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Veröffentlicht am 30.05.2020

Altfall neu aufgerollt

Enna Andersen und das verschwundene Mädchen
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Enna Andersen wird nach einer beruflichen Auszeit, die sie sich als alleinerziehende Mutter nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes genommen hat, die Verantwortung für eine neu gegründete Abteilung ...

Enna Andersen wird nach einer beruflichen Auszeit, die sie sich als alleinerziehende Mutter nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes genommen hat, die Verantwortung für eine neu gegründete Abteilung für ungelöste Altfälle übertragen. Sie ist wenig begeistert, nimmt ihre Aufgabe dann aber an und macht sich mit ihren neuen Kollegen Jan Paulsen und Pia Sims an die Arbeit.

Ich fand es interessant zu sehen wie aus 3 sehr unterschiedlichen Charakteren ganz langsam ein Team zusammenwächst. Dabei scheinen die Spannungen am Anfang zu überwiegen, was ein effektives Arbeiten kaum möglich macht.

Per Losverfahren wird ein Fall ausgewählt der inzwischen 9 Jahre zurückliegt. Damals war die 9jährige Marie Hansen bei einem Klassenausflug auf der Insel Wangerooge über Nacht verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Auch ihre Leiche wurde nie gefunden. Die Kommissare wühlen sich durch die alten Akten, befragen erneut die Zeugen und finden in einer Woche tatsächlich Dinge heraus, die entscheidene Fortschritte in der Suche nach dem Mädchen ergeben. Der Fall wird immer komplexer und bewegt sich zwischen Kinderpornogrfie, Missbrauch, Schutzgelderpressung, Geldwäsche, Kindesentzug im Zusammenhang mit der Mafia und wird durch diese Überfrachtung an Themen irgendwo leider etwas unglaubwürdig. Schade, hier hat es die Autorin ein bisschen übertrieben. Trotzdem hatte ich Spaß beim Lesen. Anna Johannsen hat es verstanden die Spannung konstant hoch zu halten. Sie hat sympathische Protagonisten erschaffen, auch wenn Kollege Paulsen zuweilen etwas genervt hat mit seinen Extratouren. Auch das Privatleben der alleinerziehenden Mutter hat seinen Platz in diesem Krimi, was mir ganz gut gefallen hat.

Am Ende ist aus dem anfänglich leicht chaotischen Haufen tatsächlich noch ein Team entstanden, dass sicher noch weitere Altfälle aufklären wird.


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Veröffentlicht am 24.05.2020

Vielversprechendes Debüt

Totwasser
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"Totwasser" von Julia Hofelich ist ein Debütroman und der Beginn des Anwaltskrimis rund um die Anwältin Linn Geller, die mit ihrem Anwaltskollegen Götz Nowak in Stuttgart eine Anwaltskanzlei neu eröffnet ...

"Totwasser" von Julia Hofelich ist ein Debütroman und der Beginn des Anwaltskrimis rund um die Anwältin Linn Geller, die mit ihrem Anwaltskollegen Götz Nowak in Stuttgart eine Anwaltskanzlei neu eröffnet hat. Es geht neben dem eigentlichen Fall, den man Linn als Pflichtverteidigerin zukommen lässt auch viel um die Startschwierigkeiten der kleinen Kanzlei,und die Hintergründe zu der gemeinsamen Selbstständigkeit . Linn hatte in der Vergangenheit einen Unfall und muss seither mit einer Narbe im Gesicht und den Folgen einer Beinverletzung leben, was sehr an ihrem Selbstbewusstsein geknabbert hat. Diese Selbstzweifel treten dann auch ein bisschen zu häufig in den Vordergrund und machen die ansonsten sehr sympathische und taffe Protagonistin ein wenig anstrengend.

