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Veröffentlicht am 30.07.2020

Hochspannende Jagd auf einen Serienmörder

Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)
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In einem Wohnhaus wird durch Zufall die Leiche des betagten Theodor Reifenraths entdeckt. Offenbar ist der Mann schon vor einer ganzen Weile gestorben, ohne dass jemand es bemerkt hat. Bei der Untersuchung ...

In einem Wohnhaus wird durch Zufall die Leiche des betagten Theodor Reifenraths entdeckt. Offenbar ist der Mann schon vor einer ganzen Weile gestorben, ohne dass jemand es bemerkt hat. Bei der Untersuchung des Vorfalls durch die Polizei kommt der nächste grausige Fund zum Vorschein: Neben dem im Zwinger eingesperrten Hund liegen Knochen, die eindeutig als menschlich identifiziert werden. Schon bald haben die Kriminalhauptkommissarin Pia Sander und ihr Chef Oliver von Bodenstein sowie das gesamte Team der Kripo Hofheim alle Hände voll zu tun, denn die Spurensicherung findet auf Reifenraths Grundstück mehrere Frauenleichen. Wer waren die Toten? Und war der alte Mann wirklich der Mörder? Oder waren es am Ende sogar zwei? Ins Visier der Polizei geraten zunehmend die ehemaligen Pflegekinder die Familie, die früher bei Reifenrath und seiner Frau lebten und wie sich schnell herausstellt jahrelang von ihr aufs Schlimmste misshandelt wurden. Immer weitere Fälle von verschwundenen und getöteten Frauen werden in Zusammenhang mit den gefundenen Leichen gebracht. Und dann schlägt der Täter erneut zu und entführt eine Person, deren Schicksal Pia Sander besonders nahe geht...

Seit sie mich vor Jahren mit „Schneewittchen muss sterben“ restlos überzeugt hat, lese ich die Krimis von Nele Neuhaus sehr gerne. Der Name der Autorin garantiert aus meiner Sicht eine spannende Unterhaltung auf gutem Niveau. Dies stellt sie mit „Muttertag“ erneut unter Beweis. Ich habe selten einen Krimi wie diesen gelesen, der trotz des beachtlichen Umfangs (immerhin 556 Seiten!) überhaupt nicht langatmig wird. Im Gegenteil: Die exzellent erzählte Story hat mich von Anfang an gepackt und ich konnte kaum aufhören zu lesen. Die Autorin schafft es wunderbar, die Spannung zu erzeugen und sie aufrechtzuerhalten, bis sie schließlich in einem dramatischen Finale gipfelt. Zwischendurch lockt sie den Leser geschickt auf falsche Fährten und überrascht ihn dann mit einer interessanten Wendung. Die Charaktere sind wie auch sonst bei Nele Neuhaus lebendig und sehr gut herausgearbeitet. Dies gilt sowohl für alte Bekannten aus früheren Bänden, sprich Pia Sander und Oliver von Bodenstein, die ich persönlich sehr menschlich und sympathisch finde als auch für negative Charaktere. Der Autorin gelingt es meisterhaft, furchterregende Figuren von Psychopathen zu kreieren. Die intensiven Schilderungen und vor allem der gekonnte Einsatz der Ich-Erzälform erlaubt dem Leser, einen Blick in die Abgründe ihrer Seelen zu werfen. Sie macht einem auch wiederholt bewusst, dass man solche Menschen nicht unbedingt erkennt, weil sie in der Gesellschaft oft kaum oder vielleicht sogar positiv auffallen. Mit Schrecken musste ich bei der Lektüre daran denken, ob mir schon mal einer über den Weg gelaufen ist...

Alles in allem ist „Muttertag“ ein toll geschriebener und packender Psychothriller, den man kaum aus der Hand legen kann! Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 23.06.2020

Eine Fortsetzung, die es in sich hat!

Erebos 2
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Es sind 10 Jahre vergangen seit den erschütternden Ereignissen um das Computerspiel Erebos. Nick Dunmore ist inzwischen 26 und ein angehender Fotograf. Er will es kaum glauben, als eines Tages urplötzlich ...

