Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2020

Wenn es nur eine Figur einem richtig schwer macht...

What if we Drown
0

Der deutsche New Adult Autorenkreis bei Lyx hat mit Sarah Sprinz einen weiteren Namen dazugewonnen. Bei diesen wunderschönen Covern und vor allem der Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Medizinerin ...

Der deutsche New Adult Autorenkreis bei Lyx hat mit Sarah Sprinz einen weiteren Namen dazugewonnen. Bei diesen wunderschönen Covern und vor allem der Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Medizinerin handelt, die eine ganz andere Perspektive bereit hält, war für mich völlig klar, dass ich mich von ihren Fähigkeiten in „What If We Drown“ überzeugen würde. Auch wenn ich das Buch nun vor einigen Tagen bereits beendet habe, fällt es mir aber immer noch unheimlich schwer, ein abschließendes Urteil zu fällen. Vielleicht hilft es, meine Gedanken für diese Rezension einmal niederzuschreiben.

Zunächst bin ich begeistert, dass Sprinz sich für Kanada als Setting entschieden hat. Die USA ist mit den anderen Autoren ja genug abgedeckt, so dass ich es absolut genial finde, wenn mit Toronto/Vancouver mal etwas Neues ins Spiel kommt, zumal ich Kanada aufgrund der weiten Landschaft und der wesentlich toleranteren Bevölkerung ohnehin immer bevorzugen würde. Weiterhin finde ich es ohne Diskussion so, dass die Autorin schreiben kann. Ich finde ihren Schreibstil manchmal etwas edgy, ohne genau erklären zu können, was ich damit meine, aber am ehesten trifft es der Eindruck, dass es zig kleine Momente gab, wo ich nicht erwartet hatte, dass passiert, was passiert ist und gerade zum Kapitelende wurde es schon mal etwas abrupt, aber ich fand beides definitiv nicht schlecht. Denn es ist ein eigener Stil, eine eigene Stimme und das im breiten Feld der Veröffentlichungen zu haben, ist definitiv ein Geschenk. Und eine neue Stilistik mag erstmal etwas holprig wirken, aber es ist nur Gewöhnungssache, das habe ich beim Lesen selbst bemerkt.

Etwas schwieriger wird es schon bei den Charakteren. Während ich die Nebenfiguren bereits feiere und mich auf alle weiteren Bände freue und ich auch Hauptfigur Sam die Welt zu Füßen legen würde, ist Laurie ein rotes Tuch für mich. Aber hier kommt auch wieder dieser edgy Erzählstil ins Spiel, denn ihre Figur ist sich vollkommen bewusst, dass sie sich zu 90% der Geschichte wie ein A*** verhält. Ist es dann schlimmer oder halbwegs okay, dass sie sich so verhält? Ich bin leider zu keinem abschließenden Urteil gekommen. Ich weiß nur, dass ich oft Probleme mit weiblichen Hauptfiguren haben, aber dort ist keinerlei Selbstreflexion zu erkennen, von daher ist die Darstellung hier sicherlich ein Fortschritt, aber trotzdem macht es das Leseerlebnis dadurch nicht besser.

Ein großer Knackpunkt bei Laurie ist für mich sicherlich auch ihre Trauer um Austin. Die hat mich nämlich nicht überzeugend packen können. So wie sie sich teilweise verhalten hat, hatte ich das Gefühl, ihr großer Bruder ist erst vor zwei Wochen gestorben, stattdessen sind mehrere Jahre ins Land gezogen. Natürlich verläuft ein Trauerprozess bei jedem Menschen anders, aber trotzdem fand ich die Dramatik, die erzeugt wurde, zu viel, zumal es eben Laurie in Handlungen bestärkt, die man wirklich nicht unterstützen kann. Natürlich hatte sie auch gute Momente. Momente, in denen durchschien, was sie auszeichnet, wenn nicht alles von ihrer Trauer überdeckt wurde, aber es ist schade, dass diese Seite nicht viel eher gewonnen hat. Und das alles ist doppelt und dreifach schade, weil Sam wirklich so großartig ist in allem, dass er eigentlich eine Hauptfigur verdient gehabt hätte, die ihm in all dem würdiger gewesen wäre.

