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Veröffentlicht am 10.05.2020

Von krankhaft gesund zu gesundem Genuss. Ein Diätbuch auf Augenhöhe, das einen lehrt auch mal fünfe gerade sein zu lassen

Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen
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Pixie Turner rechnet ab mit Diättrends, Superfood und Gesundheitsbattles. Und das tut sie auf sehr symphatische und kluge Art und Weise.
Ihr Buch "Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder ...

Pixie Turner rechnet ab mit Diättrends, Superfood und Gesundheitsbattles. Und das tut sie auf sehr symphatische und kluge Art und Weise.
Ihr Buch "Wellness Rebel. Diätbullshit erkennen und Essen wieder lieben lernen", erschien bei Lübbe Life im April 2020. Turner ist ehemalige Foodbloggerin, die feststellen musste, dass sie an Orthorexie leidet, einer Essstörung, bei der die übermäßige Beschäftigung mit Lebensmitteln zu psychischen Problemen führt.
Nachdem sie der Branche den Rücken gekehrt hat, lebt sie natürlicher und lebensfroher als zuvor und hat ihr Verhältnis zum Essen für sich optimiert. Ihre Erkenntnisse teilt sie mit den Lesern ihres Buches.

Pixie Turner steigt gleich zu Beginn ein mit ihrem Werdegang als Foodbloggerin und gewährt dem Leser Einblick in den Sog der Gesundheitsfanatiker, denen sie begegnete und die sie selbst zu einem machten.
Nach bedenklich verändertem Essverhalten und einem ungesunden Verhältnis zu dem was einen eigentlich am Leben hält, muss sie sich nach einiger Zeit eingestehen, dass sie unter Orthorexie leidet. Doch in dieser Erkenntnis steckt für Turner eine Chance. Sie erkennt nach und nach die Fallstricke der Foodblogger- und Gesundheitstrendbewegung und erkämpft sich ein neues, ungezwungenes Essverhalten.

In "Wellness Rebel" nimmt Pixie Turner einen mit auf eine Reise durch angesagte Food- und Diättrends und klärt darüber auf, was wirklich dahintersteckt.
Nach einer biochemischen Einführung zum Thema Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß legt sie los und enttarnt einen Diätmythos nach dem anderen. Sie erklärt den Irrsinn mancher Foodbewegungen und stellt wieder den Genuss in den Vordergrund. Und der kann durchaus gesund sein, wie ihr Buch beweist. Nur eben nicht krankhaft gesund, wie sie es jahrelang geglaubt und propagiert hat.

Die Kapitel Gluten, Detox, Fette, Superfoods, Basen, Rohkost und Zucker befassen sich alle zunächst mit der aufgestellten These der jeweiligen Diättrends. Pixie erläutert den Hintergrund und die fehlerhaften Annahmen und schickt direkt Rezepte hinterher, die nicht nur superlecker aussehen, sondern auch genau so lecker sind und dabei viele gesunde Elemente enthalten. Aber eben auch die eine oder andere Zutat, die nicht auf der Hitliste der "Gesundmacher" stehen. Weil sie eben lecker sind und hervorragend zu den gesunden anderen Zutaten passen. Denn Essen soll nun mal auch Genuss sein. Die Fotos zu den Rezepten sind optisch ansprechend und regen einen sofort zum Nachkochen an. Am Ende gibt Pixie einem noch einen Wegweiser in die Hand, nach dem man ganz individuell seinen Weg finden kann, ein Essverhalten im Einklang mit Gesundheit und Genuss zu entwickeln.

"Welness Rebel" ist ein aufschlussreiches Buch, das Diätmythen enttarnt, geschrieben von einer Autorin, die ihren Lesern auf Augenhöhe beibringt, wie man gesundes Essen mit Genuss verknüpfen und zu diesem Zweck eben auch mal fünfe gerade sein lassen kann.

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Veröffentlicht am 18.01.2020

Geschichte zum Anfassen - Ulf Schiewes "Der Attentäter" läd ein zu einer Zeitreise nach Sarajevo 1914

Der Attentäter
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Der historische Roman „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe handelt von vor dem Attentat an Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau im Jahr 1914. Wie bekannt ist, war das Attentat einer der Auslöser des 1. ...

