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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2017

Verwirrend und widersprüchlich, aber genial

Das Buch der Spiegel
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Der Literaturagent Peter Katz erhält den ersten Teil eines Manuskripts von dem Autor Richard Flynn. Darin beschreibt dieser seine Erlebnisse während seiner Studienzeit in Princeton im Jahr 1987. Damals ...

Der Literaturagent Peter Katz erhält den ersten Teil eines Manuskripts von dem Autor Richard Flynn. Darin beschreibt dieser seine Erlebnisse während seiner Studienzeit in Princeton im Jahr 1987. Damals wurde der angesehene Psychololgieprofessor Wieder ermordet, der Fall aber nie aufgeklärt. Flynn glaubt nun das fehlende Puzzlestück, das zum Mörder führt, gefunden zu haben. Doch das Manuskript endet an entscheidender Stelle. Peter ist fasziniert von der Geschichte und er fordert von Flynn die Fortsetzung an. Doch dieser ist mittlerweile seinem Krebsleiden erlegen und die Hinterbliebenen können das Manuskript nicht finden. Peter Katz lässt nun recherchieren, was damals wirklich geschehen war. Eine schwierige Suche, denn die Aussagen, der damals beteiligten Personen widersprechen sich gewaltig.

Ein wirklich außergewöhnliches Buch, das der rumänische Autor E.O. Chirovici hier abgeliefert hat. Eingeteilt in drei Abschnitte beginnt es mit dem Erhalt des Manuskripts aus der Sicht von Peter Katz. Danach wechseln die Erzählperspektiven zu John Keller, einem befreundeten Journalisten von Peter, der für ihn recherchiert und als dritte Sichtweise zu dem damals ermittelnden Polizisten Roy Freemann. Dabei geht es nicht nur um die Aufklärung des Mordes von damals, vielmehr wird aufgezeigt, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können und dass Erinnerung manipulierbar sind. Auch im Laufe der Zeit verändert sich die Wahrnehmung und hat man das, was man als Erinnerung gespeichert hat wirklich so erlebt? Die Aussagen der betroffenen Personen von damals sind jedenfalls äußerst widersprüchlich und als Leser steht man der Aufgabe gegenüber die Wahrheit herauszufinden. Vieles wirkt verwirrend auf den Leser, gerade wenn er glaubt, endlich eine Lösung gefunden zu haben, so wird wenige Seiten später dem ganzen wieder komplett widersprochen.
Herausragend fand ich die schon fast geniale Konstruktion des Buches. Schwächen hingegen zeigt das Ende, weil hier doch noch einige Fragen offen bleiben.

Roman steht auf dem Cover, doch das Buch kann durchaus als Krimi durchgehen, insbesondere was das Spannungsniveau anbelangt. Kann ich gerne weiterempfehlen mit vier Sternen.

Veröffentlicht am 10.02.2017

Bedrückend

Glücksmädchen
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Mitten im Zentrum Stockholms verschwindet die kleine Lycke spurlos. Die 8jährige wurde von ihrer Stiefmutter zu einem Tennistraining gebracht, das eigentlich gar nicht stattfand. Niemand hat etwas gesehen, ...

Mitten im Zentrum Stockholms verschwindet die kleine Lycke spurlos. Die 8jährige wurde von ihrer Stiefmutter zu einem Tennistraining gebracht, das eigentlich gar nicht stattfand. Niemand hat etwas gesehen, die erste Suche bleibt erfolglos. Ellen Tamm, Kriminalreporterin beim Fensehsender TV4 wird auf die Sache angesetzt. Dabei ist Ellen schwer belastet, da vor vielen Jahren ihre Zwillingsschwester Elsa, die damals auch acht Jahre alt war, verstarb. Dieses Erlebnis hat Ellen bis heute nicht verwunden und so setzt sie nun alles daran nicht nur Lycke, sondern auch ihren eigenen Frieden zu finden.

„Glücksmädchen“ ist das Debüt von Mikaela Bley. Das Buch heißt im schwedischen Original schlicht „Lycke“, was so viel wie Glück bedeutet. Doch Lycke ist alles andere als ein Glücksmädchen. Die Eltern Helena und Harald sind geschieden und teilen sich das Sorgerecht, doch eigentlich ist jeder der beiden hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Auch ihre Stiefmutter Chloe kann Lycke nicht ausstehen und ist permanent eifersüchtig auf Lycke und die vorherige Partnerin ihres Mannes. In der Schule ist Lycke ebenfalls nicht sehr beliebt, die einzige Anerkennung bekommt sie bei Mona, dem Kindermädchen.
Mit Ellen, der Protagonistin konnte ich leider nicht so richtig warm werden. Nicht nur die Trauer über den Verlust der Schwester belasten sie. Zudem hatte sie mit ihrem aktuellen Chef beim Fernsehsender eine Beziehung, die scheiterte und ebenfalls noch nicht ganz verwunden ist. Traurig auch, dass die Medien sich so wenig um das verschwunde Mädchen selbst kümmern, vielmehr geht es darum gute Quoten zu erzielen.

