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Veröffentlicht am 14.05.2020

Prickelnder Business-Roman

Dirty Rich - Verbotene Sehnsucht
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Carrie West hat jede Menge geschäftliche Probleme zu lösen: „West Enterprises“, die Firma ihrer Familie, wurde ihr durch eine feindliche Übernahme entrissen, ihr Vater als Geschäftsführer abgesetzt. Carrie ...

Carrie West hat jede Menge geschäftliche Probleme zu lösen: „West Enterprises“, die Firma ihrer Familie, wurde ihr durch eine feindliche Übernahme entrissen, ihr Vater als Geschäftsführer abgesetzt. Carrie möchte alles dafür tun, das Familienunternehmen und ihre Angestellten zu retten, doch dazu muss sie an einem Mann vorbei: Reid Maxwell ist Unternehmensanwalt der Sohn des Mannes, der Carries Firma zerstört hat. Noch dazu ist Reid Maxwell skrupellos, arrogant – und wahnsinnig gutaussehend. Carrie kämpft für das Überleben von West Enterprises, auch wenn das bedeutet, eng mit Reid zusammenarbeiten zu müssen. Doch trotz ihres Hasses auf den Mann kann sie sich auch seiner Anziehungskraft nicht wiedersetzen, der auch er sich nicht entziehen kann … und so beginnt eine Geschichte voller Leidenschaft, Geheimnisse und einer Familienfehde, in die die beiden unwillkürlich mit hineingezogen werden.

„Dirty Rich – Verbotene Sehnsucht“ ist der dritte Band der „Dirty-Rich“-Reihe von Lisa Renee Jones und auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände problemlos zu durchdringen. Erfahrene Leser der Reihe werden sich über ein Wiedersehen mit Charakteren aus den ersten beiden Bänden freuen, Neueinsteigern wird es an keinerlei Hintergrundinformationen fehlen. Allerdings besteht für letztere akute Suchtgefahr, das dringende Bedürfnis sich die ersten beiden Bände zuzulegen lässt sich nicht abstreiten, da das Lesen einfach nur Spaß macht.

Dies liegt nicht zuletzt am sehr anschaulichen und flüssigen Schreibstil von Lisa Renee Jones (lediglich gestört durch ein paar unschöne Ausdrücke, die sich leider aber wiederholen). Die Emotionen und insbesondere das erotische Knistern zwischen den Protagonisten wird deutlich spürbar, als Leser wird man regelrecht mitgerissen und fühlt stark mit Carrie und Reid mit. Das Buch ist in Ich-Perspektive geschrieben, wobei sich hier je nach Kapitel die Sichtweisen der beiden Protagonisten abwechseln und er Leser somit beide Persönlichkeiten mit all ihren Gedanken und Gefühlen gut kennenlernt und das Geschehen so tiefer durchdringen und verstehen kann. Leider besteht bei diesem Perspektivenwechsel ein deutliches Ungleichgewicht in Richtung Carrie, ich hätte mir hier etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht.

Bereits der Einstieg in die Geschichte erfolgt sehr schnell, es geht direkt heiß los und die Neugier des Lesers über die Hintergründe dieses außergewöhnlichen Zusammentreffens ist sofort geweckt. Im Mittelteil kommt es teilweise zu Wiederholungen, die das Buch unnötig in die Länge ziehen (z.B. ständige Erwähnung des „Handschellen-Vorfalls“ aus den ersten Kapiteln) und hätten gestrafft werden können. Des Weiteren werden immer wieder dieselben Punkte in aller Ausführlichkeit thematisiert, so dass ich von Neugier zu Erwartung zu Langeweile wechseln musste, bis sich endlich die häufig angedeuteten Punkte geklärt haben. Der Schlussteil wiederum überzeugt genauso wie die clever eingestreuten erotischen Szenen voller Prickeln und Emotionen.

