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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2020

Einfach alles richtig gemacht

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken
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Endlich kann ich einmal wieder guten Gewissens fünf Sterne vergeben. Das tue ich am liebsten, aber leider viel zu selten. Hier gibt es aber absolut nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil, am liebsten hätte ...

Endlich kann ich einmal wieder guten Gewissens fünf Sterne vergeben. Das tue ich am liebsten, aber leider viel zu selten. Hier gibt es aber absolut nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil, am liebsten hätte ich nur noch gelesen, gelesen, gelesen. Ein größeres Kompliment kann man einem Roman kaum machen.
Die sympathische Famile bestehend aus Sandy, Ben, Tochter Ivy und Hund Mac besitzt ein sehr abgelegenes Traumhaus. Das machen sich die entflohenen Sträflinge Nick und Harlan zunutze. Ihr Plan, sich dort mit allem Nötigen für die weitere Flucht auszustatten, wird durch einen heftigen Schneesturm je gestoppt. Geiseln und Einbrecher sitzen gemeinsam fest. Ein nervenzerfetzendes Psychospiel beginnt. Nach und nach enthüllt sich in Rückblenden, dass Sandy und Nick eine gemeinsame Vergangenheit teilen. Dabei schafft die Autorin das Kunststück, alle Zeitebenen gleich spannend zu gestalten. Auch sprachlich brilliert sie und findet immer wieder ungewöhnliche Metaphern. So sind Nicks Augen "wie Asche, grau, kalt und tot. Es waren die Augen eines Alptraums, aus dem man niemals erwachte." Alle Charaktere sind plastisch und unverwechselbar gestaltet. Selbst die Handlungen des Psychopathen Nick erhalten einen logischen Kontext. Das Ende hat mich persönlich hoch zufrieden gestellt. Mach ein anderer Thriller-Fan könnte sagen, die Autorin sei mit ihren Figuren noch etwas zu schonend umgegangen. Für mich war es genau so gerade noch aushaltbar.
Das Taschenbuch wird noch dadurch aufgewertet, dass es sein eigenes Lesezeichen mitbringt. Dort wiederholt sich das düstere Motiv des Covers. Auch das hat mit hervorragend gefallen.

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Veröffentlicht am 03.05.2020

Schatten über Berlin

Die Attentäter
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Antonia Michaelis gehört zu meinen drei deutschen Lieblingsautorinnen. Ich liebe ihre poetische, bildgewaltige Sprache und die oft beinahe märchenhafte Atmosphäre in ihren Bücherm; eine Art magischer Realismus, ...

Antonia Michaelis gehört zu meinen drei deutschen Lieblingsautorinnen. Ich liebe ihre poetische, bildgewaltige Sprache und die oft beinahe märchenhafte Atmosphäre in ihren Bücherm; eine Art magischer Realismus, in dem sich Fantasie und Wirklichkeit vermischen.

Hier hat sie sich eines äußerst aktuellen Themas angenommen, der Bedrohung durch Attentäter des IS. Im Vordergrund steht allerdings die Beziehung zweier junger Männer, die sich seit Kindertagen kennen, Alain und Cliff. Aufgewachsen im selben Mietshaus, stammen sie jedoch aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen. Alain hat ein liebevolles Elternhaus bei einem Musiker und einer Galeristen. Cliffs Vater ist Alkoholiker, seit ihn Cliffs Mutter Cemre, eine Türkin, der Karriere wegen verlassen hat. Cliff liebt und hasst seine Mutter zugleich, kann nicht aufhören, sich nach ihr zu sehnen, wird jedoch immer wieder zurückgewiesen. Nach einem Abstecher durch die rechte Szene wird er zum gläubigen Moslem, radikalisiert sich später und schließt sich sogar dem IS an. Halt findet er nirgends oder nur für Momente, bei Alain und der gemeinsamen Freundin Margarete. Dass sich Alain und Cliff allerdings auch sexuell von einander angezogen fühlen, kann Cliff nicht akzeptieren. Immer tiefer gerät er in einen Strudel aus Selbsthass, Gewalt und der Sehnsucht nach Erlösung. Als er nach seiner brutalen Ausbildung durch den IS traumatisiert in die Heimatstdt Berlin zurückkehrt, beschleicht Alain und Magarete ein furchtbarer Verdacht: Plant Cliff einen Anschlag, oder will er ihn verhindern?