Der historische Roman „Der Attentäter“ von Ulf Schiewe handelt von vor dem Attentat an Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau im Jahr 1914. Wie bekannt ist, war das Attentat einer der Auslöser des 1. Weltkriegs, der wenige Wochen danach ausbrach. Im Buch werden die letzten sieben Tage vor dem Attentat und das Attentat selbst thematisiert. Dabei wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven geschildert. Franz Ferdinand, seine Frau Sophie, ein fiktiver Polizeibeamter, der Hinweisen auf ein mögliches Attentat nachgeht und die Attentäter selbst, werden auf diese Weise beleuchtet. Originale Zeitungszitate lassen den Leser noch ein Stück weiter in die Zeit eintauchen. Auf diese Weise erreicht der Autor, dass die Leser nicht nur das geschichtliche Ereignis näher betrachten können, sondern dass ihm auch die Beweggründe aller Beteiligten klarer werden und er die Ereignisse des Sommers 1914 besser begreift.

Im Sommer 1914 überschlagen sich die Ereignisse nur wenige Tage vor dem Besuch des Thronfolgers Franz Ferdinand mit seiner Frau in Sarajevo. Ulf Schiewes Leser werden Zeugen der letzten Vorbereitungen zu einem der folgenreichsten Attentate der Geschichte. Die Perspektive der Attentäter selbst ist geprägt von Ängsten, Hass, Überzeugung und Unsicherheit. Die jungen Männer werden von ihren Gefühlen übermannt, hadern mit sich und ihren aussichtslosen Leben. Die an Schwindsucht leidenden Jugendlichen zeichnen sich aus durch Tatendrang und Selbstzweifel. Als Leser wird einem mit jedem Moment, den das Attentat näher rückt, bewusst dass es sich bei den Attentätern nicht um skrupellose Radikale gehandelt hat, sondern um viel zu junge Revolutionäre, die sich ihres Handelns und dessen Folgen nicht vollkommen bewusst waren. Sie erhofften sich in ihrem todkranken Zustand einen schnellen, dem Vaterland dienlichen Tod.
Franz Ferdinand zeichnet sich durch Naivität, Narzissmus und Selbstüberschätzung aus. Bis zum Schluss hält er sich für Sicher, ist jedoch wankelmütig. Im Laufe der Zeit bekommt er neben seiner cholerischen Art, doch auch etwas durchaus Verletzliches. Die Liebe zu seiner Frau Sophie, die er gegen jeden Widerstand auslebt, zeigt dass er durchaus ein Herz hat und seine Gefühle eine zentrale Rolle spielen. Zeitweise überrascht er durch Zweifel, die aber nur kurz aufflammen und nicht ausreichen sich oder seine Frau vor dem unausweichlichen Ereignis zu retten.
Sophie bringt dem Leser die Rolle der Frau näher und schafft es neben der Darstellung der angepassten Ehefrau 1914 auch Ausnahmen anzuführen, die in der Geschichte auch als Frau eine bedeutende und bewegende Rolle gespielt haben.
Zuletzt sei hier ein gewisser Polizeiinspektor Markovic erwähnt, den es im wahren Leben nie gegeben hat. Er ermittelt als fiktive Person gegen die möglichen Attentäter. Er übernimmt die Rolle der Person, die andere warnt. Er weiß von den Anschlagsplänen, kennt sogar die Namen von mehreren Männern und ist den Jungen immer knapp auf den Fersen. Mit dieser fiktiven Person zeigt Ulf Schiewe, wie irrational mit dem Besuch des Thronfolgers in Sarajevo umgegangen wurde. Es hätte durchaus mit einer solchen Tat gerechnet werden können. Viele Fehlentscheidungen und ein unnötig großes Selbstvertrauen der Österreicher in Sarajevo haben das Attentat erst möglich gemacht und trotz Warnschuss (bzw. „Warnexplosion“), das Ende genommen, das aus den Geschichtsbüchern bekannt ist.

