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Veröffentlicht am 15.09.2020

„Mein Hund und sein Mensch“ wäre ein passenderer Titel gewesen...

Der Hund und sein Mensch
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Ich dachte, ich hätte ein größtenteils wissenschaftliches Buch in Händen, ähnlich dem von Bryan Sykes aus dem Jahr 2018 (engl. Version) bzw. 2019 (dt. Übersetzung). Herr Reichholf ist schließlich Wissenschaftler, ...

Ich dachte, ich hätte ein größtenteils wissenschaftliches Buch in Händen, ähnlich dem von Bryan Sykes aus dem Jahr 2018 (engl. Version) bzw. 2019 (dt. Übersetzung). Herr Reichholf ist schließlich Wissenschaftler, Biologe mit dem Spezialgebiet der Zoologie, er wird also recherchiert haben. Meine Erwartungen blieben allerdings bereits in den ersten hundert Seiten des Buches stecken, sodass ich mich regelrecht zwingen musste, es überhaupt zu Ende zu lesen...

Reichholfs These lautet: Wölfe erkannten die Vorteile des Anschlusses an den Homo Sapiens, da diese effektiv jagten und ‚verschwenderisch‘ haushalteten, also viel der Beute übrig ließen. Die Wölfe domestizierten sich daher selbst durch einen freiwillig vollzogenen Anschluss an den Menschen, mit dem über die Jahrtausende hinweg auch ein genetischer bzw. körperbaulicher Wandel stattfand. So weit, so plausibel. Die Beweisführung dieser These erschließt sich mir jedoch nur sehr schlecht, da im ersten Teil des Buches mehr von Hyänen, Schakalen, Geiern, Parier-Hunden und Neandertalern als von Wölfen geschrieben wird. Mir fehlt des Pudels Kern! Die häufigen Abschweifungen machen es sehr schwer und unübersichtlich, den Argumenten für bzw. wider seine These folgen zu können. Gleichzeitig erwähnt Reichholf Sykes These von der Jagdgemeinschaft zwischen Wolf und Mensch und bemängelt die fehlenden Beweise. Wer im Glashaus sitzt...

Zudem trieft dieses Werk von Vorurteilen, Rasse-Stereotypen und Abfälligkeiten zu Hundetraining, dass es mir den Blutdruck hochtrieb! Dackel werden als „Wadenbeißer“ (S. 49) abgestempelt, Jagdhunde werden als „dressiert[e]“ Zirkuspferde – die fast schon wider die Natur erscheinen – dargestellt (S. 103), und am Ende plädiert Reichholf dafür, unsere Hunde generell weniger zu „dressieren“ – ein Begriff, der mir ganz arg gegen den Strich geht. Hunde werden trainiert – nicht dressiert! -, damit sie das Höchstmaß an Freiheiten genießen können: laufen ohne Leine, ihrer Rasse entsprechend mit Freude (!) arbeiten (Jagd- und Hütehunde) oder auch beeinträchtigten Menschen eine große Hilfe zu sein.

Das Herrn Reichholf dies nicht gelungen ist, weil er seinem Hund Branko ein grenzenloses Individualleben ermöglichen wollte, beweisen seine Beispiele im zweiten Teil des Buches meisterlich. Ein Hund, der Besucher anknurrt, den der Kontrollverlust über seine Familie so sehr stresst, dass er in einer Hundepension unter anderen Hunden fast verendet oder der selbst bestimmt, wann er das Haus verlässt bzw. betritt, indem er sich selbst die Türen öffnet... Branko war meiner Meinung nach kein Beispiel für einen Vorzeigehund, aber da hat natürlich jeder eine andere Auffassung. Allein schon die Erzählung über die ‚Auswahl‘ des Züchters verursachte bei mir Schnappatmung! Heutzutage nennt man diese Menschen „Vermehrer“, nicht Züchter! Und ein eben solcher wäre auch Herr Reichholf geworden, wenn er seinen Hund hätte decken lassen, so wie er es mehrfach als Wunsch erwähnt.