Eine letzte Anmerkung habe ich noch. Zwar hat es mir gefallen, dass es einige Momente gegeben hat, in denen etwas Unerwartetes passiert, z. B. der Moment, als sie sich zum ersten Mal küssen, den ich genau da niemals erwartet hätte, aber dem gegenüber stehen auch die Momente, in denen die Geschichte zu sehr konstruiert wirkt. Gerade zum Ende hin wurde es zu durchschaubar und da nenne ich beispielhaft, wie Sam die Wahrheit erfährt und wie die Versöhnung herbeigeführt wird. Aber das verbuche ich als Anfängerfehler, denn weichere Übergänge sind reine Übungssache, weswegen ich das hier auch nicht so hochhängen möchte.

Fazit: „What If We Drown“ ist in einigen Aspekten mit viel Potenzial versehen und besonders gefällt mir, dass Sprinz sich bereits mit einem ihrer ersten Bücher eine so eigenständige Erzählstimme zugelegt hat. Aber leider war das Lesen wegen Hauptfigur Laurie mit viel Frust versehen. Sie ist sich zwar bewusst, was sie falsch macht, aber sie macht die Fehler trotzdem weiter und das hat die Liebesgeschichte nicht so unbeschwert erscheinen lassen, wie es ihr Gegenüber, Sam, verdient gehabt hätte. Aber es ist alles da, damit die nächsten zwei Bände mich richtig überzeugen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2020

Trotz guten Inhalts zu schlampig erzählt

Unvergesslich
0

Roni Loren ist für mich eine völlig neue Autorin und da ich zuletzt immer eher zu NA als zu den eher erwachseneren Büchern gegriffen habe, war es hier definitiv das Cover was mich gepackt hat. Als ich ...

Roni Loren ist für mich eine völlig neue Autorin und da ich zuletzt immer eher zu NA als zu den eher erwachseneren Büchern gegriffen habe, war es hier definitiv das Cover was mich gepackt hat. Als ich mich dann mit dem Klappentext und den ersten Seiten beschäftigt habe, ist mir auch direkt positiv ins Auge gefallen, dass der Ausgangspunkt für diese Reihe ein sehr tragisches Ereignis ist: ein Amoklauf in einer Schule mit vielen Toten. Das ist sicherlich keine einfache Thematik, aber eine, die alleine emotional unheimlich viel Potenzial birgt, denn solche Erfahrungen hinterlassen Spuren und diese zu erkunden muss man sich nur trauen. Macht Loren das mit „Unvergesslich“?

Ich fand es sehr hilfreich, dass gleich mit dem Amoklauf und den dazu gehörenden Erfahrungen angefangen wird, denn es wäre schade gewesen, das als Mysterium über der Geschichte schweben zu haben. So weiß man als Leser gleich, was damals passiert ist und was unsere beiden Protagonisten Liv und Finn erlebt haben. Was genau die beiden damals hatten, ist damit noch nicht verraten, aber man merkt gleich, dass die beiden sich einst sehr viel bedeutet haben. Auch wenn die Ausgangslage für „Unvergesslich“ also wirklich sehr gut ist, so haben sich jedoch rein technisch doch einige Hindernisse für mich ergeben. Es wird leider nicht immer klar, was wann passiert ist. Wann genau war der Amoklauf? Im letzten Schuljahr, im vorletzten? Wie konnte Liv mit drei anderen Schülerinnen ein enges Band knüpfen, während das zu Finn offenbar von heute auf morgen geplatzt ist? Auch vom Kontext haben sich für mich einige Lücken ergeben. Während Finns Familie im Verlauf noch auftaucht, ist von Livs Familie kaum mal die Rede. Sie ist auch von diesen maßgeblich mitgeprägt worden, aber dennoch sind sie in der Gegenwart überhaupt kein Thema. Weiterhin fand ich es seltsam, dass es zwischen Liv und Rebecca, mit der Finn in der damaligen Nacht ein Date hatte, nie ein klärendes Gespräch gibt. Das sind alles nur Kleinigkeiten, aber welche, die in der Summe mich immer wieder etwas haben kritisch hinterfragen lassen und das will ich als Leserin nicht tun müssen. Ich will zwar eine intensive Auseinandersetzung, aber auch eine, bei der ich mich fallen lassen kann und nicht alles kritisch hinterfragen muss.

