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Veröffentlicht am 30.11.2020

Wenn das Gedächtnis nachlässt – ein rührendes Buch, das nachwirkt

Marigolds Töchter
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Wenn es einen durch und durch herzensguten und selbstlosen Menschen gibt, dann ist sie es: Marigold ist nicht nur der Mittelpunkt ihrer Familie, um den sich alles dreht, sondern mit ihrem Laden auch das ...

Wenn es einen durch und durch herzensguten und selbstlosen Menschen gibt, dann ist sie es: Marigold ist nicht nur der Mittelpunkt ihrer Familie, um den sich alles dreht, sondern mit ihrem Laden auch das soziale Zentrum des kleinen englischen Dorfes, in dem sie lebt. Immer ein offenes Ohr und tröstende Worte für ihre Mitmenschen und voller Liebe und Wärme zu ihrer Familie. Deshalb freut es sie auch sehr, als ihre älteste Tochter Daisy nach einer gescheiterten Beziehung zurück zu ihren Eltern zieht. Dort wird es nun aber eng, da dort neben Marigold und ihrem Ehemann Dennis auch noch die zweite Tochter des Paares, die egoistische Suze und Marigolds dauernörgelnde Mutter Nan leben. Jeder in der Familie hat seine eigenen Sorgen und Nöte und Marigold tut alles dafür, es ihren Lieben recht zu machen und sämtliche Wogen zu glätten. Da kommt es schon einmal vor, dass sie vor lauter Trubel etwas vergisst. Und etwas anderes. Doch ab wann wird das Vergessen kritisch? Und wann wird es so auffällig, dass ihre Mitmenschen es bemerken?

„Marigolds Töchter“ von Julia Woolf ist ein Roman, der mich sehr überrascht hat. Das verspielt-kitschige Buchcover mit dem süßen Rotkehlchen lässt an eine seichte Story in der abgebildeten, idyllischen englischen Landschaft am Meer denken. Und auch der Beginn des Buches ist noch eher seicht gehalten und zeigt den einfachen Dorfalltag und Marigolds nicht besonders tief gehende Gedankengänge sowie führt in ihre Familiengeschichte und -konstellation ein. Doch das von der Autorin perfekt geschaffene, fast schon langweilig anmutende Idyll zerbricht sehr schnell an der Realität und das Buch nimmt eine traurige Wende – langsam und schleichend, wie es leider im echten Leben auch der Fall ist. Am Ende hatte ich Tränen in den Augen und war nachhaltig betroffen, so schmerzhaft hat mich Marigolds Veränderung getroffen. Dennoch finde ich es wichtig, sich mit dem schwierigen Thema Demenz auseinander zu setzen, auch wenn es hier überraschend für mich kam – diese Schwermut hätte ich dem Buch zunächst gar nicht zugetraut.

Mit Marigold, ihrer Familie und den Dorfbewohnern hat Julia Woolf individuelle und facettenreiche Charaktere erschaffen, wobei manche schon fast überzeichnet wirken wie z.B. die ständig negativ denkende Nan, Suzes Egoismus, Marigolds Aufopferung oder die perfekte Daisy. Das wirkte etwas schwarz-weiß-malerisch, hat aber die jeweiligen Denk-und Handlungsmuster gut unterstützt. Meiner Meinung nach stand die Person Marigold in all den Rollen, die sie vor ihrem Krankheitsbeginn mehr als ideal ausgefüllt hat, permanent im Vordergrund und deshalb fand ich den Titel des Buches, der ja direkt auf Daisy und Suze referenziert, nicht unbedingt passend.

Der Schreibstil der Autorin ist zunächst sehr erzählend und beschreibend, die Figuren werden intensiv kennengelernt und das Dorf sowie die englische Landschaft detailliert beschrieben. Die Bilder im Kopf entstehen beim Lesen von selbst und sind sehr eindrücklich. Diesen ersten Teil des Buches habe ich somit als etwas kitschig aber doch herzerwärmend empfunden. Mit weiterem Verlauf des Buches wird der Schreibstil immer emotionaler, die Gefühle der Protagonisten greifen auf den Leser über und machen ihn betroffen. Insbesondere Marigolds Angst vor der Krankheit wird nachvollziehbar dargestellt und hat mich sehr mitgenommen.