Ulf Schiewe gelingt es mit dem Perspektivenwechsel, die Sommertage in Sarajevo glaubwürdig darzustellen und den Leser mitfiebern zu lassen. Interessanterweise fiebert der Leser mit jeder Protagonistengruppe mit. Es gelingt ihm, die Personen so darzustellen, dass alle mit ihrer Haltung und ihrem Charakter überzeugen. Man wird als Leser hineingezogen in die Ereignisse und versteht die verschiedenen Seiten. Auch wenn das unausweichliche Ende durch die Geschichte vorgegeben ist, hofft man bis zum Ende, dass die Pläne scheitern (weil man weiß, welche verheerenden Folgen das Attentat hatte). Schaut man sich nach der Lektüre des Buches Bilder der Ereignisse im Internet oder in Geschichtsbüchern an, dann bekommen die Gesichter Charakter und etwas Vertrautes. Man kann hier durchaus von erlebter Geschichte sprechen.
Der Autor schafft es mit seinem Perspektivenwechsel immer mehr Spannung aufzubauen. Auch Verfolgungsjagden nach den Attentätern, die nur knapp erfolglos enden erzeugen einen Spannungsaufbau, so dass es dem Leser schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Durch die Nähe, die man zu den einzelnen Charakteren aufbaut, fiebert man mit und möchte immer mehr erfahren. Schiewe gelingt es, ein authentisches Bild vom Sommer 1914 in Sarajevo zu zeichnen und Geschichte als spannenden Thriller wiederzugeben.

Der „Attentäter“ ist ein lesenswertes Buch, in dem es dem Autor gelingt, den Leser Geschichte hautnah miterleben zu lassen und auf jeder Seite kurzweilig, spannend und authentisch zu unterhalten.

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Veröffentlicht am 14.01.2023

Das fremde Kind von Charlotte Park – eine Achterbahnfahrt durch Realität und Trauma

Das fremde Kind. Wem kannst du trauen?
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In Charlotte Parks neuestem Thriller „Das fremde Kind, wem kannst Du trauen“, erschienen am 01.Dezember 2022, nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Reise in die Gedanken- und Gefühlswelt einer traumatisierten ...

In Charlotte Parks neuestem Thriller „Das fremde Kind, wem kannst Du trauen“, erschienen am 01.Dezember 2022, nimmt die Autorin den Leser mit auf eine Reise in die Gedanken- und Gefühlswelt einer traumatisierten Mutter auf der Suche nach Heimat und Sicherheit. Was sie nicht weiß – die Bedrohung, der sie sich so sicher war entkommen zu sein, befindet sich näher als je zuvor.

Sarah verlässt Hamburg um auf dem Land mit ihrem neuen Mann Tim und Ihrer Tochter Leonie ein neues Leben zu beginnen. Ihren Exmann hat sie gerade beerdigt und sein Tod scheint für sie eine große Erleichterung zu sein. Außerdem flieht sie vor ihrer Schwiegermutter, die sie ebenfalls als Bedrohung empfindet. Die Nähe zu Tims Mutter stellt sich zwar auch als Herausforderung dar, aber immerhin gibt es den netten Nachbarn Kurt, der mit seinen Katzenbabys immer eine Anlaufstelle für Leonie zu sein scheint und den auch ihr Mann Tim direkt ins Herz schließt. Insgesamt glückt der Neuanfang auch weiterhin nicht so gut, denn sowohl die Nachbarin Viktoria, die sie unterschwellig für ihren Status als Hausfrau kritisiert, als auch Karin, die Mutter von Leonies bester Freundin und zufällig eine enge Jugendfreundin ihres Mannes, geben ihr das Gefühl außen vor zu sein. Als dann auch noch plötzlich und unerwartet ein fremdes Kind auf Ihrem Dachboden steht, das in den merkwürdigsten Situationen auftaucht und ihr etwas zu sagen versucht, gerät Sarahs Leben immer mehr aus den Fugen. Was Sarah über das Kind herausfindet führt ihr vor Augen in welcher Gefahr sie und Leonie sich befinden und wie wenig sie auf die Hilfe anderer hoffen können. Im Laufe der Geschichte beginnen Realität und Illusion immer mehr miteinander zu verschwimmen und sowohl Sarah als auch der Leser wissen stellenweise nichtmehr, was sie glauben können und was nicht. Dass die Bedrohung sowohl real, als auch eingebildet ist, kann Sarah kaum ertragen. Bis sie schließlich dahinter kommt, wie die Fäden miteinander verwoben sind… Charlotte Park zeichnet in ihrem Buch einen schnell zugänglichen Charakter, der dem Leser schnell zugänglich und sympathisch wird. Wenn dieser Prozess auch zunächst ein bisschen viel Raum einnimmt kann man aufgrund der Charaktere über dieses Länge hinwegsehen. Und dranbleiben lohnt sich, denn in dem Moment, in dem die Geschichte zum Pageturner avanciert gelingen der Autorin zahlreiche unerwartete Twists, die das Buch zu einer spannenden Unterhaltung machen. Es gelingt ihr auch als Leser die zunächst lieb gewordene Protagonistin in Frage zu stellen und ihre geistige Zurechnungsfähigkeit anzuzweifeln. Die Geschichte wird von diesen Gefühlsänderungen, Fragezeichen und Überraschungen vorangetrieben und fesseln den Leser bis zum Schluss.