Erzählt wird aus den verschiedenen Perspektiven von Ellen, Helena, Chloe und Mona. Dabei lichtet sich langsam der Schleier über das wahre Geschehen. Geschickt streut die Autorin dabei Informationen, aus denen sich langsam erahnen lässt, was mit Lycke geschehen ist. Auf gewisse Weise wirkt jeder ein wenig verdächtig mit seinem Verhalten, umso überraschender ist dann das Ende. Dennoch fand ich das Buch spannend geschrieben, gerade wegen der ständig wechselnden Sichtweisen.

Psychothriller steht auf dem Cover, aber dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Vielmehr ein bedrückender Krimi mit Protagonisten, die leider nur allzu oft der Realität entsprechen. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte noch Potential nach oben gehabt, daher nur vier Sterne.

Veröffentlicht am 24.01.2017

Thriller mit äußerst düsterer Atmosphäre

Schattenkiller
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Gleich drei Morde erschüttern Rom. Noch kann der Profiler Enrico Mancini keinen Zusammenhang zwischen den Opfern erkennen. Doch dann tauchen geheimnisvolle Botschaften auf, in denen sich der Täter, der ...

Gleich drei Morde erschüttern Rom. Noch kann der Profiler Enrico Mancini keinen Zusammenhang zwischen den Opfern erkennen. Doch dann tauchen geheimnisvolle Botschaften auf, in denen sich der Täter, der sich selbst „der Schatten“ nennt, zu den Taten bekennt. Weitere Taten folgen und Mancini und sein Team müssen alles dransetzen, um den Serienkiller zu stoppen.

Schattenkiller ist das Debüt des bislang nur als Übersetzer namhafter Autoren arbeitenden Mirko Zilahy. Dabei ist ein spannender, wenn auch düsterer Thriller herausgekommen. Denn nicht nur der viele Regen, der seit Tagen auf Rom fällt, erzeugt diese düstere Atmosphäre, sondern auch Mancini selbst. Seit dem durch Krebs verursachten Tod seiner Frau befindet er sich in tiefer Trauer. Und nun ist auch noch der Onkologe Carnevale, der damals seiner Frau geholfen hat, urplötzlich verschwunden. Mancini glaubt an eine Entführung und fühlt sich persönlich verpflichtet, Carnevale aufzuspüren. Doch die Serienmorde fordern seine ganze Aufmerksamkeit.
Die Figuren fand ich eigentlich gut ausgearbeitet, wenn auch etwas zu überzogen. Der ständig trauernde und depressive Kommissar Mancini, der seinen Kummer in Alkohol zu ertränken versucht, hat mich dann schon etwas genervt. Und nicht nur Mancini selbst ist leicht gestört, sondern auch manche Mitglieder seines Teams haben ganz schön einen an der Waffel.
Erzählt wird recht flüssig, lediglich die bildhaften Beschreibungen der Umgebung fand ich etwas zu ausführlich. Sehr brutal wird der Autor allerdings bei der Beschreibung der Morde. Der Erzählstil kam mir dann wie ausgewechselt vor.
Schade auch, dass sich die Lösung des Falls relativ früh abzeichnet. Dadurch empfand ich das Ende als rechtlangatmig, aber es werden wenigstens alle offenen Fragen noch abgeklärt.

Insgesamt ein spannender Thriller, der eine äußerst düstere Atmospähre beinhaltet. Rom mal von einer ganz anderen Seite als man es kennt. Wer schwermütige Protagonisten mag, dem sei dieses Buch zu empfehlen.

Veröffentlicht am 17.01.2017

Zum Ende hin immer spannender

DEAR AMY - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest
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Seit dem Verschwinden der 15jährigen Katie macht sich ihre Lehrerin Margot Lewis große Sorgen. An die Theorie, dass Katie einfach ausgerissen ist, weil sie sich nicht mit ihrem Stiefvater versteht, mag ...