„Marigolds Töchter“ erzählt somit die tragische, aber leider authentische Geschichte des Krankheitsverlaufs einer beliebten, engagierten Frau und Mutter. Ein trauriges Schicksal, das sie nicht verdient hat - und das den Leser somit dazu bewegt, sich mit den unbequemen, aber wichtigen Themen des Alterns und der damit verbundene Krankheiten wie Demenz auseinanderzusetzen.

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Veröffentlicht am 17.10.2020

Plädoyer gegen Mobbing

Wenn das Meer leuchtet
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Marie freut sich auf ihren Neuanfang: Nach schrecklichen Jahren voller Mobbing und Ausgrenzung hat sie die Highschool in Alabama hinter sich gelassen und möchte auf dem College in Monterey, Kalifornien ...

Marie freut sich auf ihren Neuanfang: Nach schrecklichen Jahren voller Mobbing und Ausgrenzung hat sie die Highschool in Alabama hinter sich gelassen und möchte auf dem College in Monterey, Kalifornien noch einmal ganz von vorne beginnen. Große Hoffnung setzt sie dabei auf ihre Zimmergenossin Tiffany, mit der sie sich gerne anfreunden möchte. Nachdem diese aber Maries Geheimnis entdeckt wendet sie sich nicht nur von ihr ab, sondern gegen sie: Als Anführerin der coolsten Clique des College beginnt diese systematisch, Marie das Leben zur Hölle zu machen. Doch plötzlich erhält Marie unverhofft Hilfe von Jayden, Tiffanys Ex-Freund. Kann sie ihm wirklich trauen oder steckt etwas anderes hinter seinem Interesse?

Die Spiegel-Beststeller-Autorin Jessica Koch wendet sich in „Wenn das Meer leuchtet“ einem traurigen und leider immer noch sehr aktuellem Thema zu: Mobbing und psychische Gewalt unter jungen Menschen. Auf eindrückliche Art und Weise schildert sie Maries Martyrium und insbesondere die Folgen der Bösartigkeiten auf ihren emotionalen und seelischen Zustand. Durch die Ausgrenzung und Ablehnung hat sie Angst vor sozialen Kontakten, sehnt sich gleichzeitig aber nach Gesellschaft. Insbesondere die verheerenden Konsequenzen, die dieses Verhalten einer starken Gruppe gegenüber ihrem wehrlosen Opfer nach sich ziehen, fand ich schockierend. Jessica Koch ist es gelungen, mich als Leser emotional komplett abzuholen, ich war in den Mobbing-Szenen gleichsam traurig und wütend und habe sehr stark mit Marie mitgelitten. Ich hoffe, möglichst viele Menschen lesen diese Plädoyer gegen Mobbing und hinterfragen in entsprechenden Situationen auch ihr eigenes Verhalten. Ein Buch, das nachdenklich stimmt.

Insbesondere die Protagonistin Marie wurde von der Autorin sehr realistisch dargestellt und vermittelt das authentische Bild eines Menschen, der die Konsequenzen seelischer Misshandlungen tragen muss: Sie wirkt psychisch gebrochen, hat sich fast schon selbst aufgegeben, sie wehrt sich nicht mehr sondern akzeptiert ihre Opferrolle, was dazu führt dass sie sich zurückzieht und einsam ist. Lediglich für ihren kleinen Bruder lohnt es sich noch zu leben. Tiffany und ihre Clique hingegen sind wahre Hassobjekte für den Leser, so viel Gemeinheit und Bösartigkeit, aber auch Ignoranz und keinerlei Schuldbewusstsein angesichts schlimmster Ereignisse machen sprachlos. Vielleicht wurde hier der Kontrast zwischen Gut und Böse etwas zu stark und eindeutig gezeichnet, aber nur so kann wird das Geschehen in all seiner Niedertracht deutlich und berührt den Leser so stark.