Carrie und Reid sind als Protagonisten gut und facettenreich ausgearbeitet und wirken beide auf ihre Art und Weise authentisch. Carrie ist eine starke Frau, die sich kämpferisch gibt und dem scheinbar übermächtigen Anwalt selbstbewusst die Stirn bietet. Jedoch hat sie auch eine sensible Seite, die sie jedoch im Business gut verstecken kann. Ich mag ihre Schlagfertigkeit sowie ihren gezielt eingesetzten Charme und kann mir gut vorstellen, dass sie als Geschäftsfrau sehr erfolgreich ist. Reid hingegen war für mich zunächst schwerer zu greifen, es dauert bei ihm länger, bis er sympathisch wird und auch den Leser hinter seine „Mistkerl“-Fassade blicken lässt. Gerade hierdurch ist es der Autorin aber wunderbar gelungen, eine Entwicklung in Reids Persönlichkeit zu vollziehen und den Leser wunderbar an dieser teilhaben zu lassen. Dadurch, dass diese Entwicklung langsam vonstattengegangen ist und er auch ab und an wieder in das alte Verhalten zurückgefallen ist, erscheint sein Wandel sehr authentisch und lebensnah. Auch wird deutlich, wie die Mauer um ihn herum bröckelt und Carrie es schafft herauszufinden, warum er zu dem rücksichtslosen Anwalt geworden ist, den er nach außen hin zeigt. Auch Nebenfiguren wie Cat, Connie oder Sallie überzeugen.

Ich fand es sehr interessant mitzuverfolgen, wie sich die Beziehung von Carrie und Reid permanent gewandelt hat: Von Hass zu reiner Geschäftsbeziehung über Affäre hin zu Vertrauen(sbruch) bis zu Liebe wurden sämtliche Entwicklungen nachvollziehbar dargestellt. Die ständigen Machtspielchen um Dominanz und Oberhand zwischen den beiden waren gut ausgearbeitet, ebenfalls die Geheimnisse und versteckten Fehden. Auch gab es interessante Einblicke in geschäftliche Situationen des Investmentbusiness, die aber sicherlich für manchen Leser schwer zu verstehen sind. Als Kontrast zum Arbeitsalltag werden immer wieder Situationen und Gespräche über die Themen Vertrauen und Familie eingestreut, was für mich eine gute Verbindung aus Privat- und Berufsleben der beiden Karrieremenschen darstellt.

Fazit:
Lisa Renee Jones ist ein sehr guter Business-Roman gelungen, der eine super Mischung aus Arbeitssituationen, Erotik, Gefühl und tiefergehenden Themen beinhaltet und unterhaltsame Lesestunden garantiert.

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  • Charaktere
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Veröffentlicht am 10.05.2020

Was „normalen“ Leuten nicht passiert…

Die Komplizin
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Es ist eine ganz alltägliche Situation, die so ständig passiert: Die junge Krankenschwester Anna Selbig ist mit dem Auto auf dem Heimweg von der Arbeit. Doch dieses Mal wird alles anders sein: An einer ...

Es ist eine ganz alltägliche Situation, die so ständig passiert: Die junge Krankenschwester Anna Selbig ist mit dem Auto auf dem Heimweg von der Arbeit. Doch dieses Mal wird alles anders sein: An einer roten Ampel stürmen plötzlich zwei bewaffnete Männer in ihren Wagen und zwingen sie zur Kooperation. Diego und sein Bruder sind Mitglieder der kriminellen Gang der „Streetsurfer“ und wurden zum gefühlslosen, brutalen Handeln und Töten erzogen. Seit einiger Zeit kann sich Diego allerdings nicht mehr mit den Zielen und dem Vorgehen seiner Vereinigung identifizieren, er plant den Ausstieg – und nutzt dabei Annas Auto zur Flucht. Die Leben von Diego und Anna verstricken sich auf der Reise von Hamburg nach Spanien immer mehr miteinander und langsam entwickeln sich erste Gefühle zwischen Entführer und Entführten. Neben der Polizei sind ihnen aber auch die „Streetsurfer“ dicht auf den Fersen – wird es ihnen gelingen, ein neues Leben zu starten?