Es sind 10 Jahre vergangen seit den erschütternden Ereignissen um das Computerspiel Erebos. Nick Dunmore ist inzwischen 26 und ein angehender Fotograf. Er will es kaum glauben, als eines Tages urplötzlich eine App mit dem vertrauten roten Icon auf seinem Handy erscheint. Und doch ist es wahr: Erebos ist zurück! Das Spiel hat mächtig dazu gelernt und scheint wieder ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Doch diesmal lässt es Nick keine Wahl: Er muss spielen, ob er will oder nicht. Denn Erebos überwacht jeden seinen Schritte und schreckt vor keiner Maßnahme zurück, um sich Nick gefügig zu machen...

Ich bin Fortsetzungen gegenüber eher misstrauisch. Zu oft erlebt man, dass Bücher oder Filme, die einen begeistert haben, als Fortsetzung nur ein schwacher Abklatsch des Originals und im Grunde überflüssig sind. Das gilt aber nicht für Ursula Poznanski. Die Autorin hat es geschafft, mit „Erebos 2“ erneut einen packenden Thriller zu schreiben, der zumindest mich fast so sehr wie Teil 1 gefesselt hat. Auch hier haben wir es mit einer originellen, gut durchdachten Story zu tun, die sehr spannend und in einem guten Tempo erzählt wird. Es gibt ein nettes Wiedersehen mit den alten Protagonisten, die man ins Herz geschlossen hat, es kommen aber auch neue, durchaus interessante Charaktere dazu. Der häufige Perspektivenwechsel sorgt für Abwechslung und lässt keine Langeweile aufkommen. Sehr geschickt und überzeugend setzt Frau Poznanski die Idee mit den zwei Handlungsebenen um: Mal begleitet der Leser die Protagonisten in der realen, kurz darauf taucht er mit ihnen in die virtuelle Welt ein, was ein Erlebnis für sich ist. Der Spannungsfaktor wird dadurch ebenfalls enorm erhöht. Ferner punktet das Buch mit überraschenden Wendungen und einem aus meiner Sicht gelungenen Ende. Und wie schon bei „Erebos“ so macht die Lektüre auch diesmal nicht nur Spaß, sondern regt auch zum Nachdenken an. Alles in allem eine runde Sache!

Fazit: „Erebos 2“ hat mich perfekt unterhalten. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von dem schriftstellerischen Können Ursula Poznanskis und bleibe ihr treuer Fan. Allen, die spannende Thriller mögen, kann ich das Buch wärmstens empfehlen!






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Veröffentlicht am 31.05.2020

Jugendthriller mit Suchtpotenzial – auch für ältere Leser!

Erebos
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An Londoner Schulen wird ein geheimes Computerspiel namens „Erebos“ verbreitet, von dem nur eingeweihte Spieler erfahren dürfen. Der 16-jährige Nick bekommt ebenfalls eine Kopie und ist zunächst begeistert: ...

An Londoner Schulen wird ein geheimes Computerspiel namens „Erebos“ verbreitet, von dem nur eingeweihte Spieler erfahren dürfen. Der 16-jährige Nick bekommt ebenfalls eine Kopie und ist zunächst begeistert: Erebos ist nämlich kein gewöhnliches Spiel. Es ist nicht nur sagenhaft spannend, sondern auch äußerst raffiniert: Es scheint Nicks Vorlieben zu kennen und mit ihm zu kommunizieren. Wie manche anderen Schüler ist er dabei, Erebos zu verfallen und sich von ihm beherrschen zu lassen. Doch dann merkt er, dass eine düstere, zerstörerische Macht von dem Spiel ausgeht, die in der Lage ist, die Spieler zu manipulieren und für ihre Zwecke zu benutzen...