Das Cover des Buches passt sowohl perfekt zum Titel, wie auch zum Inhalt, auch wenn ich in der abgebildeten weiblichen Person nicht unbedingt Marie erkannt hätte (diese wird als eher kurvig beschrieben und würde sich niemals trauen, einen Minirock anzuziehen). Das Farbspiel mit dem hellen Mond, in dem der Titel abgedruckt wird sowie dem blauen Meer und dem Liebespaar auf dem Segelschiff, welches nur als Umrisse erkennbar ist, empfinde ich als absolut ansprechend und stimmig.

Das einzige, was mich an der Geschichte gestört hat, ist Jayden. Ich habe nicht wirklich verstanden, was seinen plötzlichen Sinneswandel hervorgerufen hat und warum genau er sich in Marie verliebt – schließlich hat er zu Anfang beim Mobbing mitgemacht und ein richtiges Kennenlernen hat auch nie stattgefunden. Vielmehr ist der Kontakt aus Mitleid entstanden, tiefgreifende Gespräche zum Kennenlernen gab es nicht. Auch das „Wetten“ fand ich komplett daneben, das hat nicht zu seinem liebenswerten Charakter gepasst, den die Autorin versucht hat zu zeichnen. Für mich war Jayden somit schwer greifbar, sondern aufgrund einiger gegensätzlicher Verhaltensweisen eher unauthentisch und ich habe ihm seine Entwicklung und plötzlichen Gefühle für Marie nicht abgenommen. Insgesamt ging mir die Liebesgeschichte zwischen den beiden viel zu schnell – gerade hatte Marie noch Angst vor ihm und im nächsten Moment kann sie sich fallen lassen und verlieben. Aufgrund des jahrelangen Zurückziehens und der schwere ihrer psychischen Verletzungen kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich so schnell einem ehemaligen Peiniger öffnen kann. Ihre Reaktion auf Tiffanys „Enthüllung“, die zum Showdown und Maries tragischer Reaktion geführt hat war vorsehbar und hätte sich mit Kommunikation vermeiden lassen. Auch das Ende ging mir zu schnell, hier hätten einige Seiten mehr gut getan, um die Hinter- und Beweggründe sowie die neuen Lebensumstände der Protagonisten nachvollziehen zu können.

Mein Fazit:
„Wenn das Meer leuchtet“ ist ein tolles Buch, das eindringlich über ein wichtiges Thema aufklärt und den Leser mitfühlen lässt was es bedeutet, ausgeschlossen zu werden. Der berührende Schreibstil der Autorin macht kleinere inhaltliche Schwächen wett und ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 09.09.2020

Liebe oder Karriere?!

Wolfes of Wall Street - Ian
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Ian Bradley ist ganz oben angekommen: Er ist trotz seines jungen Alters einer der erfolgreichsten Broker an der New Yorker Wall Street und hat sich den Weg nach oben mit harter Arbeit selbst erkämpft. ...

Ian Bradley ist ganz oben angekommen: Er ist trotz seines jungen Alters einer der erfolgreichsten Broker an der New Yorker Wall Street und hat sich den Weg nach oben mit harter Arbeit selbst erkämpft. Umso schockierter ist er, als er plötzlich ins Fadenkreuz der Ermittlungsbehörde für Wirtschaftskriminalität gerät, die ihm verbotene Insidergeschäfte vorwirft. Ian ist davon überzeugt, dass jemand seine Karriere zerstören möchte und will unbedingt seine Unschuld beweisen. Doch die für seinen Fall zuständige Ermittlerin Lara McKenzie stellt sich als schwierig zu überzeugen dar: Sie ist hartnäckig davon überzeugt, den Fall anhand der Fakten detailliert zu überprüfen und noch dazu immun gegenüber Ians Charme. Je enger die beiden allerdings zusammenarbeiten, desto weniger lässt sich das Prickeln zwischen ihnen ignorieren – obwohl sie auf unterschiedlichen Seiten stehen und es Laras Job ist, Ians ins Gefängnis zu bringen.

„Wolfes of Wall Street – Ian“ ist der erste von drei Bänden der neuen „Wolfes-of-Wall-Street“-Reihe der NEW-YORK-TIMES-Bestseller-Autorin Lauren Layne. Jeder der drei Bände rückt einen der drei befreundeten Wall-Street-Broker aus dem „Wolfes“-Büro in den Mittelpunkt, die beiden anderen Protagonisten wurden im Auftaktband bereits eingeführt. Das Cover ist passend, wenn auch etwas unspektakulär: Der Leser erkennt auf den ersten Blick, dass es sich um einen attraktiven Geschäftsmann aus New York handelt. Gut finde ich jedoch, dass Ians Gesicht nicht komplett gezeigt wird und dem Leser somit nicht seine Phantasie genommen wird.

