht in den Hintergrund.
Am Ende des Buches gibt es ein Personenregister und einen skizzierten Stadtplan von München.

Fazit:
Ein komplexer und vielschichtiger Münchenkrimi, der sowohl Spannung, als auch Lokalkolorit bietet. Vielschichtige Charaktere, eine bildhafte und lebendige Beschreibung des Settings und ein spannender Fall runden diesen dritten Band der Reihe perfekt ab. Ich freue mich schon auf den nächsten Kriminalfall.

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Veröffentlicht am 05.04.2020

Zum Träumen, aber trotzdem mit Tiefgang

Hibiskustage
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Manchmal braucht man einen Roman wie diesen, um Abtauchen und Träumen zu können und die Welt um sich herum zu vergessen. Wer auf das himmliche Cover guckt, weiß wohin wir uns bei "Hibiskustage" begeben: ...

Manchmal braucht man einen Roman wie diesen, um Abtauchen und Träumen zu können und die Welt um sich herum zu vergessen. Wer auf das himmliche Cover guckt, weiß wohin wir uns bei "Hibiskustage" begeben: auf eine wunderschöne Insel unter Palmen. Genau dorthin, nämlich auf Hawaii, werden auch Mel, Kerstin und Sarah von ihrer Freundin Izzy eingeladen, die demnächst ihren 40. Geburtstag feiert.

Die vier Frauen waren während der Schulzeit beste Freundinnen, doch mit der Zeit ist jede von ihnen ihren eigenen Weg gegangen. Izzy ist in den USA eine bekannte Moderatorin, Mel lebt an der Ostseeküste, ist verheiratet, hat zwei Kinder und vermietet Ferienhäuser. Kerstin ist Sterneköchin, arbeitet aber unter ihrem Niveau bei ihrem verheirateten Geliebten in der Küche und Sarah, die in London lebt, gibt an Anwältin zu sein, sitzt aber in einem Großraumbüro einer Anwaltskanzlei und arbeitet als Bürokraft. So hat sich jede von ihnen kleine Geheimnisse erhalten, die sie nicht über ihren gemeinsamen Freundinnen Chat "44-ever" kommunizieren. Erst zögern die drei Frauen noch, doch dann reisen sie nach Hawaii um Izzy und die anderen wiederzusehen. Jede versucht den Schein zu wahren, doch nach und nach kommen die kleinen Lügen bzw. Verschleierungen ans Licht.

Abwechselnd lesen wir aus der Sicht von Mel, Sarah und Kerstin, die allesamt auf das Eintreffen von Izzy warten. Die vier Frauen sind sehr unterschiedlich. Jede hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Die gemeinsame Zeit in Izzys Haus verändert sie alle auf eigene Weise und zeigt auf, was im Leben wirklich wichtig ist. Langsam öffnen sie sich wieder und helfen einander den Blick auf das Wesentliche wiederzufinden. Dabei erfahren sie nicht nur fröhliche, sondern auch schmerzliche Momente.

Vom Plot her hatte ich eine gewisse Ahnung, wohin es gehen könnte, aber vornehmlich deswegen, weil ich einmal eine sehr ähnliche Geschichte gelesen habe, die auf den Fidschi-Inseln spielte träumSonst wäre ich wahrscheinlich nicht so bald auf das Geheimnis von Izzy gekommen.

Die lebendige und mitreißende Geschichte fühlt sich wie ein kleiner Kurzurlaub an, den wir im Moment im wahren Leben nicht antreten können. Deswegen empfehle ich allen sich mit "Hibiskustage" aus den Alltag wegzuträumen....aber Vorsicht: Es gibt auch Taschentuchalarm!

Die Charaktere und deren Entwicklung werden von der Autorin sehr gut dargestellt. Ich habe mit den vier Freundinnen mitgelitten, mitgeweint und mich mitgefreut. Alle entwickeln sich weiter und die alte Verbundenheit stellt sich am Ende wieder ein.