Insgesamt ist „Das fremde Kind, wem kannst Du trauen“ ein gelungener Thriller, der sich nach dem ersten Drittel zu einem Pageturner entwickelt und durch Schreibstil und Aufbau das Seelenleben einer traumatisierten Persönlichkeit verständlich macht.

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Veröffentlicht am 25.06.2018

Zwischen Kiez und Outback - Detective Clements erfolgreicher Einstand

Die Schlingen der Schuld
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Der Roman „Die Schlingen der Schuld“ von David Warner ist ein sehr spannender, gut durchdachter Krimi, der den Leser zu überraschen weiß, und gekonnt in das australische Outback entführt.
Sowohl die Schauplätze, ...

Der Roman „Die Schlingen der Schuld“ von David Warner ist ein sehr spannender, gut durchdachter Krimi, der den Leser zu überraschen weiß, und gekonnt in das australische Outback entführt.
Sowohl die Schauplätze, als auch die Charaktere sind sehr vielfältig und sehr gut beschrieben. Das Exotische des Ortes macht für mich einen großen Reiz beim Lesen aus - sei es, dass erst Krokodilexperten kommen müssen, um den Sumpf abzusichern, bevor die Spurensicherung sicher nach Beweisen forschen kann, oder dass man so abgelegen wohnt, dass man nachdem man mit der Schaufel eins über den Schädel bekommen hat, erstmal im Haus des Opfers die Nacht verbringen muss, weil so schnell keine Hilfe in Sicht ist. Aber auch die Aussteiger, die Work-and-Traveller, die Touristen, alles ist außergewöhnlich und so ganz anders, als in anderen Krimis die ich bisher gelesen habe (und das sind nicht gerade wenige).

Clement ist ein vielschichtiger Protagonist, der neben der Ermittlerrolle Alltagsprobleme mitbringt, die das Buch nicht stur nur bei den Ermittlungen halten. Das konnte an der einen oder anderen Stelle auch schonmal Längen haben, aber es wurde nie langatmig oder langweilig.
Interessant ist die Tatsache, dass das Opfer Deutscher war, und so schlägt der exotische Roman eine Brücke in die eigene Heimat, was das Lesevergnügen noch erhöht.
Der Autor weiß es, den Leser gekonnt lange Zeit im Dunkeln tapsen zu lassen, so dass jeder verdächtig erscheint, was ich als besonders mitreißend empfunden habe. Ich finde es gut, wie der Autor Häppchenweise die Informationen an den Leser "verfüttert". Es gibt jetzt immer mehr Hinweise, das Netz verdichtet sich, und wenn der Spannungsbogen ganz weit oben ist, finden sich Indizien, mit denen man bis dato gar nicht gerechnet hat.

