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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2020

Etwas mehr Tiefgang wäre schön gewesen

Das Erbe
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Nachdem mich bereits „Der Verrat“ der Autorin als Hörbuch genossen hatte, freute ich mich sehr über ihren neuen Roman. Die Geschichte ist wieder sehr mehrschichtig. Protagonistin ist Mona, die sich von ...

Nachdem mich bereits „Der Verrat“ der Autorin als Hörbuch genossen hatte, freute ich mich sehr über ihren neuen Roman. Die Geschichte ist wieder sehr mehrschichtig. Protagonistin ist Mona, die sich von ihrem Mann trennt und überraschenderweise, von einer Tante, die sie eigentlich nur einmal richtig getroffen hat, ein imposantes Mietshaus im Herzen von München erbt. Von ihrer Mutter erfährt, dass dieses Erbe eine dunkle Geschichte umgibt. Mona, die ein starkes Helfersyndrom hat und von ihrer Familie oft als Gutmensch verspottet wird, beschäftigt sich näher mit ihrem Erbe. Der Hauskauf war nicht ganz ohne, denn dieser geschah in Zeiten des Nationalsozialismus und die Verkäufer waren Juden.
In verschiedenen Handlungssträngen wird nun die Geschichte des Hauses und auch Monas Entwicklung zu einer unabhängigen Frau erzählt. Dabei gibt es noch weitere Nebenstränge, die mir manchmal etwas zu viel waren, aber die dennoch spannend sind. Die Autorin greift hier mehrere Themen auf: die Enteignung von Juden, Flucht/Tod Zweiter Weltkrieg, Mord, Verrat, Gier. Es hätten nicht so viele Themen sein müssen, denn dadurch verlieren die einzelnen Handlungsstränge an Tiefe und sie kommen etwas zu kurz. Die Charaktere sind etwas klischeehaft gezeichnet und handeln wenig überraschend. Dennoch ist es eine sehr spannende Geschichte und ich wurde gut unterhalten. Das Buch hatte für mich keine Längen, die Spannung wurde durch die gekonnten Wechsel der Handlungsstränge gut gehalten.
Die Autorin kann sehr gut beschreiben, ohne dass es langatmig wirkt. Die Umgebung in München im Jetzt und auch in der Vergangenheit konnte ich mir sehr gut vorstellen. Gelungen ist ihr dabei die Beschreibung wie sich das Verhältnis zu den jüdischen Nachbarn langsam gewandelt hat, von normaler Nachbarschaft, zu kritisch beäugen, zu denunzieren und schließlich zu Verrat und Mord. Ich konnte richtig mitleiden. Die Geschichte in der Jetztzeit war auch spannend, da gingen mir nur die Charaktere nicht so nah, weil sie einfach zu einseitig und übertrieben gezeichnet waren.
Ich würde dennoch dieses Hörbuch empfehlen, da es sehr gut unterhält. Es beinhaltet viele Themen, Familiengeschichte, Krimi, Liebe. Auch der Sprecher ist sehr angenehm und spricht zum Glück die überzeichneten Charaktere nicht übertrieben.

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Veröffentlicht am 12.10.2020

Tolle Idee, aber etwas zu kurz

Mord unter Null
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Mein Lieblingsort zum Lesen ist wirklich die Badewanne, vor allem, weil es die einzige Tür ist die ich abschließen kann und meine zwei Kinder dann nicht nerven können. Dennoch kannte ich die Badewannenbücher ...

Mein Lieblingsort zum Lesen ist wirklich die Badewanne, vor allem, weil es die einzige Tür ist die ich abschließen kann und meine zwei Kinder dann nicht nerven können. Dennoch kannte ich die Badewannenbücher noch nicht. Die Idee hat mich sofort angesprochen. Kleine Gummibücher, die mich an die ersten Bücher meiner Kinder erinnerten, als sie noch auf allem rumkauten, was nicht niet- und nagelfest ist. Nur ohne bunte Bildchen, sondern mit einer Kurzgeschichte für Erwachsene.
Es wird angegeben, dass man die Geschichte in weniger als 15 Minuten liest, gut das stimmt, es ist sogar sehr viel kürzer. Ich habe ungefähr die Hälfte der Zeit gebraucht, was ich ein wenig schade finde, denn ich hätte gerne noch länger gelesen, denn in der Wanne bin ich auch länger.
Ich finde es sehr beeindruckend, dass man auf diesen wenigen Seiten eine runde Geschichte hinbekommt. Aber es passt wirklich. Die Geschichte war sogar sehr emotional.
Auch wenn ich die Idee sehr gut finde, vor allem das Design dazu, weiß ich nicht, ob ich die Bücher für mich selbst kaufen würde, dafür ist das Lesevergnügen einfach zu kurz. Aber es ist einfach eine tolle Idee als Geschenkt für Badeverrückte. Mit einem schönen Badezusatz zusammen hat man ein schönes Geschenk.