Die Landschaftsbeschreibungen, das Inselfeeling und die Bräuche der Einwohner sind so wunderbar dargestellt, dass man am liebsten sofort den Koffer packen würde. Die Meeresschildkröten, die in der Bucht schwimmen und aussehen wie alte Damen mit Kopftuch; Sarahs Surfversuche, die schlussendlich ihre Liebe zum Meer entdeckt oder die wunderschönen Hibiskuspflanzen in Izzys Garten, sowie die einheimischen Speisen aus dem Food-Truck von Mike, zeigen die Besonderheiten des Settings auf. Es gibt so viele wunderbare und magische Momente in diesem Roman, dass man den Zauber der Geschichte einfach nur genießen muss.

Die einzige Kritik, die ich an dieser wunderbaren Geschichte habe, ist die am Ende durchgeführte (verbotene!) Wanderung auf den Haiku Stairs (cirka 3.920 Stufen), auch genannt "Stairway to Heaven", auf die Bergspitze. Diese Strecke, die sich fast über 5 Stunden zieht, ist wegen großer Gefahr gesperrt. Sabine Lay lässt ihre Protagonistinnen aber trotz Lebensgefahr hinaufwandern. Solche Ansätze finde ich in einem Buch bedenklich, denn wir hier in Österreich haben jedes Jahr mit unvernünftigen Wanderern und Bergsteigern zu kämpfen, die mit ihren unzureichenden Equipment oder bei Schlechtwetter das Leben der hiesigen Bergretter gefährden. Deswegen finde ich diese Idee der Autorin nicht gut gewählt.

Der Rest der Geschichte hat mich aber verzaubert und ich kann diesen mitreißenden Roman nur weiterempfehlen.

Fazit:
In Zeiten wie diesen kann man mit diesem Buch zu einem faszinierenden Ort voller Magie reisen und mit den Figuren Hawaii erkunden. Wundervolle Bilder, die die Schönheit der Insel aufzeigen, entstehen beim Lesen im Kopf, aber auch die Werte von Freundschaft und Zusammenhalt bringen Tiefe in die Geschichte.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diesen Seelenwärmer!

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Veröffentlicht am 22.03.2020

Tolle Geschichte, die sich schwer in ein Genre einordnen lässt

Echo des Schweigens
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Wow! Dieses Buch hat mich wirklich überrascht! Eine Mischung aus Justizkrimi, Spannungsroman und einige Rückblicke in die NS-Zeit, die ich gar nicht erwartet hatte, mir aber umso besser gefielen.
Dem Autor ...

Wow! Dieses Buch hat mich wirklich überrascht! Eine Mischung aus Justizkrimi, Spannungsroman und einige Rückblicke in die NS-Zeit, die ich gar nicht erwartet hatte, mir aber umso besser gefielen.
Dem Autor ist es außerdem gelungen durch einige Verknüpfungen eine komplexe Geschichte zu kreieren, die mich bis zum Ende haben rätseln lassen, wie alles zusammenhängen könnte. Chapeau!

Aber beginnen wir einmal von vorne....Strafverteidiger Hannes Jansen steht kurz vor einem neuen Karrieresprung. Ihm wird bei erfolgreicher Verteidung eines neu aufgerollten Falles die Partnerschaft in einer alteingesessenen Hamburger Kanzlei angeboten. Nach einem neuen rechtsmedizinischen Gutachten soll ein Dessauer Polizeibeamte einen farbigen Asylwerber in einer Ausnücherungszelle misshandelt und anschließend angezündet haben. Hannes ist zuerst von der Unschuld seinen Mandaten überzeugt, doch nach und nach kommen ihm Zweifel. Als seine Referendarin plötzlich beim Prozess mit einem neuen Beweismittel auftaucht, das nur ihm zugänglich ist, beginnt er die Unschuld seines Mandaten zu hinterfragen.