Das äußere Korsett steht also auf wackligen Füßen, aber dennoch finde ich die Liebesgeschichte zwischen Finn und Liv schön erzählt. Ich hatte anfangs eher das Gefühl, dass Liv eine sehr zurückhaltende Persönlichkeit ist, die wirklich tief von den Ereignissen mitgenommen wurde, aber sie ist eine überraschend starke und eigenständige Person, die nur falsch abgebogen ist. Finn ist da deutlich mysteriöser und auch undurchschaubar, aber dennoch merkt man, dass er einer von den Guten ist, aber einer, der das nicht mehr so leicht zeigen kann. Die beiden haben eine gute Chemie und ich habe mich leicht von ihnen mitziehen lassen können. Auch der Aufbau ihrer gemeinsamen Geschichte ist sehr logisch und stringent aufgebaut, weswegen ich mit dem eigentlichen Kern, dem Inhalt, durchaus zufrieden sein kann.

Und dennoch muss ich letztlich zu dem Fazit kommen, dass „Unvergesslich“ jetzt nicht der Auftakt einer Reihe war, die das Gefühl erzeugt, unbedingt alles gelesen haben zu müssen. Dafür ist einfach das erzählerische Handwerk an einigen Stellen zu schlampig. Die Liebesgeschichte zwischen Liv und Finn mag noch so ziehen und berühren, aber ich hatte einfach zu viele kritische Fragezeichen im Gesicht, die das Lesevergnügen geschmälert haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2020

Würdig und doch zu offen

Beta Hearts
2

Ich habe es oft genug betont, Marie Graßhoffs Sci-Fi-Reihe, die mit „Neon Birds“ ihren Anfang nahm, war für mich eine riesige Überraschung, weil ich mich mit meiner mangelnden eigenen Vorstellungskraft ...

Ich habe es oft genug betont, Marie Graßhoffs Sci-Fi-Reihe, die mit „Neon Birds“ ihren Anfang nahm, war für mich eine riesige Überraschung, weil ich mich mit meiner mangelnden eigenen Vorstellungskraft bei dem Genre bei Büchern stets sehr schwer getan habe. Während mir in Serien und Filmen das Futuristische vor Augen geführt wird, war es mir bei den Büchern oft nicht möglich, die Welten vor meinen Augen entstehen zu lassen. Dennoch entstand bei Graßhoffs erschaffener Welt ein Sog, der mich augenblicklich mitgerissen hat. Auch wenn ich keine Garantie dafür abgeben möchte, dass ich wirklich alles in seiner Tragweite verstanden habe, habe ich dennoch so viel verstanden, dass es für mich ein durchgängig großartiges Lesevergnügen war. Dennoch war mein Bammel vor „Beta Hearts“ ganz schön ordentlich, denn einen Abschluss hinzukriegen, ist eine Kunst für sich. Hat Graßhoff die mit ihrem Abschlussband hinbekommen?

Der zentrale Grund, warum ich am Ende nicht vollkommen glücklich den Buchdeckel schließen konnte, liegt daran, dass ich immer schon jemand war, der alles ganz genau beantwortet und erklärt haben will und diesem Bedürfnis wird „Beta Hearts“ nicht gerecht. Nach der letzten Seite sind noch zahlreiche und dann sogar auch noch wichtige Fragen offen, bei denen ich dachte, dass die Reihe damit stehen und fallen wird. Man hat es ja durchaus nicht selten, dass sich Autoren bewusst dafür entscheiden, Aspekte offen zu lassen, damit sich jeder Leser sein eigenes Ende denken kann, aber da geht es oft um Details, aber hier reden wir doch von zentralen Themen, die im Wesentlichen dafür gesorgt haben, dass ich weiterlesen wollte. Nun ohne Antworten dazustehen, fühlt sich tatsächlich an, wie eine Schlucht hinuntergestürzt zu sein.