Der Fall an sich scheint eindeutig. Das Opfer, ein beliebter Schauspieler wurde offensichtlich von seiner Frau in der Nähe des Feriendomizils in Cornwall von der Klippe gestossen. Die Beschuldigte, das Model Grace Riccardi, gesteht gegenüber ihrer Anwältin auch sofort diesen Mord begangen zu haben. Doch Linn ist nicht überzeugt und beginnt mit eigenen Ermittlungen in England und entdeckt Ungereimtheiten, die sie selbst in Lebensgefahr bringen.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut lesbar. Der Spannungsaufbau ist total gelungen, und die Spannung bleibt bis zum Schluss aufrechterhalten. Die Figuren wirken lebensecht und sympathisch, und auch der Fall ist nicht irgendwie künstlich aufgebläht. Ich habe Band 2 zuerst gelesen, der mir so gut gefallen hat, dass ich mich mit Band 1 direkt im Anschluss befasst habe. Man sollte natürlich besser mit dem 1. Teil beginnen aber in meinem Fall kann ich sagen, dass die Autorin sich mit der Fortsetzung noch verbessert hat. Für "Totwasser" gibt es einen Punkt Abzug, weil mir die Selbstzweifel von Linn etwas zu vordergründig waren. Trotzdem wieder ein toller Lesespaß und auf jeden Fall empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 08.05.2020

Ein Wimpernschlag vor dem Beginn des 2. Weltkrieges

Vor dem großen Sterben
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Mit der Tänzerin Marion Bendt, Protagonistin des Spionageromans "Vor dem großen Sterben" von Bernward Schneider taucht der Leser ins Berlin von 1939 ein. Die letzten Augusttage sind angebrochen. Das Wetter ...

Mit der Tänzerin Marion Bendt, Protagonistin des Spionageromans "Vor dem großen Sterben" von Bernward Schneider taucht der Leser ins Berlin von 1939 ein. Die letzten Augusttage sind angebrochen. Das Wetter ist wunderschön, und dennoch liegt das Unheil des nahenden Krieges schon in der Luft. Marion ist eine lebenslustige, junge Frau ohne Tabus und immer bereit zu sexuellen Abenteuern. Sie lebt ein gefährliches Doppelleben. Im Tanzlokal Coco ist sie als aufreizende Tänzerin bekannt, die mit dem Halbjuden Felix regelmäßig einen sehr freizügigen Tango auf Parkett legt und die männliche Zuschauerschaft regelrecht in Extase versetzt. Da sie mit ihrem gutausehenden Partner auch eine intime Beziehung hat, ist die Gefahr groß, dass man sie im Nazideutschland der Rassenschande bezichtigt. Desweiteren arbeitet sie für die Abwehr als Agentin und nutzt ihre Attraktivität,um ihrem Führungsoffizier Rolf Michalik Informationen zuzuspielen. So gelangt sie auch während eines Techtelmechtels mit Major Böhme an ein wichtiges Geheimdokument, dass Hitler's wahre Pläne bezüglich des Einmarsches in Polen offenbart. Als ihr Führungsoffzier kurz darauf stirbt, wird es eng für Marion und sie begreift allmählich den Ernst ihrer Lage. Man tritt an sie heran, droht ihr und erpresst sie zur Zusammenarbeit und nicht nur die Protagonistin weiß nicht mehr, wem sie noch trauen kann, auch der Leser ist verwirrt über das Auftauchen von SS, Gestapo und von geheimen Herrenclubs. Dieses "Im Dunkeln tappen", nicht wissen, wer Freund und wer Feind ist, habe ich als sehr authentisch empfunden, ein guter Schachzug von Bernward Schneider, die Spannung aufrechtzuerhalten.

Die Tänzerin Marion war mir nicht sonderlich sympatisch. So wie Schneider sie beschreibt, kommt man aber nicht umhin ihre Bauernschläue und ihre frechen Bemerkungen in brenzligen Situationen zu bewundern. Sie traut sich etwas und duckt sich nicht weg wie Andere.

Leider hat der Roman ein offenen Ende. Hier hätte ich mir einen eindeutigeren Abschluß gewünscht. Das Buch hat jetzt nicht 100%tig meinen Geschmack getroffen, war aber trotzdem eine spannende und solide historische Kriminalgeschichte, die mit Sicherheit viele Freunde finden wird.

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Veröffentlicht am 02.05.2020

Cybercalypse

Influence – Fehler im System
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Student Amir, Deutscher mit tunesischen Wurzeln ist ein typisches Kind dieser Zeit. Er ist mit dem Internet aufgewachsen und verfolgt regelmäßig den Blog des Netzaktivisten Habakuk, den er verehrt und ...

