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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2020

Wem die Stunde schlägt

Todesläuten
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Mit diesem zweiten Fall für Chefinspektor Toni Wakolbinger und sein Team geht es nicht ganz so blutig zu wie in „Kaltblütige Abrechnung“, doch das tut der Spannung keinen Abbruch.

Worum geht’s diesmal?

Kurz ...

Mit diesem zweiten Fall für Chefinspektor Toni Wakolbinger und sein Team geht es nicht ganz so blutig zu wie in „Kaltblütige Abrechnung“, doch das tut der Spannung keinen Abbruch.

Worum geht’s diesmal?

Kurz vor der Eröffnung des Weihnachtsmarktes mit seinen Lichtinstallationen auf dem Grazer Schlossberg wird die über zugerichtete Leiche eines Mannes gefunden. Besonders seltsam: Das Gesicht des Toten ist augenscheinlich vom Klöppel der „Liesl“, wie die große Glocke hier genannt wird, zertrümmert worden. Daneben trifft das Team um Wakoblinger auf Reste einer Kunstinstallation und deren wütenden Schöpfer.

Es dauert eine geraume Zeit bis der Tote identifiziert ist: Thomas Neuburg, ein Betrüger, der vor 30 Jahren zahlreichen Menschen mit Immobilienspekulationen das Geld aus der Tasche gezogen hat und dann spurlos verschwunden ist. Nun, nachdem die Tat verjährt ist, scheint er nach Graz zurückgekehrt zu sein, um noch etwas zu erledigen.

Wakolbinger und sein Team müssen in mühevoller Kleinarbeit Dutzende von Befragungen durchführen. Immer wieder vernehmen sie eine eingeschworene Kartenrunde, zu der auch der Bruder des Mordopfers gehört. Je tiefer Toni und seine Kollegen graben, desto mehr wird das Alibi der vier Kartenspieler infrage gestellt. Und, als sich herausstellt, dass auch die Mitglieder der Kartenrunde im weitesten Sinn zu den Geschädigten von Thomas Neuburg zählen, wächst die Liste der Verdächtigen sprunghaft an.

Meine Meinung:

Der Autorin ist es wieder meisterhaft gelungen, auch die manchmal fad wirkende Polizeiarbeit, spannend darzustellen.

Toni Wakolbinger und seine psychologisch geschulte Mitarbeiterin Cindy Panzenböck ergänzen sich recht gut, was auch Toni sich selbst eingestehen muss. Die Wortgeplänkel zwischen den beiden mag ich gerne.

Niklas gibt diesmal den Trauerkloß, nachdem ihn Jackie, die Tochter des Grazer Stadtrates Egger, vor die Tür gesetzt hat. Und auch über Toni erfährt man ein kleines Detail aus seinem Privatleben: Andrea, die fesche Staatsanwältin hat in der Vergangenheit eine kleine Rolle gespielt.

Lotte Wöss‘ Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen. Sie nimmt ihre Leser auf einen Stadtrundgang durch Graz mit. So darf das beste Hotel am Platz, das „Erzherzog Johann“, genauso wenig fehlen, wie die Café-Konditorei „Sorger“ in der Sporgasse, für die manche gerne ihren Aufenthalt in der Stadt an der Mur verlängern. Für zusätzliches Lokalkolorit sorgt der eine oder andere Ausspruch im Dialekt.

Die Charaktere sind wieder sehr gut herausgearbeitet. Durch einige überraschende Erkenntnisse lässt die Auflösung ein wenig auf sich warten. Die Leser werden durch die eine oder andere Sackgasse in die Irre geführt.

Mir hat dieser zweite Fall für Toni Wakolbinger und Cindy Panzenböck sehr gut gefallen. Dass es eine Fortsetzung gibt, kann man daran erahnen, denn Cindy ist wild entschlossen, die Polizeischule zu absolvieren.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, die mich gut unterhalten hat und der ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Ein gelungener hist. Roman

Schatten der Welt
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Man schreibt das Jahr 1910. Der deutsche Kaiser will in seiner Großmannsucht seinem Reich Weltgeltung verschaffen und vergisst dabei auf das Innere des Landes zu schauen, wo es mehr als genug Möglichkeiten ...

Man schreibt das Jahr 1910. Der deutsche Kaiser will in seiner Großmannsucht seinem Reich Weltgeltung verschaffen und vergisst dabei auf das Innere des Landes zu schauen, wo es mehr als genug Möglichkeiten zur Entfaltung gäbe. Die Diskrepanz zwischen arm und reich ist riesig. So auch im kleinen Ort Thorn in Westpreußen. Drei Jugendliche wachsen inmitten von Armut und Gewalt auf.