Die grundsätzliche Struktur des Abschlussbands war gut, weil die Spannung stets auf einem Höhepunkt war, denn andere gegebenen Antworten wurden ja auch hinausgezögert, weswegen klar war, dass nur das Ende Erlösung verschaffen kann. Mir hat auch gefallen, wie sich neue Teams gebildet haben, wie sich noch einmal die Charaktere entwickelt haben und was letztlich die Endlösung war, wie Frieden herrschen konnte. Das Grundkorsett war also vorbildlich, wie es schon die beiden Bände zuvor bewiesen haben, aber diesmal passten die Details nicht optimal. Neben den zahlreichen offenen Fragen hat sich mir auch das Gefühl aufgedrängt, dass das Buch am Ende schnell zu Ende gebracht werden sollte. Auch wenn die finale Lösung absolut schlüssig über die drei Bände hinweg ist, so wirkte es am Ende so simpel, dass man sich fragt, ob tatsächlich all die Jahre zuvor niemand darauf gekommen ist. Wo sich die Geschichte oft die nötige Ruhe genommen hat, um den Leser tief eintauchen zu lassen, so ist das Tempo hier plötzlich so enorm angezogen worden, dass man das Gefühl hat, wäre der eigentliche Stil beibehalten worden, dann wären nur vier Bände der Erzählung gerecht geworden.

Fazit: Ein würdiges Ende für eine Reihe zu finden ist definitiv eine Herausforderung, die Graßhoff mit „Beta Hearts“ in großen Teilen gelungen ist. Über die Gesamtschau hinweg sind es Kleinigkeiten, die jetzt einen faden Beigeschmack haben. Aber diese Kleinigkeiten sind eben auch wichtig, sie entscheiden darüber, ob man am Ende sagt: „Das war es für mich!“ oder ob man noch ewig den Gedanken hin- und herwälzt, was noch hätte getan werden können. Insgesamt ist das Ende zu überhastet erzählt, aber dafür inhaltlich konsequent.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2020

Büßt leider an Atmosphäre ein

Hex Files - Wilde Hexen
0

Der erste Band der „Hex Files“ war für mich eine echte Überraschung, denn nur anhand von Klappentext und Cover hätte ich wohl nicht zugegriffen. Gut, dass es Buch-Communities wie die Lesejury gibt, wo ...

Der erste Band der „Hex Files“ war für mich eine echte Überraschung, denn nur anhand von Klappentext und Cover hätte ich wohl nicht zugegriffen. Gut, dass es Buch-Communities wie die Lesejury gibt, wo viele begeisterte LeserInnen ihre Meinung kundgetan haben. Einmal angelesen und einmal angefixt, war für mich völlig klar, dass ich auch in „Wilde Hexen“, also Band 2 reinlesen würde.

Überraschenderweise ist es mir aber eher schwer gefallen, wieder reinzukommen. Das Inhaltliche habe ich mir schnell wieder zusammenreimen können, aber irgendwie wollte die entsprechende Lesestimmung nicht aufkommen. Es war fürchterlich zäh zu Beginn, obwohl vom Papier her ja alle Zutaten da waren, die es schon in Band 1 gab. Erst als der Wettbewerb für die Serie „Verwünscht“ tatsächlich losgeht, hat mich die Geschichte packen können, denn endlich hatte ich das Gefühl, in den inhaltlichen Absicht dieser Handlung eingefunden zu haben und zum anderen ist es endlich wieder richtig magisch geworden. Zuvor war doch fleißig mit Runen etc. gegeizt worden.