Seit dem Verschwinden der 15jährigen Katie macht sich ihre Lehrerin Margot Lewis große Sorgen. An die Theorie, dass Katie einfach ausgerissen ist, weil sie sich nicht mit ihrem Stiefvater versteht, mag sie nicht so recht glauben. Margot ist zudem Betreiberin der Kolumne „Dear Amy“, eine Art Kummerkasten bei einer Zeitung. Hier erreicht sie ein Brief von Bethan Avery, die vor fast 20 Jahren plötzlich verschwand. Eine Leiche, geschweige denn ein Mörder wurde jedoch nie gefunden. In dem Brief bittet Bethan um Hilfe. Margot wendet sich an die Polizei und ein Graphologe bestätigt die Echtheit des Briefes. Margot ahnt nun, dass Katie von einem Psychopathen gefangen gehalten wird und setzt alles daran um ihr zu helfen…

„Dear Amy“ ist das Debüt von Helen Callaghan und ihr ist damit ein spannender Thriller gelungen. Der Erzählstil ist flüssig und hat mir gut gefallen. Beim Lesen hat man jedoch ständig das Gefühl, dass Margot dem Leser irgendetwas verheimlicht. Überhaupt konnte ich mit Margot nicht so richtig warm werden, unter einem Sympathieträger verstehe ich etwas anderes. Doch als Charakter war Margot überzeugend gezeichnet.
Die Wendung in dem Buch ist leider ziemlich vorhersehbar, dennoch fand ich die Idee zu dem Buch originell. Gerade diese Parallele zwischen dem alten Fall Bethan Avery und der nun entführten Katie fand ich sehr spannend und habe das Buch zum Ende hin regelrecht verschlungen.
Für Freunde von guten Psychothrillern gebe ich hier gerne meine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 17.01.2017

Alleine sind wir wirklich nie...

Alleine bist du nie
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Zoe Walker fährt täglich mit der Bahn zur Arbeit. Während der Fahrt liest sie Zeitung und studiert auch dabei die Kleinanzeigen. Eine der Anzeigen, auf der sich Frauen zur „diskreten Abwechslung“ anbieten, ...

Zoe Walker fährt täglich mit der Bahn zur Arbeit. Während der Fahrt liest sie Zeitung und studiert auch dabei die Kleinanzeigen. Eine der Anzeigen, auf der sich Frauen zur „diskreten Abwechslung“ anbieten, weckt ihr ganz besonderes Interesse. Denn es zeigt das Bild einer Frau mit einer Telefonnummer und einem link zum Internet. Und das Bild der Frau ist ihr eigenes…

„Alleine bist du nie“ ist der zweite Thriller nach „ Meine Seele so kalt“ von Claire Mackintosh. Das Buch beginnt recht unspektakulär mit der Bahnfahrt Zoes. Danach lernt man die engagierte Polizistin Kelly Swift kennen, die aufgrund eines Fehlverhaltens zur Bahnpolizei degradiert wurde.

Anfänglich fand ich es schwierig in das Buch hineinzukommen, denn die einzelnen Charaktere werden nicht direkt vorgestellt, sondern man erhält die Informationen über die Figuren nur häppchenweise. Und so dauert es etwas bis man sich endlich ein komplettes Bild von Zoe und ihrer Familie machen kann. Zoe ist vierzig, geschieden von Matt, dem Vater ihrer beiden mittlerweile fast erwachsenen Kinder und lebt zusammen mit dem fast 15 Jahre älteren Journalisten Simon. Zoe, als auch die Polizistin Kelly konnten beide als Sympathieträger bei mir punkten. Als Zoe noch mehr Kleinanzeigen entdeckt und feststellen muss, dass einige der Frauen danach einem Verbrechen zum Opfer fielen, wendet sie sich an die Polizei. Sie selbst entwickelt dabei Ängste und wird regelrecht paranoid, weil sie sich ständig verfolgt fühlt.

Mit der Zeit gewinnt die Handlung immer mehr an Fahrt bis hin zu einem Ende, das wirklich seinesgleichen sucht. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Zoe und Kelly, aber auch der Täter kommt in kursiv gehaltenen Abschnitten zu Wort.

Was mir an dem Buch sehr gut gefallen hat, war die Vielzahl der potentiellen Täter. Fast jeder ist auf die eine oder andere Art verdächtig und man grübelt die ganze Zeit, wer hinter all dem steckt. Das Ende und somit die Auflösung ist genau das Gegenteil des Beginns, rasant und spektakulär und sogar auf der letzten Seite schafft es die Autorin noch eine Wendung zu platzieren.

Das Buch befasst sich mit Opfern und Tätern, unseren allzu sorglosen Umgang mit den sozialen Netzwerken und auch der Überwachung. Alles in allem eine recht spannende Umsetzung, die auch gleichzeitig nachdenklich macht.

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