Ich habe „Erebos“ vor fast 10 Jahren das erste Mal gelesen und weiß noch, dass mich das Buch damals sehr gefesselt hat. Nun steht seit einigen Wochen in meinem Regal „Erebos 2“, die vor kurzem erschienene Fortsetzung des Romans, auf die ich mich sehr gefreut habe. Allerdings wollte ich nicht mit der Lektüre beginnen, ohne zuvor nochmal Teil 1 gelesen zu haben. Ich war sehr gespannt, ob ich es nach all den Jahren genauso packend finden werde. Und siehe da – kaum angefangen zu lesen war ich sofort in der Geschichte drin, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und fieberte wie damals mit Nick und seinen Freunden mit! „Erebos“ gehört für mich zu den Büchern, bei denen alles, aber wirklich auch alles stimmt: Ein toller, gut durchdachter Plot, klasse Schreibstil, Spannung von Anfang bis zum Ende, lebendige Charaktere, die einem ans Herz wachsen oder umgekehrt negative Emotionen erzeugen, ein fulminanter Showdown und ein aus meiner Sicht perfektes Ende. Die Autorin bietet aber nicht nur spannende Unterhaltung. Mit der Thematik ihres Romans spricht sie ein brisantes Thema an: die Gefahren, die von der virtuellen Welt ausgehen, vor allem das Suchtpotenzial, die diese bei manchen, insbesondere jungen Menschen, entfaltet. Dieses Thema hat in den letzten zehn Jahren nichts von seiner Aktualität verloren, ganz im Gegenteil. Man weiß inzwischen, dass übermäßiger Medienkonsum Kinder und Jugendliche nicht nur müde, unkonzentriert und gereizt macht, er soll auch bei ihnen gewisse Hirnstrukturen verändern. Umso wichtiger ist es, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang leistet „Erebos“ einen wichtigen Beitrag und regt zum Nachdenken an. Es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass Ursula Poznanski mit diesem Titel den Deutschen Jugendliteraturpreis und einige andere Preise gewonnen hat.

Die graphische Gestaltung des Buches finde ich sehr ansprechend. Das Auge-Motiv passt sehr gut zum Thema, das Signalrot des Covers und der kurze Klappentext erfüllen wirkungsvoll ihre Aufgabe: Sie versprechen eine spannende Lektüre und machen den Leser neugierig auf den Inhalt.

Alles in allem ist „Erebos“ ein rundum gelungener Jugendthriller, den ich mit gutem Gewissen nicht nur älteren Jugendlichen, sondern auch erwachsenen Lesern wärmstens empfehlen kann!





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Veröffentlicht am 05.05.2020

Packender Thriller mit einer sympathischen Ermittlerin

Böse Seelen
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In einer abgelegenen Amisch-Gemeinde im Bundesstaat New York geschehen laut Gerüchten seltsame Dinge, sodass die Polizei hellhörig wird. Als dann noch im naheliegenden Wald die erfrorene Leiche eines fünfzehnjährigen ...

In einer abgelegenen Amisch-Gemeinde im Bundesstaat New York geschehen laut Gerüchten seltsame Dinge, sodass die Polizei hellhörig wird. Als dann noch im naheliegenden Wald die erfrorene Leiche eines fünfzehnjährigen Mädchens gefunden wird, beschließt man, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Polizeichefin Kate Burkholder aus Ohio wird gebeten, als verdeckte Ermittlerin den Fall zu untersuchen. Sie ist dafür bestens prädestiniert, da sie selbst als Amische aufgewachsen ist, Pennsylvaniadeutsch spricht und mit Gepflogenheiten einer solchen Gemeinde vertraut ist. Kate willigt ein, legt sich eine falsche Identität zu und fängt an, undercover zu ermitteln. Die Aufgabe erweist sich nicht nur als schwierig, sondern auch als sehr gefährlich. Kate entdeckt, dass in der scheinbar heilen Welt der Amischen in Wahrheit grausame Verbrechen passieren, die von den Drahtziehern gekonnt vertuscht werden. Mit ihren Nachforschungen sticht sie in ein Wespennest und muss schon bald um die eigene Sicherheit bangen...

„Böse Seelen“ ist mein erster Roman von Linda Castillo und ich bin sehr angetan. Hier stimmt einfach alles. Ein guter Plot, spannende Handlung, überraschende Wendungen und ein dramatischer Showdown machen das Buch zu einem Pageturner, den ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Hinzu kommen glaubhafte, lebendige Charaktere, allen voran die sympathische und couragierte Ermittlerin Kate Burkholder. Darüber hinaus liefert der Roman eine interessante Milieustudie, die einen Einblick in die den meisten von uns vermutlich unbekannte Welt der Amischen gewährt. Ich persönlich fand dies sehr spannend und informativ. Auch der Schreibstil von Linda Castillo ist ganz nach meinem Geschmack: knapp, schlicht, schnörkellos, kein Wort zu viel. Und doch schafft sie es wunderbar, mit nur wenigen Worten eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Gleich die ersten Sätze haben mich gefesselt, ich tauchte sofort in die Geschichte ein und konnte nicht anders als weiter zu lesen... Es hat sich gelohnt! Den Namen Linda Castillo werde ich mir auf jeden Fall merken - bin sehr gespannt auf die anderen Bücher der Autorin und freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Kate Burkholder.