Carl Friedländer, der schmächtige Sohn eines jüdischen Schneiders, der seinem Modesalon der Vergangenheit in Riga nachtrauert, Artur, der Sohn des gewalttätigen Wagners und die gerissene Louise, genannt Isi. Die drei wollen aus ihrer Armut entfliehen und entwickeln bereits als Halbwüchsige eigene Ideen, die nicht immer den Gesetzen entsprechen. So nehmen sie das Erscheinen des Kometes Halley, der all 75 Jahre der Erde nahekommt zum Anlass, Überlebenspillen und Gasmasken, die Isi zuvor aus dem Magazin des preußischen Heeres „beschafft“, an die abergläubische Bevölkerung zu verkaufen.

Es scheint, als hätte es das Trio geschafft, als Artur mit dem ergaunerten Geld einen der modernen Lastwagen kauft und ein florierendes Geschäft aufbaut.

Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs macht alle Hoffnung zunichte. Die drei Freunde werden getrennt. Werden sie sich je wiedersehen?

Meine Meinung:

Ich habe diesen historischen Roman, der die damalige Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Macht in einer rückständigen Kleinstadt darstellt. Innerhalb einer Nacht gelesen.

Autor Andreas Izquierdo gelingt es vorzüglich, die Verhältnisse zu beschreiben. „Großbürgertum, Adel und Militär bildeten undurchdringliche Kasten, und das Dreiklassenwahlrecht sorgte dafür, dass sich das niemals ändern würde.“

Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und ausgezeichnet ausgearbeitet. Die Schlitzohrigkeit von Isi ist kaum zu überbieten. Der schüchterne Carl entwickelt sich erst später, als er statt in des Vaters Fußstapfen als Schneider, eine Lehre als Fotograf antritt und später als Kriegsberichterstatter im Dienst der Donaumonarchie an den diversen Fronten auftaucht.

Die Schrecken und Gräuel des Krieges werden nicht nur direkt auf den Schlachtfeldern beleuchtet, sondern auch die Auswirkungen in der Heimat.

Einige Fragen bleiben offen, was eine Fortsetzung sehr wahrscheinlich macht. Auf eine solche freue ich mich.

Fazit:

Ein gelungener hist. Roman aus der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges, der die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft plastisch darstellt. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne und warte gespannt auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Ein guter Überblick

Chaos im Darm
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Dieses Buch stellt eine gute Übersicht über jene Mechanismen im Darm dar, die für chronische Krankheiten und/oder Allergien verantwortlich gemacht werden.

Das Buch soll und darf keine Diagnose durch einen ...

Dieses Buch stellt eine gute Übersicht über jene Mechanismen im Darm dar, die für chronische Krankheiten und/oder Allergien verantwortlich gemacht werden.

Das Buch soll und darf keine Diagnose durch einen Arzt ersetzen, sondern soll dazu beitragen, sich mir seinem Darm näher zu beschäftigen.

Sehr interessant finde ich die Darstellung der Körperhaltung, wenn die Darmflora geschädigt ist. Hier erfahren die Lese einiges zum Thema Darmbakterien.

Wir finden eine gute Zusammenfassung von diversen Krankheiten, diagnostischen Möglichkeiten und Therapieansätze mit Heilmitteln. Zahlreiche Tipps zu einer darmverträglichen Lebensweise ergänzen diesen Ratgeber aus dem Verlag Gräfe & Unzer.

Der Schreibstil ist meiner Ansicht gut verständlich. Im Anhang gibt es noch Tipps für weiterführende Literatur.

Fazit:

Insgesamt ein gelungenes Buch, das einen guten Überblick über „Das Chaos im Darm“ gibt. Dafür gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Ein beeindruckender hist. Roman

Der Wintersoldat
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Lucius Krzelewski, Sohn vermögender Industrielle, steckt mitten im Medizinstudium, als der Erste Weltkrieg Europa überrollt. Obwohl die Eltern, vor allem die Mutter, versucht, ihren Sohn in der Etappe ...

Lucius Krzelewski, Sohn vermögender Industrielle, steckt mitten im Medizinstudium, als der Erste Weltkrieg Europa überrollt. Obwohl die Eltern, vor allem die Mutter, versucht, ihren Sohn in der Etappe unter zu bringen, wird Lucius als Arzt verpflichtet, auch wenn er keine praktische Erfahrung hat. Ihn, den Idealisten, verschlägt es nach Lemnowice, einem kleinen Ort in den Karpaten. Dort hat das k. und k. Kriegsministerium ein provisorisches Kriegslazarett aufschlagen lassen.