„Die Komplizin“ von Ellen Puffpaff ist ein logisch und durchdacht konstruierter Thriller voller Überraschungen. Er beginnt zunächst in zwei Handlungssträngen, welche den Leser in die unterschiedlichen Welten Annas und Diegos einführen. Bereits in den ersten Szenen erkennt man den deutlichen Bezug zum Cover, die im Buch geschilderte Situation ist sehr passend dort abgebildet und der Leser direkt abgeholt und mitten im Geschehen. Die Spannung wird somit gleich zu Beginn des Buches aufgebaut und fällt bis zum Ende hin nie wirklich ab. Viele Kapitel enden mit Cliffhangern, so dass man unmöglich aufhören kann zu lesen, da Neugierde, wie es wohl weiter geht, einfach zu groß ist. Ich mag es sehr, dass das Buch ständig unvorhergesehene Wendungen nimmt, mit denen man nicht gerechnet hat. Gegen Ende hin nimmt die Geschichte noch einmal richtig Fahrt auf, die Ereignisse haben sich regelrecht überschlagen. Leider hinterlässt es mich aber mit gemischten Gefühlen, vieles was mich noch interessiert hätte wurde leider nicht mehr aufgeklärt. Es soll ein Folgeband erscheinen, in dem diese Fragen gelöst werden, für mich endete die „Die Komplizin“ deshalb aber unbefriedigend.

Ellen Puffpaff ist es gelungen, ihre Charaktere sehr stark auszuarbeiten, insbesondere die Protagonisten wirken authentisch und lebensnah. Anna gefällt mir richtig gut. Sie ist ein starker, sympathischer Charakter, mit dem man sich als Leser identifizieren und mitfühlen kann. Ihre fürsorgliche und verständnisvolle Art trägt maßgeblich dazu bei, dass sich ein Vertrauensverhältnis zwischen ihr und Diego aufbauen kann. Dieser wird als Gegensatz zu Anna dargestellt und fungiert in „Die Komplizin“ als tragische Figur, die sich einfach nur wünscht normal zu sein. Diego kämpft mit seinen inneren Dämonen und wirkt zerrissen zwischen Schuldgefühlen, seiner Sozialisation und den neuen, bisher ungewohnten Gefühlen. Trotz seiner Vergangenheit und Unberechenbarkeit gelingt es der Autorin, Diego dem Leser im Laufe seiner Entwicklung verständlich zu machen und Mitleid mit ihm zu empfinden.

Die Wandlung der Charaktere im Laufe der Geschichte und die Entstehung ihrer (teilweise ungesunden) Beziehungen zu- bzw. voneinander weg geben dem Buch eine weitere Brisanz – das sich ständig neu ordnende Beziehungsgeflecht der agierenden Personen zu verfolgen ist psychologisch sehr interessant. Anna entwickelt ein regelrechtes Stockholm-Syndrom ihrem Peiniger gegenüber, während die eigentliche langjährige Beziehung zu ihrem Partner Nico immer mehr in Vergessenheit gerät. Schnell hängt Anna ganz tief mit drin, ihr Leben ist sogar von Diego abhängig – so entwickelt sich Anna langsam aber sicher von der Geisel zur Komplizin; eine interessante Wendung, die sogar (zumindest in Teilen) nachvollziehbar dargelegt wird.

Insgesamt ist „Die Komplizin“ eine vertrackte Geschichte, die trotz allen ungeheuerlichen Vorkommnissen immer realistisch bleibt und tatsächlich so passieren könnte. Deshalb kann sich der Leser gut mit Anna identifizieren, die auch nur dadurch, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort war und den falschen Leuten über den Weg gelaufen ist, in eine derartige Lage geraten ist. Das Buch zeigt gut auf, wie schnell man als ganz normaler Mensch vollkommen unverschuldet in eine brenzlige Situation geraten kann. Ein großes Lob an die Autorin für so viel Realitätsnähe!

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Veröffentlicht am 02.05.2020

Gefangen im Netz aus Lügen

VERGESSEN - Nur du kennst das Geheimnis
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Kirsty wagt mit ihrer Familie wagt einen Neuanfang: Nachdem ihr Mann Adrian einen Zusammenbruch mit Selbstmordversuch hatte, lassen sie mit ihren beiden Töchtern das alte Leben in London hinter sich und ...