Die magisch angehauchten Elemente stehen in diesm Buch weniger im Vordergrund als in anderen Romane der Autorin, sie beschränken sich auf das Motiv des geflügelten Engels, den Cliff oft in Alain zu sehen meint und von dem er sich nicht wieder auf die helle Seite ziehen lassen möchte.

Das Buch hat mich stark bewegt. Als gebürtige Berlinerin, die jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit nach Berlin fährt, kenne ich die Unsicherheit, die mich und andere seit einiger Zeit dabei befällt. Man staunt, dass es Berlin noch nicht getroffen hat. Der Roman enthält soviel Lokalkolorit, vor allem bei der Suche nach Anschlagzielen, dass er beängstigend real wirkte.

Zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse. "...sie gleiten den Uniformierten durch die Hände wie Eidechsen, wie Fische, wie giftiges Quecksilber, fallen zu Boden und vermehren sich zu tausend Tropfen, die in alle Richtungen davonkugeln und sich wiederum weitervermehren." Mir persönlich war das Ende etwas zu hastig erzählt, auch wenn ich Teile schon eine Weile vorausgeahnt habe. Den Weg, den Margarete für sich wählt, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Ingesamt bleibt Magarete als dritte der Ich-Erzähler/innen am blassesten, ein Gefühl, dass Magarete auch selbst zum Ausdruck bringt. Zum Ende hingt bricht die Autorin mit dem althergebrachten Autoren-Grundatz, nie innerhalb eines Kapitels die Perspektve zu wechseln, in besonders schneller Folge. Etwas weniger wäre hier für mich mehr gewesen. Da es sich aber wie gesagt um eine meiner Lieblingsautorinnen handelt, meckere ich hier natürlich auf sehr hohem Niveau. Insgesamt habe ich den Roman genossen.

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Veröffentlicht am 22.04.2020

Abgründe

VERGESSEN - Nur du kennst das Geheimnis
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Laut Aufkleber auf dem Cover handelt es sich bei der Autorin um eine Spiegel-Bestseller-Autorin. Mir persönlich war sie bisher kein Begriff. Der Thriller hat mich jedoch so überzeugt, dass ich jetzt nach ...

Laut Aufkleber auf dem Cover handelt es sich bei der Autorin um eine Spiegel-Bestseller-Autorin. Mir persönlich war sie bisher kein Begriff. Der Thriller hat mich jedoch so überzeugt, dass ich jetzt nach weiteren ihrer Bücher Ausschau halten werde. Das Zitat aus dem Sunday Mirror auf dem Buchrücken "Bei diesem Thriller läuft es einem eiskalt den Rücken herunter" finde ich zwar etwas dick aufgetragen. Meiner Auffassung nach geht die Autorin eher subtil vor, um vor allem zum Schluss geschickt falsche Fährten zu legen und dann mit einer wirklich völlig unerwarteten Wendung zu überraschen. Wirklich ungünstig finde ich allerdings, dass der Klappentext viel zu viel Handlung verrät. Aber dafür kann die Autorin nichts.

Die Waliserin Kirsty zieht mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern zurück in ihren Heimatort, um dort eine Gästehaus in einem alten Pfarrhaus zu eröffnen.Irgend etwas Tragisches muss ihrem Mann Adrian in London zugestoßen sein. Was, verrät leider der Klappentext! Die unterschwelligen Spannungen in der Familie mehren sich, als nach und nach nicht nur Kirstys Mutter, sondern auch ihr Adoptivbruder Nathan mit Ehefrau und Kirstys Cousine Selena eintreffen. Einst beste Freundinnen, haben sich Kirsty und Selena mit 18 aus mysteriösen Gründen entzweit. Eines Nachts kommt es zu einem tragischen Unfall. Leider verrät auch hier der Klappentext, dass es sich beim Opfer um Selena handelt. Oder war es vielleicht doch Mord?

Wirklich raffiert gelingt es Claire Douglass, nahezu jeden verdächtig zu machen. Bemerkenswert ist auch, dass ich als Vielleserin ausnahmsweise einmal nicht hinter die Auflösung gekommen bin. Respekt! Hinsichtlich Figurenzeichnung und Atmosphäre hat der Thriller ebenfalls einiges zu bieten, so dass ich das Weiterlesen kaum erwarten konnte.

