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Veröffentlicht am 07.08.2020

Mehr historischer Roman als Krimi

Grimms Morde
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1821: In Kassel wird eine Mätresse des verstorbenen Kurfürsten ermordet – nach Art eines Märchens aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, zudem ausgerechnet eines, das die Schwestern von Droste zu Hülshoff ...

1821: In Kassel wird eine Mätresse des verstorbenen Kurfürsten ermordet – nach Art eines Märchens aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, zudem ausgerechnet eines, das die Schwestern von Droste zu Hülshoff beigesteuert hatten. Da die Polizei wenig Eifer und Kompetenz an den Tag legt, ermitteln die Brüder selbst, und auch Jenny und Annette von Droste reisen an. Dann geschieht ein zweiter Mord nach einem anderen Märchen der Sammlung, Jakob wird tatverdächtig und Annette kommt beinahe unter die Räder einer Kutsche …

Tanja Kinkel ist schon lange eine meiner Lieblingsautorinnen, die Märchen der Gebrüder Grimm begleiten mich seit früher Kindheit und Annette von Droste Hülshoff ist mir in meinem Leseleben auch schon öfter begegnet – ich war sehr gespannt auf diesen Roman, der das alles miteinander verknüpft inkl. Historie und Kriminalfall. Man kann schnell sagen, dass die Historie mehr Raum einnimmt als der Fall bzw. die Fälle, diese sind zwar auch wichtig, bieten immerhin die Basis der Geschichte, und werden auch am Ende gelöst sein – aber die historischen Gegebenheiten, der historische Background und die biografischen Hintergründe der beiden Geschwisterpaare stehen deutlich mehr im Vordergrund. Wer also einen spannenden Krimi erwartet, bei dem zufällig die Grimms und die Drostes ermitteln, könnte ein wenig enttäuscht sein. Liebhabern gut recherchierter historischer Romane wird das eher nicht passieren.

Mir gefällt es gut, wie die Autorin die vier Protagonisten, aber auch andere historische Persönlichkeiten hier agieren lässt, man erfährt einiges über die Charaktere, und bekommt Lust, sich weiter mit ihnen zu beschäftigen. Die Gebrüder Grimm kennt wahrscheinlich jeder, aber wer weiß schon etwas über ihr tatsächliches Leben? Gleiches dürfte für Annette von Droste Hülshoff gelten, wobei ihr Bekanntheitsgrad wahrscheinlich geringer ist. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Beziehungen der Charaktere untereinander mit im Zentrum der Geschichte stehen, sie sind komplex und interessant.

Gut eingebettet ist das Ganze in den historischen Hintergrund, wo vor kurzem erst der Kurfürst gestorben ist, und sein Nachfolger noch zeigen muss, was in ihm steckt. Und auch die Besetzung Hessens durch Napoleon und die napoleonischen Kriege wirken sich noch aus. Über das Frauenbild der damaligen Zeit sprechen wir am besten gar nicht, dieses ist vor allem für Annette ein Problem.

Tanja Kinkel recherchiert grundsätzlich tiefgehend, ihre Romane haben Niveau und sind interessant, auch, weil sie sich in der Regel interessanten Persönlichkeiten widmet. Dies ist auch hier der Fall. Gleichzeitig lassen sich ihre Romane gut lesen und machen Lust, sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen, auch das trifft auf diesen Roman zu. Ganz so gefesselt wie bei anderen Romanen der Autorin wurde ich allerdings nicht – ich vergebe daher „nur“ 4 Sterne, aber natürlich eine Leseempfehlung für alle, die gut recherchierte historische Romane mögen.

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Veröffentlicht am 18.07.2020

Kinderbuch mit schönen Aquarellbildern

Alwina und Nelli
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Alwina verbringt ihren Urlaub am Meer und trifft dort Nelli, die in den Ferien bei ihrer Tante ist. Die beiden freunden sich an und unternehmen viel zusammen, bis Alwina wieder abreisen muss.