Kirsty wagt mit ihrer Familie wagt einen Neuanfang: Nachdem ihr Mann Adrian einen Zusammenbruch mit Selbstmordversuch hatte, lassen sie mit ihren beiden Töchtern das alte Leben in London hinter sich und renovieren in einem kleinen Dorf in Wales ein altes Pfarrhaus, um es als Gästehaus zu führen. Die jüngste Tochter Evie hat ein schlechtes Gefühl und glaubt, dass es in dem Haus spukt und auch die Dorfbewohner stehen der neuen Familie und dem Haus an sich skeptisch gegenüber. Zu allem Unglück taucht eines Tages Kirstys Cousine Selena mit ihrer kranken Tochter Ruby vor der Tür auf. Nach einem großen Bruch vor fast 20 Jahren, ausgelöst durch Selenas ständige Lügen, hatten die beiden ehemals besten Freundinnen keinen Kontakt mehr zueinander. Aus Mitleid zu Ruby erlaubt es Kirsty den beiden zu bleiben. Ab diesem Tag liegt plötzlich jeden Morgen ein verwelkter Blumenstrauß vor der Tür. Darauf angesprochen verwebt sich Selena immer weiter in neue Lügen, die letztendlich in einem großen Unglück enden…

„VERGESSEN“ ist der neue Thriller der SPIEGEL-Bestsellerautorin Claire Douglas. Das Cover empfinde ich als absolut passend zum Inhalt, der Leser bekommt eine gute Vorstellung des Gästehauses, welches so auch im Inhalt dargestellt wird. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und aufgrund der detaillierten Beschreibungen von Personen, Räumlichkeiten und Umgebungen lebensnah. Das Buch ist aus Ich-Perspektive von Mutter Kirsty geschrieben, der Leser erlebt das Geschehen aus ihrem Blickwinkel.

Durch diesen Fokus wird Kirsty als Protagonistin von allen Figuren am greifbarsten. Ihre (Selbst-)Zweifel, Ängste und ihr Beschützerinstinkt werden gut vermittelt. Teilweise wird sie durch ihr Über-Bemuttern und die Geheimniskrämerei aber auch etwas anstrengend. Insgesamt sind die wichtigsten Personen sehr gut und individuell gezeichnet, vielleicht mit Ausnahme von Adrian, der etwas blass bleibt. Schön fand ich hingegen die authentischen Charakterdarstellungen und Handlungen der Kinder. Auch Selenas manipulativer Charakter wurde so nachvollziehbar dargestellt, dass man als Leser selbst irgendwann nicht mehr wusste, was man ihr noch glauben kann und was nicht – eine absolut gelungene Antagonistin.

Das Buch beginnt spannend mit einem Prolog, der neugierig macht, gruselt und Fragen aufwirft. Anschließend teilt sich „VERGESSEN“ in einen Part „Davor“ und einen „Danach“, bezogen auf das Ereignis des Prologes, was ich eine sehr kreative Idee fand. Demensprechend sind die Kapitel auch mit z.B. „Zwei Tage zuvor“ überschrieben, was zusätzlich die Spannung hoch treibt. Im „Davor“-Teil erfährt der Leser zunächst viele Details und Einzelheiten aus Kirstys Leben und Alltag, es werden immer wieder Andeutungen auf tragische Ereignisse in der Vergangenheit gemacht, die sich nach und nach erst aufklären und u.a. durch eigene Kapitel mit Rückblicken erst verständlich werden. Teilweise sind diese Geheimnisse aber recht schnell abgehandelt und/oder weniger spektakulär, als zuvor angedeutet wurde, was dann ein eher enttäuschendes Gefühl zurücklässt. Auch sind für mich etwas viele Zufälle zusammengekommen. Leider wurde mir auch der Bezug zum Titel nicht wirklich ersichtlich, er könnte höchstens auf eine der Nebengeschichten aus der Vergangenheit hindeuten, welche dafür aber nicht genug Platz im Buch eingeräumt bekommen hat.