Fazit: Für Fans guter Psychothriller ist das Buch definitiv eine gute Wahl und ich kann es nur empfehlen.

Veröffentlicht am 18.03.2020

Wunderbar atmosphärische Schauergeschichten

Onkel Montagues Schauergeschichten 1
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Edgar ist Einzelkind und bekommt von seinen Eltern kaum Aufmerksamkeit. Zum Glück gibt es Onkel Montague, den er in den Schulferien besuchen darf. Onkel Montague lebt in einem einsamen, düsteren Haus am ...

Edgar ist Einzelkind und bekommt von seinen Eltern kaum Aufmerksamkeit. Zum Glück gibt es Onkel Montague, den er in den Schulferien besuchen darf. Onkel Montague lebt in einem einsamen, düsteren Haus am Waldrand, gilt als seltsam und keiner weiß so richtig, wie alt er eigentlich ist. Das ist Edgar aber egal, denn er liebt Geschichten und der Onkel ist ein großartiger Erzähler. Seine Geschichten sind allerdings genauso eigenartig wie er selbst und für Kinder eher nicht geeignet...

Ich habe das Buch im Regal der Kinderbücherabteilung unserer Stadtbibliothek entdeckt und nach Hause mitgenommen in der Hoffnung, dass es meiner 11-jährigen Tochter gefallen könnte. Zum Glück habe ich zuerst mit der Lektüre angefangen. Denn die Geschichten sind aus meiner Sicht nicht wirklich für Kinder bestimmt, zumindest nicht für die zartbesaiteten unter ihnen. Da ich bereits als junges Mädchen eine Vorliebe für Gruselgeschichten gehabt habe, hätte ich vermutlich schon damals meine Freude an ihnen gehabt und auch jetzt hat mir das Lesen sehr viel Spaß bereitet. Der britische Autor Chris Priestley ist nämlich wie sein Protagonist Onkel Montague ein begnadeter Erzähler, der wunderbar unterhalten kann. Das Buch enthält elf mysteriöse Geschichten, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind. Sie spielen vorwiegend in England, meiner Einschätzung nach gegen Ende des 19. Jahrhunderts, handeln allesamt von übernatürlichen Phänomenen und enden keineswegs mit einem Happy End. Was sie ebenfalls gemeinsam haben ist die wohlig-schaurige Atmosphäre, die der Autor bereits mit wenigen Sätzen perfekt zu erzeugen vermag. Wie bereits erwähnt, sind die Geschichten alles andere als Gute-Nacht-Märchen. In einer von ihnen zum Beispiel ergreift ein böser Geist den Besitz von einem Jungen, der sich daraufhin nach und nach in einen grausamen Sadisten verwandelt, zahlreiche Tiere zu Tode quält und schließlich sogar den Tod seiner eigenen Mutter verursacht. Vermutlich kann das sogar manch einem erwachsenen Leser zu viel werden. Nichtsdestotrotz überzeugt das Buch durch den tollen Schreibstil und eine ordentliche Portion Spannung.

Unbedingt erwähnen muss ich noch die meines Erachtens sehr gelungene graphische Gestaltung des Buches. Die phantasievollen und perfekt zum Thema passenden Illustrationen stammen von David Roberts, der wie der Autor in England lebt, zahlreiche Kinder- und Jugendbücher illustriert hat und für seine Arbeit mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Mein Fazit: Wer viktorianische Schauergeschichten mag, der wird bei diesem Buch vermutlich auf seine Kosten kommen. Ich jedenfalls habe die Lektüre genossen und war froh zu erfahren, dass Chris Priestley bereits weitere Bände geschrieben hat

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