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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Gelungener Mix aus Krimi, Politthriller und "Milieustudie"

Blutgeld
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Spätestens nach diesem Buch weiß man sicher, dass unheimlich vieles auf dem schwarzen Kontinent genau eins nicht ist: nämlich schwarz. Oder weiß. Nein, es gibt kein schwarz/weiß, es gibt grau in wahnsinnig ...

Spätestens nach diesem Buch weiß man sicher, dass unheimlich vieles auf dem schwarzen Kontinent genau eins nicht ist: nämlich schwarz. Oder weiß. Nein, es gibt kein schwarz/weiß, es gibt grau in wahnsinnig vielen Schattierungen. Und alles, was auf den ersten Blick logisch erscheint, wird bei genauerem Hinsehen diffus. So, als würde man zu lange in einen grauen Himmel sehen, so dass die Helligkeit vor den Augen zu flackern beginnt. So in etwa muss man sich diesen Roman vorstellen.

Die Grundsituation ist noch nachvollziehbar: Bei einer Drogenrazzia wird ein junger Afrikaner festgenommen, der in der Vernehmung von der Geiselnahme eines Norwegers durch afrikanische Guerillatruppen erzählt. Aber dann… Die Kriminalpolizei wird hellhörig. Das Außenministerium wird hinzugezogen. Die Geisel ist der Sohn eines schwerreichen norwegischen Industriellen. Irgendwie scheint Öl im Spiel zu sein… Ganz sicher sind mehrere afrikanische Rebellengruppen im Spiel. Und damit nimmt eine hochkomplexe Geschichte um die üblichen Faktoren – Geld, Macht, Einfluss – ihren Lauf.

Man muss sich wirklich konzentrieren, um der Handlung gut folgen zu können. Es mischen viele unterschiedliche Parteien, Gruppierungen, Einzelpersonen mit – das hat mich am Anfang etwas angestrengt. Auch, weil ich die vielen norwegischen und afrikanischen Namen zunächst nur schwer auseinanderhalten konnte. Oft musste ich kurz innehalten um zu überlegen, wer das denn jetzt war und in welchem Zusammenhang er schon einmal aufgetaucht ist. Aber das Durchhalten lohnt sich, denn nach dem ersten Drittel wird man mit den Figuren sicherer und es kommen nicht mehr so viele dazu. Das hat wieder mehr Lesefreude gegeben. Außerdem muss man dem Autor zugute halten, dass er es geschafft hat, trotz des schwierigen Themas einen gut lesbaren Erzählstil zu finden.

Man erfährt in diesem Buch viel über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikte in afrikanischen Staaten. Besonders das Thema Kindersoldaten wird recht schonungslos offengelegt. Das ist keine angenehme Lektüre – aber sicherlich eine Wahrheit. Besonders dafür muss man diesem Kriminalroman dankbar sein: dass hier Themen aufgegriffen werden, die der „Wohlstandseuropäer“ sonst gern bequem beiseite schiebt.

Deshalb hoffe ich, dass möglichst viele Leute diesen Roman lesen und sich darauf besinnen, wie gut es uns Europäern geht: mit klaren politischen Strukturen (auch wenn sie nicht jedem gefallen), mit einem funktionierenden Polizeiapparat (auch wenn er derzeit an Grenzen stößt), einer hochwertigen hygienisch-medizinischen Versorgung und mit dem Bewusstsein, dass wir nicht – wie so viele Afrikaner - jeden Tag ums nackte Überleben kämpfen müssen.

Wer sich also für einen Blick über den Tellerrand interessiert – auch wenn er nicht angenehm ist – dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Großes historisches Abenteuer

Kinder des Meeres
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Dieser Roman hat mir mal wieder so richtig Lust auf historische Erzählungen gemacht. Nachdem ich sie eine ganze Weile zugunsten von Krimis und ein paar Frauen-Schmonzetten links liegen gelassen hatte, ...