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Veröffentlicht am 19.04.2020

Nachwuchs auf Snowfields

Pferdeflüsterer-Academy, Band 6 - Calypsos Fohlen
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Auch dieser 6. Teil der Pferdeflüsterer Academy hat selbst mir als erwachsenem Pferdemädel wieder viel Spaß gemacht.
Zoe hat in diesem Band nicht nur damit zu kämpfen, dass sich ihr Freund Cyprian wenig ...

Auch dieser 6. Teil der Pferdeflüsterer Academy hat selbst mir als erwachsenem Pferdemädel wieder viel Spaß gemacht.
Zoe hat in diesem Band nicht nur damit zu kämpfen, dass sich ihr Freund Cyprian wenig um sie, sondern vor allem um sein traumatisiertes Pferd kümmert. Auch ein geheimnisvoller Eindringling treibt auf Snowfields sein Unwesen, und er scheint es ausgerechnet auf die hochtragende Stute Calypso der strengen Lehrerin Ms. de Cesco bzw. auf das Fohlen abgesehen zu haben. Eine große Herausforderung für Zoe und ihre Freundinnen. Hat vielleicht der eigens für Calypso engagierte Tierarzt etwas mit den Vorgängen zu schaffen?

Erneut punktet die Reihe mit authentischem Pferdewissen und einem Plädoyer für pferdegerechten Umgang, der die Pferde nicht als Sportgeräte, sondern als Mitlebewesen begreift. Zoe und ihre Clique sind einfach nur sympathisch und man freut sich wirklich mit ihnen, wenn sie ihre Abenteuer zum Wohle aller erfolgreich meistern. Das Buch ist wie alle Teile der Serie wieder wunderschön aufgemacht und sofort als Teil der Reihe erkennbar. Babd 7 kann kommen!

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Veröffentlicht am 05.04.2020

Samenmord

Totenleuchten
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Wie hat mich dieser Roman lange Zeit begeistert! Samische Kultur, über die ich bisher noch überhaupt nichts wusste, eine Gesangstradition namens Joiken, die ich mir unbedingt einmal anhören muss. Das zauberhaft ...

Wie hat mich dieser Roman lange Zeit begeistert! Samische Kultur, über die ich bisher noch überhaupt nichts wusste, eine Gesangstradition namens Joiken, die ich mir unbedingt einmal anhören muss. Das zauberhaft verschneite Jokkmokk in Nordschweden am Polarkreis, das mir mitten im Sommer unbändige Lust auf Winter gemacht hat. Am liebsten wäre ich wie die Autorin dorthin ausgewandert! Der Roman ist äußerst originell und atmosphärisch sehr dicht gestaltet. Der Untertitel lautet "Ein Lappland-Krimi", also das ist mir Vielleserin bisher nicht untergekommen. Wer steckt hinter den Morden an jungen Männern in Jokkmokk? Das fragen sich nicht nur die Bewohner, sondern auch die Reporterin Julla, die eigenlich nur über die samische Kultur schreiben sollte, und gleich drei Ermittler. Und hier fangen auch leider meine kleinen Kritikpunkte an. Zu Anfang war ich überzeugt: Das werden garantiert volle fünf Sterne! Leider hat es insgesamt dann doch nur für vier gereicht. Die Polizistin Magareta, ihr Kollege Bengt, dann noch die Hauptkommissarin Linda Lundin, gänzlich neu in der Gegend, die viele viele Kapitel braucht, ehe sie überhaupt vor Ort eintrifft... Das war mir persönlich etwas zuviel des Guten. Auch flogen die kurzen, dialoglastigen Kapitel nur so dahin. Manches hätte für meinen Geschmack ruhig viel mehr in Tiefe gehen dürfen. Ich wäre gern noch viel länger in Jokkmokk geblieben. Der Kriminalfall weiß zu fesseln, und ausnahmsweise war ich dem Mörder, der hier natürlich nicht verraten werden soll, nicht sehr schnell auf der Spur. Ich werde defintiv wenigstens auf dem Papier wieder nach Lappland reisen, wenn die Autorin dazu einlädt. Und jetzt höre ich mir das Joiken an!

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