Von der ...

Alwina verbringt ihren Urlaub am Meer und trifft dort Nelli, die in den Ferien bei ihrer Tante ist. Die beiden freunden sich an und unternehmen viel zusammen, bis Alwina wieder abreisen muss.

Von der Geschichte her ist es ein – recht unspektakuläres – Kinderbuch zum Thema Freundschaft. Das besondere sind die Aquarellzeichnungen. Heribert Schulmeyer ist u. a. durch die Sendung mit der Maus bekannt. Hier hat der Illustrator selbst Urlaub am Meer gemacht und aus seinem Skizzenbuch eine Geschichte entstehen lassen.

Die Bilder sind schön, man kann sie immer wieder ansehen, und passen zur Geschichte – mir machten sie zudem Lust, selbst mal wieder ans Meer zu fahren.

Auch wenn die Geschichte selbst recht unspektakulär ist, das Buch wirkt durch seine Bilder und diese werten auch die Geschichte auf – 4 Sterne und eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Gibt auch heute noch Anregungen zum Nachdenken

Frankenstein oder Der neue Prometheus
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"Ich bin ja nur so böse, weil ich so elend bin" (S. 190)

Den Namen Frankenstein kennt wahrscheinlich jeder, und kennt die Geschichte um ihn und das von ihm erschaffene Wesen auf irgendeine Weise – ich ...

"Ich bin ja nur so böse, weil ich so elend bin" (S. 190)

Den Namen Frankenstein kennt wahrscheinlich jeder, und kennt die Geschichte um ihn und das von ihm erschaffene Wesen auf irgendeine Weise – ich erspare mir daher an dieser Stelle etwas über die Geschichte zu schreiben.

Mich begleitet die Kreatur, die er erschaffen hat, schon sehr lange, angefangen mit dem Film von Boris Karloff, den ich schon in meiner Kindheit gesehen habe und zuletzt mit der Serie „Penny Dreadful“. Das Wesen hat bei mir immer Mitleid erregt, und als ich nun das erste Mal den Roman gelesen habe, hatte es natürlich einen gewissen Sympathiebonus.

Interessant ist übrigens auch die Entstehungsgeschichte dieser Erzählung, die mich – schon vor Jahren – zusätzlich neugierig gemacht hat, den Roman endlich einmal zu lesen. Wen sie interessiert: Ihr findet sie ganz einfach im Internet.

Erzählt wird auf mehreren Ebenen, zuerst lesen wir Briefe von Robert Walton, einem Kapitän auf Entdeckungsfahrt in die Arktis, wo er auf Viktor Frankenstein trifft, der ihm seine Geschichte erzählt, der Roman endet wieder mit Waltons Briefen. Im Mittelteil kommt die Kreatur zu Wort, ihre Erzählung erzählt wiederum Frankenstein Walton. Für uns heutige Leser ist das Lesen nicht so einfach, es wird langatmig und schwülstig erzählt – und ich gestehe, dass es Stellen gibt die ich nur überflogen habe. Da der Roman aber relativ kurz ist, sollte man nicht aufgeben.

Viktor Frankenstein, obwohl von Walton in den Himmel gelobt, kommt dabei sehr schlecht weg – er ist sehr egozentrisch, voller Selbstmitleid und er übernimmt keine Verantwortung für sein Tun. Nein, ich mag ihn nicht, jetzt noch weniger.

Die Kreatur erzeugt auch hier wieder Mitleid bei mir, zumindest in großen Teilen, ihre Taten, vor allem die, die gewollt sind, kann man natürlich nicht schönreden, aber bedenkt man die Umstände, kann man ihr Handeln zumindest in gewissem Rahmen verstehen. Anders als das, was Frankenstein tut …

Ich bin froh, diesen Roman nun auch endlich mal gelesen zu haben und diese Erfahrung in mein Wissen und Denken um die Geschichte integrieren zu können. Der Roman bietet viel Stoff zum Nachdenken, auf moralisch/ethischer und auf philosophischer Ebene. Und ist es nicht auch heute noch so, dass man jemanden allein wegen seines Äußeren ablehnt? Darüber nachzudenken, was das mit demjenigen macht, ist wichtig.