Der Plot an sich ist sehr gut durchdacht und durchstrukturiert, Claire Douglas schafft es auf geschickte Art und Weise, den Leser auf immer falsche Fährten zu locken. Da insgesamt sehr viele Personen auftauchen, bin ich in Teilen etwas durcheinander gekommen, verstehe aber, dass dies notwendig für das ausgeklügelte Ratespiel war, wer denn nun der Mörder ist. Die Indizien sprechen immer wieder für neue Personen, gefühlt hatte so gut wie jeder einen eigenen Grund den Mord zu begehen und macht sich somit verdächtig. Man hat es also mit einem kompliziert-vertrackten Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie zu tun, in dem nicht jeder jedem alles erzählt und nichts so ist, wie es scheint. Nach einigen nicht vorhersehbaren Wendungen war für mich dann auch die Lösung sehr überraschend, aber doch nachvollziehbar – super, so machen Thriller Spaß!

Am Ende wurden zwar nicht alle Handlungsstränge vollständig aufgeklärt, aber es hätte der Geschichte auch an Glaubwürdigkeit genommen, wenn plötzlich „heile Welt“ geherrscht hätte. Es wird nur nicht klar, ob es noch einen Nachfolgeband geben wird, der sich mit dem (angeblichen) Spuk im Haus und Evies Rolle befassen wird.

Fazit:

Eine raffiniert konstruierte Familiengeschichte voller Lügen, die schon spannend, aber nicht unbedingt „thrillermäßig“ war, dennoch aber empfehlenswert ist.

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Veröffentlicht am 24.03.2020

Game On für zwei starke Protagonisten und eine liebenswerte Chaos-WG

Feeling Close to You
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Teagan hat es nicht einfach. In der Highschool ist sie eine Außenseiterin und fühlt sich nirgends zugehörig. Ihre Mutter hat sie vor einigen Jahren ohne ein Wort zu sagen verlassen, ihr Vater vergräbt ...

Teagan hat es nicht einfach. In der Highschool ist sie eine Außenseiterin und fühlt sich nirgends zugehörig. Ihre Mutter hat sie vor einigen Jahren ohne ein Wort zu sagen verlassen, ihr Vater vergräbt sich in seine Arbeit und findet kaum Zeit für die Tochter. Nur in der Welt der Online-Games fühlt sich Teagan verstanden und verbringt jede Nacht zockend vor ihrem Livestream, dem zunehmend mehr Menschen folgen. Eines Abends besiegt sie mehrfach einen der bekanntesten YouTube-Stars in einem Spiel – und zieht somit sein Interesse auf sich. Parker ist wahnsinnig neugierig, wer ihn so gedemütigt hat und nimmt Kontakt zu Teagan auf. Die beiden chatten und spielen immer regelmäßiger, es knistert gewaltig und spätestens nach dem ersten Treffen im „real life“ lässt sich nicht mehr bestreiten, dass die beiden Gefühle füreinander entwickelt haben. Doch jeder hat gute Gründe dafür, warum eine Beziehung gerade so überhaupt nicht in das eigene Leben passt. Heißt es für die beiden eher „Game over“ oder „…to be continued“?!

„Feeling close to you“ von Bianca Iosivoni hat mich in eine bis dato unbekannte Welt entführt: Die Welt des Gamings und Streamings von Online-Spielen. Hier wurde ein absolut modernes und angesagtes Thema aufgegriffen, dass eher selten in Büchern thematisiert wird. Als Laie habe ich mir zu Anfang etwas schwer mit dieser Gaming-Welt getan und habe ich etwas gebraucht, um mich auf sie einzulassen – was sich aber absolut gelohnt hat! Durch anschauliche, realitätsnahe Beschreibungen kann ich die Begeisterung vieler junger Menschen für Online-Games nun besser nachvollziehen und habe das Gefühl, Zugang zu einer mir bisher unbekannten Welt bekommen zu haben – und das ist spannend und bereichernd gleichermaßen.