Statt eines erfahrenen Kollegen findet Lucius lediglich eine Krankenschwester vor, die weitaus mehr von Chirurgie und Amputationen versteht als der studierte Mediziner. Gemeinsam nehmen sie Herausforderung an. Sie kämpfen gegen Läsue, Typhus und den viel zu knappen Medikamenten. Hier und da verzeichnen sie den einen oder anderen Genesungserfolg, wissen aber doch, dass sie Verwundeten nur schnell zusammengeflickt werden sollen, um möglich schnell wieder zur kämpfenden Truppe zurückzukehren. So soll auch der als „Wintersoldat“ bezeichnete Mann unverzüglich wieder zu seiner Einheit einrücken, denn offensichtlich ist er körperlich unversehrt, sondern hat ein schweres Trauma und Depressionen. Schwester Margarete und Lucius können den Mann nicht vor der barbarischen Strafe des „Anbindens“, nämlich nackt an einen Baum gefesselt zu werden, schützen. So müssen die beiden zusehen, wie er zwar gerade noch überlebt.
Wenig später kommt die Front immer näher und eines abends verschwindet Margarete. Als sich Lucius auf die Suche nach ihr macht, verirrt er sich und überlebt nur mit Mühe.

Meine Meinung:

Daniel Mason ist hier ein einfühlsamer und bildgewaltiger historischer Roman gelungen, der uns die Schrecken des Ersten Weltkriegs plastisch vor Augen führt. Dieser realitätsnahe Roman hat mich bis zur letzten Seite gefesselt.

Der idealistische Medizinstudent macht nicht nur durch seine Erlebnisse im Kriegslazarett eine Entwicklung zum Mann durch, sondern auch durch seine Verbundenheit mit Schwester Margarete. Er wird sie jahrelang suchen. Lucius hat es, wie vieler seiner Zeitgenossen und Kriegskameraden nicht leicht, in seiner Heimatstadt Wien wieder Fuß zu fassen. So muss er, der mit unzureichenden Mitteln Krankheiten bekämpft hat und sogar ein Kind zur Welt gebracht hat, wieder die Schulbank der Universität drücken. Kein einziger Tag seines Frontarztlebens wird ihm angerechnet.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der peniblen Recherche. Damit sich der Leser eine Vorstellung der genannten Örtlichkeiten vor Augen hat, ist im Vorsatzblatt eine Landkarte zu finden. Überhaupt ist die Aufmachung gediegen, mit Schutzumschlag und Lesebändchen.

Der Schreibstil ist sehr realistisch und ohne Sentimentalitäten oder Sensationslust. Manchmal wirkt er beinahe distanziert sachlich, um die Kriegsgräuel ein wenig auf Abstand zu halten.

Fazit:

Ein beeindruckender historischer Roman, den ich in kürzester Zeit gelesen habe. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 04.08.2020

Ober Leopold ermittelt in doppelter Mssion

Grillparzerkomplott
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Autor Hermann Bauer lässt seinen Oberkellner Leopold W. Hofer nun schon zum 13. Mal ermitteln. Diesmal ist er quasi in offizieller Mission unterwegs, denn sein Freund, Oberinspektor Juricek, ersucht den ...

Autor Hermann Bauer lässt seinen Oberkellner Leopold W. Hofer nun schon zum 13. Mal ermitteln. Diesmal ist er quasi in offizieller Mission unterwegs, denn sein Freund, Oberinspektor Juricek, ersucht den vifen Oberkellner Augen und Ohren offen zu halten und zwar nicht nur in seiner üblichen Wirkungsstätte dem Café Heller in Floridsdorf, sondern auch im altehrwürdigen Café Schopenhauer in Währing.

Was gibt es zu ermitteln? Katja Winkler, eine ehemalige Schauspielerin und Stammgast im Cafè Schopenhauer wird ermordet aufgefunden und der Tat dringend verdächtig ist Leopolds Protegé David Panozzo. Während sich Ober Leopold noch mit fehlenden Beweisen für Davids Unschuld herumschlägt, stirbt eine weitere ehemalige Schauspielerin Selbstmord oder noch ein Mord? Und warum stolpert er ständig über den Namen des österreichischen Beamten und Staatsdichters Franz Grillparzer? Warum tauschen der Ex-Mann und ein hartnäckiger Verehrer der Ermordeten, Kassiber im Kaffeehaus aus?

Rätsel über Rätsel, die Leopold dazu veranlassen, seine Tochter und seinen/ihren Freund Korber in die Ermittlungen einzubeziehen.

Meine Meinung:

Hermann Bauer gelingt es wieder vortrefflich, die Kaffeehauskultur Wiens einzufangen. Sei es durch die Beschreibung des manchmal unterwürfig oder grantelnd erscheinenden (männlichen) Servierpersonals oder durch das besondere Lokalkolorit. Man beachte, das Café Schopenhauer (1180 Wien, Staudgasse 1) gibt es wirklich, das Heller ist eine Erfindung.

Oberkellner Leopold (und damit auch Oberinspektor Juricek) kann wieder auf sein bewährtes Team aus Hobby-Ermittlern zurückgreifen.

Fazit:

Wieder ein gelungener Kaffeehauskrimi aus der Feder von Hermann Bauer, über den auch geschmunzelt werden darf. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.