Schon wegen des Aspektes des Denkanstoßes lohnt es sich auch heute noch, sich mit der Geschichte und dem Roman auseinanderzusetzen. Für eine so junge Frau, wie es Mary Shelley bei Entstehung ihres Werkes war, ist es eine beachtliche Leistung. Also, lasst euch auf den Roman ein!

Veröffentlicht am 11.07.2020

Spannend und lesenswert

Die Henkerstochter und der Fluch der Pest (Die Henkerstochter-Saga 8)
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1679: Die Müncher Angehörigen der Familie Kuisl reisen nach Schongau, wo Paul eine Lehrstelle bei seinem Großvater antreten soll. Peter ist zunächst mit dem kurfürstlichen Thronfolger Max Emanuel nach ...

1679: Die Müncher Angehörigen der Familie Kuisl reisen nach Schongau, wo Paul eine Lehrstelle bei seinem Großvater antreten soll. Peter ist zunächst mit dem kurfürstlichen Thronfolger Max Emanuel nach Wien gereist. Dort wird er von Max Emanuel beauftragt, einen Brief nach Kaufbeuren zu bringen, danach steht ihm die Reise nach Schongau frei.

Als Peter nicht in Schongau ankommt, machen sich Magdalena, Simon und Jakob auf den Weg nach Kaufbeuren, um nach dem verschollenen Sohn zu forschen. Dort gibt es mittlerweile Fälle von Pest, jedoch benimmt sich die Krankheit ungewöhnlich und gibt zusammen mit Peters Verbleib Rätsel auf. Die Kuisls wären nicht die Kuisls, würden sie nicht anfangen nachzuforschen.

Für mich ist das erst der zweite Band um die Henkersfamilie, doch kommt es mir schon so vor, als kenne ich sie ewig. Natürlich liegen die Vorgängerbände schon bereit, doch bin ich noch nicht dazu gekommen, sie zu lesen. Doch zurück zu Band 8 der Reihe: Seit Band 7 sind sieben Jahre vergangen und Peter und Paul sind keine kleinen Jungen mehr, sondern junge Männer, einige Abschnitte sind aus ihren Perspektiven geschrieben, wobei sich wieder zeigt, wie unterschiedlich die beiden sind. Peter ist klug, klüger fast als sein Vater Simon, während Paul immer mehr Anlass zu Sorgen gibt und schon fast psychopathische Züge trägt, wobei man hier auch erkennen kann, dass er durchaus zu Liebe und Fürsorge fähig ist, vor allem, was seine kleine Schwester angeht. Seine Entwicklung in den weiteren Bänden dürfte interessant sein.

Barbara und ihr Ehemann Valentin spielen nur eine untergeordnete Rollle und zwischen Simon und Magdalena kriselt es. Mein Lieblingscharakter ist eindeutig der alte Henker Jakob, der sich hier auch mit dem Alter auseinandersetzen muss, vor allem, da Sohn Georg drängt, mehr Verantwortung übernehmen zu dürfen. Jakob aber kann schlecht loslassen …

Der Fall ist komplex und hat seine überraschenden Momente, wobei ich sagen muss, dass er mich selten komplett überrascht hat, ich habe wohl einfach schon zu viel gelesen. Für mich erzeugen viel mehr die Szenen Spannung, in denen ich mich um die Familie Sorgen machen musste, vor allem um Jakob und seine Enkelsöhne. Die drei werden hier ganz schön gebeutelt! Die Aufklärung ist gelungen, auch wenn ich, wie schon erwähnt, vieles zumindest zum Teil ahnen konnte. Das eine oder andere wird mit in den nächsten Band genommen werden (der im Nachwort schon angekündigt wird), auch auf diese Entwicklung bin ich gespannt.