Neben dem lustigen Element, wie sich Ivy in dem Wettbewerb schlägt und wie sie für die Ermittlungen auch mal einsteckt, ist auch der dargelegte Kriminalfall immer spannender geworden, weil man natürlich seine eigenen Vermutungen angestellt hat. Die letztliche Auflösung hat mich sogar echt überrascht. Es war zwar wirklich ein Abseitskandidat, wer diesen auf dem Schirm hatte, Hut ab und dennoch wurde es logisch völlig schlüssig eingearbeitet, weswegen ich mit diesem Überraschungseffekt sehr gut leben konnte.

Dennoch bleibt neben diesen positiven Entwicklungen auch ein großer Wehmutstropfen und das ist das Miteinander von Ivy und Raphael. Der erste Band hat von diesem Hin und Her zwischen den beiden, dem Geplänkel und den spöttischen Kommentaren gelebt. Natürlich war klar, dass sich dahinter eine gewisse Anziehung verbirgt und dementsprechend ist natürlich auch klar, dass die beiden irgendwann zueinander finden würden, aber diesmal war Ivy in ihrer Schwärmerei für Raphael furchtbar kindisch. Dann kam hinzu, dass er eine sehr untergeordnete Rolle gespielt hat, gerade im ersten Drittel tauchte er nur am Rande auf. Ich hätte mir mehr gewünscht, mehr alles zwischen den beiden, aber vor allem eine tolle Fortsetzung ihrer gemeinsamen Geschichte. Wie Ivy hier teilweise von Zweifeln zu Liebeserklärungen umschweift, war mir too much. „Hex Files“ will sicherlich keine Geschichte sein, die man bierernst nehmen darf, aber das wirkte beziehungstechnisch dennoch oberflächlich durch den Kakao gezogen. Das hat mir das Leseerlebnis doch etwas verhagelt.

Fazit: Für mich war in „Wilde Hexen“ leider etwas wenig von der Stimmung da, die der erste Band noch erzeugen konnte. Ich kam schwer in die Erzählung rein, weil wenig Raphael und Ivy, wie ich sie in Erinnerung hatte und weil wenig Magie. Der Kriminalfall funktioniert zwar gut und spannend, aber das Herzstück sind doch andere Aspekte und die waren diesmal weniger überzeugend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.09.2020

Braucht noch einen handwerklichen Feinschliff

An Ocean Between Us
0

Nina Bilinszki hat schon mehrere ihre Bücher beim Ullstein-Print Forever veröffentlicht; „An Ocean Between Us“ ist nun ihre erste Veröffentlichung mit Knaur, die automatisch mehr Beachtung finden wird. ...

Nina Bilinszki hat schon mehrere ihre Bücher beim Ullstein-Print Forever veröffentlicht; „An Ocean Between Us“ ist nun ihre erste Veröffentlichung mit Knaur, die automatisch mehr Beachtung finden wird. Ein zweiter Band ist auch schon angekündigt, wie schlägt sich also der Auftakt und wird er Bilinszki ermöglichen, dass sie mit den Großen der deutschen NA-Branche wird mithalten können?

Gleich das Positive vorweg: Bilinszki kann schreiben. Warum stelle ich ausgerechnet das voran? New Adult ist das It-Genre der letzten Jahre geworden und wurde ganz logisch von zahlreichen Neuerscheinungen überflutet. Bei einigen muss man aber schlichtweg festhalten, dass es ganz viel heiße Luft mit nichts dahinter war. Entweder die Charakterarbeit funktionierte nicht, es war kein sinnvoller Plot zu erkennen oder aber die Person konnte schlichtweg nicht flüssig schreiben, so dass man immer irgendwo hängen blieb. Bei Bilinszki ist es nun so, dass ich das Buch nicht wegen einer dieser große Mängel etwas schwächer bewertet habe, sondern es waren mehrere Kleinigkeiten, die in ihrer Summe dann nicht mehr zu vernachlässigen waren. Aber wie ist es mit Kleinigkeiten? Genau, Kleinigkeiten sind auch mit wenig Aufwand zu beheben und da sie auch noch sehr jung ist, macht Übung bekanntlich auch den Meister.