Das Buch beginnt mit einer selbstironischen Eigenpräsentation Ians, bereits hier erfolgt die Direktansprache des Lesers, welche auch im Folgenden von beiden Protagnisten regelmäßig angewandt wird. Der Sprachstil ist sehr anschaulich und flüssig gestaltet, mir haben insbesondere der häufige Wortwitz, die frechen Dialoge und der intelligente Schlagabtausch zwischen den Personen gut gefallen. Auch ist es Lauren Layne gut gelungen, die Anziehungskraft zwischen Ian und Lara plastisch darzustellen. Trotzdem erfolgt ihre Annäherung langsam und durchdacht, zu pietätvoll dargestellten erotischen Szenen kommt es erst recht spät im Buch.

Der Einblick in die Finanzwelt New Yorks war interessant, wobei mir persönlich der geschäftliche Aspekt etwas zu zweitrangig dargestellt war. Ich hätte mir einen stärkeren Bezug zur Wall Street und mehr Informationen aus dem Arbeitsalltag der Broker gewünscht. Es war schwer nachzuvollziehen, worauf sich der Vorwurf der illegalen Insidergeschäfte wirklich begründet.

Ian und Lara sind beides selbstbewusste Protagonisten, die im jeweils anderen einen ebenbürtigen Gegner gefunden haben. Sie sind selbstbewusst und rhetorisch stark, haben jeder für sich aber auch eine verletzliche Seite, die sie von der Außenwelt abschirmen. Lara ist eine Frau mit Prinzipien, die vor allem nach Gerechtigkeit strebt. Wirkt sie auf den Leser zunächst karriereversessen und bieder, lernt man ihre clevere, regelkonforme und loyale Art im weiteren Verlauf des Buches zu schätzen. Sie verfügt des Weiteren über eine gute Kombinationsgabe und ist deshalb so erfolgreich in ihrem Job als Ermittlerin. Eine starke Frauenfigur, die genau weiß, was sie will und sich nicht von den Männern der Wall Street einschüchtern lässt. Ian pflegt zwar sein Image als Playboy und Frauenheld, ist nach dem Blick hinter die Fassade aber sehr sympathisch. Warum er sich hinter dieser wenig schmeichelhaften, luxuriösen Mauer versteckt habe ich aber nicht wirklich verstanden. Super dargestellt wurden auch die Nebenfiguren in Form von Ians Freunden. Diese halten wie Pech und Schwefel zusammen und nebenher lernt man bereits die Protagonisten-Pärchen der Folgebände kennen – und freut sich auf die Bücher, da jede Nebenfigur bereits sehr facettenreich mit eigenen Charakterzügen und Eigenheiten abgebildet wurde. Weitere Nebenfiguren wie beispielsweise Laras Chef blieben indes sehr blass.

Enttäuscht war ich lediglich über die Gründe, weshalb an Ian ein Exempel statuiert werden sollte. In meinen Augen war die „Lösung“ des Falles sehr unrealistisch, unspektakulär und vorhersehbar und somit auch schnell abgehandelt. Das war mir leider etwas zu einfach und klischeehaft gelöst. Auch der „Streit“ zwischen Lara und Ian war kein richtiger und dementsprechend auch sehr schnell beendet. Ich hätte mir mehr Vertrauen und vor allem etwas mehr Kommunikation gewünscht, nach einer kurzen Aussprache ohne weitere Erklärungen oder tiefergehende Gespräche erfolgte eine sehr schnelle Versöhnung . Auch war in meinen Augen das Happy End zum Schluss etwas zu perfekt, um noch realistisch zu sein.

Fazit:
Ein gut geschriebener Enemies-to-Lovers-Roman, bei dem das Prickeln zwischen den Protagonisten spürbar wird und eine gute Mischung aus Beruflichem, Gefühlen und Drama beinhaltet war. Die Geschichte war angenehm zu lesen, wenn auch ein wenig vorhersehbar. Die tollen Haupt- und Nebencharaktere und ihr selbstbewusster, humorvoller Schlagabtausch machen aber inhaltliche Schwächen wieder wett.