Auch wenn Oliver Pötzsch nicht vorausahnen konnte, dass uns dieses Jahr eine Pandemie im Griff halten wird, passt der Roman gut in die Zeit, obwohl man eine Pest im 17. Jahrhundert nur bedingt mit der derzeitigen Situation vergleichen kann. Im Nachwort nimmt der Autor u. a. auch darauf Bezug. Neben dem Nachwort gibt es übrigens auch noch eine Karte von Kaufbeuren, ein Personenverzeichnis und einen Reiseführer für Kaufbeuren und Umgebung auf den Spuren der Henkerstochter.

Auch Band 8 der Reihe ist ein spannender und lesenswerter historischer Roman, der mit einer Protagonistenfamilie aufwartet, die man schnell liebgewinnt. Für Fans der Reihe ist auch dieser Band ein Muss, aber auch sonst kann der Roman Genrefans empfohlen werden. Wie man an mir sieht, muss man die Reihe nicht unbedingt von Anfang an gelesen haben, um sie zu verstehen und zu mögen. Mir persönlich ist der Roman etwas zu vorhersehbar, weswegen ich „nur“ gute 4 Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 11.07.2020

Hierbleiben lohnt sich

HOLIDAY Reisebuch: Hiergeblieben! – 55 fantastische Reiseziele in Deutschland
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Highlandgames, Schiefer Turm, Stabkirche, Hindutempel, Geysir – dafür muss man nicht nach Schottland, Italien, Skandinavien, Indien oder Island fahren, nein, all das gibt es auch in Deutschland – und noch ...

Highlandgames, Schiefer Turm, Stabkirche, Hindutempel, Geysir – dafür muss man nicht nach Schottland, Italien, Skandinavien, Indien oder Island fahren, nein, all das gibt es auch in Deutschland – und noch viel mehr.

55 Reiseziele in Deutschland werden in diesem ansprechenden Bildband mit Touristenzielen in der ganzen Welt verglichen und für zumindest ähnlich sehenswert befunden. Manchmal, wie z. B. Garmisch Partenkirchen ist das deutsche Ziel sogar das eigentliche Vorbild. Natürlich ist Würzburg nicht Prag, auch wenn die Alte Mainbrücke der dortigen Karlsbrücke fast zum Verwechseln ähnlich sieht und das Bamberger Klein Venedig kann sich auch nicht wirklich mit der weltbekannten Stadt in Italien messen, aber das will der Autor auch gar nicht sagen.

Vielmehr sind hier Reiseziele vereint, die deutlich machen, dass Deutschland auch viel zu bieten hat, und man nicht immer in die Ferne schweifen muss. Deswegen sind bei allen 55 Örtlichkeiten weitere in der Nähe liegende Sehenswürdigkeiten und lohnenswerte Ausflugsziele aufgelistet, alle Ziele mit näherer Erläuterung, so dass man den Ausflug/die Reise auch gut nutzen kann. Außerdem gibt es jeweils zwei Restaurant- und Übernachtungstipps, die auch alle etwas besonderes sind.

Aufgeteilt sind die Reiseziele nach Norden (28) und Süden (27). Manches ist nur entfernt ähnlich, aber vieles überrascht doch. Ich hätte mir noch ein paar mehr Fotos gewünscht, nämlich nicht nur zu jedem Hauptziel, sondern auch zu jedem einzelnen „Unterziel“. Aber dafür gibt es ja Internetsuchmaschinen.

Gerade im Moment interessiert man sich vielleicht mehr für lohnenswerte Reise- und Ausflugsziele in Deutschland. Dafür kann dieser Band eine gute Entscheidungshilfe sein. Ich empfehle ihn gerne weiter.

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