Im zweiten Strang befinden wir uns in Zermatt in der Schweiz. Sophie Tauber hat eben ihre Mutter verloren. Ihren Vater hat sie nie kennengerlernt. In den Unterlagen ihrer Mutter findet sie einige Hinweise auf ihren Vater, denen sie nachgeht, wie auch eine geheimnisvolle Fotografie einer Frau. Puzzlestück um Puzzlestück reiht sich hier aneinander und führen Sophie zurück in ihre eigene Familiengeschichte und somit ins Jahr 1941, zur Jüdin Lea und der glamurösen Daphne, der Frau am Foto.
Zu diesem Zeitpunkt lernen sich auch Hannes und Sophie kennen. Da sie beide nicht intensiv über ihre Berufe sprechen und einiges auch nicht ausplaudern dürfen, weiß Hannes nicht, dass Sophie diejenige ist, die seinen aktuellen Fall neu aufrollen hat lassen....

Und in einem dritten Strang befinden wir uns im Jahre 1938 und lernen zwei sehr unterschiedliche Brüder kennen, die eine Schnapsbrennerei geerbt haben und sich um die Anteile streiten. Während einer sich den Nazis anschließt, lernt der andere eine Jüdin kennen und lieben. Lange weiß man nicht, was diese Geschichte, die immer mehr Raum einnimmt, mit Hannes und Sophie zu tun hat. Erst sehr spät begreift der Leser die Zusammenhänge, die wesentliche Bestandteile der vielschichtigen Handlung sind. Diese Komplexität macht diese Mischung aus Roman und historischen Justizkrimi zu etwas besonderen.

Aufgrund der Buchbeschreibung war ich über den Strang aus dem Dritten Reich überrascht, da ich angenommen hatte, hier dreht sich alles um die Frage um Recht und Gerechtigkeit bei der Anklage des Polizisten. Da ich aber sehr gerne historische Krimis lese, war es für mich eine überaus positive Überraschung. Zusätzlich gibt es noch eine Liebesgeschichte, die aber eher im Hintergrund bleibt, was ich gut finde. Mehr davon hätte ich nicht gebraucht...

Die Geschichte in der Gegenwart um den neu aufgerollten Fall und die Handlung aus der Vergangenheit haben aber eines gemeinsam, nämlich die Frage: "Was ist Recht und was Gerechtigkeit?" Dies ist auch der rote Faden der Geschichte, die Markus Thiele von allen Seiten beleuchtet. Dazu kommt noch das Thema Moral, die jeder anders sehen kann.

Dass der Autor selbst Rechtsanwalt ist, merkt man besonders bei seinen Auszügen im Gerichtssaal. Diese sind allerdings auch für Laien gut verständlich. Die Problematik eines Rechtsstaates, was die Schuldfrage angeht, wird sehr aussagekräftig dargestellt. Menschenrechte, Recht und Unrecht, sowie der neu aufkommende Rechtsdruck sind ebenfalls Themen, die gekonnt in die Handlung eingebracht wurden.

Eine kleine Kritik habe ich trotzdem. Die Beziehung zwischen Sophie und ihren Vater, die sich nach Jahren erst gefunden haben, fand ich nicht ganz glaubwürdig. Das Gefühl als Kleinkind vom Vater verlassen worden zu sein, steckt man nicht so schnell weg und die zu schnelle herzliche und innige Beziehung zwischen den beiden fand ich zu überhastet.

Charaktere und Schreibstil:
Die Figuren wurden sehr gut ausgearbeitet und wirken authentisch. Der Schreibstil ist klar und lässt sich gut lesen. Es ist nicht unbedingt ein Buch, das man nebenbei liest, denn die Geschichte ist vielschichtig und fesselnd.
Die Aufmachung finde ich absolut gelungen. Der Schutzumschlag und der Bucheinband darunter erscheinen negativ und postiv, schwarz und weiß, was auch hervorragend zum Thema passt.

Fazit:
Ein komplexer und vielschichtiger Roman, der mich positiv überrascht hat. Die Mischung aus Justizkrimi, Familiendrama und dem historischen Rückblick ins Dritte Reich fand ich richtig gelungen. Eine etwas andere Geschichte, die fesselt und der man auf jeden Fall alleinige Aufmerksamkeit widmen sollte. Ich empfehle diesen Roman gerne weiter!

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