Der einzige Abschnitt, der mich etwas versöhnlich mit diesem Buch stimmt, ist der über die Hormone der Hunde und Menschen. Etwas derartiges hätte ich mir vermehrt gewünscht in dieser Monografie. Stattdessen folgte ein meiner Meinung nach überflüssiges Kapitel über Katzen...

Die Moral von der Geschicht? Nur weil man Biologe ist, hat man nicht automatisch Ahnung von Hunden und ihrer Erziehung.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Leider nichts für mich

Immortal Consequences – Die Blackwood Academy Trials
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August, Wren, Irene, Masika, Emilio und Olivier haben nur ein Ziel: Bei der Dekadenfeier der Blackwood Academy als bester Schüler des Jahrzehnts proklamiert zu werden, und somit unter die Lehrenden der ...

August, Wren, Irene, Masika, Emilio und Olivier haben nur ein Ziel: Bei der Dekadenfeier der Blackwood Academy als bester Schüler des Jahrzehnts proklamiert zu werden, und somit unter die Lehrenden der Academy aufzusteigen – oder endlich in das Leben nach dem Tod einzutreten. Denn die sechs Studenten der Blackwood haben eins gemeinsam: Sie sind tot und nach ihrem Ableben in der Academy gelandet. Doch dieses Mal verläuft die Dekadenfeier anders als sonst: Die Studenten sollen um ihren Sieg kämpfen und nur, wer am Ende alle Trials überlebt, kann aufsteigen. Werden aus Freunden nun erbitterte Feinde?
Aus sechs verschiedenen Perspektiven erfahren wir Leserinnen nur häppchenweise etwas über die Blackwood Academy, ihre Magie und über die jeweiligen Figuren des Point of View. Meines Erachtens war der häufige Perspektivwechsel in Kombination mit den wenigen Informationen über das Weltensetting und die Academy einfach zu unübersichtlich, zu unstrukturiert, zu sprunghaft und zu langweilig. Der Einstieg war daher für mich schwierig und langatmig. Ich musste mich wirklich motivieren, weiterzulesen… Doch auch meine Hoffnung, dass sich im Verlauf der Geschichte mehr erklären würde zur Weltengestaltung, dem System der Magie und der Academystruktur, wurden im Keim erstickt. Was genau ist denn nun „Schattenmagie“? Und wieso funktioniert der Äther wie eine Venusfliegenfalle, in die sich Seelen verirren?
Auch die Figuren konnten mich so gar nicht überzeugen. Der Einzige, der ein wenig meiner Sympathie erlangen konnte, war Emilio, denn er scheint kein dunkles Geheimnis mit sich herumzutragen, so wie die anderen. Irene und August sind ehrgeizzerfressen, Wren und Masika scheinen etwas gemäßigter, aber dennoch unbedingt siegen zu wollen und für Olivier ist das Leben nach dem Tod eine Art Spiel. Alles erscheint eher wie eine Zwangsgemeinschaft mit mehr schlecht als recht funktionierenden Liebeleien. Es wirkte auf mich auch arg gestellt. Denn: Die sechs kennen sich teilweise schon jahrzehntelang und plötzlich lässt sich die große Liebe blicken? Passt für mich einfach gar nicht. Kommunikation findet innerhalb der Gruppe nicht statt, ihre Traumata werden weder angesprochen noch aufgearbeitet, was wiederum die zwischenmenschlichen Beziehungen enorm stört. Für mich einfach nur anstrengend!
Einzig das Thema dieser Geschichte konnte mich etwas abholen: Wer sind wir ohne unsere Erinnerungen? Definiert sich Menschlichkeit über Erinnerungen? Oder doch über unsere zwischenmenschlichen Beziehungen in Form von Freundschaften oder Liebesbeziehungen? Jede
r der sechs muss eine Antwort für sich selbst finden.

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