Am meisten begeistert haben mich an Bianca Iosivonis Buch ihre wahnsinnig liebevoll und durch und durch authentisch konstruierten Charaktere! Toll, dass mit Teagan eine so ungewöhnliche Frauenfigur als Protagonistin geschaffen wurde: Sie ist nicht nur Gamerin, sondern in ihrer Art auch taff, frech, selbstbewusst und unerschrocken. Auch gefällt mir ihr zynisch-sarkastischer Humor und dass sie offen ihre Meinung äußert und sich nicht scheut, Contra zu geben. Demgegenüber steht der liebenswerte Parker, der trotz seiner Follower-Zahlen komplett auf dem Boden geblieben ist, empathisch auf seine Umwelt eingeht und sich selbstlos um seine Familie kümmert. Die beiden nähern sich langsam und vorsichtig-neckend an, ohne dass es kitschig oder aufgesetzt wirkt. Die Emotionen und das Knistern zwischen beiden sind deutlich spürbar und übertragen sich automatisch auf den Leser.

Besonders sind aber nicht nur diese beiden starken und sympathischen Hauptcharaktere, sondern die Vielzahl an Nebendarstellern, die in ihrer jeweiligen Individualität so gut getroffen wurden, dass der Leser sie einfach nur ins Herz schließen muss! Bianca Iosivoni hat eine Wohngemeinschaft in Florida geschaffen, in die man sofort einziehen möchte und in der man sich als Leser zu jeder einzelnen Person ein eigenes Buch wünscht. Ich habe so häufig herzlich losgelacht wie selten beim Lesen. Ganz große Klasse!

Der Schreibstil Bianca Iosivonis ist flüssig und gut zu lesen. Ich liebe den sarkastischen Humor des Buches, es ist kurzweilig und macht einfach nur Spaß! Sehr passend ist die Bezeichnung der einzelnen Kapitel als „Level“, des Epilogs als „Bonuslevel“ – so bleibt das Gaming-Thema durchgängig präsent. Ebenfalls gefielen mir die eingebauten Stilelemente moderner Kommunikation: Zwischen Parker und Teagan werden jede Menge Chats, SMS und Nachrichten hin und her geschickt, aufgelockert durch jeweils passende Emojis. daumenhoch

Erst im letzten Drittel des Buches verliert sich die Leichtigkeit des anfänglichen Annäherns der Protagonisten ein wenig. Gerade das Ende kommt sehr schnell und wirkt überstürzt. Hier hätte ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen und noch ein ganzes Stück Story gewünscht. Des Weiteren sind mir einige Erzählstränge zu viel offen geblieben, insbesondere das wichtigstes Thema, das Teagans Verhalten erklärt und im Buch ständig erwähnt wird, bleibt offen. Auch wirkt die Dramatik am Ende etwas konstruiert, hier konnte ich im Gegensatz zum Rest des Buches das Verhalten einzelner Personen leider nicht nachvollziehen, da es auf mich teilweise nicht authentisch wirkte, sondern eher wie ein Bruch in den ansonsten sehr schlüssig konzipierten Charakteren. Schade, das hat dem Buch einen schalen Nachgeschmack hinterlassen, den es nicht verdient hat.

Mein Fazit:

„Feeling close to you“ ist ein modernes Buch mit modernen Protagonisten, einem modernen Thema, umgesetzt mit modernen Stilelementen. Trotz inhaltlicher Schwächen zum Ende hin ist es ein Buch, das mit berührt hat, thematisch zu 100 Prozent in die heutige Zeit passt und insbesondere aufgrund der liebenswertesten WG aller Zeiten einfach nur jede Menge Spaß macht!

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Veröffentlicht am 22.03.2020

Wertvolle Reise in die traurigsten Jahre Würzburgs

Zeit des Sturms
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Die Residenzstadt Würzburg kurz vor der Machtergreifung der NSDAP. Die 19jährige Sophia Wagner lebt mit ihren beiden Schwestern und den Eltern ein privilegiertes Leben, ihr Vater ist Parteimitglied und ...