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Veröffentlicht am 21.07.2020

Sehr ehrlich geschrieben

Mehr als wir uns erträumten
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Dieses Buch habe ich vor allem deshalb gelesen, da ich selbst ein Frühchen habe und ich es spannend fand diese Erlebnisse aus Sicht des Vaters zu lesen. Das Buch hat mich jedenfalls sehr überrascht, es ...

Dieses Buch habe ich vor allem deshalb gelesen, da ich selbst ein Frühchen habe und ich es spannend fand diese Erlebnisse aus Sicht des Vaters zu lesen. Das Buch hat mich jedenfalls sehr überrascht, es ist nicht so ein typischer Schicksalsroman, der von starken Emotionen lebt. Man merkte sofort, dass der Autor Schriftsteller ist und versucht seine persönlichen Erlebnisse literarisch umzusetzen.

Er hat mit seiner Frau zwei gesunde Kinder und lebt ein glückliches Familienleben. So richtig kann er sich nicht für ein drittes Kind entscheiden, aber das Schicksal entscheidet für ihn. Seine Frau wird schwanger, aber es gibt Schwierigkeiten. Seine Frau hofft weiter, er ist im Zwiespalt. Ihr Kind stirbt, aber schon kurze Zeit danach wird sie wieder schwanger, sogar mit Zwillingen, leider auch mit Komplikationen. Die Zwillinge werden zu früh geboren.

Ich fand es wunderbar zu lesen, in welchen Gefühlschaos der Autor war. Er war voll mit Zweifeln und das konnte ich selbst nachvollziehen. Es wirkte oft kalt und emotionslos, aber genau das gefiel mir, da ich sonst wenig typische Schicksalsromane lese, weil sie mir zu emotional geschrieben sind. Die Gefühle seiner Frau bleiben etwas außen vor, aber es ist sein Roman.

Zwischendurch hatte es ein paar Längen, wo es doch etwas anstrengend dem Buch noch zu folgen, aber dann ging die Handlung wieder weiter und ich war einfach gespannt, wie es mit dem Babys weitergeht. Das Geschehen auf der Neugeborenen Intensivstation war sehr realistisch beschrieben, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Für mich ist es kein Buch für Menschen, die erstmals Eltern werden wollen. Denn meist leben diese noch in einer rosaroten Wolke, wo Kinder bekommen noch sowas wundervolles ist, wo man die Schattenseiten nicht sieht. Was auch gut ist. Ich würde dieses Buch eher Menschen empfehlen, die schon Kinder haben und vor allem Eltern, die selbst in dieser Situation waren. Ich habe mich mit meinen eigenen Gefühlen sehr wieder gefunden. Gerade beim zweiten Teil des Buches kamen viele Erinnerungen und Gefühle, die ich bei der Geburt meines Frühchens hatte, wieder. Mir tat es gut.

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Veröffentlicht am 14.07.2020

Nicht so stark wie Teil 1 und Teil 2

Das Gedächtnis von Babel
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Ich bin etwas unschlüssig, nachdem ich nun den dritten Teil der Spiegelreisenden-Reihe gehört habe. So richtig glücklich wurde ich am Ende nicht zurückgelassen. Denn die ganze Zeit hatte ich hier das Gefühl, ...