Als Fazit kann man das Buch als spannend und sehr unterhaltsam bezeichnen, die Charaktere haben mich überzeugt, das Setting war außergewöhnlich und interessant. Ich kann mir gut vorstellen, dass Detective Clement noch mehr außergewöhnliche Fälle zu lösen hat, und damit einen Stammplatz in meinem Bücherregal erhält. Ich wünsche mir definitiv mehr davon.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Ins fahle Herz des Sommers- eine Dystopie zur Klimaerwärmung, die einen eiskalt erwischt

Ins fahle Herz des Sommers
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Andreas Eschbachs „Ins fahle Herz des Sommers“ versetzt uns in eine unbekannte Zukunft – die Welt ist nicht mehr die, die wir kennen. Das Land versinkt in unerträglicher Hitze, alles was man tun kann, ...

Andreas Eschbachs „Ins fahle Herz des Sommers“ versetzt uns in eine unbekannte Zukunft – die Welt ist nicht mehr die, die wir kennen. Das Land versinkt in unerträglicher Hitze, alles was man tun kann, findet in der Abenddämmerung oder der Nacht statt.
Wir befinden uns in einem kleinen Dorf in Frankreich, in dem nur noch eine Handvoll Menschen lebt, angewiesen auf die Hinterlassenschaften der Hitzeflüchtlinge. Begleitet werden die Handlungen des Protagonisten Fausto, der einen einsamen Kampf ums Überleben kämpft. Bis eines Tages Valerie in sein Leben in sein Leben tritt. Eine Frau, die aus dem Nichts aufzutauchen scheint und welche die bisher funktionierenden Überlebensregeln auf den Kopf stellt. Doch der einsame Fausto ist das Opfer seiner Situation – soziale Isolation, Überlebenswille und die Suche nach einem Sinn in diesem Leben lassen ihn leichtgläubig eine schicksalsträchtige Verbindung eingehen.
Andreas Eschbach versteht es, wie gewohnt, einen Erzählstil zu entwickeln, der ein klares Bild der in Hitze versinkenden Welt zu zeichnen. Man fühlt nahezu, was der Protagonist empfindet, und manches Mal sehnt man sich beim Hören des Hörbuchs eine Abkühlung herbei. Die Charaktere, die in dem Dorf zurückgeblieben sind, sind klar und verständlich gezeichnet, durch Rückblicke erfährt man nach und nach, wie es zu ihrem Schicksal gekommen ist. Und man beginnt, die Handlungen und Beweggründe der einzelnen Personen nachzuvollziehen. Auch Faustos völlig blauäugiges Verhalten gegenüber Valerie lässt sich gut nachvollziehen.
Die Menschheit stand kurz vor der vollkommenen Auslöschung. Klimaerwärmung und Seuche haben Menschenleben dezimiert, wer konnte floh in den noch einigermaßen bewohnbaren Norden. Fausto verlor seine wichtigsten Bezugspersonen und hält sich seitdem mit der Suche nach Essbarem oder Equipment in leerstehenden Häusern am Leben. Der Überlebenswille wurde zum Lebensinhalt. In dem Moment, in dem eine unbekannte Frau im Nachbarhaus auftaucht, öffnet sich eine Tür für einen neuen Lebenssinn in dieser unwirtlichen Welt ohne messbare Zukunft.
Was nun folgt ist düster und erwischt den Hörer eiskalt. Und dazu schwebt immer eine leichte Unsicherheit mit- ist diese Dystopie weit entfernt von einer Realität, wie sie uns erwarten könnte? Tragen wir nicht in diesem Moment dazu bei, dass diese Geschehnisse in einer (vielleicht gar nicht so weit entfernten) Zukunft Wirklichkeit werden?
Das Hörerlebnis wird zu einer Reflexion des aktuellen Umgangs des Menschen mit der Natur und den Folgen seines Handelns. Und sorgt für ein unbehagliches Gefühl beim Verfolgen der fortschreitenden Handlung. Eschbach lässt einen zurück mit einer unbestimmten Angst, die sich nur schwer abschütteln lässt und einen in den Alltag hinein begleitet.

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