Dieser Roman hat mir mal wieder so richtig Lust auf historische Erzählungen gemacht. Nachdem ich sie eine ganze Weile zugunsten von Krimis und ein paar Frauen-Schmonzetten links liegen gelassen hatte, ist mein Appetit auf historisches Lesefutter nun wieder da Und mit historisch meine ich nicht die Zeit von 1900 an, sondern so richtig, richtig historisch. Denn mit diesem Roman befinden wir uns in der Zeit Heinrich des Achten (ja, der mit den vielen Frauen).

Charlotte Lyne hat mich mit ihrem Schreibstil gleich fesseln können. Sie beschreibt die historischen Begebenheiten in einem Stil, der dem heutigen Leser geläufig ist – aber dennoch so, dass man sich die Details lebhaft vorstellen kann. Ob es immer korrekt ist, den Protagonisten zum Teil recht moderne Redewendungen bzw. Floskeln in den Mund zu legen, darüber kann man sicher trefflich streiten. Aber für mich ließ sich das Buch dadurch wunderbar leicht lesen und ich war immer mitten drin im Geschehen.

Die Geschichte an sich handelt von einer Freundschaft zwischen drei Menschen, die stärker ist als die oftmals widrigen Umstände der damaligen Zeit. Natürlich birgt es eine Menge Zündstoff, wenn drei Kinder (zwei Jungen und ein Mädchen) zusammen erwachsen werden und so eng befreundet sind. Ihre gegensätzlichen Charaktere tun das Übrige und so kommt es zu allem, was ein guter historischer Abenteuerroman haben muss: Liebe, Verrat, Intrigen. Nicht immer fand ich es zu 100 % nachvollziehbar, wie die Hauptpersonen Anthony, Sylvester und Fenella reagiert haben oder wie sie mit schwierigen Situationen umgegangen sind. Soviel Großmut kann ich mir in einer Zeit, in der es des öfteren ums nackte Überleben ging, nicht vorstellen. Aber eine mitreißende Geschichte, die einen über die gesamten 600 Seiten zu fesseln vermag, ist es trotzdem.

PS: Den Klappentext finde ich nicht so gelungen, da er im Grunde das ganze Buch vorwegnimmt. Die „Rivalität“ zwischen den Männern um die Gunst von Fenella entwickelt sich erst im letzten Drittel und die erwähnte Seeschlacht findet wirklich erst auf den letzten 50 Seiten statt. Zum Glück ist die Geschichte dazwischen so spannend, dass der vorweggenommene Showdown nicht ganz so ins Gewicht fällt.

Veröffentlicht am 10.12.2025

Eher ernst als cosy

Das Geheimnis der Weihnachtskiste
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Das Geheimnis der Weihnachtskiste von Lisa Ahland ist ein echter Hingucker - das Cover ist wunderschön weihnachtlich und edel gestaltet. Doch was für eine Geschichte verbirgt sich zwischen den Buchdeckeln?

Nun, ...

Das Geheimnis der Weihnachtskiste von Lisa Ahland ist ein echter Hingucker - das Cover ist wunderschön weihnachtlich und edel gestaltet. Doch was für eine Geschichte verbirgt sich zwischen den Buchdeckeln?

Nun, erstaunlicherweise eine viel ernstere als ich erwartet hatte. Wir sind auf Husum an der winterlich-stürmischen Nordsee und ergründen ein Familiengeheimnis, das dazu führte, dass in Henrikes Familie nie Weihnachten gefeiert wurde.

Eine große Rolle spielen dabei eine alte Fischerkate, ein Weihnachtsmuseum, Rikes Schulfreund Jasper und natürlich die ominöse Weihnachtskiste, die weihnachtliche Dekorationsgegenstände aus den letzten 100 Jahren enthält.

Schon allein aufgrund des Weihnachtsmuseums (das es auf Husum tatsächlich gibt) kommt viel Adventsstimmung beim Lesen auf. Mir persönlich war die Geschichte über lange Strecken aber etwas zu melancholisch. Ich hätte mir eine unbeschwertere Grundstimmung gewünscht.