Ich bin etwas unschlüssig, nachdem ich nun den dritten Teil der Spiegelreisenden-Reihe gehört habe. So richtig glücklich wurde ich am Ende nicht zurückgelassen. Denn die ganze Zeit hatte ich hier das Gefühl, dass die Autorin irgendwie schon das Ende im Kopf hatte, aber unbedingt einen Vierteiler statt Dreiteiler schreiben wollte und nun noch irgendeine Zwischenepisode einbauen musste. Die Rahmenhandlung kommt kaum voran und einiges fühlte sich an wie eine Wiederholung.
Ophelia muss wieder eine andere Identität schlüpfen und einiges über sich ergehen lassen. Es dauert lange bis endlich Thorn auftaucht und ihr Wiedersehen ist völlig anders als erwartet. Mit Babel hat sich die Autorin wieder eine interessante Welt ausgedacht, in der alles reglementiert ist, völlige Überwachung herrscht und keine freie Meinungsäußerung möglich ist. Dazu viele Automaten, die die Arbeit erledigen. Da hätte ich mir etwas mehr Einblicke in das alltägliche Leben gewünscht, denn Ophelia bleibt doch auf ihre “Schule“ beschränkt. Dennoch es ist spannend, wie nach und nach weitere Geheimnisse aufgedeckt werden und vor allem das erste Zusammentreffen mit Thorn nach drei Jahren Trennung war sehr interessant und überraschend.
Sehr gut gelungen ist der zweite Handlungsstrang am Pol, aus der Sicht der kleinen Victoria erzählt. Deren ungewöhnliche Gabe neue Aspekte von Gott aufdecken. Am Ende kommt es schließlich zum absoluten Cliffhanger.
Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und überrascht. Die Handlung ist bei der Autorin keinesfalls vorhersehbar, was mir sehr gut gefällt. Auch die Liebe zum Detail hat mich wieder überzeugt, denn auch in diesem Buch erfährt man wieder mehr über diese sehr komplexe Welt, die die Autorin erschaffen hat und die kaum zwischen zwei Buchdeckel passt. Deshalb bin ich umso mehr gespannt, wie sie die Reihe nach dem vierten Teil beenden möchte, denn ich habe das Gefühl, es gibt noch sehr viel zu erzählen.
Die Sprecherin des Hörbuchs Laura Maire macht wieder einen sehr guten Job. Mir gefallen vor allem die unterschiedliche Stimme und Sprechweise von Ophelia und Thorn, die gegensätzlicher nicht sein könnte und die sie mit ihrer Stimme und Satzmelodie einen ganz eigenen Charakter gibt.

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Veröffentlicht am 23.06.2020

Großartiges Setting

Im grausamen Licht der Sonne
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Ich liebe Thriller und die Gestaltwandler Romane von der Autorin Nalini Singh. Nun hat sie ihren ersten Thriller geschrieben und ich war sehr gespannt, ob dieser genauso einen Lesesog entwickelt wie ihre ...

Ich liebe Thriller und die Gestaltwandler Romane von der Autorin Nalini Singh. Nun hat sie ihren ersten Thriller geschrieben und ich war sehr gespannt, ob dieser genauso einen Lesesog entwickelt wie ihre anderen Bücher.
Der Plot ist gelungen. Ana kehrt nach Jahren aus dem quirligen London in ihre Heimatkleinstadt nach Neuseeland zurück. Sie verbindet keine guten Erinnerungen mit dem Ort ihrer Kindheit, aber auch ihr neues Leben in London hat seine Schatten hinterlassen. Aber kaum möchte sie sich mit den Geistern ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, holt sie die Gegenwart ein. Eine junge hübsche Frau wird vermisst. Ihr Verschwinden erinnert an eine Serie von drei verschwundenen Wanderinnen vor 15 Jahren. Aber können diese Fälle zusammenhängen?
Will, der einzige Polizist m Ort, selbst geplagt von bösen Erinnerungen, klemmt sich hinter den Fall und deckt nach und nach die Geheimnisse der Bewohner auf. Ana hilft ihm dabei und stellt sich damit ihren eigenen Erinnerungen.
Der Roman ist geprägt von vielen Geheimnissen aus der Vergangenheit bei den Protagonisten. Diese überschatten sehr das aktuelle Geschehen. Beide Will und Ana sind sehr verschlossen nicht nur gegenüber anderer Charaktere sondern auch mir als Leserin. Sie blieben auf Abstand. Dennoch die Geschichte hatten einen starken Spannungsbogen, der mich nicht losließ. Auch das Setting um die Kleinstadt, den Urwald und die Küste ist sehr gut beschrieben und hat mich in eine für mich fremde Welt entführt. Selten sind die Seiten so geflogen, auch bei diesem neuen Genre hat mich wieder der Lesesog erwischt. Ich hoffe sehr, dass sie weitere Thriller schreibt. Wenn sie sich dann noch etwas mehr auf die Charaktere, auch dem Täter konzentriert und dem Ende auch genug Raum lässt, wird es perfekt.

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