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Veröffentlicht am 15.08.2020

Großstadtpflanze trifft Biobauern

Nur noch ein bisschen Glück
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Stockholmerin Stella Wallin geht es gut: Sie liebt ihr Großstadtleben, ihren weltmännischen Freund Peder, die gemeinsame Wohnung und ihren Job in einer schicken Modeboutique. Doch dann kommt heraus, dass ...

Stockholmerin Stella Wallin geht es gut: Sie liebt ihr Großstadtleben, ihren weltmännischen Freund Peder, die gemeinsame Wohnung und ihren Job in einer schicken Modeboutique. Doch dann kommt heraus, dass Peder sie betrügt und von einem Moment auf den nächsten steht Stella vor den Scherben ihres Lebens. Obdachlos, arbeitslos, beziehungslos und perspektivlos besinnt sie sich auf ihren alten Traum, an der renommierten Modeschule in New York Modedesign zu studieren. Doch hierfür benötigt Stella Geld, dass sie nicht hat. Glücklicherweise haben ihre Großeltern ihr ein Häuschen hinterlassen, welches sie nun veräußern möchte, um ihrem Ziel näher zu kommen. Und so macht sich das Großstadtmädchen auf den Weg ins ländliche Laholm, in dem es noch nicht einmal ein Taxi weg vom Bahnhof gibt. Zum Glück trifft Stella dort aber auf den attraktiven Biobauern Thor, der nicht nur seine Hilfe anbietet, sondern sich auch als direkter Nachbar entpuppt. Nach und nach lernt Stella immer mehr die Vorzüge des Landlebens kennen, was nicht zuletzt mit Thor zusammenhängt, dem sie immer näher kommt – was sie, die eigentlich auf dem Sprung nach New York ist, ja gerade so gar nicht gebrauchen kann…

Bereits das Cover von „Nur noch ein bisschen Glück“ ist ansprechend sommerlich und sprüht schier über vor Lebensfreude. Meiner Meinung nach ist es somit sehr passend zum Inhalt des Buches, welcher ebenfalls gute Laune macht. Schwedens „Queen of Romance“ Simona Ahrstedt hat einen tollen, kurzweiligen Schreibstil, die Zeilen fliegen beim Lesen nur so dahin und ich musste des Öfteren laut auflachen. Die Mischung aus optimistisch-positiven Szenen, emotionaler Liebesgeschichte und ernsthaften Themen war gut gewählt. Auch vorkommende erotische Sequenzen wurden pietätvoll geschrieben und haben zu keiner Zeit billig gewirkt. Die Idylle auf dem Thors Hof wurde gut eingefangen, aufgrund der beschriebenen Atmosphäre hat man als Leser sofort einen Ort zum Wohlfühlen im Kopf. Der Schluss des Buches war sehr emotional gestaltet und hat mich persönlich doch sehr überraschend. Teilweise war er mir allerdings fast etwas zu überfrachtet vor lauter Glück, es war einfach zu perfekt um noch authentisch zu sein. Des Weiteren wurde hier ein wichtiger Nebenhandlungsstrang schnell noch positiv aufgelöst, ohne dass der Leser Näheres zum Weg dorthin erfahren hätte. Dazu hätte ich mir noch ein paar zusätzliche Zeilen gewünscht, so wie es dargestellt wurde war die Thematisierung fast unnötig und too much.