Wer damit allerdings kein Problem hat, wird mit einer feinfühligen Geschichte rund ums Weihnachtsfest belohnt.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Der Vergleich mit den „Flusskrebsen“ drängt sich auf…

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Nach vielen Jahren kommt Elijah in seinen Heimatort zurück. Hier ließ er seinen alkoholsüchtigen Vater zurück, seine Kindheit und seine erste große Liebe, die indigene Nakita. Ein gefeierter Schriftsteller ...

Nach vielen Jahren kommt Elijah in seinen Heimatort zurück. Hier ließ er seinen alkoholsüchtigen Vater zurück, seine Kindheit und seine erste große Liebe, die indigene Nakita. Ein gefeierter Schriftsteller wollte er werden – doch er kommt zurück, nachdem sein Buch floppte und die Geldmittel nicht mehr reichen, um sein Leben in San Francisco zu finanzieren. Nach dem Tod des Vaters zieht er in dessen Hütte mitten in der Natur und baut sich ein bescheidenes, aber fast unabhängiges Leben auf. Doch dann wird auf seinem Grundstück die Ärztin des Ortes erhängt aufgefunden – und die Umstände ihres Todes gleichen haargenau dem Verbrechen, das Elijah in seinem Roman geschildert hatte. Für ihn beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn alle Indizien sprechen gegen ihn…

 

Sarah Crouch versucht in ihrem Roman dem Beispiel von „Der Gesang der Flusskrebse“ zu folgen. Das Buch lebt von ausladenden Naturbeschreibungen, der Protagonist versucht sich inmitten dieser Natur ein weitgehend autarkes Leben aufzubauen. Mit einem mysteriösen Todesfall kommt Spannung in den Roman und der Protagonist wird zum Verdächtigen. Die Zutaten sind also die gleichen, nur der Schauplatz – in diesem Fall die Westküste der USA nahe Seattle – ist ein anderer. Doch gelingt es Sarah Crouch genau so gut wie Delia Owens, diese Zutaten zu einem „perfekten Dinner“ zu verarbeiten? Aus meiner Sicht nicht ganz.

 

Eigentlich sollte man Bücher nicht vergleichend bewerten, aber da die Vergleichbarkeit hier scheinbar sehr bewusst gewählt wurde, muss das Buch dem auch standhalten... Während ich an Delia Owens Protagonistin Kya ganz nah dran war und mit ihr mitgefiebert und -gelitten habe, blieb ich zu Elijah aus irgendeinem Grund auf Distanz. Er hat mich einfach nicht so für sich einnehmen können. Die Nebenfigur der Nakita fand ich wiederum sehr gut getroffen – hier hätte ich mir gewünscht, noch mehr über das Leben indigener Personen in einem Reservat in den USA zu erfahren. Auch Elijahs väterlicher Freund Chitto war eine wunderbare Figur, die ich sehr gemocht habe. Umso mehr ärgert es mich, dass es mir nicht gelang, die gleiche Verbundenheit zu Elijah aufzubauen.

 

Spannendes Lesevergnügen stellte sich bei mir leider erst im letzten Drittel ein, als es um den Mordprozess gegen Elijah ging. Da nahm die Dramatik noch mal richtig Fahrt auf und hat für einen Abschluss des Buches gesorgt, der mich teilweise mit der etwas behäbigen Handlung zwischendurch versöhnt hat.

 

Als Leser sollte man noch wissen, dass der Roman viele Zeitsprünge beinhaltet, und zwar nicht nur in eine Richtung. Dieses Hin- und Herspringen innerhalb der Jahre 1988 bis 1994 könnte es Hörbuch-Hörern schwer machen, die Geschichte zu verfolgen. Ich würde daher zum Lesen, nicht zum Hören raten.