Student Amir, Deutscher mit tunesischen Wurzeln ist ein typisches Kind dieser Zeit. Er ist mit dem Internet aufgewachsen und verfolgt regelmäßig den Blog des Netzaktivisten Habakuk, den er verehrt und dessen Streitgespräche mit dem Instagramsternchen Kalliope er aufmerksam im Netz verfolgt. Er kann es kaum glauben, dass ihm die Ehre zuteil werden soll, diesen geheimnisvollen Blogger, zu dem eigentlich Keiner Kontakt bekommt, zu treffen, um ihm einen Speicherchip mit brisantem Material eines Whistleblowers zu übergeben, der einen internationalen Internet-Skandal auslösen wird. Er ist schon auf dem Weg zum Treffpunkt nach Köln, als das Internet weltweit zusammenbricht und ein Chaos ohnegleichen losbricht.

Genüsslich lässt der Autor Christian Linker seine Leser mit seinem jugendgerechten, saloppen Schreibstil im plötzlichen Chaos versinken. Die Auswirkungen einer "Cybercalypse" sind durchaus realistisch dargestellt. Ich habe immer auch ein Stück Ironie empfunden, wenn der Autor zuweilen etwas über das Ziel hinausschiesst, um unsere Abhängigkeit heute vom Netz zu verdeutlichen. Neben jeder Menge Spannung und überraschenden Wendungen habe ich auch eine Menge gelernt über Influencer, Trollfabriken, Crowdworking und mehr. Plötzlich werden Bürgerwehren aktiv, errichten Straßensperren und nutzen aus, dass die Polizei hoffnungslos überlastet ist. Der Tauschhandel blüht auf, da sich Keiner mehr Geld am Automaten besorgen kann. An den Tankstellen gibt es keinen Treibstoff mehr. Den gibt es nur noch bei Menschen die frühzeitig gehamstert haben und jetzt Wucherpreise verlangen. Es ist ziemlich erschreckend, wie viele Menschen offensichtlich in ein Steinzeitverhalten zurückfallen, und man mag sich gar nicht ausdenken, was passieren würde, würde zusätzlich zu unserer augenblicklichen Coronakrise noch ein Internet - Blackout dazukommen würde.

Der Protagonist Amir erscheint zuweilen etwas verpeilt aber sehr sympathisch, und mit ihm bekommt der Leser Einblick in das große Ganze. Das Buch war jedenfalls keine Minute langweilig und nicht nur für die jugendliche Zielgruppe spannend zu lesen.

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Pass auf, wen Du in Dein Haus lässt

VERGESSEN - Nur du kennst das Geheimnis
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Nach dem Zusammenbruch und Selbstmordversuch ihres Mannes Adrian, sollte mit einem Neuanfang in Wales Alles besser werden. Mit Hilfe ihrer Mutter hat die Familie ein altes Pfarrhaus erstanden und es mit ...

Nach dem Zusammenbruch und Selbstmordversuch ihres Mannes Adrian, sollte mit einem Neuanfang in Wales Alles besser werden. Mit Hilfe ihrer Mutter hat die Familie ein altes Pfarrhaus erstanden und es mit viel Arbeit und Herzblut in eine kleine Pension umgebaut. Die ersten Gäste haben gebucht aber auch Familienmitglieder kündigen ihren Besuch an. Mit Unbehagen empfängt die Icherzählerin Kirsty ihre Cousine Selena mit ihrer kleinen Tochter in ihrem neuen Zuhause und ahnt schon, dass diese Unruhe, wenn nicht sogar Unglück ins Haus bringen wird. Sie hatte sich in ihrer Jugend so mit ihr überworfen, dass sie sie nie wiedersehen wollte. Verwelkte Blumensträuße. die vor ihrer Haustür abgelegt werden, erzeugen schon erstes Unbehagen, und dann kurz nach der Eröffnung, wird tatsächlich einer der Gäste schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht.

Claire Douglas schafft es, nicht nur eine düstere Atmosphäre zu schaffen, sie deckt Geheimnisse von Pensionsgästen und Familienmitgliedern auf, die letzendlich fast Jeden verdächtig machen. Dabei ist das Buch jetzt nicht übermäßig spannend aber durch die einfühlsame Ausarbeitung der Charaktere und die kleinen Hinweise, die die Handlung vorantreiben, möchte man das Buch kaum aus der Hand legen. Insbesondere die Beschreibungen der Kinder haben mir sehr gut gefallen.

Wer einen großen Showdown am Ende braucht, ist mit diesem Buch sicher nicht so gut beraten. Für die Leser, die eine leise psychologische Spannung mögen, ist dieser Roman genau richtig.


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