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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2020

Und über allem der Duft von Speck und Zwiebeln ...

Ein Traum vom Glück
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Nachkriegsjahre in einer Essener Bergbausiedlung. Den Menschen stecken die Kriegstraumata noch in den Knochen, längst sind Hunger und Wohnungsnot noch nicht besiegt. Aber die Zechen bringen den Aufschwung. ...

Nachkriegsjahre in einer Essener Bergbausiedlung. Den Menschen stecken die Kriegstraumata noch in den Knochen, längst sind Hunger und Wohnungsnot noch nicht besiegt. Aber die Zechen bringen den Aufschwung. Sie bieten Arbeitsplätze und langsam beginnen die Menschen, ihre Leben wieder zu gestalten. Im Mittelpunkt steht das Schicksal der vertriebenen Katharina, die mit ihren beiden Töchtern bei der Schwiegermutter untergekommen ist. Ihr Mann gilt als Kriegsgefangener vermisst. Sie versucht mit ihrem Nähtalent und viel Fleiß für sich und ihre Töchter ein besseres Leben zu erarbeiten.

Schmutz, tägliche Plackerei, der schroffer Umgangston und der Zusammenhalt der Menschen transportieren den besonderen Ruhrpottflair und über allem hängt der Duft von Omma Mines Speck und Zwiebeln.

Die Geschichte bedient sich vieler Perspektiven, so erhält man einen tollen Einblick in die unterschiedlichen Charaktere und Verständnis für ihre Verhaltensweisen je nach Rolle oder eigener Geschichte. Die Auswirkungen des Krieges sind überall noch zu spüren und der Klassenunterschied der Menschen, die Bürokratie und die patriachalen Strukturen sind besonders für Frauen, aber auch für Kriegsversehrte und Ungebildete kaum überwindbar. Die Handlung ist spannend, recht einfach strukturiert und in allem gut eingewoben.

Durch die häufigen Perspektivwechsel dauert es etwas länger bis einem die Charaktere richtig ans Herz wachsen. Aber am Ende ist man ihrem Ruhrpottcharme erlegen und fiebert mit den Protagonisten auf ein besseres Leben.

Als Pottblag erinnerte mich manches an meine Kinderzeit bei Omma und ich freue mich auf Teil 2.

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Veröffentlicht am 13.08.2020

Von der Macht des Unausgesprochenem

Was ich euch nicht erzählte
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Lydia erscheint morgens nicht zum Frühstück. Sie ist von einem auf den anderen Tag verschwunden. Es scheint keine Gründe für ihr Verschwinden zu geben und keine Anzeichen von Gewalt. Ihre Familie vermisst ...

Lydia erscheint morgens nicht zum Frühstück. Sie ist von einem auf den anderen Tag verschwunden. Es scheint keine Gründe für ihr Verschwinden zu geben und keine Anzeichen von Gewalt. Ihre Familie vermisst sie sehr. Aber ein Mensch verschwindet nicht einfach so.

Die Geschichte beginnt mit Lydias Verschwinden und geht dann zurück in die Kindheit der Eltern, deren Kennenlernen und Familienleben. Sie erzählt von einschneidenden Ereignissen, die das Familienleben nachhaltig beinflussen, und von der Macht des Ungelebten und Ungeliebten. Sie ist auch die Geschichte einer Familie mit chinesischen Wurzeln in einer weißen Gesellschaft, von dem ewigen Fremdsein im Alltag.

Das Buch nimmt uns mit in die innere Geschichte der Familie, zeigt uns die Bedürfnisse, Hoffnungen und Ängste der Eltern und Geschwister. Zeigt uns, wie viel Macht Unausgesprochenes entwickelt und wie wir uns davon lenken und einengen lassen.

Ich lerne die Familie aus der Perspektive der Eltern und der Kinder kennen, entwickele Verständnis für ihr Handeln, ihre Fehler und den unheimlichen Druck, der auf ihnen lastet. Besonders auf Lydia. Ein bisschen hadere ich mit den Perspektivwechseln innerhalb der Abschnitte - auch wenn der Lesefluss nicht gestört wird, bevorzuge ich eine sichtbare Trennung. Auch sind die Rückblicke nicht chronologisch, sondern gehorchen einer eigenen Ordnung, die dem Spannungsbogen untergeordnet ist.

Die Erzählung ist sehr eindrücklich und entwickelt eine ganz eigene, leise, verhaltene Spannung. Letztendlich geht es um das Geliebt sein wollen und welchen Preis es kostet. Am Ende hat das Gelesene Spuren hinterlassen.

Fazit: Leise, eindrücklich, lesenswert!