Die Personen in „Nur noch ein bisschen Glück“ sind gut und authentisch dargestellt, sie sind größtenteils sehr liebenswert und haben ihre menschlichen Ecken und Kanten. Stella ist eine selbstbewusste, verständnisvolle und sehr empathische junge Frau, die es im Leben bisher nicht leicht hatte. Sie ist mir direkt ans Herz gewachsen, auch wenn ich sie in manchen Szenen als etwas zu blauäugig und gutgläubig empfunden habe. Auch hat mich gestört, dass sie beinahe wie eine Heilige dargestellt wurde, indem sie zahlreiche Freundschaften und Beziehungen gerettet hat – so viele, dass es schon wieder unglaubwürdig war. Thor ist einfach nur ein toller Mann, der unter dem frühen Tod und seiner großen Verantwortung für Kinder, Tiere und Hof zu leiden hat. Er ist aber eine sehr starke und zuverlässige Persönlichkeit, der alles dafür tut, dass es seinen Lieben gut geht. Auch ihn mochte ich auf Anhieb und habe auf ein Happy End mit Stella gehofft. Der Autorin ist es ebenfalls gelungen, authentische Nebenfiguren wie beispielsweise Thors Kinder, Klas oder auch die Tiere gut zu beschrieben.

Insbesondere besticht das Buch durch seine Realitäts- und Lebensnähe. So werden auch alltägliche Herausforderungen wie z.B. das Leben als alleinerziehender Vater von zwei Teenagern nachvollziehbar thematisiert sowie Stellas Suche nach sich selbst. Ihre Entwicklung hin zur Erkenntnis, was ihr im Leben wirklich wichtig ist und wo ihr Weg hingehen soll wurde toll dargestellt und hat mich berührt. Als störend hingegen habe ich die große Anzahl an weiteren ernster Themen empfunden, die gefühlt alle „abgearbeitet“ werden mussten: Emanzipation, Homosexualität, Mobbing, Freundschaftsverlust, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Vegetarismus, Sinnsuche, Rassismus, etc. An sich finde ich es gut und wichtig, gesellschaftliche Missstände anzuprangern, aber hier hat mir eindeutig der Fokus gefehlt. Vor allem das Thema Feminismus und Gleichberechtigung wurde derart überstrapaziert, dass es mich beinahe schon genervt hat.

Fazit: Ein toll geschriebenes Buch mit kleineren Störfaktoren, bei dem man sich aber an leichten Sommerabenden ganz wunderbar wegträumen kann.

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Veröffentlicht am 24.05.2020

Zeitgemäßer Sommerkrimi mit ganz viel Urlaubs-Flair

Mitten im August
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Die malerische Insel Capri im Golf von Neapel mitten im August: Hier befindet sich der Arbeitsplatz von Enrico Rizzi, seines Zeichens Inselpolizist und passionierter Gärtner. Normalerweise passieren eher ...

Die malerische Insel Capri im Golf von Neapel mitten im August: Hier befindet sich der Arbeitsplatz von Enrico Rizzi, seines Zeichens Inselpolizist und passionierter Gärtner. Normalerweise passieren eher kleinere Delikte auf der Urlaubsinsel, doch in diesem Sommer wird Rizzi mit dem ersten Mord Capris konfrontiert. In der Bucht von Punta Carena entdeckt eine Touristin ein herrenlos umhertreibendes Ruderboot, in dem ein durch mehrere Stiche ermordeter Mann liegt. Dieser kann als Sohn eines Turiner Großindustriellen identifiziert werden, der Ozeanologie studiert und sich der Rettung der Meere verschrieben hat. Was steckt hinter dem Mord an dem jungen Mann? Rizzi und seine geheimnisvolle neue Kollegin Antonia Cirillo müssen gemeinsam ermitteln und sich ganz nebenbei als Team finden – was sich beides als keine leichten Aufgaben herausstellen.

„Mitten im August“ ist der Auftaktroman zu Luca Venturas (Pseudonym) Krimiserie rund um die Insel Capri. Bereits auf dem Cover wird dem Leser der Schauplatz des Geschehens nahe gebracht, es zeigt die berühmten Faraglioni bei stürmischer See. Im Einband finden sich dann zwei sehr hübsche, liebevoll gezeichnete Karten von der Insel Capri und dem Golf von Neapel. Es hat mir großen Spaß gemacht, mich beim Lesen anhand dieser Zeichnungen zu orientieren und genannte Orte zu suchen – und ganz nebenbei lernt noch etwas über die Geographie der Schauplätze zu lernen!