In meinen Augen haben sich vor allem zwei (negative) Knackpunkte herauskristallisiert. Das ist zum einen die Vorhersehbarkeit. Bereits in Kapitel 2, als Hauptfigur Theo sich mit Alpträumen klagt, war leider sofort klar, was sich letztlich seinem Glück mit Avery in den Weg stellen würde. Es war offensichtlich, dass das als kleines Mysterium beabsichtigt war und wenn das so ist, dann darf es so früh nicht für jeden einzelnen Leser zu entschlüsseln sein. Vielleicht muss man auch sagen, dass die Idee dahinter zu ausgelutscht ist, weil man sie in genug Filmen, Serien und eben Büchern schon verarbeitet gesehen hat, aber dennoch wäre es auch rein handwerklich möglich gewesen, die Handlung geschickter zu verarbeiten und sei es sogar so deutlich, indem man die männliche Perspektive weglässt. Es hätte definitiv Wege gegeben, aber so ist es leider etwas schade.

Der zweite Punkt ist das Erzähltempo, das für mich recht unterschiedlich war. Zu Beginn wird beispielsweise sehr viel Gas gegeben. Das kann man schon alleine daran festmachen, wie schnell Avery ihre Meinung zu Theo geändert hat. Wenn sich zwei Charaktere zu Beginn nicht sofort sympathisch sind, dann finde ich dieses leicht aggressive Spiel, mit erotischer Spannung vermengt, extrem spannend mitzuverfolgen. Es reizt, weil immer etwas aufgebaut wird, was dann doch wie ein Luftballon platzt. Hier hat Avery aber schnell ihre Bedenken über Bord geworfen, weswegen der Geschichte doch etwas Reiz genommen wurde. Das Hinauszögern, was ich mir an einigen Stellen gewünscht hätte, wird dann später aufgeboten, wo es eigentlich gar nicht mehr passt. Nachdem Avery die Wahrheit erfahren hat, zieht sie sich bei ihrer Mutter zurück und die Passagen hier sind ellenlang, ohne dass sich groß etwas tut. Innenperspektiven sind niemals schlecht, aber wenn sie nicht durchgängig zu erleben sind, fallen sie auf einmal unangenehm ins Auge. Wo es zu Anfang also zu wenig war, war es am Ende zu viel.

Dennoch ist für mich vor allem wichtig, dass ich das Buch problemlos so weglesen konnte. Es war sehr angenehm geschrieben, es hatte einen logischen Handlungsbogen und war insgesamt sehr schön rund erzählt. Die Charaktere haben es mir durch die Bank sehr angetan, zumal der Personenkreis erfreulich eng gehalten war. Z. B. spielten die Elternfiguren eine Rolle, aber keine so große, dass man das Gefühl hatte, hier wird ein Fass aufgemacht, das aber nicht geleert wird. Besonders großartig fand ich, dass Avery für mich sehr schlüssige innere Prozesse hatte. Sei es eine neue Leidenschaft zu finden, nachdem ihr das Ballett genommen wurde oder sei es, Theo nicht sofort gänzlich zu verzeihen, sondern alles in ihrem Tempo durchzusetzen. Das fand ich unheimlich stark und liest man nur sehr wenig in NA.

Fazit: „An Ocean Between Us“ ist ein wirklich sehr angenehm zu lesender Liebesroman aus dem NA-Genre, der die großen Faktoren zu einer guten Unterhaltung mitbringt, doch im Kleinen hakt es einigen Stellen. Neben der Vorhersehbarkeit ist das ein nicht durchgängiges Erzähltempo. Aber das sind zum Glück keine Faktoren, die dafür sorgen, dass einem das Buch in der Gesamtsicht in negativer Erinnerung bleiben wird. Das Wichtigste ist ohnehin, dass Bilinszki schreiben kann und man sie im Auge behalten sollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere