Gelungener Romance-Thriller, der keine Langeweile aufkommen lässt.
Die Farbe deiner Lügen
Der Schreibstil:
Ich lese sonst eher weniger Romance-Thriller. Eher reine Liebesromane oder Fantasy. Deshalb fand ich es total interessant, dass ich gleich nach den ersten Sätzen wusste, dass es sich ...
Der Schreibstil:
Ich lese sonst eher weniger Romance-Thriller. Eher reine Liebesromane oder Fantasy. Deshalb fand ich es total interessant, dass ich gleich nach den ersten Sätzen wusste, dass es sich hier um was anderes handelt. Der Ton war eher der eines Krimis, oder eben eines Romance-Thrillers. Er trug mich wunderbar durch die Geschichte und war trotz vieler Details nie langweilig. Man spürte den roten Faden und das Ziel, dass die Autorin verfolgte. Ich war wirklich überrascht, wie über siebenhundert Seiten mal eben so dahinfliegen, ohne das ich es als zu lang empfand. Im Gegenteil: Ich hatte endlich mal das Gefühl, dass die Geschichte genug Platz bekommen hat, um sich in ihrer ganzen Raffinesse zusammenzufügen.
Cool gemacht fand ich auch, wie sich hier die Perspektiven zwischen Pepe und Drace abwechseln. Die Reihenfolge ist dabei unregelmäßig, sodass man immer gerade bei der Person über die Schulter sieht, die gerade interessant für den Leser ist. Zudem fügen sich die Perspektiven sehr geschickt aneinander. Mal überlappen sie sich dabei, mal sind sie fein getrennt. Das schafft eine Dynamik, die Geschichte gerade in den Kapitelübergängen immer wieder sehr spannend macht.
Was hier hingehört oder vielleicht auch nicht, ist außerdem die Zeitstruktur. Obwohl es viele Seiten sind, liest man hier nur von schätzungsweise zwei Wochen. Dennoch hat man nicht das Gefühl, die Geschichte käme nicht voran, denn die Thrillerelemente geschehen immer sehr fix und zwischendurch sind da eben noch die Beziehungen und Emotionen zwischen den Protagonisten, die viel Raum brauchen.
Für mich war es ideal so:)
Meine Meinung:
Der Einstieg in das Buch gelang mir sehr gut. Es ist gleich von Anfang an dramatisch, bedrohlich und interessant. Pepe als Protagonistin nimmt einen sofort mit. Sie war mir gleich sympathisch und ich konnte mich gut in sie einfühlen. Zu ihr kriegt man anfangs die meisten Informationen, die ihre Lage damit sehr begreifbar machen. Zudem hat sie schon einiges über Drace zusammengetragen, was sie mit dem Leser teilt. Somit ist die Anfangssituation schnell klar. Richtig cool fand ich an ihr vor allem, dass sie trotz ihrer Vorgeschichte eine recht starke Meinung zu ihrem Ex hat und auch in Bezug auf Drace nicht naiv durch die Gegend stiefelt. Stattdessen ist sie erstaunlich taff und wehrhaft. Sie zieht ihr eigenes Ding durch. Ob nun mit ihren Handlungen oder mit ihrem Kleidungsstil. Pepe ist einfach Pepe und lässt sich da nicht reinreden. Das zieht sich durch die gesamte Story und machte sie für mich zu einer überaus gelungenen Protagonistin.
Gleichzeitig wäre es wohl etwas unrealistisch, wenn sie ihre Vergangenheit einfach loslassen könnte. Deshalb tut sie es auch nicht. Gerade Anfangs in Bezug auf Drace merkt man deutlich, was Pepe die letzten Jahre über gelernt hat, von einem Mann zu erwarten. Dieses Trauma begleitet sie die ganze Geschichte hinweg und sorgt für ein paar dramatische Momente, die ich ebenfalls sehr gelungen fand. Sie war damit nicht nur authentisch, sondern vor allem eine starke Handlungsquelle für die Geschichte.
Gegen Ende hin wurde zum Beispiel nochmal mit ihrem Vertrauen in sich selbst und ihre Handlungen gespielt, was der Story einen zusätzlichen Kick verpasst hat.