 

Insgesamt war es eine Geschichte, die von Inhalt und Aufbau sehr deutlich an „Der Gesang der Flusskrebse“ erinnert, ohne jedoch dessen grandioses Lesegefühl vermitteln zu können. Wer das Buch aber vorbehaltlos zur Hand nimmt und Nature Writing mit einem Hauch Spannung mag, wird an dem Buch sicher Freude haben.

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Veröffentlicht am 17.11.2024

Vom Star zum „ganz normalen“ Leben

Die Wildblütentochter (Die Blumentöchter 2)
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Soley ist als Sängerin auf der ganzen Welt unterwegs und hat ihr Jet-Set-Leben genossen. Doch plötzlich fühlt sich alles nicht mehr richtig an. Als ihr – ebenfalls berühmter - Lebenspartner sie betrügt ...

Soley ist als Sängerin auf der ganzen Welt unterwegs und hat ihr Jet-Set-Leben genossen. Doch plötzlich fühlt sich alles nicht mehr richtig an. Als ihr – ebenfalls berühmter - Lebenspartner sie betrügt und sie dies über veröffentlichte Fotos im Internet erfährt, hinterfragt sie ihr bisheriges Leben. Sie beschließt, sich eine Auszeit zu gönnen im Land ihrer Vorfahren, denn ihr Vater stammt aus Island. Bereist hat sie dieses Land bisher nie, denn ihr Vater spricht nie über seine Herkunft. Dennoch findet sie im Elternhaus ein Gemälde mit dem Porträt einer jungen Frau, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie nimmt sich vor herauszufinden, wer sie war und kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur.

Tessa Collins entführt uns im zweiten Band ihrer Blumentöchter-Reihe ins kühle, aber wunderschöne Island. Gemeinsam mit Soley entdeckt man als Leser die Schönheit der Insel und ein Stück weit auch ihre Geschichte. Das Buch macht Lust auf eine Reise nach Island und bringt einem auch die Lebensweise der Bewohner näher.

Insofern hätte es für mich ein wunderschönes Buch zum Träumen und Abschalten vom Alltag sein können. Wenn… ja wenn da nicht Soley gewesen wäre, die mich ab und an ziemlich genervt hat. So gut ich ihre Sehnsucht nach Ruhe und ihr Ausgebranntsein verstehen konnte – aber manchmal wollte ich sie einfach nur schütteln, damit sie endlich mal handelt… Sie verschweigt ihrem Love Interest Jon über das gesamte Buch hinweg, dass sie eine berühmte Sängerin ist. Sie merkt ganz genau, wenn es Gelegenheiten gibt, sich ihm zu offenbaren – aber sie tut es nie. Und das passiert nicht nur ein oder zwei Mal im Roman, sondern bestimmt sechs oder sieben Mal. Es war einfach nur nervig und als Leser wird man mit der Nase drauf gestupst, dass hier künstlich ein Konflikt aufgebaut wird (natürlich findet es Jon im ungünstigsten Moment heraus und natürlich führt das zu einem massiven Streit zwischen Soley und ihm). Hätte es hier nicht elegantere Möglichkeiten gegeben, Spannung aufzubauen? Ich hatte hierdurch leider nicht das Gefühl, dass Soley eine reflektierte Frau ist, sie wirkte auf mich sehr unreif.

So sehr ich auch die sonstige Geschichte, das Setting und vor allem den Handlungsstrang in der Vergangenheit mochte - Soleys Art und der Eindruck fehlender Charakterentwicklung hat das Buch für mich leider nicht ganz rund erscheinen lassen. Dabei hatte mir Teil 1, der in Mexiko spielte, so gut gefallen! Aber ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterlesen, denn mir gefällt das Konzept der Reihe sehr gut und ich bin mir sicher, dass ich mit einem neuen Buch und einer neuen Protagonistin beim nächsten Mal wieder mehr Freude daran haben werde!

Fazit:
Ein Roman zum „Weglesen“, zum Wegträumen ins wunderschöne Island und damit gut geeignet als Entspannungslektüre nach Feierabend oder am Wochenende.











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