Die Residenzstadt Würzburg kurz vor der Machtergreifung der NSDAP. Die 19jährige Sophia Wagner lebt mit ihren beiden Schwestern und den Eltern ein privilegiertes Leben, ihr Vater ist Parteimitglied und hat eine Baufirma, die älteste Schwester ein Kaufhaus. Obwohl nicht gewählt breitet sich die NSDAP in Würzburg aus, schikaniert die Bevölkerung und verbreitet ihre gefährliche Ideologie. Sophia ist dies schon länger ein Dorn im Auge, sie beschließt, nicht länger wegzusehen. Als sie Martin kennenlernt, der im christlichen Widerstand aktiv ist, schließt sich Sophia seiner Gruppierung an und verliebt sich in ihn. Mit ihrem künstlerischen Talent trägt sie dazu bei, Flugblätter der Bewegung zu illustrieren, um die Würzburger Bevölkerung aufzurütteln. Doch die Machtübernahme der Nationalsozialisten ist unaufhaltsam und schließlich wird Martin gesucht. Sophia hält ihn versteckt und verhilft ihm zur Flucht – wissend, dass sie damit sich und ihre Familie in größte Gefahr bringt.

„Zeit des Sturms“ ist der 2. Band der „Kaufhausdynastie“-Reihe der Würzburger Autorin Mila Sommerfeld. Ich habe Band 1 nicht gelesen, aber mir hat nichts gefehlt. Die Geschichte wirkt und steht für sich und ist auch erst ab dem zweiten Band ohne Abstriche gut verständlich. Insgesamt gefällt mir die Herangehensweise, dasselbe Geschehen aus Sicht von drei sehr unterschiedlichen Schwestern zu betrachten sehr gut. Jede hat ihre eigene Perspektive auf die Ereignisse und eigene Sorgen und Nöte. Ich bin auf jeden Fall sehr neugierig auf die anderen beiden Bände geworden.

Die Protagonistin Sophia wird als mutige, couragierte junge Frau dargestellt, die sich nicht einschüchtern lässt und großes Rückgrat zeigt. Dadurch, dass im Buch mehrere Jahre abgebildet werden spürt man, wie die zunächst stürmische, impulsive und an manchen Stellen auch etwas naive Sophia wächst und reift, rationaler vorgeht und ihr Handeln reflektiert. Eine absolut starke und bewundernswerte Frauenfigur! Auch ihre beiden Schwestern lernt der Leser gut kennen und begreift schnell, in welchen Eigenschaften und Einstellungen sich die drei unterscheiden. Einige Randfiguren hingegen bleiben eher blass, was aber aufgrund der Vielzahl der Begegnungen innerhalb mehrerer Jahre verständlich ist.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr vielfältig. Durch ihre bildliche Darstellung konnte ich viele Dinge gut nachvollziehen, insbesondere der Gang durch die mir wohlbekannte Stadt Würzburg war absolut authentisch und lebensnah. Auch das Kriegsgeschehen wurde treffend eingefangen, es ist Mila Sommerfeld gut gelungen, den grausamen, unverständlichen Krieg in Worte zu fassen. Aber auch in erschütternden Alltagsszenen, in denen die zahlreichen täglichen „kleinen“ Schikanen dargestellt werden, offenbart sich die Stimmung und Atmosphäre der damaligen Zeit: Jeder leidet, aber die meisten sehen weg, um sich selbst zu schützen. Dadurch wurde ich als Leser emotional sehr stark angesprochen und musste insbesondere mit Sophia mitleiden, hoffen und kämpfen. Diese realitätsnahe Darstellung lässt darauf schließen, dass die Autorin sehr viel Zeit und Herzblut in ihre Recherche zum Buch gesteckt hat, um ein authentisches Bild der damaligen Verhältnisse abliefern zu können – was ihr auch absolut gelungen ist.

Den einzigen Punkt Abzug gibt es nur dafür, dass es mir an manchen Stellen etwas zu schnell ging. Einige Ereignisse, über die ich gerne mehr erfahren hätte, werden dann doch relativ fix und sachlich abgehandelt, wirken durch den kurzen Satzbau teilweise gehetzt und manche Wendungen sind somit nur schwer nachvollziehbar. Vielleicht ist dies aber auch Absicht, da in den anderen beiden Bänden der Fokus verstärkt auf diesen Aspekten liegen soll.

Fazit:

Eine wahnsinnig interessante Reise in die düsterste Zeit der Residenzstadt Würzburg mit einer absolut starken Frauenfigur, die Mut beweist und Hoffnung bringt. „Zeit des Sturms“ macht betroffen und regt den Leser zum Nachdenken darüber an, dass sich solche Zeiten niemals wiederholen dürfen.

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