Man darf bei ihr einfach nicht vergessen, was sie erlebt hat und das sie noch längst nicht die Chance hatte, alles hinter sich zu lassen. Und das bringt das Buch sehr schön zur Geltung.
Drace fand ich ebenso genial und klug gestaltet. Ihm hat das Leben so mitgespielt, dass er überhaupt nicht mehr weiß, wer er ist und zu was er fähig ist. Das versetzt ihn verständlicherweise in Angst und Schrecken. Durch seine Perspektive erleben wir mit, wie er in einem inneren Widerstreit mit sich steht, wie er sich in Pepe verliebt, es aber nicht einsehen will und oft genug das Gegenteil von dem tut, was er eigentlich tun will, weil er von sich denkt, er sei ein Monster. Diese Unsicherheit nicht zu wissen, was passiert ist, schließlich kann er sich an nichts erinnern, zieht eben viele Konsequenzen und Beeinflussungen mit sich und die spürt man die ganze Story über. Das fand ich wirklich gut gemacht und so bleiben in Bezug auf die Beziehung zu Pepe auch die vielleicht nervigen Momente aus, in denen die Protagonisten etwas nicht tun, weil sie meinen, sie dürften es nicht. Bei Drace steckt viel mehr dahinter, sodass es verständlich wird. Meine persönlichen Highlights bei ihm waren die Momente, in denen er merkte, dass nicht alle den Glauben in ihn verloren haben und es noch Menschen gibt, die hinter ihm stehen. Er hat stets mit Freude, aber auch Unglaube darauf reagiert und versucht, sich dem baldmöglichst zu entziehen. Man sah dort aber bereits sein gutes Herz hervorblicken, sodass ich als Leser wohl gemeinsam mit Pepe angefangen habe, nicht mehr daran zu glauben, dass er ein Möder sein könnte. Es kommt aber natürlich immer wieder etwas dazwischen, was diesen Glauben zum Bröckeln bringen könnte…
Im Laufe der Geschichte kommt hinzu, dass auch Drace selbst nicht mehr so ganz an das Monster in sich glaubt. Anfangs habe ich mich noch ein wenig gefragt, warum er nicht einfach mit seiner Wahrheit herausrückt. Warum er sich so vehement dagegen wehrt, zurückzublicken. Dies geschieht nur häppchenweise im Handlungsverlauf. Umso besser man ihn und seine Gedanken jedoch kennt, umso nachvollziehbarer wird es.
Wenn ich fest an den Weihnachtsmann glaube, gucke ich auch nicht so genau hin, ob er nicht vielleicht die Schuhe meines Papas trägt…
Was ich bei diesem Buch neben allen anderen wundervollen Dingen besonders hervorheben will, sind die Nebenprotagonisten. Pepe kommt in die Fabrik und ist sogleich von wunderbaren Menschen umgeben. Und das merkt nicht nur sie, sondern auch ich als Leserin habe es gemerkt. Sie haben einfach alle so besondere Charaktere und bekommen viel Platz in der Geschichte, um ihren Charakter auch zu zeigen. Für Pepe und Drace bedeuten sie Familie und so kommt es schon mal vor, dass neben allem, was sonst noch so passiert, sie nicht außer Acht gelassen werden. Dazu die vielen wundervollen, witzigen und herzerwärmenden Monologe.
Da ist Neoma, die Künstlerin mit den blauen Augen und dem Tourette-Syndrom, die trotz dessen, dass sie nur ein zierliches Persönchen ist, die sich eigentlich nicht aufregen sollte, für die Frauen in der Gesellschaft kämpft und gleichzeitig vor ihren Gefühlen zu Chris davonrennt. Dann Chris, der herzensgute Beschützer und Aufpasser der Fabrik, der alles dafür hergibt und sich um alles kümmert und zudem nie von Neomas Seite weicht. Er ist auch derjenige, der sich schützend neben Pepe stellt, wenn Drace mal wieder ausrastet und gleichzeitig unerschütterlich an das Gute in Drace glaubt.