Das Buch selbst zeichnet sich durch eine sanfte und unaufgeregte Erzählweise mit gemächlichem Aufbau des Spannungsbogens aus. Die Neugier des Lesers wird zunächst durch einen rätselhaften Prolog geweckt, dann wird er durch eine bildhafte Sprache langsam an mögliche Entwicklungen heranführt, erst später nimmt die Geschichte mehr Fahrt auf und endet in einem kurzen, aber spannenden Showdown. Dazwischen liefern Rückblenden aus anderen Zeitebenen zusätzliche Hintergrundinformationen und laden den Leser zum Miträtseln ein. Dies ist dem Autor grandios gelungen, er hat sehr viele falsche Fährten entwickelt und Hinweise eingebaut, so dass jede Figur prinzipiell verdächtigt werden konnte. Die einzelnen Kapitel waren nicht besonders lang und sind aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben. Durch diesen Wechsel konnte man die Figuren gut kennenlernen und es wurde deutlich, dass weitere Krimis mit Rizzi und Cirillo folgen. Diesen konnte man sich nicht nur durch die Ermittlungsarbeit annähern, sondern hat auch viel Einblick in das Privatleben der Polizisten erhalten – leider stellenweise zulasten der Ermittlungsergebnisse, zu denen ich mir etwas mehr Information gewünscht hätte. Die Auflösung des Falls war schlüssig, das Motiv des Täters nachvollziehbar, auch wenn es zwischendurch an manchen Stellen kleinere Unstimmigkeiten gab, die ich dem Autor aber verzeihe. Mir hat es gut gefallen, dass am Ende sämtliche Hintergründe noch aufgeklärt wurden. Des Weiteren gab es einige sehr humorvolle Stellen mit aktuellem Bezug zur realen Welt, über die ich Schmunzeln musste.

Enrico Rizzi ist für mich eine zwiespältige Figur geblieben: Einerseits scheint er ein sehr freundlicher, ehrlicher und anständiger Sohn, Freund und Polizist zu sein, andererseits tritt er – insbesondere Frauen gegenüber – bestimmend, überheblich und sogar forsch-fordernd auf. Stellenweise war er mir richtig unsympathisch, vor allem Cirillo gegenüber. Diese hat definitiv etwas zu verbergen, aus ihr wird man bis zum Ende nicht schlau. Das Rätsel um Antonia Cirillo wird sich wohl in einem der Folgebände klären. Gemeinsam sind die beiden aber ein tolles Ermittlerduo mit Ecken und Kanten, das sich gerade noch in der Findungsphase befindet, die ersten Annäherungen zu beobachten hat dem Buch noch zusätzliche Spannung eingebracht. Insgesamt wurden viele Nebengeschichten um verschiedene Charaktere in die Geschichte mit eingeflochten, die wohl zukünftig noch eine stärkere Rolle spielen werden.

In wen ich mich komplett verliebt habe ist die Insel Capri! Das Lokalkolorit ist super dargestellt, die Beschreibungen der Landschaft, der Häuser, Straßen und Leute bringen richtiges Urlaubsflair und machen Lust auf eine Reise nach Italien. Bis ins Detail wurden das Meer, die Felsen, die Obstplantagen, die Geschäfte, die kleinen Gassen und das leckere Essen so bildhaft dargestellt, dass man beim Lesen regelrecht die Sonne auf der Haut und die mediterranen Geschmäcker auf der Zunge spürt. Das italienische Lebensgefühl und die Mentalität der Menschen wurden für mich perfekt eingefangen.

Neben der Kriminalgeschichte um den Mord hat Luca Ventura ein weiteres ernstes Thema aufgegriffen, dass ihm offenbar sehr am Herzen liegt: Auf gesellschaftskritische Art und Weise lässt er an verschiedenen Stellen das Thema Umweltschutz auftauchen, allerdings in maßvollem Umfang und ohne erhobenen Zeigefinger. Ganz nebenher baut er nicht nur Informationen über die Versäuerung der Ozeane in das Geschehen ein, sondern gibt auch Alltagstipps für den Leser wie beispielsweise nachhaltige Methoden im Gartenbau.

Insgesamt betrachtet handelt es sich bei „Mitten im August“ um einen gemütlichen Urlaubskrimi, der nicht durch Spannung, sondern durch Wohlfühlfaktor überzeugt, sich flüssig wie angenehm lesen lässt und den Leser auf eine gedankliche Reise auf die schöne Insel Capri mitnimmt.

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