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Veröffentlicht am 13.07.2020

Schwer verdaulich und absolut lesenswert

Mein Ein und Alles
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Die Halbwaise Turtle kennt nur das Leben mit ihrem egomanischen Vater in der Abgeschiedenheit der Wälder. Sie hat keine Freunde und ist in der Schule eine Außenseiterin. Die körperlichen und brutalen Übergriffe ...

Die Halbwaise Turtle kennt nur das Leben mit ihrem egomanischen Vater in der Abgeschiedenheit der Wälder. Sie hat keine Freunde und ist in der Schule eine Außenseiterin. Die körperlichen und brutalen Übergriffe ihres Vaters und gleichzeitig seine abgöttische Liebe halten sie in einem doppelbödigen Abhängigkeitsverhältnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Das scheue und traumatisierte Mädchen kann zu niemanden Vertrauen fassen und versucht, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Doch sie scheitert ein ums ander Mal an der Macht und Durchtriebenheit ihres Vaters, der jeden ihrer Schritte vorauszuahnen scheint. Als sie am Ende sich auch noch für andere verantwortlich fühlt, wächst sie über sich hinaus.

Die einzigartige Sicht durch Turtles Augen, die auch immer wieder ihre dissoziativen Zustände deutlich macht, ist grandios geschildert. Das so gezeigte Leid des Mädchens ist schwer verdaulich und gleichzeitig wächst die Bewunderung vor ihrem Mut und ihrer Leidensfähigkeit.

Die Sprache des Buches ist Turtles Sprache, ihr Blick auf die Welt und das Leben - sehr bildhaft, naturverbunden und manches Mal ordinär und naiv. Die Erzählung macht ihr Leiden real, gräbt sich in mein Bewusstsein und lässt mich auch nach dem Ende lange nicht los. Jeder Gedankengang ist nachvollziehbar und zeigt brutal und offen Turtles Hilflosigkeit und gleichzeitig die schamhaft wegschauenden Gesellschaft. Es brauch ein bisschen sich einzulesen, dann kann man das Buch nicht mehr weglegen.

Fazit: Bilder, vor denen man die Augen verschließen möchte. Eine Geschichte, die nicht ungelesen bleiben darf. Schwerverdauliche Kost, die noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 04.07.2020

Entwichlungsgeschichte mit pschycholgischer Tiefe

Zwei Königskinder
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Das Leben der 13jährigen Käthe ist schwierig. Ohne Mutter und mit einem in sich zurückgezogenen Vater fehlen ihr die Orientierungspunkte im Leben. Sie ist eine Außenseiterin, kann in der Schule nicht Fuß ...

Das Leben der 13jährigen Käthe ist schwierig. Ohne Mutter und mit einem in sich zurückgezogenen Vater fehlen ihr die Orientierungspunkte im Leben. Sie ist eine Außenseiterin, kann in der Schule nicht Fuß fassen, sucht Anschluss bei den falschen Menschen. Als sie Gefühle für die sensible Johanna entwickelt, scheint dies ihr neuer Ankerpunkt zu sein. Doch keine kann der anderen die Sicherheit geben, die beide für ihre Entwichlung ins Erwachsenenleben bräuchten. Sie schlingern zwischen Anziehung und Angst, ständig unter der Macht der Erwachsenen leidend, treffen falsche Entscheidungen und wollen doch nur glücklich sein.

Die Geschichte berührt und lässt mich nachdenklich zurück. Ungeschönt und mit sehr viel Einfühlungsvermögen erzählt die Autorin von den fragilen Schritte der 13-Jährigen auf ihrer Suche nach Liebe und Sicherheit. Ich wünsche ihr ein Happyend und werde ungebremst mit der feindlichen Realtiät konfrontiert. Das Leben gehorcht keinem inszenierten Plot.

Fazit: Ein Roman der unter die Haut geht.

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Veröffentlicht am 04.07.2020

Ich wäre gerne länger in Aeland geblieben

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Selten war ich so schnell in einer Fantasy-Geschichte. Toller Erzählstil. Wundervolle Atmosphäre. Glaubhafte Charaktere und ein mega-spannender Plot. Fantasy, Polithriller, queere Romanze und Krimi in ...

Selten war ich so schnell in einer Fantasy-Geschichte. Toller Erzählstil. Wundervolle Atmosphäre. Glaubhafte Charaktere und ein mega-spannender Plot. Fantasy, Polithriller, queere Romanze und Krimi in einem.

Alle Infos über Gesellschaftsordnung, Historie und Charaktere wurden optimal in die Handlung eingewoben, so dass ich an keiner Stelle das Gefühl hatte, ich muss mich hier einarbeiten und Begriffe und Zusammenhänge pauken, um die Geschichte überhaupt verstehen zu können. Die Autorin hat mich an die Hand genommen und sicher durch ihre Welt und die Geschichte geführt.

Fazit: Ein absolutes Lesevergnügen.Einzges Manko: Es war zu kurz.

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