Ajax, der jüngste der Truppe, der halb verrückt, halb fresssüchtig und halb kindisch durch die Gegend schlurrt, trotz allem aber wahnsinnig froh um seine Künstlerfamilie ist. Die herzensgute Hannah, der Belgier, der mit seiner klaren Meinung und seinem guten Herz Pepe immer unterstützt und Zack, der Neue, der unglaubliches schauspielerisches Talent beweist und ohne nachzufragen einfach mitmacht.
Ihr müsst die Truppe einfach kennenlernen:)
Dass da draußen zudem ein Mörder rumrennt, ist einem irgendwie von Anfang an bewusst, denn es gibt in Abständen immer mal wieder ein Notizenkapitel, in dem er sich äußert. Es ist aber anfangs nur eine recht vage Ahnung. Es könnte Drace sein, jeder andere. Bei mir hat es echt gedauert, bis ich so ungefähr wusste, von wem er da schreibt. Wer es sein sollte, wusste ich immer noch nicht. Das kam später. Man rätselte bei dieser Geschichte auf jeden fall sehr schön mit. Nicht nur wegen der Notizen, sondern auch und vor allem wegen Pepe. Sie glaubt an eine andere Wahrheit, als sie bisher veröffentlicht wurde und stiftet auch die anderen dazu an, sich Gedanken zu machen. Selbst Drace kann sich dem nicht entziehen. Und es scheint irgendwann auch so klar. Die Truppe hat einen genauen Plan und verfolgt ihn mit allem, was ihnen zur Verfügung steht. Und dennoch kommt alles ganz anders.
Ich fand es echt gut gemacht, wie alle irgendwo immer nur auf die selben Informationen gekommen sind. Dadurch, dass Drace sich aber zum Beispiel daraus hielt, waren sie eben auch nicht alle auf dem gleichen Stand. Die Figuren haben hier alle ihre Geheimnisse und das macht es sehr schwierig an die Wahrheit zu kommen. Wem sollen sie schließlich vertrauen?
Irgendwann hatte ich bei einer Figur so eine Ahnung und war auch etwas überrascht, dass Pepe dies so gar nicht wahrnahm. Aber sie hatte sich eben auf jemand anderen eingeschossen. Wie sagt man so schön: man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Allerdings muss ich sagen, dass mir auch erst hinterher aufgefallen ist (zusammen mit den Protagonisten), wie auffällig sich diese Person eigentlich verhalten hat. Es ergab letztendlich auf jeden Fall eine dramatisch, hoch spannende und logische Auflösung, die auch der Lovestory zwischen Drace und Pepe die Krone aufgesetzt hat.
Was das angeht, möchte ich gerne noch erwähnen, dass auch die Lovestory hier genug Platz bekam. Allerdings war sie sehr dynamisch:) Drace ist eben keine leichte Person. Ich fand es aber toll, wie Pepe da stark und fast unerschütterlich blieb und die beiden trotz allem nie ihre Gefühle verleugnet haben. Nicht alles lief glatt, weshalb man hier nicht liest: sie mögen sich nicht, sie mögen sich, sie schlafen miteinander, alles tutti. So ist es nicht und begleitet wird es zudem damit, dass Pepe etwas mit sich trägt. Allerdings fand ich das noch sehr im Rahmen. Im Laufe der Geschichte haben sich einfach andere Wege ergeben, sodass ihr Geheimnis nicht mehr das ist, was es am Anfang war. Ich fand die beiden zusammen einfach schön. Punkt. Übereugt euch selbst:)
Fazit:
Eine sehr spannende Geschichte, die viele Highlights bietet. Die Thrillerelemente sind da und lassen Spannung aufkommen sowie den interessanten Part des Miträtselns. Es bietet sich aber auch viel Platz für Nebenprotagonisten, Gefühle, Liebe und Freundschaft und alles zusammen hat für mich die perfekte Mischung ergeben. Selbst die Stellen, an denen ich zunächst skeptisch war, wurden im Laufe der Geschichte logisch aufgeklärt. Ich fand es einfach toll, wie hier mit der Unsicherheit und dem Vertrauen der Protagonisten in sich selbst gespielt wurde und wie trotz allem die Lebensfreude nicht verloren ging.
Die siebenhundert Seiten ließen sich einfach super easy lesen und waren es echt wert! Meine Empfehlung!
5 von 5 Sterne gibt es von mir.